dieser Checkpoint ist heute mal zu Land, zur See und in der Luft unterwegs. Zunächst geht‘s aber erst einmal ins Internet, wo gerade Mails aus den Chefetagen der Groko-Parteien an die Mitglieder hin- und hergehuscht sind.
Die Sozialdemokraten bekamen E-Post vom amtierenden Dreigestirn Malu Dreyer, Thorsten Schäfer-Gümbel und Manuela Schwesig (Betreff: Die nächsten Schritte), die Christdemokraten von AKK (Betreff: Ergebnisse der Bundesvorstandsklausur). Während sich MD, TSG und MS relativ kurz fassten und die vergangenen Tage rekapitulierten, verschickte die CDU-Chefin eine Art Direktive an die Basis. So manchem Parteimitlied dürfte dabei sauer aufgestoßen sein, dass Annegret Kramp-Karrenbauer darin keine persönliche Verantwortung für das alles andere als herausragende CDU-Ergebnis bei der Europawahl übernommen hat. „Wir haben in der Öffentlichkeit gerade einen schweren Stand“, schreibt AKK. „Dazu haben wir auch mit eigenen Fehlern selbst beigetragen.“ Da sage noch einer, die CDU habe was gegen Vergesellschaftung.
Aber zurück ins sozialdemokratische Fahrwasser: Die SPD-Kapitänin hat gerade die Brücke verlassen, da sticht der Seeheimer Kreis in See. Genauer: in Wannsee. Dienstagabend war Spargelfahrt der Genossen vom konservativen Flügel, und ausgerechnet auf der - MS „Havel Queen“. Tagesspiegel-Kollege Georg Ismar war mit an Bord und fand, dass die 58. Auflage der Spargelfahrt – schon immer eine skurrile Veranstaltung – trotzdem eine der seltsamsten war. Bei Nummer 57 sei noch Andrea Nahles, gerade frisch im Amt, als Hoffnungsträgerin gefeiert worden, davor Martin Schulz. Beide seien nun weg, die SPD liege so langsam in Trümmern, aber die 600 Leute an Bord hätten versucht, das zu verdrängen. Symptomatisch waren wohl die Worte von Johannes Kahrs, dem Sprecher der Seeheimer: „Die Sonne scheint, die See ist ruhig.“
Und was ist mit der Nachfolge von Andrea Nahles (von der noch das Grußwort zur Spargelfahrt stammte)? Nichts – still ruhte der Wannsee.
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Spargel gab’s am Dienstagabend übrigens auch beim Hoffest von Michael Müller. Eingeladen hatte er aber nicht in seiner Funktion als SPD-Landeschef, sondern als Regierender Bürgermeister. Einer der Höhepunkte der Sause für geladene Gäste war dann aber leider doch wieder ein Abstieg, und zwar der in den Rohbau des neuen U-Bahnhofs vor der Rathaustür. Herrlich blau illuminiert zeigte sich die Station, und mancher der Besucher dürfte froh gewesen sein, nicht schon wieder mit Rot konfrontiert zu werden.
Bleiben wir kurz noch beim Spiel der Farben. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hat in seinem Land einen Scheinriesen entdeckt, und zwar einen blauen. „Der Eindruck, die AfD nehme eine übermächtige Stellung ein, führt in die Irre“, schreibt er in einem Gastbeitrag für den Tagesspiegel. Bei der Europawahl verwies die AfD allerdings CDU und SPD auf die Plätze. „Diese Stärke ist nur sehr klein“, schreibt Woidke. Denn Ergebnisse von 20 Prozent reichten in Brandenburg schon aus, um auf der Karte „mit einem Farbklecks als Sieger aufzutauchen“. Dann heißt es wohl ab jetzt kleckern statt klotzen in der Mark.
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Kleckern und klotzen wären dann auch gleich mal die Stichworte für den BER. Der Verkehrsausschuss des Bundestags (Vorsitz: Cem Özdemir) will sich heute mit dem Baufortschritt auf dem Unvollendeten befassen. Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup und Vertreter von Baufirmen sollen vor dem Gremium antanzen und sagen, was nun Sache ist. Das Monster, die Entrauchungsanlage, gilt ja seit kurzem als gezähmt. Dennoch gibt es noch ungeheuer viel zu tun. Die Brandmeldeanlage, das Gehirn der automatischen Brandschutztechnik funktioniert noch nicht, die Kabbelei mit Kabeln und die Probleme mit den Kabeltrassen werden nicht weniger, eine wichtige TÜV-Prüfung verschiebt sich um Wochen, und, und, und… Kein Wunder, dass Bundesautominister Andreas Scheuer (CSU) das Ganze nicht ganz geheuer ist. Laut „Berliner Morgenpost“ hat er einen Alarmbrief an Lütke Daldrup geschickt.
Sollte der BER mal eröffnen, dann werden vermutlich Raucher aufatmen. Während weltweit immer mehr Flughäfen das Rauchen einschränken (zuletzt in Thailand), wird in Schönefeld an die Zigarettenfans gedacht sein. Denn anders als zum Beispiel heutzutage in Madrid oder London-Heathrow, sind Zonen und Kabinen eingeplant, in denen gequalmt werden darf. Jeder, der mit einem Raucher mal länger unterwegs sein musste, wird dies vermutlich begrüßen. Doch Nichtraucherschützer sehen das sehr kritisch. „Dort werden Giftstoffe in die gesamte Umgebung emittiert“, sagt beispielsweise die Ärztin Martina Pötschke-Langer, die Vorstandsvorsitzende des Aktionsbündnisses Nichtrauchen e.V. Problematisch findet sie das, weil sich Passagiere auf Flughäfen dem nicht entziehen könnten. „Das ist kein Nichtraucherschutz.“ Zudem seien Kabinen eine zusätzliche Gesundheitsgefahr für Raucher: Glimmende Stummel setzten weitere Giftstoffe frei.
Catherine Pieroth, gesundheitspolitische Sprecherin der Berliner Grünen, findet auch kein Gefallen an solchen Kabinen („abschreckend“). Sie hätte aber, wenn es keine andere Lösung gibt, grundsätzlich nichts gegen Raucherzonen in Außenbereichen, „allerdings nicht einsehbar und schon gar nicht am Eingang“. Entspannter sieht es Florian Kluckert, FDP-Gesundheitspolitiker: „Es ist vollkommen richtig, dass es Orte für Raucher im BER geben wird.“ Nichtraucher dürften aber nicht belästigt werden. Wenn es nach Kluckert ginge, dann gebe es eines Tages auf unterirdischen S-Bahnstationen auch mal Raucherkabinen.
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Verpassen Sie nicht das Ausstellungshighlight „Mantegna und Bellini. Meister der Renaissance“ – zu sehen noch bis 30. Juni in der Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin. RBB Abendschau meint: „Eine Ausstellung, die ihresgleichen sucht“. Infos, Tickets, Wissenswertes und Unterhaltsames rund um die Ausstellung unter www.mantegnabellini.de
Einst hieß sie Eisenbahnmarkthalle, war eine von 14 städtischen Hallen, und diente ab Ende des 19. Jahrhunderts der Nahversorgung der Kreuzberger Anwohner. Mittlerweile ist die Markthalle Neun daraus geworden und die dient vor allem der Versorgung der Fans von Streetfood sowie nachhaltig erzeugten Lebensmitteln. Seit die Aldi-Filiale die Kündigung von den Hallenbetreibern erhielt, ist der Streit um Gentrifizierung hochgekocht wie fair gehandelte Biomilch; es gab sogar eine Demo für den Discounter, der nicht mehr zum Konzept der Halle passt. Typisch Kreuzberg wird nun viel geredet. Und wie es aussieht, zieht Aldi deswegen erst einmal nicht aus. Die Filiale bleibt „bis zum Ende des Diskussionsprozesses“, war zu hören. Was ja dann, typisch Kreuzberg, noch sieben lange Winter wären.
Berliner Schnuppen
Telegramm
Das ging dann aber fix: Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) hat den Entwurf für ein Gesetz über den Mietendeckel fertiggestellt (laut „Berliner Morgenpost“). Anfang Mai war ja schon exklusiv im CP darüber was zu lesen. Fünf Jahre sollen demnach die Mieten in Berlin nicht erhöht werden. Wenn Senat und Abgeordnetenhaus mitspielen, könnte das Gesetz im Januar 2020 in Kraft treten.
Irgendwie denkt man ja, Berlins Verwaltung hat nicht genug Zeit für schräge Ideen. Doch zum Glück gibt es das Bezirksamt Mitte. Das sucht per Ausschreibung eine externe Detektei, die Verursachern von illegalen Dreckablagerungen auf die Schliche kommen soll.
Dass dafür durchaus Bedarf besteht, wurde vor kurzem in der Bornemannstraße in Gesundbrunnen deutlich. Unbekannte legten dort illegal einen Haufen giftiger Müllsäcke ab. Aufschrift: „Achtung. Inhalt kann krebserregende Fasern freisetzen“ (CP vom 29.5.2019).
Ein bisschen Schnüffelpraxis sollten Sherlock Haufen-Holmes oder Miss Müll-Marple also schon haben: Eine „mindestens dreijährige Markterfahrung des Betriebes auf dem Gebiet der Observation“ sei durch „geeignete Referenzen“ nachzuweisen. Ziel der Maßnahme ist es laut Ausschreibung „eine Situation zu schaffen, bei der eine konsequente Überwachung der illegalen Müllentsorgung stattfinden kann“. Am Tag wie in der Nacht – wir sind gespannt.
Referenzen braucht er keine mehr: Kultursenator Klaus Lederer (Linke) hat den laufenden Vertrag mit Daniel Barenboim um fünf Jahre verlängert – bis 2027, trotz Kritik am Führungsstil des Maestros. 2027 wird der Generalmusikdirektor der Staatsoper 85 sein.
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Das heißeste Leder der Stadt
Eigentlich wollen doch alle nur das Eine: Einen heißen Ride zum Feierabend, nach dem Club oder einfach zwischendurch. Einsteigen, aussteigen, fertig. Jetzt die App laden und mit dem Aktionscode FREIFAHRT bis zum 30.06. die kostenlose Erstfahrt sichern und gleich noch bis zu 5 Mitfahrer mitnehmen.
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Wer hingegen Kritik am Stil der Berliner Verwaltung hat, der bekommt künftig bessere Chancen, sich zu wehren. Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) hat am Dienstag das neue Antidiskriminierungsgesetz vorgestellt. Es soll vor verschiedensten Benachteiligungen schützen: Kategorien sind unter anderem rassistische Zuschreibungen, ethnische Herkunft, Religion, Geschlecht, Behinderungen und sozialer Status.
Dem Berliner Südwesten steht ein Streit um Straßennamen ins Haus. Mit gleich mehreren Anträgen will die Linksfraktion im Bezirk Steglitz-Zehlendorf unter anderem über den Hindenburgdamm und die Spanische Allee diskutieren. Der frühere Reichspräsident Paul von Hindenburg soll durch ergänzende Schilder „kritisch eingerahmt“, die Spanische Allee umbenannt werden. Den Namen trägt die frühere Wannseestraße seit der Nazizeit – als Erinnerung an die „Legion Condor“. Die 5500-Mann-Truppe kämpfte mit dem späteren Diktator Franco gegen die Spanische Republik.
Berlin ist das liebste Reiseziel der Schweden – twitterte zumindest die Deutsch-Schwedische Handelskammer am Dienstag. Hej, dass passt doch: Wir Berliner fahren ja auch sehr gern zu Ikea.
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Auch polizeibekannte Großfamilien gehen mit der Zeit: Wenn es kein Fake-Account ist, dann wird unter dem Namen Arafat Abou Chaker ab sofort getwittert. Allerdings noch nicht besonders fleißig. Bislang gibt es erst eine Handvoll Tweets.
In der Meldung der Polizei von Wochenende hieß es lapidar: „Wohnungseinbruch und Sachbeschädigung mit politischem Hintergrund“. Jetzt stellt sich heraus: Linksextreme sind beim früheren NPD-Landesvorsitzenden Sebastian Schmidtke eingestiegen, zerstörten die Inneneinrichtung und stahlen ein Laptop.
Das Fernsehen schaltet langsam um auf Ferien und zeigt wieder Wiederholungen. Zeit, einen CP-Klassiker zu reaktivieren: das Betriebsstörungsbingo. Folgende Meldungen sind allerdings nicht nur april-, sondern auch junifrisch: „Wegen einer behördlichen Maßnahme zwischen Jungfernheide und Beusselstraße kommt es zu Verspätungen und Ausfällen.“ Letzteres schüttelte die S-Bahn dann auch im Bahnhof Zepernick aus dem Gleisbett: Ursache war hier aber die „Störung am Fahrweg“. Eindeutig eine Wegfahrsperre.
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Die Zukunft beginnt heute – beim #UrbanMobilityDay
Der #UrbanMobilityDay, dein Event für neue Mobilität: Technologien, Innovationen und Gadgets kennenlernen und ausprobieren. Am 15. Juni ab 11 Uhr verwandelt sich der EUREF-Campus am S-Bahnhof Schöneberg in einen Mobilitätshub. Der Eintritt ist frei und mehr Infos gibt es unter UrbanMobilityDay.de
Von Untergangsvisionen ist vermutlich die BVG geplagt. Sie setzt jetzt für die Fähre von Wannsee nach Kladow einen Sicherheitsdienst ein, der nach Beobachtung von Passagieren den Andrang auf der extrem beliebten Seeroute, nun ja, kanalisiert (Tipp für Knauser: Fürs AB-Ticket gibt’s fast so viel zu sehen wie auf einer Kreuzfahrt).
Ein Konzert auf der Spandauer Zitadelle verursacht Misstöne in der Bezirkspolitik. Die AfD-Fraktion im Rathaus will nämlich den Auftritt von, nein nicht Dieter Bohlen, sondern der Band Feine Sahne Fischfilet vom Bezirksamt unterbinden lassen. Begründung: „Der Rechtsstaat wird mit den Liedtexten unverhohlen angegriffen, und linksradikale Personenpotenziale zappeln zu solch perversen Liedtexten in unserem Bezirk.“ Mittwochabend ist das Ganze Thema in der Bezirksverordnetenversammlung (Quelle: „Leute“-Newsletter von Tagesspiegel-Kollege André Görke). Diskussionen um die Punkband aus Meck-Pomm gab es zuletzt vor dem Auftritt beim „Wir sind mehr“-Konzert in Chemnitz.
Pack nicht die Badehose, sondern den Laufschuh ein: Am kommenden Sonnabend trifft sich die Checkpoint-Laufgruppe wieder mal am Tempelhofer Feld. Um 11 Uhr starten wir auf der Neukölln-Seite unserer Hausstrecke. Wie immer gibt’s Getränke und ein Auto, in dem Wechselklamotten deponiert werden können. Außerdem bringen wir noch mal unsere Verlosungsliste für die Marathon-Startplätze mit. Wer den Checkpoint abonniert hat, dem winken übrigens doppelte Gewinnchancen.
Jogger werden es mit einem gewissen Grusel registrieren: Per Online-Petition will ein Berliner Hundehalter den Leinenzwang für Vierbeiner in Parks und Grünanlagen zumindest zeitweise lockern. Seine Forderung: Freilauf für „gut erzogene Hunde“ morgens bis 9 Uhr und abends nach 9 Uhr. Na dann: Leinen los!
Das Leben kommt auf alle Fälle aus einer Zelle, doch manchmal endet’s auch - bei Strolchen - in einer solchen. So scherzte einst Komiker Heinz Erhardt. Nicht zum Lachen ist hingegen einem CDU-Bezirkspolitiker aus Tempelhof-Schöneberg, wenn er an die blauen Zellen in seinem Bezirk denkt. Die stammen noch aus Zeiten, als man öffentliche Fernsprecher kannte. Allerdings sind die Geräte mittlerweile kaputt, die Betreiber insolvent. Der CDU-Mann wollte nun wissen, was aus den unansehnlichen Zellen wird. Das Abschrauben sei gar nicht so einfach, ließ ihn das Bezirksamt wissen. Warum, verrät Sigrid Kneist in ihrem „Leute“-Newsletter aus Tempelhof Schöneberg.
Parken in der Innenstadt soll ja künftig bis zu vier Euro die Stunde kosten. Das weckt gleich mal Begehrlichkeiten jenseits des S-Bahnrings. Der CDU-Abgeordnete Christian Gräff will die zusätzlichen Gebühren für den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs am Stadtrand verwenden (was für einen Christdemokraten ja durchaus bemerkenswert ist). Speziell hat er Marzahn-Hellersdorf im Blick – da hat er seinen Wahlkreis.
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Lasst die Schüler von ,Fridays for Future‘ demonstrieren. Und wenn es eine Dauerveranstaltung wird, dann machen wir den Samstag wieder schulpflichtig.“
Wolfgang Schäuble am 4. Juni 2019 auf dem Wirtschaftstag des CDU-Wirtschaftsrats.
Tweet des Tages
Eine vollverpollerte Welt begrenzt den Blick. Gegenseitiger Respekt ist eine bessere Basis für ein friedvolles Miteinander
Antwort d. Red.: Die Veranstalter der Radler-Demo „Critical Mass“ zu den neuen Berliner Radwegen.
Stadtleben
Essen – 40 Gramm Vodka, dazu wahlweise eine feinwürzig eingelegte Tomate oder ein Fischcanapé auf Schwarzbrot (4,20 Euro). Dinge, die man nur auf Speisekarten russischer Restaurants findet. Etwa auf der des Café Voland in Prenzlauer Berg. Da wird abends bei Kerzenschein von der traditionellen Holztheke in der Mitte des Raumes kräftig ausgeschenkt, oftmals gesungen und vor allem deftig gegessen. Pelmeni, Wareniki, Bliny mit Keta-Kaviar und Butter. Wer die osteuropäische und russische Küche noch nicht so gut kennt, geht zum sonntäglichen Buffet. Für 13 Euro pro Person kann man sich von 18 bis 22 Uhr durch Eingelegtes aller Art, Salate, Suppen und Fleischgerichte probieren. Geöffnet: Täglich von „18 Uhr bis ???“ - klingt nach einer guten Chance auf open end. Wichertstraße 63, S/ U-Bhf Schönhauser Allee
Trinken – Kurt Tucholsky, leidenschaftlicher Silvaner-Trinker, hat einmal gesagt: „Schade, dass man Wein nicht streicheln kann“. Dieser Satz findet sich auch auf der Homepage von Baden im Wein in der Schönhauser Allee. Jetzt wo es warm wird, bietet sich ein Abend draußen vor der kleinen Bar besonders an. Wer sich gut mit Wein auskennt, hat eine riesige Auswahl - wer sich (noch) nicht gut mit Wein auskennt, hat den äußerst charmanten Besitzer zur Seite, der je nach geschilderter geschmacklicher Vorliebe die passende Flasche aus dem Regal zieht. Dazu dann eine feine Platte mit Käse, Schinken, Salami, eingelegten Tomaten und Oliven. Mo-Sa 19-2 Uhr, Schönhauser Allee 155, U-Bhf Eberswalder Straße
Berlinbesuch von Mutter, Vater oder den Geschwistern ist ja nicht immer schön. Aber man rafft sich auf, geht bei 30 Grad zum Brandenburger Tor oder stellt sich in der Schlange vor dem Fernsehturm an. Ist eben Familie. Genau um diese Verbindung geht es auch in dem Film „Shoplifters – Familienbande“ über eine diebische Familie in Tokio, der heute Abend ab 21.30 im Freiluftkino Rehberge im Wedding läuft. Der Film des japanischen Regisseurs Hirokazu Kore-eda hat vergangenes Jahr die Goldene Palme in Cannes gewonnen. Vor dem Film bietet sich ein Spaziergang durch den weitläufigen Park, vielleicht sogar ein Picknick an. Berlin und Familie mal anders. Tickets können an der Abendkasse und online gekauft werden, 7,50 Euro. Eingang über die Windhuker Straße, U-Bhf Rehberge.
Geschenk – Zurückbleiben bitte! Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten. Es ertönt „Kreuzberger Nächte“. Die „Berlin, Berlin. Soundmaschine“, eine kleine rote Box an einer Schnur, hat 16 Knöpfe, die 16 spezifische Berlingeräusche, Sätze oder Lieder abspielen. Großer Bürospaß (wirklich!) und kreatives Party-Geschenk. Online über den Emons Verlag erhältlich (12,95 Euro).
Last-Minute-Tickets – Ignorante Kreuzfahrt-Touristen, technischer Fortschritt, Pinguine in der Antarktis und der Essayist als Vogelliebhaber und Feuerwehrmann, der „direkt in die Flammen der Schande“ läuft, während andere davor fliehen. Um all das geht es im Buch „Das Ende vom Ende der Welt“ des preisgekrönten US-Autors Jonathan Franzen, aus dem er heute ab 18.30 Uhr im Literarischen Colloquium lesen wird und über das dann auch diskutiert werden soll. Der Ticket-Vorverkauf ist beendet, da die Veranstaltung aber draußen im Garten und bei voraussichtlich bestem Wetter stattfindet, gibt es noch genügend Tickets an der Abendkasse. „Zur Not nimmt man sich eine Decke mit und fläzt sich auf den Rasen“, heißt es vom Veranstalter. Eintritt 8/5 Euro. Am Sandwerder 5, S-Bhf Wannsee
Noch hingehen – Über Jahrzehnte hinweg war er sein Protagonist. Und es waren bewegte Jahrzehnte. Da zerfiel ein Staat, da kam der Aufschwung, da setzte die Sättigung ein. Fotograf Michael Rutschky hat bei zahlreichen Spaziergängen zwischen 1974 und 2004 den Tiergarten porträtiert. Im Schatten der Mauer und im Licht danach. Noch bis Sonntag, 9. Juni, kann die Ausstellung „Tiergarten. Sequenz 1974 – 2004“ im Märkischen Museum besucht werden. Di-So 10-18 Uhr (auch am Pfingstsonntag), Eintritt 7/4 Euro. Am Köllnischen Park 5, U-Bhf Märkisches Museum
Mit diesem Stadtleben wünscht Ihnen Melanie Berger einen wunderbaren Mittwoch.
Prominent verraten
Der Berliner der Woche setzte sich für den Erhalt der Ku'damm-Bühnen ein und war nach ihrem Abriss bis Januar 2019 in einem Stück in der Komödie am Kurfürstendamm im Schiller Theater zu sehen.
Bekannte Berliner fotografieren für uns eine Woche lang täglich Ausschnitte aus ihrem Leben. Die Auflösung kommt immer freitags - mit einem Selfie.
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Berlin heute
Verkehr – Ab 7 Uhr sind auf der Bismarckstraße (Charlottenburg) zwischen Leibnizstraße und Am Schillertheater bis vsl. Mitte Juni in beiden Richtungen nur zwei Spuren frei. An der Kreuzung Landsberger Allee/ Petersburger Straße/ DanzigerStraße (Friedrichshain) wird bis Freitag für von der Petersburger Straße Kommende nur das Rechtsabbiegen möglich sein. Aufgrund eines Basketballspiels und eines Konzerts ist ab ca. 19 Uhr rund um Mercedes-Benz-Arena und Verti Music Hall mit Stau zu rechnen. Auf der Storkower Straße (Fennpfuhl) wird ab ca. 7 Uhr in Richtung Landsberger Allee in Höhe Max-Brunnow-Straße bis Ende Juni nur eine Spur zur Verfügung stehen. Ab dem Morgen stehen auf der Storkower Straße (Prenzlauer Berg) für zwei Wochen in Höhe Syringenweg in beiden Richtungen jeweils nur zwei Fahrstreifen zur Verfügung. Wegen eines Konzerts in der Zitadelle Spandau (Beginn 19 Uhr) kann es im Bereich Am Juliusturm und Zitadellenweg zu Stau kommen. Zwischen 21 Uhr und 5 Uhr ist der Tunnel Tiergarten Spreebogen in Richtung Moabit (Nord) gesperrt. Heute und morgen kann es ab ca. 10 Uhr wegen eines Kongresses im CityCube Berlin (Westend) zu Stau rund um das Messegelände kommen. Ab ca. 16.30 Uhr ist außerdem aufgrund eines Konzerts in der Waldbühne (Westend) mit viel Verkehr im Bereich der Heerstraße zu rechnen.
Demonstration – In Kreuzberg findet von 6 bis 16.30 Uhr eine Kundgebung mit dem Titel „Verkehrssicherheit von Schulkindern auf dem Schulweg“ statt. Es sind 200 Teilnehmer für die Veranstaltung an der Kreuzung Baerwaldstraße/ Blücherstraße gemeldet. Auf dem Pariser Platz finden sich ca. 150 Protestierende zur „Unterstützung des sudanesischen Volkes“ ein (11-17 Uhr). Die IG Metall hat für Mittwoch mehrere Kundgebungen angesetzt, der Grund sind Tarifstreitigkeiten in der Kfz-Branche: Von 11.30-13.30 Uhr findet ein Warnstreik mit ca. 100 Personen vor einem Renault-Laden im Weißenseer Weg 32 statt, von 12.30-13.30 Uhr gibt es eine Kundgebung am Kaiserdamm 90 vor BMW sowie eine weitere Kundgebung in der Gehringstraße 20, ebenfalls vor einer BMW-Niederlassung. 70 Teilnehmer sind gemeldet. Eine weiterer IG-Metall-Protest mit 30 Teilnehmern findet in der Berliner Allee 279 in Weißensee vor einem Autohändler statt.
Gericht – Ein 22-Jähriger soll in einem Streit in einem Treppenhaus von einer Stufe aus auf den Kopf eines am Boden liegenden Kontrahenten gesprungen sein und ihn anschließend mehrmals massiv getreten haben. Er muss sich nun wegen versuchten Totschlags verantworten. Auch einen Nachbarn, der dem Verletzten helfen wollte, habe er attackiert (9.30 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal 700).
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Hansjörg Göritz (60), Architekt / Monika Fleischmann (69), „Medienkünstlerin, Team Fleischmann-Strauss.de: Alles Gute von den ART+COM Oldies“ / Sebastian Krumbiegel (53), Sänger bei „Die Prinzen“ / Nicole Ludwig (48), für die Grünen im AGH / Peter Seegers, „Alles Liebe für mein Bruderherz, Heidi“
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
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Gestorben – Philipp von Alvensleben, Rechtsanwalt / Jörg Henning Hauschke, * 12. Dezember 1962, Rechtsanwalt / Andreas Adolf Heider, * 21. Mai 1929 / Felix Köhling, * 9. März 1981
Stolperstein – Martha Pinner (Jhg 1874) nahm sich das Leben, bevor die Nazis sie deportieren konnten. Am 5. Juni 1942 schluckte sie eine Überdosis Schlaftabletten. Am 11. Juni wurde sie neben ihrem Ehemann Max auf dem Jüdischen Friedhof in Weissensee beerdigt. Vor ihrem Tod hat sie unter anderem in der Emser Straße 39 in Wilmersdorf gewohnt, wo nun ein Stolperstein an sie erinnert.
Im Tagesspiegel
Das Mikrofon im Bauch, die Kamera im Kopf: Ein kleiner Roboter ist Auge und Stimme für kranke Kinder, die ihre Schule nicht besuchen können. Wie Lucas Raase. Ihm war sein Avatar mehr als eine Lernhilfe. Dem Misstrauen der Datenschützer zum Trotz.
Lesen Sie die Reportage von Oliver Voss heute auf Seite 3 im Tagesspiegel und im E-Paper.
Encore
Weil es gestern so schön war, gibt es heute zum Ende auch noch etwas Enten-Content. Mit vereinten Kräften haben die Feuerwehr, die Berliner Wasserbetriebe und Passanten am Dienstag acht Küken aus einem Gully befreit. Besonders reingehängt hat sich dabei ein Feuerwehrmann, und das auch noch kopfüber: Ein Feuerwehrmann angelte, Schnabel voran, die Schnatterinchen aus dem Gully, während ihn seine Kollegen an den Beinen festhielten. Anschließend wurden die Entchen von Rudow (samt Mutter und vier weiteren Geschwistern) auf einem Teich ausgesetzt. Mit echter Grütze versteht sich.
Mal sehen, ob es bald noch mehr Neues aus Entenhausen gibt. Auf jeden Fall begrüßt sie morgen meine Kollegin Ann-Kathrin Hipp an dieser Stelle.
Bis bald