wenn es um die Digitalisierung der Schulen geht, gibt sich der Senat fröhlich optimistisch – der Anschluss an die Neuzeit, so der verbreitete Eindruck, ist demnach nur noch einen Mausklick entfernt. Schließlich hatte Rot-Rot-Grün zum Start 2016 ja auch versprochen: „Die Koalition wird die IT-Infrastruktur der Schulen mit schnellen und leistungsfähigen Breitbandanschlüssen, WLAN für alle und einer zeitgemäßen Hard- und Software-Ausstattung ausbauen.“ (Koalitionsvertrag, S. 16)
Doch jetzt stellt sich durch Tagesspiegel-Recherchen heraus: Der Senat hat den Auftrag für den Anschluss der 700 allgemeinbildenden Schulen an das leistungsfähige Breitbandnetz noch nicht einmal vergeben. Und für alle, die das kaum glauben mögen, hier die Botschaft gleich nochmal im O-Ton des landeseigenen IT-Dienstleistungszentrums: „Das ITDZ Berlin wurde bisher nicht mit der Durchführung der Breitband-Anbindung der allgemeinbildenden Schulen beauftragt.“ Bisher. Nicht. Beauftragt.
Und da die Koalitionäre ja gerne darauf verweisen, dass es anderswo auch nicht besser sei als in Berlin, haben wir gestern gleich mal in Hamburg nachgefragt (Warnung für Herz-Kreislauf-Risikopatienten: die Antworten könnten Ihre Gesundheit gefährden):
1) Welche Behörde hat die Breitbandanbindung abgewickelt? „Es handelt sich um stadteigene Anschlüsse, die vom Dienstleister der Freien und Hansestadt Hamburg „Dataport AöR“ für die staatlich allgemeinbildenden Schulen realisiert wurden.“
2) In welchem Jahr wurde sie beauftragt? „Für die Umsetzung wurde im Januar 2008 ein Projekt durch die Behörde für Schule und Berufsbildung unter Beteiligung von Dataport und der Finanzbehörde eingesetzt.
3) Wann wurde der Prozess für das Gros der Schulen abgeschlossen? „Mit Abschluss des Projektes im September 2013 wurde das Ziel eines breitbandigen Anschlusses für die staatlichen allgemeinbildenden Schulen erreicht.“
Zurück nach Berlin, wo immer genug Zeit ist für eine Runde Behördenpingpong – hier das Digitalisierungs-Turnier („Großer Schulpreis“).
Aufschlag Grüne: Die Bildungsverwaltung soll „mehr Verantwortung übernehmen“.
Return Bildungsverwaltung: Das ITDZ ist der Innenverwaltung unterstellt, hat erst gar kein Ergebnis eines „Berichtsauftrages“ geliefert und dann ein nicht zufriedenstellendes.
Volley ITDZ: Siehe oben („bisher nicht beauftragt“).
Rückhand Schulen: Ohne Breitband und W-Lan können sie keine Endgeräte vom Geld aus dem Digitalpakt anschaffen. Ohne Endgeräte können sie keine zukunftsfähigen Medienkonzepte schreiben. Ohne Medienkonzepte können sie keine weiteren Mittel aus dem Digitalpakt beantragen.
Und weg ist das Bällchen.
Kleine Zugabe aus der Digitalhauptstadt des Universums? Ok, gerne: Das Kammergericht hat gerade entschieden, schwarz-weiß ausgedruckte Landgerichtsakten nicht mehr zu bearbeiten, wenn die elektronisch eingereichten Schriftsätze möglicherweise Farbbestandteile enthalten. Die „Zurückweisung“ soll dem Landgericht Gelegenheit geben, „vor Weiterbearbeitung der Sache ordnungsgemäße Papierakten zu produzieren.“ Es kommentiert Nina Hagen: „Du hast den Farbfilm vergessen, mein lieber Dirk.“ (AZ: 5 W 1031/20)
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„Ich freue mich auf unser neues Zuhause – mit ganz viel Natur.“
Neu im Verkauf: die BUWOG Lotsenhäuser in Grünau – das neue Zuhause für Familien. Großzügige Eigentumswohnungen mit 2-5 Zimmern in einem nachhaltigen Quartier. KfW-40-Standard (Niedrigstenergiehaus). Z.B. 5 Zimmer-Maisonette, ca. 136 m², 639.000 € ohne Provision direkt vom Bauträger.
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Gedrängel um die Pool-Position in der SPD: Nachdem Kevin Kühnert den Regierenden Bürgermeister mit einem schnittigen Fahrrad-Manöver von Tempelhof-Schöneberg nach Charlottenburg-Wilmersdorf abgedrängt hat, fährt ihm jetzt dort seine Staatssekretärin Sawsan Chebli an die Karre: Deren Abteilung (77, Kurfürstendamm) nominierte sie gestern als Direktkandidatin für den Bundestagswahlkreis – und zwar einstimmig. Es kommt also womöglich zu einer Kampfkandidatur – und in der Senatskanzlei sollte für die nächsten Wochen eine Helmpflicht eingeführt werden.
Winston Churchill („Ich traue keiner Statistik, die ich nicht selbst gefälscht habe“) hätte an der Berliner Koalition seine Freude – mit Bauantrags-, Baugenehmigungs- und Neubauzahlen wirbelt sie gekonnter herum als die Hütchenspieler vom Checkpoint Charlie (wo noch ewig nicht gebaut wird): Immer kommt das erwünschte Ergebnis heraus. Doch halten wir mal kurz den Fuß auf die Schachtel mit den Baugenehmigungen von Januar bis Juni, schauen nach, was wirklich drunter steckt… und siehe da: 72 weniger als im Vorjahreszeitraum (in dem es auch schon weniger waren als im Vorvorjahreszeitraum), und zwar 1753 zu 1825. Die Meldung „Erheblich mehr Baugenehmigungen in Berlin“, in der Koalition stolz bejubelt, ist also nicht nur von gestern, sondern auch noch falsch. Servicetipp: Auch wenn Genehmigungen vier Ecken haben, sind sie noch lange keine Wohnungen.
Die Werbekampagne der Berliner CDU ist so bekloppt, dass sie schon wieder gut ist (oder war’s andersherum?) – schauen Sie sich mal dieses Motiv hier an: „Berlin braucht bessere Schulen. Kann ja nicht jeder Politiker werden.“ Aber grafisch ergänzt wird der Spruch nicht etwa mit einem billigen Seitenhieb auf konkurrierende Politikerkarrieren ohne akademische Weihen, sondern mit der berühmtesten Raute der Welt, deren Trägerin es bekanntlich bis zum Doktortitel brachte („magna cum laude“) – wenn auch in einem Bildungssystem, das die CDU Berlin wiederum vehement ablehnt. Hat das alles einen Sinn? Na klar, aber nur einen: Wir reden drüber, auch weil andere Angebote aus Kai Wegners Gemischtwarenladen nur als Bückware erhältlich sind.
Ach so, Sie hatten vergessen, wozu Merkel 1978 promoviert hat? Bitteschön: „Untersuchung des Mechanismus von Zerfallsreaktionen mit einfachem Bindungsbruch und Berechnung ihrer Geschwindigkeitskonstanten auf der Grundlage quantenchemischer und statistischer Methoden.“ Tja, klingt wie eine visionäre Analyse der Berliner CDU von 2001 bis heute.
Berliner Schnuppen
Telegramm
„Senat vertagt Alkoholdebatte“ klingt als Meldung ziemlich beschwipst. Eine Prohibition, wie sie die Gesundheitssenatorin vorgeschlagen hat, wird es aber nicht geben – stattdessen striktere Corona-Kontrollen. Nüchtern betrachtet ist eine Bar ohne Bier ja auch nichts anderes als eine Senatssitzung ohne Politik.
Kalbitz-Claqueur Georg Pazderski (hier können Sie sehen, wie er den rechten Flügelstürmer bejubelt) hat die Berliner AfD-Fraktion nicht mehr im Griff: Seine Stellvertreterin Kristin Brinker, die gerade mit ihrer Anfrage zu den Nebenverdiensten der Senatsmitglieder Katrin Lompscher zu Fall brachte, trat jetzt mit sofortiger Wirkung zurück. Ihre Begründung: „Der Fraktionsvorstand hat ein erhebliches Problem im Umgang mit den Fraktionsfinanzen.“ Klingt nach Braungeldaffäre. Außerdem beklagt Brinker einen „fatalen Umgang mit Fraktionsmitarbeitern.“ Also alles so, wie wir das von einer zutiefst „bürgerlichen Partei“ (Eigenbeschreibung) erwartet haben. Es kommentiert Oberst Pazderski: „Ich bin zutiefst erschüttert.“
Und noch ein Rücktritt: Schrottimmobilienspekulant Thilo Peter hat nach den Reportagen von Checkpointer Julius Betschka über sein anstößiges Geschäftsgebaren seinen Vorstandsposten in der CDU Charlottenburg-Wilmersdorf geräumt. Seine Häuser hält er weiter rattenbesetzt.

Das Projekt @wasihrnichtseht macht Rassismuserfahrungen von Schwarzen sichtbar. Wir machen das durch eine Kooperation an dieser Stelle auch.
Der „Checkpoint-Battle of the Bezirke“ geht in die nächste Runde – Anlass diesmal: unsere unscheinbare Meldung über ein „junges, dynamisches Paar“, das für die Wohnungssuche eine eigene Website angelegt hat (CP von gestern, „Keine Kinder, keine Haustiere, kaum schlechte Angewohnheiten, Nichtraucher, keine Partys, keine lauten Hobbies außer lautes Lachen über die eigenen Witze“). Das Suchprofil birgt allerdings Sprengstoff, den erst Checkpoint-Pfarrer Viktor Weber entdeckte und schon kurz nach 8 Uhr veröffentlichte – denn da heißt es doch tatsächlich: „alles außer Spandau“. Der Aufschrei ließ nicht lange auf sich warten: „ICE-Bahnhof!“, „Havel!“, „Spree!“, „Klein Venedig!“, „Eiscafé Florida!“, „Ikea!“ und „Spandauer Forst!“ rief’s aus dem Wald, und ich würde auch den „Leute“-Newsletter von André Görke hinzufügen. Aber würde ich bei der Wohnungssuche überhaupt einen Ort ausschließen? Hm… Spandau sicher nicht (da ziehe ich gerne wieder hin, wenn ich alt bin) – aber vielleicht Prenzlauer Berg. Wer will schon nach Prenzlauer Berg? Ich jedenfalls nicht. Viel zu konformistisch. Oder gibt’s da doch noch lebenswerte Ecken? Und wo würden Sie nicht hinziehen wollen? Sachdienliche Hinweise bitte an checkpoint@tagesspiegel.de.
Apropos Spandau: Checkpoint-Leserin Hannah Erez-Hübner nominiert das Bürgeramt im Rathaus für die Tageswertung in der Rubrik „Amt, aber glücklich“: „Nach meiner Hochzeit benötige ich neue Papiere mit dem neuen Namen. Online war berlinweit bis September kein Termin zu finden. Also habe ich gestern Abend eine Mail ans Bürgeramt geschrieben, heute um 8 Uhr morgens hatte ich die Antwort: Mein Termin ist morgen Nachmittag. Toller Service!“
Dazu der Blick auf die Website zur Terminvereinbarung beim Bürgeramt (Stand heute früh): „Der Versand einer Terminbestätigung per eMail ist vorübergehend beeinträchtigt.“ Aber die haben doch wohl noch Schreibmaschinen, oder?
Apropos Pankow: Twitterkurzbericht von @andreasdotorg: „Elternabend im Prenzlauer Berg. Erste Klasse. Jean-Luc ist dreisprachig aufgewachsen. Und Pepe-Popo spielt Klavier und Gitarre. Alle Klischees sind wahr. Alle.“
Eine Armbandwerbung mit dem Holocaustmahnmal als Setting hatte es unbeanstandet ins Bordmagazin von Eurowings geschafft (hier zu sehen). Erst als Passagiere deswegen protestierten, reagierte das Unternehmen – die Reklame flog wieder raus.
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Zwölf Jahre nach der Schließung des Tempelhofer Flughafens stellt der Senat fest: „Der bauliche Zustand des über achtzig Jahre alten Gebäudes erfordert schnellstmögliche Baumaßnahmen.“ Aha. Frage an Berlinkenner: Was bedeutet „schnellstmöglich“? Dazu nochmal der Senat: „Die Sanierung und Herstellung der Betriebs- und Verkehrssicherheit wird schrittweise erfolgen und die nächsten 15 Jahre in Anspruch nehmen.“
Da stimmt doch was nicht, hatten wir bei der Ansicht des Bundesrats-Schaubilds in der Parlamentshistorischen Ausstellung des Bundestags festgestellt (hier im Bild) – aber was? Da ist einiges zu finden. Dargestellt werde auf den ersten Blick nur 14 Länder statt 16, weil je zwei Länder mit gleichfarbigen Koalitionen zusammengefasst sind. Allerdings entspricht das digitale (und damit leicht anpassbare) Bild auch nicht der aktuellen Zusammensetzung, im vergangenen Jahr gab es zwei Landtagswahlen, die neue Koalitionen brachten. Aber das ist noch nicht alles: Anders als sonst offiziell wurden hier im Detail andere Farben vergeben, so dass Bayern nicht (wie es richtig wäre) eine Koalition „CSU-Freie Wähler“ hat, sondern „CDU-AfD“. Und ein letzter Punkt für Feinschmecker: Die Farbreihenfolge von Schleswig-Holstein stimmt nicht – statt „Schwarz-Gelb-Grün“ hätte hier der Stärke der Fraktionen zufolge „Schwarz-Grün-Gelb“ angezeigt werden müssen. Unter den vielen Eisendungen haben wir gelost: Der Checkpoint-Checkpott geht an Bernd Scholz – herzlichen Glückwunsch.
Neues aus Müllhausen: Kaum hatten wir über die zugewucherten Radwege rund um die Fontanepromenade berichtet, wurde an der Urbanstraße schon mal alles freigeholzt. Weitere Meldungen über verwahrloste Ecken Berlins nehmen wir unter checkpoint@tagesspiegel.de entgegen, über Zustände, Zuständige und Fortschritte berichten wir in Wort und Bild auch auf unserem Twitterkanal @TspCheckpoint.
Wegen der Trockenheit sollen die Leute Straßenbäume gießen, aber dann… gehen die Pumpen nicht. Beispiel Pankow, Breite Straße, Pumpe Nr. 12: jahrelang sprudelnd im Dienst, im Frühjahr erst gestrichen und gewartet, und jetzt – trocken. Der Schwengel schwengelt ins Leere. Aber warum? Der Checkpoint fragte gestern nach, hier die Antwort des Grünflächenamts:
Von den 117 Straßenbrunnen in Pankow „funktionieren leider nur selten wirklich 100 Prozent, weil die Pumpen recht leicht versanden.“ Für Nr. 12 ist bisher nur ein kaputter Frosthahn gemeldet, aber: „Bei Pumpen, die nicht regelmäßig in Gebrauch sind, kann es teilweise etwas dauern, bis dann wieder Wasser kommt – in Extremfällen bis zu 20 Minuten, aber auch in nicht ganz so extremen Fällen doch zumindest so lange, dass jemand, der nicht vertraut mit der Systematik der Pumpen ist, sie für defekt halten könnte.“ Checkpoint-Tipp: Kündigen Sie Ihrem Fitness-Studio, werden Sie Berliner Brunnenpumper.
„Jede Räumung hat ihren Preis“, steht auf eingeworfenen Schaufensterscheiben am Hansaplatz. Dieses filigrane Argument wird den SPD-Abgeordneten Thomas Isenberg, dessen Wahlkreisbüro es traf, sicher überzeugen.
Nichts kann sie stoppen: Auf flimmerndem Flughafen-Asphalt flitzte die Checkpoint-Laufgruppe vergangenen Sonnabend übers Tempelhofer Feld. Diese Woche steht wieder Techniktraining mit SCC-Coach Nathalie Baron auf dem Plan. Los geht’s am Sonnabend den 15. August um 9 Uhr in der Schöneberger Hauptstraße 87. Vom Laufanfänger bis zum Profi sind alle herzlich willkommen (und die Teilnahme ist wie immer für Sie kostenlos).
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Berlin hilft Beirut – und das mit einer super Idee von Tobias Scholz und Benjamin Günther. Sie bieten heute von 11:30 bis 22:00 Uhr aus dem Fenster ihrer Erdgeschosswohnung in der Sickingenstraße 56a (Ecke Ufnaustraße) indisches Curry sowie Streetfood-Spezialitäten für eine empfohlene Spende von 10 Euro an – den Erlös spenden sie vollständig an die Soforthilfe des Deutschen Roten Kreuzes (weitere Infos hier). Team Checkpoint wünscht guten und vor allem viel Appetit!
Wer sucht was heißt unsere neue Aktion – die Regeln sind klar: Sie schreiben, wer Sie sind und wen oder was Sie suchen, und wir suchen für Sie mit. Anschließend berichten Sie, wie es war (immer sonnabends im Checkpoint). In den vergangenen Tagen haben wir erstmal gesammelt und gesichtet, aber heute geht’s los:
„Ich bin... Marion Geisler, 70 Jahre, Rentnerin, aktiv. Ich suche... für unser politisches (Alters-)Theaterprojekt eine Choreografin oder einen Choreografen für Dancing Queens. Kein Seniorentanz, kein Bauchtanz – wir sind mit Disco groß geworden und wollen damit alt werden!“
Na dann mal los – wenn Sie sich angesprochen fühlen oder jemanden kennen (der jemanden kennt), schreiben Sie uns an checkpoint@tagesspiegel.de. Und falls Sie selbst suchen: nur zu! Ich bin… Ich suche…
Nachtrag zur Meldung „Kombibad Pankow“ (CP von gestern) – die Sportverwaltung hat den Eröffnungstermin „irgendwann“ konkretisiert: Ende 2025 soll es fertig sein. Na, das rechnen wir doch mal kurz konkret, 2025 x Berlin… also da dürfte Robert Ide, der hier gestern der Sonnentribüne und dem Zehnmeter-Turm aus seiner Kindheit nachtrauerte, bereits im Besitz einer Seniorenkarte sein.
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Umfragen haben ergeben, dass in Berlin das Mittagsmagazin für das Morgenmagazin gehalten wird.“
Der „rbb-Zuschauerbeauftragte“ Kurt Krömer kennt die hiesigen Gewohnheiten – mich irritiert allerdings, dass es immer mehr Cafés gibt, in denen ab 15 Uhr kein Frühstück mehr serviert wird. Es kommentiert der frühere Kulturstaatssekretär Tim Renner: „Berlin will vernünftig werden.“ Auf den Schreck erstmal einen Berliner (hier im Bild).
Tweet des Tages
Kommt wieder wenn ihr, Kommasetzung beherrscht
Stadtleben
Letzte Lesereise – Ihre Welt sind (Land-)Karten: Regine Kiepert führt die traditionsreiche Buchhandlung Schropp in Charlottenburg und nimmt uns heute zum Ende unserer Lesereisen noch einmal mit auf einen ungewöhnlichen Roadtrip: „‚Die Erfahrung der Welt‘ (Lenos Verlag) ist ein poetischer Reisebericht aus den Jahren 1953/54. Der Schweizer Schriftsteller Nicolas Bouvier unternahm mit 24 Jahren zusammen mit seinem Freund, dem Zeichner Thierry Vernet, seine erste große Reise. Mit einem klapprigen Fiat Topolino fuhren sie in gemächlichem Tempo von Genf aus über Jugoslawien, die Türkei, Persien, Pakistan bis nach Afghanistan. Diese Reise galt Mitte der Fünfziger noch als wahres Abenteuer ins Unbekannte und Fremde. Bouvier beschreibt detailliert und humorvoll seine Eindrücke und Erlebnisse von und in Lebensräumen, die damals und erst recht heute, altertümlich und bizarr anmuten.“ Wer dabei sein möchte: Wir verlosen ein Exemplar (bis 12 Uhr).
Urlaub ganz nah – Geschichten aus 1001 Nacht erzählen dieser Tage auch die vielen Sternschnuppen, die vom Himmel sausen. Die Erde fliegt durch kosmischen Staub, den der Schweif des Kometen Swift-Tuttle hinterlassen hat, als er die Sonne umkreiste. In dieser Nacht fallen bis zu 100 Schnuppen in der Stunde vom Himmel, am besten vor Mitternacht oder morgens zwischen 3 und 4 Uhr zu beobachten. Also schnell noch einen Platz auf einer Dachterrasse reservieren oder nach Gülpe in den Sternenpark Westhavelland fahren, wo die Lichtverschmutzung landesweit am geringsten ist. Wer schon tagsüber hoch hinaus will, findet im Baumkronenpfad Beelitz luftige Höhe und am Abend einen erhöhten Ausblick ins Firmament. Zusätzlich zu den verlängerten Öffnungszeiten (bis 24 Uhr) finden Taschenlampenführungen durch Chirurgie und Alpenhaus der ehemaligen Heilstätten statt. Tickets für 12,50 Euro (exkl. Führung) gibt es nur vor Ort. Die nächste Lange Nacht steht am Samstag an, Infos finden Sie hier.
Essen – Der Gedanke, bei dieser Hitze den Backofen anzuschmeißen, erscheint zwar etwas gaga, dennoch können wir nicht anders als auf dieses wunderbare Himbeerkuchenrezept hinzuweisen, das Genuss-Kollegin Susanne Leimstoll rausgesucht hat. Das Tolle daran: es besteht nur aus Früchten (besonders lecker mit Himbeeren) und Streuseln – ganz nach unserem Geschmack. Frische Beeren finden Sie noch den ganzen August über in einem der Berliner Beerengärten zum Selberpflücken – in Gatow lockt direkt nebenan die Kleine Badewiese mit einer Gelegenheit zur Abkühlung.

Trinken – Spätestens seit Concierge Coffee ein ehemaliges Pförtnerhäuschen zum kreativen Koffeinausschank umfunktioniert hat, sind die kleinen Logen Anlaufstelle für hippe Genießende. Letzten Sommer wurde ein solches Kleinod auch in der Schlesischen Straße 26 wiederbelebt: Anne Schranke (der Name ist Programm) schenkt tagsüber Hafermilch-Eiskaffee und abends unkomplizierte Highballs à la Grasovka-Apfelsaft und Pastis mit Bitter Lemon im angrenzenden Biergarten aus. „Aperol Spritz ist allerdings auch bei uns ein Riesenthema“, verrät Keeper Carsten Lißmann, der wesentlich freundlicher ist als die Türsteher im Birgit & Bier vis-à-vis. Lange Schlangen sind hier ebenfalls selten, dafür fallen manchmal Sterne vom Himmel. U-Bhf Schlesisches Tor, bei schönem Wetter geöffnet Mi-Sa 15-24 Uhr (Foto: Carsten Lißmann)
Neu in Mitte – Eigentlich wollten Lode van Zuylen und Stijn Remi ihr zweites Lokal bereits im April eröffnen, coronabedingt war es gestern soweit: Das Remiim Erdgeschoss des Suhrkamp Verlagshauses in der Torstraße 48 ergänzt das erfolgreiche Lode & Stijn in Kreuzberg, wobei es in Mitte schon mit Lunch losgeht und nicht erst mit Fine Dining am Abend. Inspiriert von den „Grand Cafés“ ihrer niederländischen Heimat sollen die Gäste im Remi Makrele mit Kohlrabisalat und Gazpacho mit marinierten Gurken schon tagsüber genießen können. Um den hohen Räumen mit den großen Fensterfronten Mitte-mäßiges Lebensgefühl einzuhauchen, standen Ester Bruzkus Architekten Pate. Ein neuer All-day-long-Spot mit Ambitionen am Rosa-Luxemburg-Platz. Di-Sa 12-22 Uhr (Lunch 12-15 Uhr, Dinner 18-22 Uhr)
Noch hingehen – Die Ausstellung „John Heartfield – Fotografie plus Dynamit“ zeigt noch bis zum 23. August bisher nicht publizierte Interviews, Filmsequenzen und Theaterdokumentationen des Künstlers. Mit politischen Fotomontagen kämpfte er gegen den Nationalsozialismus. Stücke aus der Grafik- und Ostasiatika-Sammlung zeigen sein internationales Bezugsfeld und sind Inspirationsquelle des Exilanten. Akademie der Künste am Pariser Platz 4, Di-So 11-19 Uhr, Tickets: 5/10 Euro.
Last-Minute-Tickets – Eines der kiezigsten Kinos Berlins sind die Tilsiter Lichtspiele in Friedrichshain (Richard-Sorge-Straße 25). Selbst ohne Corona-Regeln bietet der kleinere der beiden „Säle“ nur 26 Personen Platz. Aber da das Programm ein großes Herz für die cineastische Nische hat, stehen die Chancen gut, auch kurzfristig an Karten zu kommen. Etwa für den aufwühlenden Dokumentarfilm „Sea of Shadows – Der Kampf um das Kokain des Meeres“ (2020, OmU), der spannend wie ein Thriller ist: Unter hohem persönlichen Risiko decken die Beteiligten kriminelle Machenschaften vor der Pazifikküste Mexikos auf, die zur Zerstörung eines einzigartigen Biotops und zum Aussterben einer nur dort lebenden Schweinswalart zu führen drohen. Los geht‘s um 19 Uhr, Tickets kosten 5 Euro.
Last-Minute-Verlosung – „Sind wir nicht alle ein bisschen Rosamunde Pilcher?“ Fragen sich – zu Recht – Kaiser & Plain im BKA, wo heute um 20 Uhr ihre neues Programm Premiere feiert (weitere Vorstellungen bis Samstag). Motto: „Wir haben auch Gefühle“! Ganz gewaltige sogar, ganze Achterbahnfahrten. Ohne geplante Handlung erzählen sie Alltagsgeschichten und beziehen das Publikum mit ein. So wird seit fünf Jahren jeder Abend anders. Wir haben das Gefühl, Sie sollten bei unserer Verlosung mitmachen und sich 2x2 Premierenplätze in der klimatisierten Kabarettanstalt sichern. Taschentücher nicht vergessen!
Karten sichern – Berlin is not Bregenz, und gerade deswegen lieben wir die leichte Muse ebenso wie die klassische Oper. Am 21. und 22. August ist es wieder so weit: Die Freie Musik- und Theaterszene präsentiert im Strandbad Plötzensee Wagners Wasseropern „Lohengrin“ sowie „Tristan und Isolde“ wie man sie noch nie – schon gar nicht in Bregenz – gesehen hat. Auf jeden Fall mit glanz&krawall und einem Engagement für die Seebrücke Berlin. Tickets für 18 Euro gibt es hier.
Insel-Check
Team Checkpoint hat die Segel gehisst und alle Berliner Inseln besucht – es sind mehr als 50. An dieser Stelle und auf Instagram stellen wir Ihnen täglich eine davon vor. Und oben drauf gibt’s unser Inselquartett – zum Ausschneiden für lange Autofahrten in den Ferien und Sommer-Sehnsucht im Winter.
Die winzige Insel Schilfwall ergibt sich aus einer Gabelung der Müggelspree nahe dem alten Fischerdorf Rahnsdorf, wo im Auftrag der BVG die Ruderfähre „Paule III“ – offiziell im Stundentakt, inoffiziell auch auf Zuruf – zum Kurzstreckentarif pendelt und der Müggelseefischer seine Ware verkauft. Außerdem gibt es am Schilfwall einen Kanuverein mit Bootsvermietung. Das Erstaunlichste an dieser Insel dürfte aber sein, dass unser Lieblingswildtierexperte Derk Ehlert dort kein besonderes Tier kennt. Das passiert statistisch gesehen nur etwa einmal im Leben.
Text: Stefan Jacobs
Berlin heute
Verkehr – Landsberger Allee (Marzahn): Bis vsl. 2. Oktober 2020 ist zwischen Prötzeler Ring und Zossener Straße stadtauswärts nur eine Fahrspur frei.
Adlershof: Auf dem Adlergestell stadtauswärts vor der Kreuzung Glienicker Weg sind zwischen 10 und 13 Uhr zwei Fahrstreifen für Baugrunduntersuchungen gesperrt.
A113 (Schönefeld-Zubringer): Aufgrund von Wartungsarbeiten wird die Autobahn stadteinwärts nachts zwischen Schönefeld-Nord und Stubenrauchstraße gesperrt (21-5 Uhr).
Kreuzberg: Wegen einer Demonstration (siehe unten) auf der Oranienstraße sind beide Richtungen zwischen Heinrichplatz und Adalbertstraße von ca. 18.30 bis 22 Uhr gesperrt.
Demonstrationen – Auf dem Alexanderplatz findet eine Videoaktion zur „Aufklärung über die Tierindustrie“ mit ca. 30 Teilnehmende statt (18 bis 22 Uhr). „Remember Heather Heyer“ ist das Motto einer Demo gegen eine Faschisierung der US-amerikanischen Gesellschaft vor der US-Botschaft am Pariser Platz mit ca. 50 Teilnehmenden (18.30 bis 22 Uhr). Um die Weser-, Reuter- und Pannierstraße versammeln sich ca. 20 Menschen, um gegen die „Zunahme von Ferienwohnungen in Wohngebieten und Verdrängung von Kleingewerbe“ zu demonstrieren (17 bis 18.30 Uhr). An der Oranienstraße 25 protestieren erneut ca. 200 Teilnehmenden „gegen die Verdrängung der Buchhandlung Kisch & Co.“ (18.30 bis 22 Uhr). „Gegen Kriminalisierung von antifaschistischem Protest, Neukölln Komplex – Aufarbeiten statt Kritiker verurteilen“ demonstrieren ca. 50 Teilnehmende vor dem Amtsgericht Neukölln (18 bis 21 Uhr).
Gericht – Ein Lkw-Fahrer (35), der eine 81 Jahre alte Fußgängerin an einer Kreuzung beim Linksabbiegen erfasst und tödlich verletzt haben soll, kommt auf die Anklagebank (9 Uhr, Amtsgericht Tiergarten, Kirchstraße 6, Saal 2108).
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Juliane Henze (89), ARD - Korrespondentin und Kunsthistorikerin, „Alles Gute wünscht Jens Schnieders" / Wolfgang (Sudi) Sudikatus (74), „Unserem Lieblingslöwen alles Gute, Gesundheit und weiter schöne Reisen wünschen seine Tini und die Familie aus Halle und Rostock“ / Irena Berjas, „Leiterin des „Modemuseum Schloss Meyenburg“. Es gratulieren ganz herzlich Jutta Osterhof und Udo Lauer“ / Margit Bendokat (77), Film- und Theaterschauspielerin / Iris Berben (70), Schauspielerin / Herta Däubler-Gmelin (77), ehem. Bundesjustizministerin (1998-2002) / Jessica Ginkel (40), Schauspielerin / Martin Goeres (36), Schauspieler und Stuntman / Wolfgang Huber (78), ev. Theologe, ehem. Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg (1994-2009) / Susanne Kitschun (52), für die SPD im AGH / Eva Poll (82), Galeristin und Kuratorin / Anja Schillhaneck (47), bis 2019 für die Grünen im AGH / Philip Tiedemann (52), Theaterregisseur / Hans-Ulrich Treichel (68), Schriftsteller
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Mathias Puddig, * 3. Mai 1985 / Burghild Reichelt, verstorben am 29. Juli 2020 / Harald Erich Schlicker, * 18. April 1938, Arzt für Strahlenheilkunde und Nuklearmedizin / Dr. Ingrid Werner-Spangenberg, * 14. Mai 1939
Stolperstein – Siegfried Gatzke wurde am 12. August 1930 geboren und ist nicht einmal zehn Jahre alt geworden, als er Opfer der Euthanasie im Rahmen der „Aktion T4“ wurde. In einer vorgeblichen Heilanstalt wurden neben ihm 1.431 andere Menschen ermordet. In der Courbièrestraße 15 in Schöneberg erinnert ein Stolperstein an ihn.
Encore
Sie erinnern sich an die Geschichte von Eric und Joy? Die beiden hatten glücklich einen Hochzeitstermin für Anfang August in Charlottenburg gefunden, die Feier geplant, Freunde und Familie eingeladen… doch dann bekam Joy vorher keinen Termin mehr für ihre Ausweisverlängerung, und ohne Ausweis – keine Hochzeit. Als wir im Checkpoint darüber berichteten, boten hier viele spontan ihre Hilfe an, wir konnten vermitteln – und so hat es dann doch noch geklappt. Statt Reis und Blüten flogen weiße Schmetterlinge um das Brautpaar herum, und wir fanden gestern ein Foto davon in unseren Mails – falls Sie mal schauen wollen: Hier ist es.
Wir wünschen viel Glück!
Mit am Start waren für Sie heute früh Sophie Rosenfeld, Stefanie Golla (Stadtleben) und Florenz Gilly (Produktion). Morgen bereitet hier Julius Betschka für Sie das einzige Corona-konforme Frühstücksbüffet der Stadt zu – und haut vielleicht das eine oder andere faule Ei in die Pfanne. Bis dahin,