Dass Potsdamer einem schreiben, wie gut wir's in Berlin haben, passiert nicht alle Tage. Aber heute – und das kommt so: CP-Leserin Renate W. hat sich bei den Potsdamer Verkehrsbetrieben beschwert, dass in der Tram große Gruppen Jugendlicher unbehelligt maskenlos mitfahren durften. Der Verkehrsbetrieb verwies Frau W. an Polizei und Ordnungsamt: Man informiere die Fahrgäste zwar und hoffe auf Vernunft und Rücksicht. Aber zuständig sei die Stadt, die die Verordnung ausgeheckt habe. Die wiederum schickte Frau W. ungefragt §2 der SARS-CoV-2-UmgV und teilte ferner mit, das Ordnungsamt könne nur „im ruhenden Verkehr“ kontrollieren. Im ÖPNV seien die Betreiber zuständig, wobei „das Personenbeförderungsgesetz des Bundes über der Landesverordnung steht“, also jeder Fahrgast mit gültigem Ticket auch befördert werden müsse. „Uns ist bewusst, dass Sie diese Antwort nicht zufriedenstellen wird.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.
Wobei wir in Berlin (bei übrigens weiter steigender Infektionsrate) bisher kaum besser dran sind. Die schätzungsweise 20% maskenlosen Mitreisenden auf meinen letzten S-Bahn-Fahrten waren augenscheinlich zu cool, um sich von Appellen wie der TV-Ansprache des Regiermeisters gestern Abend beeindrucken zu lassen („Sie schützen mir Ihrer Mund-Nasen-Bedeckung sich und andere. Das kann Leben retten.“ / „Lassen Sie uns das gemeinsam Erreichte nicht verspielen.“) Heute in der Senatssitzung dürfte sich entscheiden, ob sich SPD und Grüne mit ihrer Forderung nach einem Bußgeld für sog. Maskenmuffel durchsetzen oder ob die Pflicht in die Beförderungsbedingungen des VBB geschrieben wird, wie die Linken wollen nach dem Motto: Darf er/sie halt nicht mitfahren. Nur könnte dann jeder renitente Blödi den Fahrplan sprengen.
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Die Abgeordnete Clara West ist Stellvertreterin von SPD-Fraktionschef Raed Saleh – und gehörte Ende 2017 zu denen, die sich vor einem Parteitag schriftlich über den Führungsstil des Chefs beklagt hatten. Bald trennen sich beider Wege: Während Saleh 2021 bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus als Sozius von Franziska Giffey groß rauskommen möchte (sofern kein Michael Müller dazwischenkommt, CP von gestern), plant West die Rückkehr „ins normale Berufsleben“. Ein Mandat sei damit verknüpft, dass man etwas verändern könne – aber „gewählt ist nicht erwählt“, schreibt die 38-Jährige, die in Pankow zwei Mal ein Direktmandat holte. Promoviert hat die Pädagogin über die Beweggründe von Menschen, für soziale Zwecke zu spenden.
Dass der Leichtsinn sich nicht auf die Jüngeren beschränkt, die die Sau und mit ihr womöglich auch das Virus rauslassen, zeigt diese Geschichte von CP-Leser Markus G.: Aldi am Samstag, Wochenendgedränge. „Beim Obst steht eine Ü-70-jährige ohne Mund-Nasen-Schutz und verzehrt seelenruhig Kirschen – eine nach der anderen, die süßesten herausgepickt aus allen offenen Tüten, während sie die abgekauten Kerne in die Hände spuckt. Ladendiebstahl? Hygiene? Freundliche Hinweise bleiben wirkungslos. Die energischere Ermahnung unter Hinzuziehung des Ladenpersonals führt zum Platzverweis der Seniorin – und zu lautstarken Solidaritätsbekundungen Gleichaltriger: Lassen Sie doch die Frau in Ruhe, haben Sie keine anderen Probleme? Doch, habe ich – beispielsweise, dass meine Kinder ein Vierteljahr lang aus Schule/Kita ausgesperrt und im hybriden Home Office/Schooling eingesperrt sind, um genau diese Ü-70-Risikogruppe vor Corona zu schützen.“
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Während Clara West als Abgeordnete aufhört, nimmt der von Schulsenatorin Sandra Scheeres 2019 in den einstweiligen Ruhestand beförderte Ex-Bildungsstaatssekretär Mark Rackles eine „Auszeit von der SPD“. Der „seit mehreren Jahren anhaltende Substanzverlust in organisatorischer, politischer, inhaltlicher und personeller Hinsicht ist einzigartig“, schreibt Rackles in einem Brief an die Genossen, ohne Namen zu nennen. Er wolle jetzt inhaltlich daran arbeiten, die sozialdemokratische Idee unter den Rahmenbedingungen des 21. Jahrhunderts wiederzubeleben, namentlich die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens.
Die Polizei hat wieder mal ein verschärftes Auge auf den Wilden Westen geworfen, also den Berliner Straßenverkehr. Bilanz der fünftägigen Schwerpunktaktion: 4371 Ordnungswidrigkeiten, 72 Straftaten. Konkret: 328 Abbiegeverstöße, 13 Alkoholisierte (Rekord: E-Scooter-Fahrer mit 2,25 Promille), 16 anderweitig Zugedröhnte. 849 fuhren bei Rot (davon 706 Radfahrer), 222 ohne Gurt, 545 mit Handy am Ohr. 93 Autos fuhren verbotswidrig durch Fahrradstraßen, 368 Radler auf Gehwegen. Von 1838 registrierten Falschparkern (davon 263 in zweiter Reihe, 209 auf Radwegen, 140 an Kreuzungen und 66 auf Busspuren) wurden 54 abgeschleppt – also 97 Prozent nicht.
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Jelbi feiert Jeburtstach. Über 110.000 Mal wurde die Verkehrsmix-App laut BVG im ersten Jahr heruntergeladen. Mit dem E-Scooter-Vermieter Voi sei gerade „das siebte tiefenintegrierte Familienmitglied an Bord“ geholt worden, teilt die BVG (die sich sonst nicht so geschraubt ausdrückt) mit. Im nächsten Lebensjahr soll Jelbi durch neue Standorte mehrere Charité-Standorte vernetzen und Mieter der WBM in Fahrt bringen. Sechs Stationen gibt es bereits, rund 25 weitere sind laut BVG in Planung – auch außerhalb des Rings, wo sich bisher Fuchs und Hase gute Nacht sagen, sofern sie auf dem Weg dorthin nicht von einem der am Stadtrand oft immer noch schwer entbehrlichen privaten Autos überfahren wurden.
„Berlins Bürgerämtern droht der Kollatz“, hatte ich auf den ersten Blick (in der Morgenpost) gelesen, aber tatsächlich stand da „Kollaps“. Passend dazu kam gestern diese Mail von CP-Leser Helmut W.: „Mein Personalausweis läuft am 02.09. ab. Da ich Ende August eine aus familiären Gründen dringend notwendige Reise nach Frankreich vorhabe, muss ich bis dahin einen gültigen Ausweis vorweisen können. Zur Verlängerung eines Ausweises ist persönliches Erscheinen beim Bürgeramt nötig. Der Versuch einer Terminbuchung ergab, dass für ganz Berlin sämtliche Termine für Juni, Juli und August bereits ausgebucht sind. Wie kann ich bis zum 31. August 2020 einen gültigen Personalausweis erhalten?“ Tja. Team Checkpoint macht ja manches möglich – aber bei eiligen Bürgeramtsaudienzen muss wohl der Terminator ran. Oder unsere Leserinnen und Leser? Probieren wir's: Wie kommt Herr W. kurzfristig an einen Termin? Schicken Sie Ihren Insidertipp bitte bis heute Abend an checkpoint@tagesspiegel.de, Stichwort: Bürgeramt.
Berliner Schnuppen
Telegramm
Während die einen immer noch auf ihren Corona-Bonus warten, ist er bei der Berliner SPD bereits verflogen: In einer Civey-Umfrage für den Tagesspiegel kommt sie wieder auf die 16 Prozent, bei denen sie Anfang März war. Die Grünen berappeln sich auf 22 Prozent, die Landes-CDU stieg seit März von 16 auf 23 Prozent. Die Ursache ist unklar.
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Vielleicht liegt's am famosen CDU-Verkehrskonzept vom Freitag, das „Freie Fahrt für alle“ heißt und bei einer kleineren Partei höflich beschwiegen werden könnte. Die 30 Seiten sind fern jeder Realität: Max. 30 min von jeder Berliner Haltestelle zum Alex oder Zoo? Doro, hol schon mal das Flugtaxi (nach Rauchfangswerder). Neun neue U-Bahnen? Whatever it takes. Magnetbahn zum BER? Unser Dorf soll schöner werden. „Grüne Wellen für Radfahrer in geeigneten Seitenstraßen“? Die Ampeln stehen an kreuzenden Hauptstraßen, auf denen der Autoverkehr dank „kombinierter grüner Wellen“ flüssiger rollen und Fußgänger „ausreichende Querungszeit“ bekommen sollen. Also Immergrün für alle und das Blaue vom Himmel obendrauf.
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In der vergangenen Nacht waren prominente Gebäude und manche Büros rot beleuchtet. Das waren Alarmlampen, mit denen die Veranstaltungsbranche auf ihre dramatische Situation aufmerksam machen wollte. Wirtschaftssenatorin Ramona Pop hat für die heutige Senatssitzung eine Beschlussvorlage in Aussicht gestellt, um einen Kongressfonds in zweistelliger Mio-Höhe zur Wiederbelebung der Branche Ende des Jahres aufzulegen. Aber ihre kurze Ankündigung gestern im RBB – Fokus auf bedeutende und nachhaltige Events, insbesondere Messen – klang eher nach Wetterleuchten als nach Licht am Ende des Tunnels.
Alle 66 Sekunden sind Feuerwehrleute im vergangenen Jahr zu einem Einsatz gestartet, alle drei Stunden haben sie einen Menschen wiederbelebt. Und alle 42 Stunden wurden sie in strafrechtlich relevanter Art angegriffen. Von 390 Verkehrsunfällen, in die Feuerwehrwagen verwickelt waren, entfielen übrigens 150 auf fehlenden seitlichen Abstand zu anderen Fahrzeugen. Wie viele von denen verbotenerweise an Engstellen parkten, steht leider nicht im gestern vorgestellten Jahresbericht.
Der Pankower CDU-Verordnete Johannes Kraft hat Fragen zu Eigentumsverhältnissen und Verkehrssicherungspflicht an dem „Abschnitt der Straße Alt-Buch, die parallel zur Karower Straße zwischen der Karower Straße und der Straße Alt-Buch gegenüber des Künstlerhofs liegt“. Die Anfrage zeigt, dass der Genitiv keineswegs vom Aussterben bedroht ist, sondern sogar gegenüber des Dativs gefährlich werden kann. Und die Antwort des Bezirksamtes lautet: „Es gibt keine öffentliche Straße mit der Bezeichnung 'Alt-Buch', die parallel zur öffentlichen Straße „Karower Straße“ verläuft. Vielleicht muss es nicht „Alt-Buch“ heißen, sondern „Antiquariat“?
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Noch mal Herr Kraft aus der BVV Pankow: „Wie viele Beschwerden über Geruchsbelästigungen sind in den Jahren 2015 bis 2019 aus der Region um das Wilhelmsruher Tor beim Bezirksamt eingegangen? Was war der Inhalt der Beschwerden (über welche Gerüche wurde sich am häufigsten beschwert)? Gab es signifikante Veränderungen in der Häufigkeit der Beschwerden über bestimmte Geruchsarten? Gab es Zeiträume, in denen eine signifikante Abweichung der Beschwerdehäufigkeit vom Mittel zu verzeichnen war? Gibt es eine Korrelation zwischen der Anzahl der Beschwerden und in der Region neu entstandenen Wohneinheiten?“ Die Antwort des Bezirksamts stinkt noch aus.
Heute ist übrigens Tag des öffentlichen Dienstes. Er wurde 2003 von der UNO etabliert. Herzlichen Glückwunsch! Und wie steht's um die Wertschätzung? Zufällig hat die Gewerkschaft Verdi gerade vorgerechnet, dass in Berlin mehr als 900 Finanzbeamte fehlen, darunter 100 Betriebsprüfer, die pro Kopf und Jahr rund eine Million Euro erwirtschaften. Wird die Mehrwertsteuersenkung nächste Woche eigentlich an die Betriebsprüfer weitergegeben?
Die Berliner Kitas befinden sich seit Beginn dieser Woche übrigens offiziell wieder im Normalbetrieb. Nur falls Ihnen das beim Bringen und Holen Ihres Nachwuchses – oder bei Ihrer Arbeit in der Kita – nicht aufgefallen sein sollte.
Fünf Jahre nach „Wir schaffen das“ hat Bundesfamilienministerin Franziska Giffey gestern am Albert-Schweitzer-Gymnasium mehreren Jugendlichen, die 2015 aus Syrien vor Tod und Terror hierher geflüchtet waren, ihre Einser-Abizeugnisse überreicht. Mit leuchtenden Augen berichteten die jungen Leute im RBB von ihren Studienplänen (u.a. Medizin). Ich hätte sie am liebsten durch den Fernseher geherzt!

Der Instagram-Account @wasihrnichtseht macht Rassismuserfahrungen von Schwarzen Menschen sichtbar. Gemeinsam machen wir das durch eine Kooperation an dieser Stelle auch.
Pack die Badehose aus: Die bezirksamtlich aussehenden Aushänge, laut denen am Teufelssee im Grunewald „mit Rücksicht auf unsere muslimischen Mitbürgerinnen, Mitbürger und Gäste“ nicht mehr nackt gebadet werden darf, sind nach Angaben des echten Bezirksamts gefälscht.
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Falls Sie heute Abend noch nichts vorhaben: Ab 18 Uhr stellt die landeseigene InfraVelo per Livestream ihr Konzept für den Radschnellweg zwischen Reinickendorf und der City vor. Die Pläne können auch bewertet und kommentiert werden – und zwar nicht nur von Radfahrern.
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Wie smart macht 5G unsere Hauptstadt? Diskutieren Sie am 01. Juli 2020 um 17.00 Uhr digital mit Staatssekretärin Dreher (Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe), Saskia Esken (SPD), Prof. Manfred Hauswirth (Fraunhofer FOKUS) und Markus Rolle (Telefónica Deutschland) bei der 15. Tagesspiegel Data Debates. Die Data Debates werden unterstützt von unserem Initiating Partner Telefónica Deutschland. Zur Anmeldung
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Jede Schließung eines Kinos ist ein Verlust. Ein Filmtheater mit einer so langen und besonderen Geschichte zu schließen, wäre jedoch besonders schwerwiegend – nicht nur für Berlins kulturelle Landschaft allgemein, sondern auch für uns als ein Festival (…) Wir hoffen, dass das Colosseum auch 2021 Berlinale-Besucher willkommen heißt wie schon seit so vielen Jahren.“
Die Berlinale-Direktion Mariette Rissenbeek und Carlo Chatrian zum drohenden Ende des „Colosseum“.
Tweet des Tages
Vielleicht wollte Horst Seehofer auch nur eine Anzeige in der Taz schalten!?!
Antwort d. Red.: P.S. Am Montag haben mehr als hundert teils prominente Personen aus Journalismus, Kultur und Politik in einem offenen Brief an die Bundeskanzlerin gegen den Angriff ihres Innenministers auf die Pressefreiheit protestiert.
Stadtleben
Essen – Im Kreuzberger Bergmannkiez verwöhnt der Feinkostladen Knofi seine Gäste seit 24 Jahren mit Spezialitäten vom Mittelmeer. Zuerst offerierte die Familie Celik ausschließlich türkische Spezialitäten, wie Pasten, Käsecremes und Salate. Mittlerweile haben sie ihr Angebot um Suppen, Pasta und marokkanische und persische Speisen erweitert. Verkaufsschlager bleiben die mit Rindfleisch, Kartoffeln, Schafskäse oder Spinat gefüllten Gözleme, zubereitet mit hochwertigen Ölen, Essigessenzen und seltenen Gewürzen. Die feine Kost kann man vor Ort bei einem guten Wein genießen oder zum Mitnehmen bestellen. Gleichzeitig bietet das Knofi auch einen Cateringservice an. Bergmannstraße 98, Mo-So 8-24 Uhr, U-Bhf Gneisenaustraße

Trinkkultur unterstützen – Das Macondo am Boxhagener Platz in Friedrichshain ist Café und Bar zugleich. Auf der Speisekarte stehen frisch zubereitete kolumbianische Empanadas (ab 3 Euro), frittierte Kochbananen (ab 6 Euro) sowie Lulu- und Guaranasaft (ab 3,50 Euro). „Am besten läuft aber immer noch das Bier”, sagt Besitzer Jorge Rodriguez lachend. Vor vierzehn Jahren machte er sich selbständig. Mittlerweile ist das Macondo bei FriedrichshainerIinnen als Ausgehort und Platz zum Arbeiten etabliert. Auf den Sesseln und Sofas wird meist Englisch, Spanisch oder Deutsch gesprochen, geschrieben oder gelesen. Links vom Eingang steht ein Regal mit Büchern und Zeitschriften zum Tausch. Momentan hat es das sonst rappelvolle Macondo durch die limitierte Platzzahl schwer, dennoch kann man das Café am besten mit einem Besuch unterstützen, nachdem es zwei Monate komplett geschlossen war. Rodriguez bittet seine Gäste ausdrücklich sich dabei an die Masken- und Abstandsregelungen zu halten. Gärtnerstraße 14, Mo-Fr 14 Uhr-Open end, Sa-So 10 Uhr-Open end, U-Bhf Samariterstraße (Foto: Jorge Rodriguez)
Das ganze Stadtleben gibt‘s mit Checkpoint-Abo.
Geschenk – „If everybody had an ocean across the USA, then everybody'd be surfin', like Californ-i-a“, sangen einst die Beach Boys. Die gute Nachricht ist: Auch Berlins Ozean hat wieder geöffnet. Wer schon immer mal surfen wollte, aber keinen kalifornischen Ozean vor der Haustür hat, kann sich im Wellenwerk in Lichtenberg ausprobieren – wir verlosen bis 12 Uhr zwei Anfängersessions. Wer schwingt sich für uns aufs Board?
Noch hingehen – (ein Tipp von Kulturkollegin Birgit Rieger) Der chinesische Künstler Zhou Tao ist ein guter Beobachter. Seine größte Gabe ist es, Menschen, Pflanzen, Tiere und Bauten wahrzunehmen, ohne zu werten. Welche abgefahrenen, stillen und zugleich fesselnden Bilder so entstehen, kann man derzeit im Times Art Center in Mitte sehen (bis 1. August). Neben den Fotografien Zhou Taos, die während eines langen Aufenthalts in der Wüste Gobi entstanden sind, ist besonders sein circa einstündiger Film zu empfehlen, in dem der Künstler den Bewohnern, den Tieren und der Natur zusieht. Der Film startet mehrmals am Tag. Kostenlose Zeitfenster kann man hier buchen. Brunnenstraße 9, Mitte, Di-Sa 12-19 Uhr, U-Bhf Rosenthaler Platz
Last-Minute-Comedy – Lachen ist gesund: Es steigert die Immunabwehr und baut gleichzeitig Stresshormone ab. Monstermäßig gelacht wird heute ab 20 Uhr bei der Veranstaltung „Monster Comedy" in Prenzlauer Berg. Der Comedy Club Mad Monkey Room lädt ab 20 Uhr zur Open Mic Night, bei der alteingesessene Comedians wie Daniel Luis und Erika Ratcliffe und Nachwuchstalente ihre Gags ausprobieren. Dominic Jozwiak und Philipp Uckel moderieren. Der Eintritt ist frei, Spenden erlaubt. Einlass: 19:15 Uhr, Duncker Straße 72, S-Bhf Prenzlauer Allee
Neu im DHM – Seit dem 19. Juni hängt das Gemälde „Krieg und Frieden“ von René Graetz und Arno Mohr im Pei-Bau des Deutschen Historischen Museums. Es basiert auf dem Lenin-Zitat „Dürfen Kommunisten träumen?“. Graetz verstarb bevor er das Gemälde fertigstellen konnte. Arno Mohr vollendete es.
Kunst-Stream – Wussten Sie, dass es bis heute üblich ist, Kunstwerke mit größeren Barsummen zu bezahlen? Geldwäsche, Steuerbetrug, Fälschungen und Kunstdiebstahl waren letzten Dienstag auch Thema im Literaturforum im Brecht-Haus, als die Autoren Stefan Koldehoff und Tobias Timm ihr Buch „Kunst und Verbrechen" vorstellten. Der Talk mit Ingo Arend über die dunkle Seite der Kunstwelt ist ab heute hier als Stream verfügbar.
Feierabendfilm – (Tipp von Ticket-Kollege Jörg Wunder) – Wolfgang Beckers turbulente Ostalgiekomödie „Good Bye, Lenin!“ war 2003 nicht nur in Deutschland ein Kinohit, sondern wurde auch im europäischen Ausland begeistert aufgenommen. Die „Sunday Times“ feierte den „besten britischen Film, der nicht von Briten gemacht wurde“, die französische Kritik lobte die Trauerarbeit über den Untergang der sozialistischen Alternative. Dass der Film in Frankreich anderthalb Millionen Besucher hatte, könnte auch mit der Musik zu tun haben, die von einem Landsmann stammte: Zwei Jahre nach seinem bezaubernden Score für „Die fabelhafte Welt der Amélie“ beschwingten Yann Tiersens ohrwurmige Walzermotive Daniel Brühls Versuch, seiner nach der Wende aus dem Koma erwachten Mutter (gespielt von der großartigen Katrin Sass) die untergegangene DDR vorzugaukeln. Heute wird Yann Tiersen, der sich leider von der Filmmusik abgewandt hat, 50 Jahre alt. „Good Bye, Lenin!“ ist u. a. auf Amazon Prime zu sehen.
Mit diesem Stadtleben wünscht Ihnen Masha Slawinski einen sommerlichen und erlebnisreichen Dienstag.
Berlin heute
Verkehr – Rixdorfer Straße (Britz): Trauerzug. Verkehrsteilnehmende sollten die Rixdorfer Straße zwischen Kreuzung Ullsteinstraße/Gradestraße und Wolfsburger Weg umfahren (11-11.35 Uhr).
Schwanebecker Chaussee (Buch): Bis Anfang September regelt in Höhe des Helios-Klinikums eine Baustellenampel den Verkehr (Gegenverkehrsregelung).
Salvadore-Allende-Brücke (Köpenick): Nächtliche Vollsperrung in beiden Fahrtrichtungen (22-5 Uhr). BVG-Busse sowie Rad- und Fußverkehr dürfen passieren.
A100 (Stadtring): Wegen turnusmäßiger Wartungsarbeiten im Tunnel Ortsteil Britz ist die Stadtautobahn von 21-5 Uhr beidseitig zwischen AS Gradestraße und AS Buschkrugallee und die Auffahrt Grenzallee in Fahrtrichtung Wedding gesperrt, die Zufahrten bereits ab 20 Uhr
Demonstration – Unter dem Motto „Alle Kinder haben Rechte“ demonstrieren heute 30 Teilnehmende in Pankow. Sie starten in der Görchstraße, Ecke Wollankstraße und durchqueren den Bürgerpark bis zur Wilhelm-Kuhr-Straße (9.50-11.45 Uhr). Angemeldet durch den Verein „Gemeingut in BürgerInnenhand“ treffen sich am Alexanderplatz in Mitte zehn Menschen zu einer Kundgebung. Ihre Forderung: „Zum Tag der Daseinsversorgung: Krankenhausschließungen stoppen“ (10-12:30 Uhr). Fridays for Future Lichtenberg hat einen Aufzug für „Pop-up-Radwege“ mit 20 Teilnehmenden angemeldet. Die Demo beginnt in der Normannenstraße mit einer Kundgebung vor dem Rathaus Lichtenberg und endet mit einer zweiten Kundgebung an der Berliner Allee vor dem Eingang des Parks am Weißensee (15-17.10 Uhr).
Gericht – Der Prozess wegen Mordes an dem Berliner Chefarzt Fritz von Weizsäcker gegen einen 57-Jährigen wird fortgesetzt. Er hatte den Sohn des früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker während eines Vortrags in der Schlossparkklinik erstochen – laut Anklage aus langjährigem Hass auf die Familie Weizsäcker (9.30 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal 501).
Heimuniversität – Heute startet die Online-Reihe „Transnational Feminist Dialogues in Times of Corona Crisis“, organisiert vom Margherita von Brentano Center für Gender Studies in Kooperation mit der FU. Die WissenschaftlerInnen Ayşe Dayı, Anikó Gregor und Vidisha Mishra diskutieren ab 16 Uhr auf Englisch mit Studierenden und Aktiven die Themen Pflegearbeit, Arbeitsteilung und das sich durch die Krise verändernde Gesundheitssystem. Eine Anmeldung ist erforderlich.
Berliner Gesellschaft
Geboren – Boris Aljinovic (53), Theater- und Filmschauspieler, ehem. Berliner „Tatort“-Kommissar / Dagmar Biener (74), Synchronsprecherin und Schauspielerin / Ginger Claassen (45), „Happy Birthday in Berlin, liebste Glückwünsche von deiner Kk" / Ina Czyborra (55), für die SPD im AGH / Urs Jaeggi (89), Soziologe, Schriftsteller und bildender Künstler / Bilkay Kadem (50), Politikerin (SPD), ehem. Mitglied des AGH / Brigitte Kraetschmar (85), „Eine meiner besten Freundinnen wird 85!" / Arno Schwed (76), „Weltweiter Wanderer mit Sinn für Austern und Pâté. Bleib fit. Dein Freundeskreis von Mitte bis Köln." / Christoph Singelnstein (65), Journalist, Chefredakteur und stellv. Programmdirektor des rbb / Gerda Strauchmann (86), „Die herzlichsten Geburtstagsgrüße an mein Mamichen!“ / Yann Tiersen (50), Komponist und Multiinstrumentalist / Hannes Wader (78), Musiker und Liedermacher / Achim Zimmermann (62) - Direktor der Berliner Singakademie und des Bach-Chores Berlin, „Lieber Achim, heute Abend singen wir für dich. Auf dem Balkon, vor Ort und natürlich im Herzen."
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Margot Kreß-Riediger, * 23. Juli 1945 / Prof. Dipl.-Ing. Rolf Ramcke, * 4. November 1933 / Elisabeth Rother, * 25. April 1948 / Klaus Sington-Rosdal, verstorben am 10. Juni 2020, Bundesbankdirektor a.D. / Christoph Sydow, * 15. Januar 1985, Journalist
Stolperstein - Heute vor 78 Jahren wurde der Kaufmann Isidor Loewenstein (Jg. 1863) im KZ Sachsenhausen ermordet. Bis zu seiner Deportation am 16. Juni 1942 lebte er in der Knesebeckstaße 74 in Charlottenburg.
Encore
Obwohl Sommeranfang schon Samstag war, steht der späteste Sonnenuntergang erst heute Abend an. Nanu! Laut Planetarienchef Tim Florian Horn resultiert die Verspätung aus der sogenannten Zeitgleichung – also der Differenz aus dem „Sonnenmittag“, in dem die Sonne genau im Süden steht, und dem „Uhrzeitmittag“. Die ergibt sich, weil die Erde elliptisch um die Sonne tourt, wobei sie mit zunehmender Entfernung langsamer wird, sodass die Sonne mal vor- und mal nachgeht. Im Moment geht sie nach. Fürs Protokoll und für die Lehrer sei erwähnt, dass auch die Neigung der Erdachse zur Differenz beiträgt. Für den Tagesspiegel hat der Sternenguru auch ermittelt, wie viel länger die Tage am nördlichen Berliner Stadtrand sind im Vergleich zum südlichen und wie viel früher die Sonne in Köpenick auf- und untergeht als in Spandau. Smalltalk-Klugschiet für Ausgeschlafene!
Kommen Sie erhellt durch den Tag. Möge die Sonne Ihnen hold und der Schatten günstig sein!
Bis morgen,