Zu Lebzeiten ließ er sich eine goldene Statue errichten, benannte die Monate nach Familienmitgliedern und beglückte sein Volk mit einer Art Bibel aus eigener Feder: Saparmurat Nijasow, genannt „Turkmenbaschi“, Vater aller Turkmenen. Bis zu seinem Tod 2006 herrschte er despotisch über Turkmenistan und war wohl einer der wenigen, die in dem zentralasiatischen Wüstenstaat ständig flüssig waren; angeblich soll er Milliarden aus dem öl- und gasreichen Land abgezweigt haben, während das Volk in Armut lebte. Sein Name taucht jetzt in Berlin auf, und zwar im Zusammenhang mit dem Unternehmen, das den Checkpoint Charlie überbauen will – und ausgerechnet Trockland heißt.
Verwandte des Turkmenbaschi halten nämlich Anteile an Trockland-Firmen, wie Tagesspiegel-Kollege Ralf Schönball schreibt. Mit dabei in der Investorenrunde: Witwe, Tochter, Enkelin und Schwiegersohn. Letzterer verantwortet als Finanzchef von Trockland gar die Millioneninvestitionen der Unternehmensgruppe. Einst war er CEO einer großen, russischen Investmentbank – womit sich der Kreis irgendwie wieder schließt. Denn am Checkpoint Charlie standen sich ja einst amerikanische und sowjetische Panzer gegenüber. Und was sagt der Regierende Bürgermeister zu den wüsten Verbindungen, pardon, Wüstenverbindungen? Erst mal nüscht. Geht ja auch nur um einen Schauplatz der Weltgeschichte.
Auch Fürth ist historischer Boden, nicht nur wegen seines mehr als 1000-jährigen Bestehens. Hier fuhr 1835 die erste Eisenbahn Deutschlands, drei Jahre früher als in Berlin. Wenn es nach dem Fürther SPD-Oberbürgermeister Thomas Jung ginge, dann ist in der Hauptstadt der Zug aber abgefahren – für seine Parteichefin Andrea Nahles. Die SPD-Vorsitzende schrecke Menschen ab, könne nicht begeistern und wohl auch nicht für den nötigen Aufbruch in der SPD sorgen, sagte der Politiker im Tagesspiegel-Interview. Jung, der 2014 ein doch sehr SPD-untypisches Ergebnis von 73 Prozent holte, spricht damit aus, was sehr viele in der SPD denken, aber lieber nicht sagen wollen – weil sie keine Umsteigemöglichkeiten haben. Dabei hat Nahles einen echt doofen Job: Als Lokführerin muss sie den SPD-Zug vor dem Entgleisen bewahren, dessen Mitfahrer ihretwegen am liebsten die Notbremse ziehen würden.
Nicht mehr lange, dann ist es genau zwei Jahre her, dass ein Terrorist zwölf Menschen beim Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz ermordete und fast 50 teils schwer verletzte. Noch immer liegt vieles im Dunkeln im Zusammenhang mit dem Verbrechen, vor allem die Vorgänge vor jenem schrecklichen 19. Dezember 2016. Die Opposition im Bundestag macht dafür auch die Bundesregierung verantwortlich, der sie obendrein vorwirft, die Aufklärung zu behindern. FDP, Grüne und Linke bereiten jetzt eine neue Klage vor. Denn es reicht ihnen mit fehlenden Unterlagen, nicht benannten Zeugen und geschwärzten Akten.
Neuer Ärger wegen Hubertus Knabe, dieses Mal ist er sechs Seiten lang: Diesen Umfang hat der wütende Brief von Arnold Vaatz, Vize-CDU-Fraktionschef im Bundestag. „Kriminelle Energie“ bei der Ablösung des Gedenkstättenleiters wirft er Kultursenator Klaus Lederer (Linke) vor. Das ganze Verfahren erinnere an die „denunziatorischen Methoden“ in Diktaturen. Knabe sei ein Schaden zugefügt worden, "der der Strafe eines Schwerverbrechers" entspricht. Ihr Fett weg kriegen auch Kulturstaatsministerin Monika Grütters und die frühere Chefin der Stasi-Unterlagenbehörde, Marianne Birthler. Und überhaupt sei das Landgericht politisch unter Druck gesetzt worden, als es die einstweilige Verfügung Knabes auf Wiedereinsetzung in den alten Job kassierte. Da hat es wohl bei jemandem zu doll in der Gerichteküche gebrodelt.
Alle Lastwagen von Berliner Behörden und Landesbetrieben sollen Abbiege-Assistenten erhalten – fordern zumindest die Regierungsfraktionen. Anlass sind die vielen tödlichen Unglücke. Auf der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses bringen sie einen Antrag ein, in dem sie den Senat auffordern, bis Ende Juni 2019 einen Zeit- und Kostenplan für eine schnellstmögliche Nachrüstung vorzulegen. Bundesweit ließen sich beispielsweise rund 30 Unfälle mit getöteten und 160 mit schwerverletzten Radlern verhindern, wenn alle Lkw Abbiegehelfer hätten.
Berliner Schnuppen
Telegramm
Ein 15-jähriges Mädchen soll in Königs Wusterhausen auf einer öffentlichen Toilette vergewaltigt worden sein. Unter Verdacht: ein 21 Jahre alter Flüchtling aus Afghanistan. In der Stadt schlägt der Fall hohe Wellen – auch deshalb, weil das Verbrechen erst mit Verzögerung bekannt geworden ist. Laut Polizei gab es eine „technische Panne“.
Die Messen gesungen sind jetzt für zwei Messen. Nummer eins ist die „Bread & Butter“, die Veranstalter Zalando Stulle geworden ist, vor allem wegen mangelnden Zuspruchs. Der Internetkonzern hat deshalb nicht nur die Gelegenheit zum Ausstieg, sondern auch zwei Millionen Euro Ablöse vom Senat genommen, um sich vom Tempelhofer Acker zu machen. Hoffentlich schreien jetzt beide Seiten vor Glück.
Obendrein bleibt das „Centrum für Büroautomation, Informationstechnologie und Telekommunikation“ in Berlins heimlicher Vorstadt Hannover geschlossen (Nerds werden es sofort als Cebit identifiziert haben). Auch dort wollte einfach keiner mehr so gerne hin. Kommentar von Kabarettist Florian Schroeder: „Dann kann der ICE künftig nicht nur in Wolfsburg, sondern auch in Hannover einfach durchfahren.“
Womit die Weichen fürs Betriebsstörungsbingo gestellt sind: „Sehr geehrte Reisende, der Fahrdienstleiter ist im Moment noch sehr bemüht, den Knoten aufzulösen. Ich hoffe, dass in wenigen Minuten die Weiterfahrt gelingt.“ Am Knotenpunkt war CP-Leser Stefan Handke, der im RE 5 Richtung Elsterwerda saß.
Reden ist Silber, Mitreden ist Gold – tja, schön wär‘s. In die Pläne für das neue Hertha-Stadion im Olympiapark in Westend ist noch keiner der rund 75 weiteren Sportvereine, die das ausgeguckte Gelände bislang nutzen, eingeweiht worden. Das gab Sportstaatssekretär Aleksander Dzembritzki auf Anfrage des CDU-Abgeordneten Andreas Statzkowski zu. Begründung: die genaue Detailplanung fehlt. Vielleicht klappt’s ja dann bei der detaillierten Feinplanung.
Das Musikfestival Lollapalooza kriegt 2019 keinen dritten Veranstaltungstag am Olympiastadion – Konsequenz aus den Lärmbeschwerden in diesem Jahr. Am ersten Veranstaltungstag des Musikfestivals klingelten nach dem Soundcheck am Samstag kurz nach 8 den Anwohnern die Ohren - und der Polizei die Telefone.
Ein Fall für die Geschmackspolizei ist hingegen das Image-Video der Hamburger Hochbahn AG. Das Verkehrsunternehmen wollte offenbar die Kampagne der BVG toppen und engagierte zum Filmdreh unter anderem H.P. Baxter von Scooter. Der brüllt nun unmotiviert „Hypebahn, Hypebahn“ zu Billigtechno in die Kamera, während unter anderen ein Alpaka und Katzenbabys auftauchen. „Einfach nur peinlich“ ist noch der harmloseste Kommentar unter dem Video auf Youtube.
Auch Rechtsextreme haben ein Recht auf ein Girokonto bei der Berliner Sparkasse. Dies hat das Bundesverwaltungsgericht entschieden. Einer der Gründe, weshalb die Sparkasse zwei Berliner Kreisverbänden der NPD eine Kontoverbindung verweigerte: Das Bundesverfassungsgericht hatte die NPD als verfassungsfeindlich eingestuft. Reichsmark muss die Sparkasse aber nicht akzeptieren.
Ein Dutzend Öko-Rinder, die unter anderem TV-Köchin Sarah Wiener gehörten, sind in der Uckermark von einer Lok erfasst und getötet worden. Nach Angaben der „Märkischen Oderzeitung“ ereignete sich das schwere Unglück bereits Ende September, wurde aber erst jetzt öffentlich, weshalb es auch hier bereits Gerede gab. Angeblich war der Presseverantwortliche der Bundespolizei damals im Urlaub, und so erfuhr die breite Öffentlichkeit nichts – trotz Großeinsatzes der Feuerwehr und sechsstündiger Streckensperrung.
Das erinnert ein bisschen an die mysteriöse Aktion am Mittwochvormittag im Berliner Norden. Mehrere Stunden war die S-Bahnstrecke zwischen Schönholz und Tegel gesperrt. Einzige offizielle Auskunft (von der Staatsanwaltschaft): Es sei um umfangreiche Durchsuchungen wegen Bestechungen gegangen. „Um Unbeteiligte nicht zu gefährden, war die Sperrung einer Teilstrecke (S25) erforderlich.“ Da haben sie wohl in der Tat nach Schotter gesucht.
Eng, enger, am engsten: Im Terminplan für die BER-Eröffnung ist kein Platz mehr für Unvorhergesehenes. Die Puffer für den geplanten Start im Oktober 2020 seien weitgehend aufgebraucht, schreibt Tagesspiegel-Kollege Thorsten Metzner. Am Freitag tagt der Aufsichtsrat, der die Lage auf der Baustelle beraten wird, zum letzten Mal – für dieses Jahr.
Derweil ist das Verfahren gegen Ex-Technik-Chef Horst Amann wegen des Verdachts der Untreue eingestellt worden. Es liege kein hinreichender Tatverdacht vor, teilte die Staatsanwaltschaft Potsdam am Mittwoch auf dpa-Anfrage mit. Es ging um möglicherweise überhöhte oder gar unberechtigte Zahlungen an den Gebäudeausrüster Imtech.
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
"Seit wir den Westen haben, mag ich keine Bananen mehr."
Kommentar einer Frau im Supermarkt in Prenzlauer Berg, die einen anderen Kunden dabei beobachtete, wie er das Obst kritisch prüfte
Tweet des Tages
Unterhaltungen aus dem Berliner ÖPNV zwischen 2 Teenagern in der komplett überfüllten Tram: „Wallah Digga, weißt du, was isch voll liebe in der krass vollen Bahn?“ „Nein Mann, was Digga?“ „Man fällt immer weisch, wenn sie bremst.“
Stadtleben
Essen Neues kommt nur allzu häufig als Neukombination von Altem daher – in gewisser Weise ist das auch hier der Fall: die Druckbar Wedding ist eigentlich eine der wenigen klassischen Siebdruckwerkstätten der Stadt. Beim Siebdruck, so kann man sich das vorstellen, wird eine plane Fläche in gewisser Weise mit Farben belegt. Und vielleicht wegen dieses hinkenden Vergleichs gibt es heute zu jedem Kauf eines aktuellen Siebdrucks der Woche ab 19 Uhr und gegen 7 Euro eine andere belegte, mehr oder minder plane Fläche dazu: eine Pizza nämlich. Ebenso kostenfrei wie diese ist auch der Eintritt. Gerichtstraße 60, S-Bhf Wedding
Trinken Nach getaner Arbeit sollst Du ruhn oder Sie wissen schon… man kann es bereits in Adornos minima moralia nachlesen: symptomatisch für unsere Zeit ist die Trennung von Arbeit und Freizeit, weshalb niemand mehr bereit ist, nach Feierabend noch freiwillig irgendeiner Anstrengung nachzugehen. Das ist auch im c/o am Zoo bekannt, weshalb die arbeitsgeplagten Feierabender hier an die Hand genommen und durch die Ausstellungen (Nicholas Nixon – Life Work; Back to the Future – The 19th Century in the 21st Century) geführt werden, wo ihnen alles Wesentliche erklärt und ein Entspannungsgetränkeingeschenkt wird. Das Wellnesspaket kostet 15 Euro an der Abendkasse, was zudem eine deutliche Ersparnis gegenüber den Normaltickets bedeutet. Los geht es um 20 Uhr in der Hardenbergstraße 22, U-Bhf Zoologischer Garten
Geschenk Wer sich selbst schon immer heimlich als Gärtner sieht aber in der Berliner Wohnung einfach keinen geeigneten Platz finden kann, oder so jemanden kennt, nun – auch hierbei könnte der Blick nach Japan, dem Weltmeister der Miniaturen, hilfreich sein. Während der Bonsai nicht zuletzt durch den Film Karate Kid in die Sozialisation unzähliger 80er Teenies eingeschrieben sein dürfte, ist das so genannte Wabi-Kusa hierzulande noch recht unbekannt. Eine vollständige, lebendige Gartenlandschaft zum Mitnehmen samt Einführung in die ihr zugrundeliegenden ästhetischen Prinzipien gibt es beim heutigen Wabi-Kusa-Workshop im Boomki, Kantstraße 141 für 50 Euro. Alle benötigten Materialien sind inklusive.