auf den ersten Blick wirkt der Vorschlag der Berliner Grünenführung für das Amt der Spitzenkandidatin ziemlich surreal: Nicht Wirtschaftssenatorin Ramona Pop soll es machen und auch nicht Fraktionschefin Antje Kapek, sondern Bettina Jarasch, eine weitgehend unbekannte frühere Landesvorsitzende, der die Partei zum Abschied vor knapp fünf Jahren nicht einmal die gewünschte Bundestagskandidatur gönnte.
Dass womöglich keine der beiden bekanntesten und erfahrensten Grünen-Politikerinnen kandidieren würde, hatte sich zwar seit ein paar Wochen wie ein Kriechstrom im Betrieb verbreitet. Doch das erhöhte nur die Erwartungen: Wenn weder Pop noch Kapek antreten würden, wer sollte dann bestehen gegen Franziska Giffey, die designierte Kandidatin der SPD? Wohl doch nur jemand aus der Bundesebene: Cem Özdemir? Der wohnt sogar in Kreuzberg. Annalena Baerbock? Als Brandenburgerin mit Arbeitsplatz Berlin prädestiniert für die vernachlässigten Interessen der Außenbezirke. Vielleicht eine Marke wie Monika Herrmann, die Bürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg. Claudia Roth als Knalleffekt. Renate Künast reloaded. Oder wenigstens Lisa Paus, Berliner Bundestagsabgeordnete. Aber doch nicht eine Kandidatin, bei der fast die ganze Stadt fragt: Bitte wer?
Tatsächlich aber haben die Grünen, und hier vor allem Pop und Kapek, ein Manöver eingeleitet, das die Briten als „Duck and Dive“ bezeichnen: Sie wollen auf der Stimmungswelle so unauffällig wie möglich bis ins Ziel surfen. Sowohl Pop als auch Kapek hätten das Gleichgewicht verlieren und vom Brett fallen können – beide bieten zu viel Angriffsfläche: die Wirtschaftssenatorin, den Realos zugerechnet, vor allem in der eigenen, links ausgerichteten Partei, die ihr Wirken misstrauisch bis ablehnend begleitet; die Fraktionsvorsitzende, dem linken Flügel angehörend, in weiten Teilen Berlins, wo nur wenig von der eher kompromisslosen, mehr auf die Innenstadt ausgerichtete Politik der Grünen gehalten wird.
Mit Blick auf mögliche neue Koalitionen wirkt Jarasch im Vergleich zu Pop und Kapek tatsächlich mehr wie die Brückenbauerin, die zu sein sie für sich in Anspruch nimmt – und das gilt auch in der eigenen Partei. So lässt sich zu den vier programmatischen Punkten, die Jarasch als ihre wohlgefälligen Ziele benennt (Verkehrswende und Klimaschutz, bezahlbare Wohnungen und lebendige Quartiere, Sicherung von Arbeitsplätzen und sozialökologische Transformation der Wirtschaft, Bündnisse für Demokratie) ein strategischer fünfter ergänzen: die Entpolarisierung als Mittel, ja: als Mitte zum Zweck. Demnach muss Jarasch gar nicht mit viel Krawall auf sich aufmerksam machen, im Gegenteil: Kein Hai, der ins Brett beißen könnte, soll mehr angelockt werden.
Dass es Pop und Kapek nicht ganz leichtgefallen ist, Platz zu machen, war ihnen bei der Präsentation der Überraschungskandidatin anzumerken – besonders immer dann, wenn Jaraschs tatsächlichen oder vermeintlichen Vorzüge hervorgehoben wurden: „eine, die anpacken kann“; „eine, die führen kann“; „eine, die nicht nur in der Partei wirken kann“. Und schließlich: „Die beste Aufstellung für diese Stadt.“ Als „ein Kunststück“ bezeichnete es Kapek am Ende sogar selbst, „die Individualinteressen zurückzustellen“, und Pop sprach etwas hilflos von „einer Akklamation“, was schon skurril wirkt für eine basisdemokratisch ausgerichtete Partei, der jetzt immerhin eins erspart bleibt: eine alles schwächende Kampfkandidatur.
Die anderen Parteien werden wenig persönliche Attackepunkte finden. Aber ein Nachteil lässt sich durch keine Sonnenblume verdecken: Jarasch hat absolut keine Regierungs- oder Verwaltungserfahrung, und das in einer Stadt, die an ihrer organisierten Unzuständigkeit leidet. Zuletzt war sie in ihrer Partei Sprecherin für Religionsfragen, und das jedenfalls passt – denn ein bisschen beten und dran glauben müssen sie bei den Grünen jetzt schon.
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Ihren Coup wollten sich die Grünen am Montag auf keinen Fall vermasseln lassen. Monatelang war darüber diskutiert worden, wer für die Partei bei der Wahl 2021 erstmals das Rote Rathaus erobern soll. Ramona Pop oder Antje Kapek? Kurz vor der Präsentation sickerte jedoch durch, dass weder die Wirtschaftssenatorin noch die Fraktionsvorsitzende Spitzenkandidatin wird. Den Namen der neuen Frontfrau wollte allerdings kein prominentes Parteimitglied bestätigen. Um 14 Uhr stand dann fest: Bettina Jarasch wird es machen.
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Was für ein Tag! Uns ist nicht nur eine Riesenüberraschung gelungen - ich bin auch sehr glücklich, dass wir mit @Bettina_Jarasch die beste Frau für #Berlin als #Spitzenkandidatin vorschlagen. Mit ihr schaffen wir ein #grünesrathaus & wuppen die Zukunft Berlins!#bettinafürberlin pic.twitter.com/gu2P2KR1oS
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Wenn @Bettina_Jarasch Spitzenkandidatin @gruene_berlin für #AGHW21 werden soll, kann ihr Mann Oliver Jarasch Abteilungsleiter „Aktuelle Magazine“ @rbb24
Beim RBB war diese Nachricht allerdings wohl nicht für alle überraschend. Denn der Ehemann der ausgebildeten Redakteurin, Oliver Jarasch, ist hier Abteilungsleiter „Aktuelle Magazine“ (Mittagsmagazin, Abendschau etc.) und bestimmt damit über die politische Berichterstattung des Senders entscheidend mit. Kann Jarasch diesen Job, bei dem er gelegentlich auch in den Tagesthemen kommentiert, behalten, wenn seine Frau im kommenden Jahr um den Einzug ins Rote Rathaus kämpft? Die Debatte startete bei Twitter bereits eine Stunde nach der Bekanntgabe.
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(Mittagsmagazin, Abendschau etc.) bleiben? Fand Konstellation - er kommentierte @tagesthemen - schwierig, jetzt erst recht. pic.twitter.com/qdW0IBectd
Ein Sprecher des Senders teilte dazu mit: „Wir werden dafür Sorge tragen, dass es nicht zu Interessenkonflikten kommt. Wie das konkret aussieht, entscheiden wir in den nächsten Tagen.“
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SPD und CDU waren gestern wieder mal mehr mit akademischen Titeln beschäftigt als mit politischen.
Beginnen wir mit der CDU. Der Checkpoint hatte hier gestern die seltsame Professur des Reinickendorfer Bürgermeisterkandidaten Michael Wegner verfolgt – die rumänische Hochschule, an der er angeblich einen Lehrauftrag hat, konnte ihn nicht in ihren Aufzeichnungen finden. Wegner selbst, der den Titel „Prof.“ führt, sagte meinem Kollegen Gerd Appenzeller, er habe 2009 „eine Vereinbarung“ mit der Universität Pitesti über „Bildungsprojekte“ mit einer Laufzeit von fünf Jahren plus einem Jahr Verlängerung getroffen. Die Hochschule ist bei der vergeblichen Suche nach Wegner in ihren Akten zehn Jahre zurückgegangen. Laut Hochschulgesetz darf der Professorentitel nur geführt werden, wenn eine Lehrtätigkeit nicht länger als zwei Semester unterbrochen wird.
Der Titelmissbrauchsexperte Manuel Theisen sagte meiner Kollegin Amory Burchard, der Verdacht liege nahe, „dass es sich um einen gekauften Titel handelt“: Gegen rund 20.000 Euro seien solche Hochschulen bereit, Verleihungsurkunden auszustellen – ohne wissenschaftliche Gegenleistung. Dazu ein Blick auf die Website der Wissenschaftsverwaltung: „Wer einen käuflich erworbenen Hochschulgrad führt, kann gemäß § 132a StGB mit einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft werden.“ Der 62 Jahre alte Wegner soll am Wochenende offiziell als Bürgermeisterkandidat der CDU Reinickendorf gewählt werden – ihm fehlt nach sieben Jahren als Stadtrat nur noch ein weiteres Jahr für seinen Pensionsanspruch. Mehr Infos über die Affäre gibt es am Mittwoch im „Leute“-Newsletter von Gerd Appenzeller.
Zur SPD: Ein bislang geheim gehaltenes Gutachten der FU offenbart das Ausmaß der Zitierfehler in der Doktorarbeit von Franziska Giffey – an 27 Textstellen übernahm die designierte Bürgermeisterkandidatin ohne Quellenangaben die Leistung anderer Autoren. Veröffentlicht hat den Bericht jetzt die Studierendenvertretung auf der Seite „Frag den Staat“. Aus dem Gutachten: „Im Gremium bestand Konsens darüber, dass diese 27 Textstellen den Tatbestand der objektiven Täuschung erfüllen.“ Dennoch beließ es die FU bei einer Sanktion, die es gar nicht gibt – einer Rüge. Die FU hat zu dieser Entscheidung jetzt ein weiteres Gutachten bei Ulrich Battis in Auftrag gegeben – und der Asta fordert das Präsidium schon mal auf, Giffey den Titel zu entziehen. „RegBM Berlin“ wäre ja auch ein adäquater Ersatz.
Berliner Schnuppen
Telegramm
Die Corona-Fallzahlen steigen in Berlin derzeit rasant. Das öffentliche Leben könnte deshalb weiter eingeschränkt werden. Bereits gestern hat Schleswig-Holstein auf das Corona-Geschehen in Berlin reagiert und heute berät der Senat über neue Maßnahmen. Auf welches Vorgehen sich der Senat einigen könnte, lesen Sie hier in unserer Übersicht über alle Corona-Nachrichten vom vergangenen Montag:
1. Der selbsternannte Corona-Zollverein Schleswig-Holstein setzt auf seine schwarze Einreiseliste Berliner Bezirke, die es so seit fast 20 Jahren gar nicht mehr gibt („Tempelhof“, „Friedrichshain“) - und besser lässt sich die Kleinstaaterei ohne Sinn und Verstand kaum dokumentieren (hier zu sehen). Erst nach einem Anruf meines Kollegen Ingo Salmen im Ministerium wurde das korrigiert. Die Landesregierung in Kiel hat inzwischen vier Bezirke im Zentrum - Friedrichshain-Kreuzberg, Mitte, Neukölln und Tempelhof-Schöneberg - als Risikogebiet im Inland ausgewiesen, nachdem dort der Schwellenwert überschritten worden war.
2. Der Regierende Bürgermeister will sich beim RKI dafür einsetzen, dass Berlin künftig „als eine Gemeinde“ in der Infektionsstatistik betrachtet wird (Q: Senatskanzlei) – aber auch als Gemeinde marschiert Berlin stramm auf die 50er-Grenze zu (gestern Abend 41,5). Neukölln schoss sogar auf 87,6 Neuinfizierten pro 100.000 Einwohner hoch (7-Tage-Inzidenz). Auf den weiteren Plätzen: Friedrichshain-Kreuzberg (58,0), Mitte (57) und Tempelhof-Schöneberg (53,6).
3. Die Staatssekretärsrunde lehnte gestern die Einführung einer 10-qm-Fläche pro Person bei privaten Feiern ab (offiziell laut Protokoll: „wird skeptisch gesehen“). Und: „Gleiches gilt für die Umsetzung eines vorgeschlagenen nächtlichen Ausschank- und Verkaufsverbots von alkoholischen Getränken.“
4. Der Chef der Senatskanzlei brachte eine verbindliche Schließzeit gastronomischer Einrichtungen von 23 bis 6 Uhr ins Gespräch. Für die heutige Senatssitzung soll dazu Staatssekretärin Barbara König „einen entsprechend ausformulierten und abgewogen begründeten Textvorschlag“ erarbeiten.
5. Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci sagte dem Checkpoint gestern am späten Abend: „Das Nachtleben ist ein großes Problem. Die steigenden Zahlen zwingen uns dazu, schnell zu handeln – wir müssen gezielt vorgehen und Verschärfungen beschließen, und das werden wir auch tun. Der Druck ist zu groß.“
6. Gesundheitsminister Spahn rief die Menschen dazu auf, sich stärker an die Corona-Regeln zu halten - es sollten keine Partys veranstaltet werden, „so wie wir es am Wochenende in Berlin gesehen haben“. Spahn forderte zudem schärfere Kontrollen.
7. Spandaus Gesundheitsstadtrat Frank Bewig ist an Covid-19 erkrankt - gemeinsam mit anderen Bezirkspolitikern, darunter Bürgermeister Helmut Kleebank und Amtsärztin Gudrun Widders, hatte er ein Seminar in einem Hotel besucht. Alle Teilnehmer sowie weitere Stadträte haben sich ins Homeoffice zurückgezogen
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DRIVE. Volkswagen Group Forum bietet ID.3 Probefahrten an
Aber jetzt steht im DRIVE der Volkswagen ID.3 für Probefahrten bereit. Damit können Sie sich selbst ein Bild vom ersten vollelektrisch angetriebenen Fahrzeug der ID. Familie machen. Ein Experte erläutert, worauf es beim elektrischen Fahren ankommt und begleitet bei einer Testfahrt. Anmeldungen über event@drive-volkswagen-group.com, Tel.: 030 2092 1300 und direkt im DRIVE. Weitere Infos finden Sie hier.
Am Kottbusser Tor nimmt die Gewaltkriminalität nicht nur spürbar zu, sondern auch statistisch – und das gilt ebenso für Eigentumsdelikte. In einer Klasse schneidet der Kreuzberger Klassiker allerdings absolut vorbildlich ab: Unter „Villeneinbruch“ vermerkt die Innenverwaltung hier für jeden einzelnen Monat eine glatte „0“. (Q: Anfrage Altug, Lux)
Die grüne Autoverkehrsverwaltung revidiert ihre Rennbahnpläne für die Mühlendammbrücke: Jetzt soll es vor dem Realisierungswettbewerb doch noch eine Bürgerbeteiligung geben. SPD-Baustadtrat Ephraim Gothe hatte sich dafür stark gemacht – er plädiert hier für weniger Pkw-Spuren als geplant.

Das Projekt @wasihrnichtseht macht Rassismuserfahrungen von Schwarzen sichtbar. Wir machen das durch eine Kooperation an dieser Stelle auch.
Peinliche Panne im Innenausschuss (mindestens das): Bei der Besprechung zu den mutmaßlich rechtradikalen Anschlägen von Neukölln wurde Geheimhaltung verhängt – aber per Livestream lief die Übertragung weiter.
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Was ist das Gute an München? Italien liegt so nah. An Hamburg? Schnell an der Küste. An Frankfurt am Main? Die Luftbrücke zur Welt. Also in allen diesen Fällen: gut zum schnellen Weglaufen. Und an Berlin? „Berlin ist die beste Stadt zum Laufen“, hat eine Studie festgestellt (hier nachzulesen), und das ist natürlich die perfekte Überleitung für den Hinweis auf unsere Checkpoint-Laufgruppe: Am Sonnabend um 11 Uhr steht das Techniktraining mit SCC-Events-Laufcoach Nathalie auf dem Programm. Treffpunkt: Schöneberger Hauptstraße 87, dann geht’s gemeinsam auf die Tartanbahn. Auch Neuläufer sind herzlich willkommen
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Ein kurzer Berlin-Blick in die internationale Presse:
„I hope you become a taste of Berlin“, ruft der Regiermeister den Hauptstadtinteressierten in Los Angeles zu, „I become a beefsteak“ der Germane in Großbritannien dem Kellner. Der „Guardian“ aber schreibt: „The wurst is over“ – Berliners become veggie.
Die „New York Times“ hat sich zum Einheitstag den alten deutsch-deutschen Grenzverlauf angeschaut und stellt überrascht fest: Seit dem Fall der Mauer ist das ja hier „eine grüne Oase“ geworden – ganz unpolitisch gemeint, natürlich.
Und die „Washington Post“ macht eine Zwischenlandung am BER – Sie berichtet ihren Leserinnen und Lesern, was dieser Flughafen, der lange kein Flughafen wurde, nach Auffassung von FBB-Chef Engelbert Lütke Daldrup aus Berlin gemacht hat: „a laughing stock“, eine Zielscheibe des Spotts.
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Kein Kommentar.“
Der Leiter des „Rewe“-Marktes an der Lausanner Straße in Lichterfelde zu dem Umstand, dass im Kassenbereich am Plexiglas sichtbar Schilder von Masken-Verweigerern angebracht waren – mit Wissen der Angestellten.
Tweet des Tages
Kein Witz: Der 187er hält direkt vorm Haupteingang der JVA Moabit.
Antwort d. Red.: Und falls Sie den Witz daran nicht verstehen sollten, hilft Ihnen sicher das hier weiter.
Stadtleben
Essen & Trinken – Im Chaparro Berlin dreht sich alles um Mais, Bohnen und Chilis. Eine besondere Version der Tacos ist gefüllt mit Nopales, mit Kaktusblättern – in der mexikanischen Mythologie bekannt als Pflanze des Lebens. Genießen lassen sie sich am besten mit selbstgemachten Aguas frescas oder eiskalten Margaritas. Neben Restaurants im Bikinihaus und Kreuzberg, kommt die mexikanische Küche auch zu Ihnen nach Hause: Einfach reservieren und abholen! Wiener Straße 14A, U-Bhf Görlitzer Bahnhof, Öffnungszeiten finden Sie hier.
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Tagesspiegel-Reihe „Digital auf Nummer sicher!“ Online Sicherheit im New Normal?! Online-Event | 8.10.2020 | 11:15 - 12:15 Uhr
Homeoffice, Videokonferenzen, flexibles Arbeiten - die Pandemie hat der digitalen Transformation neuen Schub verliehen. Doch wie ist es um die Online Sicherheit im New Normal bestellt? Darüber diskutieren Arne Schönbohm (BSI), Tabea Rößner MdB (Bündnis90/Die Grünen), Stephan Micklitz (Google Germany GmbH), Dr.-Ing. Alexander Wolf (TÜV SÜD AG). Diskutieren Sie mit: www.digitalaufnummersicher.de
Berlinbesuch – Die U-Bahn wurde 1902 als Hoch- und Untergrundbahn eröffnet und besitzt heute 173 Bahnhöfe: Einer davon ist der Bahnhof Gesundbrunnen. 39 Stufen führen dort nach unten zu einer versteckten grünen Tür, zu zwei Zwischenebenen. Momentan werden diese Ebenen für eine Geschichtsausstellung genutzt. „Mythos Germania“ beleuchtet Berliner Architektur und Städtebau zur NS-Zeit und analysiert die ideologischen Zielsetzungen. Einlass gibt's für 6/7 Euro. 11-17 Uhr, Badstraße / Ecke Behmstraße, Mitte, S-/U-Bhf Gesundbrunnen.
Geschenk – Noch nicht genug von Tacos? Tacopedia (25 Euro) ist das Nachschlagewerk für alle Bildungshungrigen und Küchenchefs. Neben 100 Rezepten, Interviews und Illustrationen, informiert das Kochbuch rund um die Geschichte und Kultur der Tortillas, Salsas and Saucen. Zu bestellen hier.
Noch Hingehen – Nach Venedig fahren ginge sowieso nicht – und hier ist es genauso schön, vor allem auf der Berlin-Biennale. Im Epilog, der noch bis Ende des Monats läuft, werden Zerbrechlichkeit, Solidarität und Widerstand reflektiert. An insgesamt vier Orten, wie dem Gropius Bau oder dem KW Institute for Contemporary Art, kann man den Abschluss einer der wichtigsten Ausstellungsreihen für moderne Kunst bewundern. Wer am Donnerstag noch nichts vor hat: Wir verlosen 1x2 Pässe für alle vier Ausstellungsorte. Einfach den roten Knopf drücken und Glück haben.
Last-Minute-Tickets I – (Ein Tipp von Jörg Wunder) „Ein geschwätziges, von Kunstgewerbe angekränkeltes, synthetisches Stück Kino“ – so harsch wie das Wiener Szenemagazin „Falter“ urteilten nur wenige 1987 über Wim Wenders „Der Himmel über Berlin“, auch wenn die Pathosdruckbetankung in Bild und vor allem Wort grenzwertig war. Doch nicht nur in der Dauermelancholie der späten Mauerstadt fiel Wenders‘ poetische Verklärung des genius loci auf fruchtbaren Boden. Der Film wurde einer der wenigen Welterfolge des BRD-Kinos. Das Hollywood-Remake „Stadt der Engel“ (1998) ist übrigens noch unerträglicher als Wenders misslungene Fortsetzung „In weiter Ferne, so nah!“. Lieber beim Original bleiben. Babylon Mitte, 17.30 Uhr, Karten für 8 Euro gibt es hier. Rosa-Luxemburg-Straße 30, U-Bhf Rosa-Luxemburg-Platz
Last-Minute-Tickets II – „We are the Champions“, „Bohemian Rhapsody“ und „Don´t Stop me now“ kennen Sie alle. Der Admiralspalast veranstaltet heute Abend eine Hommage an Freddie Mercury. Um 20 Uhr übernimmt Sänger und Performer Harry Rose die Rolle des Freddies und versetzt Sie mit „God Save The Queen!“ zurück in die 70er. Karten gibt es ab 47 Euro, telefonisch oder online. Friedrichstraße, S-/U-Bhf Friedrichstraße
Berlin heute
Verkehr – Regionalverkehr – Karower Kreuz (Pankow): Die RB24 wird zwischen Ostkreuz und Bernau umgeleitet. Die Halte in Berlin-Lichtenberg und Berlin-Hohenschönhausen entfallen (bis Frühjahr 2021).
Tempelhofer Damm (Tempelhof): Stadteinwärts zwischen Albrechtstraße und Götzstraße gesperrt (8-8.30 Uhr).
Torstraße (Mitte): Richtung Mollstraße steht in Höhe Rosenthaler Platz nur ein Fahrstreifen zur Verfügung. Das Linksabbiegen in die Brunnenstraße ist nicht möglich. Eine Umleitung für den Radverkehr ist über Linienstraße eingerichtet (bis Ende April 2021).
Stromstraße (Moabit): Richtung Wedding ist zwischen Turmstraße und Perleberger Straße nur ein Fahrstreifen verfügbar (6-18 Uhr).
Gartenfelder Straße (Siemensstadt): In Höhe der Tegeler Brücke über den Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanal regelt einen Baustellenampel den Verkehr (bis Mitte Oktober).
A113 (Schönefeld-Zubringer): Die Autobahn wird stadtauswärts zwischen AS Adlershof und AS Schönefeld gesperrt (21-5 Uhr). Ab 24 Uhr wird die Sperrung bis zur AS Späthstraße ausgeweitet.
A100 (Stadtring): Richtung Wedding in Höhe Kreuz Schöneberg steht nur ein Fahrstreifen zur Verfügung (22-5 Uhr). In der folgenden Nacht ist die Fahrtrichtung Neukölln betroffen.
Demonstrationen – Zu einer Demo mit dem Titel „Forderung nach kurzfristiger Einrichtung von Radwegen auf dem Tempelhofer Damm“ versammeln sich von 8-8.30 Uhr ca. 70 Teilnehmende vor dem Rathaus Tempelhof, angemeldet durch den Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club e. V. „Milieuschutz und Durchsetzung des Vorkaufsrechts für unsere Häuser“ fordern ca. 40 Teilnehmende von 9-10.30 Uhr auf der Rathausstraße 15. Von 9-11 Uhr findet eine „öffentliche Pressekonferenz vor der Liebig 34“ (Liebigstraße 34) mit 50 Teilnehmenden statt. „Gegen Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen“ protestieren ca. 30 Demonstranten von 10-11.30 Uhr in der Wienerstraße 20. Im Invalidenpark findet von 11.45-13 Uhr eine „Aktion anlässlich der Einkommensrunde mit Bund und Kommunen“ statt, angemeldet durch dbb Beamtenbund und Tarifunion (ca. 40 Teilnehmende). Eine gleiche Demonstration, mit Fokus auf dem Krankenhausbereich, startet um 13 Uhr für eine Stunde mit ca. 20 Teilnehmenden vor dem Haupteingang des Bundesministeriums für Gesundheit. „Schutz der Meinungs- und Pressefreiheit – Freiheit für Julian Assange!“ lautet das Motto der Kundgebung vor der Konrad-Adenauer-Straße 1 (12-18 Uhr, ca. 50 Teilnehmende). Unter dem Motto „Tierschutz: gegen Massentierhaltung“ versammeln sich von 17-19 Uhr ca. 25 Demonstranten an der Bodestraße auf der Friedrichsbrücke (angemeldet durch die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt). Der Aufzug „Niemand ist vergessen, Gedenken an Kurt Schneider“ erinnert an Schneider als Opfer der Neonazis. Gestartet wird um 17 Uhr auf dem Platz vor dem Rathaus Lichtenberg, der Zug endet um 20 Uhr in der Rudolf-Reusch-Straße (ca. 50 Teilnehmende).
Gericht – Im Fall des tödlichen Autorennens auf dem Ku’damm, bei dem im Februar 2016 ein unbeteiligter Jeepfahrer ums Leben gekommen ist, wird der Prozess gegen einen der beiden Raser neu aufgerollt. Die Verurteilung des 28-Jährigen wegen Mordes hatte der Bundesgerichtshof (BGH) aufgehoben. Das Mord-Urteil gegen den zweiten Raser ist rechtskräftig (13.00 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal 217).
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Lewon Aronjan (38), Schachspieler / Oliver Bukowski (59), Bühnen- und Hörspielautor / „Dem allerliebsten und geliebtem Chumbaba ein wunderschönes neues Lebensjahr mit vielen tollen Einträgen ins Jahresbuch. Knutscha, Dein Mann“ / Ulf Fink (78), ehem. für die CDU im Bundestag / Joachim Lottmann (64), Schriftsteller / Sophia Thomalla (31), Schauspielerin / Nachträglich: Stephan Geist (55) „Alles Gute nachträglich zum Geburtstag von den anderen Geistern“ / Gisela Strobel (70), „ehemalige Mitverlegerin des vistas-Verlages. Dieter Weirich, Freund und Autor, gratuliert nachträglich herzlich.“
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Viktor Gorynia, * 18. Februar 1936 / Heinz Bernd „Hein“ Hartge, * 22. Dezember 1935 / Wolfgang Horth, * 15. Februar 1931 / Walther Joachim, * 18. Mai 2020, ehem. Schriftsteller / Gabriele Thieme-Duske, * 28. März 1942, ehem. für die SPD im Abgeordnetenhaus / Hermann Waterkotte, * 22. August 1956
Stolperstein – Efim Schachmeister (Jg. 1894) war ein bekannter Berliner Jazzmusiker. 1939 floh er über Marseilles nach Buenos Aires. Dort starb er heute vor 76 Jahren an Herzversagen. Zu seinem Gedenken liegt ein Stolperstein in der Hauptstraße 5 in Schöneberg.
Encore
Rechnungshofberichte sind immer ein Quell der unglaublichsten Geschichten – zum Schluss schauen wir uns heute eine aus Spandau an. Dort hatte das Bezirksamt den Verdacht, dass die Schulen zu oft (und damit zu teuer) gereinigt werden. Da sie hier aber den Grundkurs „Mathe mit dem Checkpoint“ verpasst haben, wurde freihändig ein Beratungsunternehmen engagiert. Und das stellte doch tatsächlich nach tiefgründiger Recherche fest: Wenn statt fünfmal in der Woche wie bisher nur dreimal durchgefeudelt wird, lässt sich Geld sparen. Wow… echt der Hammer! Darauf muss man auch erst mal kommen. Dem Bezirk war diese Erkenntnis allerdings 680.000 Euro wert. Schön blöd – wir hätten das für nur 670.000 Euro durchgerechnet.
Ich wünsche Ihnen einen nicht allzu berechenbaren Tag – ein paar Überraschungen dürfen schon sein (siehe oben). Zum Team Checkpoint gehörten heute auch Sophie Rosenfeld (Recherche, Stadtleben), Carlotta Cölln (Stadtleben) und Caspar Schwietering (Produktion). Morgen früh sortiert hier für Sie Anke Myrrhe das Beste aus Berlin – bis dahin,