Der erste April war Amt-aber-glücklich-Tag, nach allem, was man hört: Von überall her schallt Dankbarkeit für die nun doch schnell ausgezahlte Soforthilfe der Investitionsbank IBB.
Nach dem technisch wackeligen Start ist offenbar gelungen, was viele kaum zu hoffen wagten: Vorläufige Rettung für die, denen die Stilllegung der Stadt schon jetzt an die Existenz geht. „Meine acht Mitarbeiter sehen jetzt wieder einen kleinen Lichtstreif am Horizont“, schreibt CP-Leser Jörg S., der am Freitag Nr. 145.228 in der virtuellen Warteschlange war, Montagfrüh das Soforthilfe-Formular absenden konnte und Dienstag das Geld auf dem Konto hatte.
Ähnliches Lob ist von Gastronomen und Künstlern sowie aus dem Kulturbetrieb zu hören. Rund eine Milliarde Euro wurden überwiesen. Nicht aus diesem Topf versorgt sind allerdings allerdings ausgerechnet gemeinnützige, sozial orientierte Unternehmen und Träger, die konstruktionsbedingt kaum Rücklagen haben.
Hier die Statistik, von deren Entwicklung gerade alles abhängt: 2.993 Corona-Infektionen sind in Berlin aktuell bestätigt – 216 mehr als am Tag zuvor. 479 Patienten werden in Kliniken behandelt; das sind fast 100 mehr als am Vortag. 1369 Erkrankte sind offiziell genesen, 17 verstorben.
Die Gesundheitsverwaltung gibt inzwischen keine so genauen Informationen zu den Toten mehr heraus wie zu Beginn der Krise. Bekannt ist aber der Altersmedian der Verstorbenen von 81,5 Jahren – und die Tatsache, dass drei von ihnen noch keine 60 Jahre alt waren.
Die Zahl der Intensivbetten ist von gut 1.000 bereits auf etwa 1.500 erhöht worden; rund 2.000 sollen es werden. Stand Mittwochabend lagen 104 Covid-19-Patienten auf Intensivstationen. Die Idee, das Hotel Estrel zum Krankenhaus umzufunktionieren, wurde verworfen.
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Die aktuellen Zahlen bedeuten für Berlin eine Verdopplung binnen acht Tagen – was als zu schnell gilt, um vom Gesundheitssystem verkraftet zu werden, zumal dessen schon zuvor zu knappes Pflegepersonal nicht mit der technischen Ausstattung wächst.
Außerdem zeigt die Entwicklung, dass sich die schweren Fälle häufen: Die Zahl der in Kliniken behandelten Coronapatienten hat sich binnen sechs Tagen verdoppelt, die der Intensivpatienten binnen fünf.
Der Polizei bereitet noch eine andere Zahl Sorgen: Sonnige 20 Grad sollen es Anfang nächster Woche werden. Die Gewerkschaft der Polizei fordert wegen dieser Aussichten, Parks vorsorglich zu sperren. So wird das Virus auch mental immer mehr zum Feind.
Heute will der Senat bestätigen, worüber sich die Ministerpräsidenten mit der Kanzlerin bereits gestern einig waren: Das Osterfest samt Ferien drumherum können wir vergessen, sofern wir keinen Garten oder uns unbemerkt im Ferienhäuschen an der Ostsee verschanzt haben (empfehlenswerte Geschichte dazu heute auf Seite Drei im Tsp).
Beim Gedanken an die sozialen Folgen der erzwungenen Abschottung – Stichwort: „schwieriges familiäres Umfeld“ – kann einem Himmelangst werden. Was man bisher erfährt, sind nur die nüchternen Bilanzen der Kontaktverbotsbeamten. Am Dienstag waren tagsüber 250 und in der Nacht zu Mittwoch 170 Polizisten unterwegs. Ausbeute: 47 Objekt- und 101 Personenkontrollen, die mit 32 Straf- und 93 Owi-Verfahren endeten, die allermeisten davon in der Nacht.
Die zugehörigen Bußgeldtarife will der Senat heute in einer Sondersitzung beschließen. Außerdem tagt das Abgeordnetenhaus. „Wirtschaftliche und sonstige finanzielle Hilfen in der Corona-Krise“, lautet das Thema der Aktuellen Stunde auf Antrag aller Fraktionen.
Außerdem steht das Vergabegesetz auf der Tagesordnung. Sowohl die Opposition als auch alle denkbaren Wirtschaftsverbände haben R2G vorab aufgefordert, es nicht zu beschließen – sondern angesichts der aktuellen Lage das Gegenteil zu tun: Ausschreibungskriterien befristet zu lockern, damit Aufträge möglichst schnell vergeben werden können und weniger potentielle Bieter wegen der Hürden von vornherein verzichten.
Auf die Frage, wie das Abgeordnetenhaus auch bei drastisch gestiegener Zahl infizierter Parlamentarier beschlussfähig bleiben kann, gibt es noch immer keine Antwort.
Nachdem Parlamentspräsident Ralf Wieland am Montag keine Fraktion von seinem Konzept – Verfassungsänderung zu nötigen Mehrheiten für den Fall massiv ausgedünnter Reihen – überzeugen konnte, fand am Mittwoch auch der Ältestenrat keine Lösung.
Dabei gehen die Meinungsverschiedenheiten auch durch die Koalition. Zur Debatte stehen Verfassungsänderung, -ergänzung oder irgendwas eine Nummer darunter. Das Thema ist auch deswegen akut, weil das nächste reguläre Plenum erst in vier Wochen ansteht.
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Ein Fest für Beethoven und die Musik unserer Zeit, mit internationalen Gästen wie: Orchester & Chor der Accademia Nazionale di Santa Cecilia mit Sir Antonio Pappano, Gewandhausorchester Leipzig und Andris Nelsons, Orchestre Révolutionnaire et Romantique & Monteverdi Choir mit John Eliot Gardiner und Berliner Philharmoniker unter Kirill Petrenko bzw. Daniel Harding u.v.a.. Tickets jetzt erhältlich.
Der Medizinstudent John Mitchell hat Michael Müller sowie den Senatorinnen Kalayci, Scheeres und Breitenbach „im Namen meiner Mitstudent*innen“ geschrieben, sie mögen das Staatsexamen keinesfalls absagen wie vom Bundesgesundheitsminister empfohlen.
„Diesem Examen geht ein gut ausgetüfteltes 100-tägiges Lernprogramm voraus, das nun 14 Tage vor dem Examen abgebrochen wurde.“ Die Hörsäle seien groß genug für ansteckungssichere Prüfungen, und die Nachwuchsmediziner stünden ab dem 18. April bereit für den Einsatz in den Kliniken.
Würde das (in Berlin unbezahlte) Praktische Jahr vorgezogen, müssten die Examen im nächsten Jahr ohne die Lerntage geschrieben werden. Im Übrigen würden die Studierenden gern an der Entscheidung beteiligt werden: „Wir sind angehende Ärzte und keine Bowlingkugeln!“
Mittes Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel (Grüne), der sich zu Hause von Covid-19 (mit Husten, Fieber und Gliederschmerzen über mehrere Tage) kuriert, fordert eine Mundschutzpflicht in Supermärkten und öffentlichen Verkehrsmitteln.
Natürlich keine Profi-Ausrüstung, die anderswo dringender gebraucht wird, aber gern Selbstgenähtes oder wenigstens Tücher oder Schals, um sich und die Mitmenschen zumindest halbwegs zu schützen.
„Die Zeit der Freiwilligkeit ist eigentlich vorbei“, sagt von Dassel, der bald ins Büro zurückkehren will. Dort erwartet ihn laut Morgenpost bereits Ärger mit der lokalen CDU, die ihm vorwirft, sich zu leichtfertig bei seiner Freundin angesteckt zu haben.

Bisher elf Berliner Feuerwehrleute sind nachweislich mit dem Coronavirus infiziert, 249 befinden sich laut internem Lagebericht von Mittwochabend aktuell in Quarantäne.
192 Covid-19-Patienten hat die Feuerwehr bisher transportiert. Ein Rettungswagen wurde bereits zur rollenden Intensivstation aufgerüstet, zwei weitere folgen, weil die bisher vorhandenen vier Fahrzeuge absehbar nicht reichen. Gesichtsmasken gelten „nach wie vor als Mangelressource“ und sollen sparsam verwendet werden.
Die Freiwilligen Feuerwehren haben jetzt „Starterkits Infektionsschutz Covid-19“ erhalten: Gesichts- und Atemschutzmasken, Desinfektionsmittel, Schutzkittel, Handschuhe.
Die Geschichte einer Krankenpflegerin unter der Überschrift „Euren Applaus könnt ihr euch sonstwohin stecken“ hat Tsp-Leser Uwe Dierks zu einem Spendenaufruf animiert. Konkret war es der Satz: „Wir wollen auch mal reisen, uns etwas ansparen“, der ihn beschäftigte.
Also hat er in seiner Segler-Community eine Spendenaktion gestartet, um einem/r „Pflegehelden/in“ einen einwöchigen Segeltörn zu sponsern. Nach einem Tag konnte er das Spendenziel von 700 auf 1400 Euro (= 2 Plätze an Bord) verdoppeln.
„Die Resonanz hat mich sehr gerührt und war enorm“, schreibt Dierks. Nun steht die Kandidatensuche an – für bessere Zeiten, in denen die Pflegekräfte mal für ein paar Tage entbehrlich sind.
Der neue Videopodcast des Regierenden Bürgermeisters ist irgendwie eine seltsame Sendung mit dem Dirk geworden.
Verbraucherschutzsenator Behrendt lobt in Geschichtenonkelsound und mit anstrengend gestreiftem Deko-Schal überm karierten Sakko, dass das Landeslabor Berlin-Brandenburg zusammen mit Bayer jetzt täglich 1000 Corona-Tests leisten kann, was die bekanntlich knappe Kapazität um ein Viertel erhöht. Rechnerisch wären damit nach zweieinhalb Jahren alle Berliner einmal dran gewesen.
Servicehinweis des Bezirksamtes Reinickendorf für Wassersportfreunde: „Aus gegebenem Anlass teilt Bezirksstadträtin Katrin Schultze-Berndt (CDU) mit, dass die Slipanlage in der Heiligenseer Fährstraße bis zum 09.04.2020 geöffnet ist.
Zugleich weist sie darauf hin, dass jeder Nutzer gehalten und selbst dafür verantwortlich ist, die Vorgaben der SARS-CoV-2-Eindämmungsmaßnahmenverordnung einzuhalten.
Dies bedeutet, dass die Nutzung der Slipanlage zulässig ist, um Sport und Bewegung an der frischen Luft alleine, mit Angehörigen des eigenen Haushalts oder mit einer anderen Person, ohne jede sonstige Gruppenbildung, auszuüben.“ Hoffentlich muss das Bezirksamt bei weiterer Zuspitzung der Lage nicht zurückrudern.
Berliner Schnuppen
Telegramm
Heute wird der Gleimtunnel am Mauerpark nach witterungsbedingter Flutung und mehr als einjährigen Bauarbeiten für den Verkehr freigegeben. Da kein großer Regen in Sicht ist, bleibt die Verbindung zwischen Prenzlauer Berg und Gesundbrunnen bis auf Weiteres geöffnet.
Aber nur für dringende Wege und ohne zu verweilen. Also wie früher.
Die weitgehende Stilllegung der Stadt hat den Stromverbrauch um etwa zehn Prozent verringert und den Autoverkehr teils um ein Drittel. Lebt Berlin sicherer, wenn fast alle zu Hause bleiben?
Die Monatsbilanz der Feuerwehr ist gespalten: Im März hatte sie 16 Prozent weniger Technische Hilfeleistungen (z.B. Bergung von Unfallwracks) zu absolvieren als im Februar, aber 8,5 Prozent mehr Brände zu löschen. Da hat wohl mancher Home Officer die Raviolidose zu lange in der Mikrowelle gegrillt.
Ende 2018 wurde der Theodor-Heuss-Platz ummarkiert, um Autofahrer am unfallträchtigen Verlassen des Kreisels über den Radstreifen in die Ahornallee zu hindern.
Im Jahr vor der Umgestaltung gab es dort 147 Unfälle mit 15 Verletzten, im Jahr danach 139 mit wiederum 15 Verletzten – weil viele Autofahrer „weiterhin verkehrswidrig über die Sperrfläche geradeaus in die Ahornallee“ fahren und dabei querende Radfahrer rammen (Q: Verkehrsverwaltung auf Anfrage MdA Andreas Statzkowski, CDU). Nun soll mit baulichen Barrieren nachgeholfen werden.
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Was macht eigentlich die Verkehrswende? Sieht gut aus, wenn man sie aus der Perspektive von David Hartmann betrachtet.
Es mag daran liegen, dass er in der Verkehrsverwaltung arbeitet – aber auch daran, dass inzwischen einiges passiert ist, wie seine Fotodokumentation zeigt. Wenn diese für sich genommen guten Inselradwege nun noch zu einem Netz verbunden (und alle Bezirke endlich mittun) würden, könnte man eines Tages sogar mit Kindern durch die Stadt radeln.
Die U1 fährt ab heute wieder auf ganzer Linie, also auch zwischen Gleisdreieck und Uhlandstraße. In normalen Zeiten wäre das eine gute Nachricht, aber aktuell sollte es ein Geheimtipp bleiben:
Weil nicht nur der Andrang, sondern auch der Fahrplan ausgedünnt ist, sind manche Züge bedenklich voll.
Bike Rider heißt jetzt – ...ach, nix. Aber Lidl Bike wird Call A Bike, also wie früher. Ab heute werden die Mieträder sukzessive von Grün auf Rot umgelabelt und „im Laufe der nächsten Wochen“ die Lidl-Bike-App appgeschaltet, sodass ggf. ein Appdate auf die Call-A-Bike-App nötig wird. Ansonsten ändert sich laut DB Rent nichts.
Herzlichen Glückwunsch zum 755., Friedrichsfelde! Am 2. April 1265 wurde das Pfarrdorf Rosenfelde erstmals urkundlich erwähnt.
Die Namensänderung in Friedrichsfelde zu Ehren des eher wenig ehrwürdigen späteren Königs Friedrich I. gab Pfarrer Samuel Donner – die Älteren erinnern sich – am 25. Januar 1699 bekannt.
1896 wurde die Landgemeinde mit dem Gutsbezirk, auf dem bis 1685 das Schloss errichtet worden war, vereinigt. Die Eingliederung nach Lichtenberg und ins U-Bahn-Netz folgten später.
Herzlichen Glückwunsch zum 55., Europa-Center! Am 2. April 1965 eröffnete der Regierende Bürgermeister Willy Brandt – die Älteren erinnern sich vielleicht – das Büro- und Geschäftsgebäude als damals höchstes Haus in West-Berlin im Beisein von 1.500 Ehrengästen.
Der Mercedesstern auf dem Dach ist laut der Webseite des Centers „die größte, drehbare und hydraulisch klappbare Neonanlage der Welt“.
Und noch ein Jubiläum: Heute vor 30 Jahren wurde die Havelchaussee für den Autoverkehr gesperrt.
Die Reservierung von Berlins drittlängster und erstschönster Straße für Rad- und Busverkehr hielt allerdings nicht viel länger als Walter Mompers rotgrüner Senat.
Von 1925 bis 1945 war die Havelchaussee laut Wikipedia übrigens schon einmal für Autos tabu. So gesehen könnte es in ein paar Jahren wieder soweit sein.
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„I retreat and lock the door, but we're closer than before.“
CP-Leser Robert Domes, als freischaffender Künstler zur Zeit auf dem heimischen Sofa gestrandet, hat ebenda mit seiner Frau Simone ein Lied umgedichtet und eingesungen, das Mut machen soll in diesen Tagen. Er schickt es mit schönen Grüßen aus dem zurzeit praktisch unerreichbaren Allgäu nach Berlin.
Tweet des Tages
Ich habe heute mehrere Stunden damit verbracht, für Sie die besten und lustigsten #Aprilscherze in den Medien zu recherchieren. Hier die Top 3 #AprilApril-Witze: 1. 2. 3. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!
Stadtleben
Corona-Küche – Heute gibt’s eine ordentliche Ladung Eiweiß, einmal für Fleischesser und einmal für Vegetarier, aus der Küche von „Tagesspiegel Genuss“-Kollegin Susanne Leimstoll:
+++ Bulette mal anders: Nämlich mit Zitrone, auf italienische Art. Dafür braucht man 1/2 Bund glatte Petersilie, 50 g frischen Thymian, 300 g Rinderhack, 1 Bio-Ei, 1 EL Paniermehl, 1 EL Parmesan, 1 Bio-Zitrone, 1 EL Mehl, 20 g Butter, 2 Knoblauchzehen, 30 ml Weißwein, 100 ml Wasser, 2 EL frische Petersilie und zwei Zweige Zitronenthymian. Hier erfahren Sie, wie die Zitrone am besten in die Hackmasse eingearbeitet wird sowie alle restlichen Details zur Zubereitung.
+++ Rührei mit Bratkartoffeln, Spinat und Senfsoße: Die Zutatenliste umfasst 120 g Sahne, 1–2 TL Honigsenf, Meersalz, 20 g Butter, 250 g Kartoffeln (z. B. Drillinge), gekocht, gepellt und in Scheiben geschnitten, 4 Eier (Größe L), 20 g Sahne, 50g Babyspinat und eine halbe Chilischote, in Ringe geschnitten. Für die Soße 80 bis 100 g Sahne mit Senf und etwas Meersalz aufkochen und gut verrühren. Für das Rührei Kartoffelscheiben salzen und für 3 bis 4 Minuten in Butter anbraten. Die Eier mit der restlichen Sahne locker verquirlen. Spinat zu den Kartoffeln geben, kurz angehen lassen, dann erst die Eimasse zugeben und mit einem Küchenspatel vorsichtig vom einen zum anderen Ende schieben. Einmal wenden, dabei behutsam arbeiten. Und anrichten.
Das ganze Stadtleben gibt’s mit Checkpoint-Abo.
Workshops und Werkstätten – Das Kulturnetzwerk „mondiale“ fördert Kunst im Kontext von Flucht, Migration und Exil. Das HAU und die Uferstudio sind Teil davon, genauso wie die Arabische Bildungsinitiative Baynatna oder das Medienkollektiv „Newsgroup Afghanistan“. Die kulminierte Kreativität und Expertise seiner Mitglieder teilt das Netzwerk ab jetzt auf seinem YouTube-Channel: Künstler*innen wie der Cartoonzeichner Matze oder der Tänzer Kaveh geben Workshops auf ihrem Spezialgebiet – die Videos sind auf Deutsch, Italienisch, Türkisch oder Farsi, eben ja nach Muttersprache des Tutors.
Besonders für Schüler*innen super: Die Corona Chroniken, eine virtuelle Schreibwerkstatt der Autor*innen Olga Grjasnowa, Ayham Majid Agha und Anna Langhoff (auch auf Englisch und Arabisch). Jugendliche können bei dem Projekt ihre eigenen Geschichten, Lieder, Monologe und Gedichte schreiben, gerne auch in der Gruppe mit den Initiatoren zusammen. Auch jene werden Texte verfassen, die mit denen der Jugendlichen auf dem „Corona Chroniken“-Blog veröffentlicht werden. In Kooperation mit dem Volkstheater Rostock werden Schauspieler*innen die Texte vorlesen, spielen oder singen (bald zu sehen auf YouTube). Die Schreibwerkstatt trifft sich auch täglich um 11 Uhr im Stream.
Zuhause bei Frida Kahlo – Das Museo Frida Kahlo in Coyoacan, Mexiko, gewährt persönliche Einblicke in das Leben der ikonischen Künstlerin: in ihren Kleiderschrank. Schließlich ist Kahlo nicht zuletzt für ihren Modestil, der Teil ihrer Kunstperson war, bekannt. Das Haus, in dem sie seit 1929 lebte und letztendlich 1954 starb, ist normalerweise für Besucher aus aller Welt geöffnet. So auch derzeit, jedoch virtuell: Über „Google Arts & Culture“ lässt sich die Ausstellung „Mehr Schein als Sein“ online abrufen. Darin werden Kahlos charakteristische Tehuana-Kleider und ihre extravaganten Schuhe gezeigt, unterfüttert mit Infos zum Leben der Künstlerin.
Frivole Fotokarten und persönliche Post– Am 1. April ist „Der blaue Engel“ 90 Jahre alt geworden, der Film, der Marlene Dietrich in ihrer Rolle als „Lola Lola“ berühmt machte. Er feierte damals im Gloria-Palast am Kurfürstendamm seine Premiere. Zu Wochenbeginn hätte der Streifen von Josef von Sternberg, der im Übrigen der erste Tonfilm der Ufa war, im Arsenal laufen sollen. Aus bekannten Gründen wurde daraus nichts, doch Marlene Dietrichs Nachlass in der Deutschen Kinemathek ist auch online abrufbar. Darin befindet sich unter anderem die „Pustekarte" aus dem Film. Darauf zu sehen ist Dietrich in „Marilyn-Monroe-Pose“, ihr Kleid festhaltend. Befestigte Straußenfedern zeigen, sobald man sie wegpustet, Beine und Strumpfhalter der Schauspielerin. Zwar funktioniert das Pusten online nicht, dafür findet man im Archiv Briefe, Fotografien und persönliche Gegenstände aus Dietrichs Nachlass.
Allein in der Bibliothek – Obwohl Berlins Bibliotheken gerade geschlossen sind, haben die Mitarbeiter*innen weiterhin viel zu tun. Wie der Betrieb hinter verschlossenen Türen in der Bezirkszentralbibliothek Mark Twain in Marzahn gerade abläuft, erfahren Sie im täglichen Podcast „Tagebuch einer geschlossenen Bibliothek“. Christoph Kaltenborn aus der Musikbibliothek etwa nutzt die Zeit, um Noten zu systematisieren, und Fachbereichsleiterin Benita Hanke hält vor Ort die Stellung und kommuniziert mit den Kollegen im Homeoffice. Der Podcast ist nicht hochprofessionell, dafür aber sympathisch, authentisch und informativ. Gleiches gilt für den zweiten Podcast der Mark Twain Bibliothek: „Schwebende Bücher“ ist eigentlich eine Veranstaltungsreihe, bei der die Bibliothekarinnen alle sechs Wochen ihre Leseempfehlungen geben. Wegen der Pandemie gibt’s das Literaturcafé jetzt online zu hören – u.a. werden dabei Rolf Dobellis „Die Kunst des digitalen Lebens“ und Diana Lehmanns „Berlin. Plattenbau“ besprochen.
Die Tipps für zu Hause heute von: Maria Kotsev.
Berlins heimliche HeldInnen
Seit 38 Jahren ist Mario Bacher als Berufskraftfahrer für die BSR im Osten Berlins unterwegs, seit 31 Jahren arbeitet er sogar mit derselben Gruppe auf dem Müllfahrzeug – „Das ist länger als manche Ehe“, sagt er. Derzeit steht Bacher kurz nach drei Uhr morgens auf. Die Kantine, vor der Coronavirus-Krise ein beliebter Treffpunkt vor Schichtbeginn, ist aus Gründen des Infektionsschutzes geschlossen. „Die Kontakte fallen weg, aber dafür telefonieren wir.“ Auf den Straßen sei merklich weniger los. „Dafür sind mehr Ecken und Einfahrten zugeparkt. Da geht uns der Zeitgewinn wieder flöten.“ Zudem falle aktuell mehr Müll in den Haushalten an: „Sie müssen sich das wie an Weihnachten oder Ostern vorstellen. Jetzt räumen die Leute auf, die Kinder sind zu Hause und es wird mehr eingekauft. Aber wir bemühen uns, alles zu schaffen. Das ist unser Beruf und die Bürger können ja nichts für Corona.“ Teilweise gehe man schon an die Belastungsgrenze, auch sich infizieren zu können, beunruhige Bacher und sein Team manchmal: „Sorgen und Bedenken hat jeder von uns. Wir haben auch viele junge Väter, es findet gerade eine Art Generationswechsel statt. Aber wir sind alle motiviert. Für den Moment kann man das ganz gut an die Seite schieben – wir hoffen einfach, dass es bald vorbei ist.“ Seinen Dienst hält er für selbstverständlich. „Es ist unsere Aufgabe, die Stadt sauber zu halten. Wir lassen uns nicht unterkriegen und machen unsere tägliche Arbeit, auch wenn es gerade eine besondere Situation ist.“ (Text: Paul Lufter; Foto: BSR)
In den kommenden Tagen wollen wir an dieser Stelle Menschen vorstellen, die Berlin aktuell am Laufen halten. Wem wollen Sie danke sagen? Schreiben Sie uns gerne: checkpoint@tagesspiegel.de
Berlin heute
Verkehr – A115: Bis Freitag, je von 9-16 Uhr, ist die Fahrbahn stadteinwärts zwischen Kreuz Zehlendorf und Spanische Allee auf einen Fahrstreifen verengt. Zeitweise muss zusätzlich die Abfahrt Spanische Allee gesperrt werden.
Danziger Straße (Prenzlauer Allee): Ab 7 Uhr in Richtung Eberswalder Straße Höhe Bötzowstraße auf eine Spur verengt (bis Mitte April).
Ruhlebener Straße (Spandau): Zwischen 9 und 17 Uhr nur eine Spur in Richtung Charlottenburger Chaussee zwischen Schulenburgstraße und Teltower Straße.
Charlottenburger Chaussee (Spandau): In Richtung Spandauer Straße Höhe Einmündung Rominter Allee gibt’s nur eine Spur. Und auf der Höhe Einmündung Stendelweg ist die Fahrbahn verschwengt, in Richtung Spandau ist zudem kein Linksabbiegen in den Stendelweg möglich.
Straße Alt-Biesdorf (Alt-Biesdorf): In Richtung Alt-Kaulsdorf ist die Fahrbahn zwischen Lötschbergstraße und Braunsdorfer Straße auf zwei Fahrstreifen verengt.
A100 (Stadtring): Zwischen 22 und 5 Uhr ist die A100 in Richtung Neukölln von der AS Heckerdamm bzw. AS Jakob-Kaiser-Platz bis AS Hohenzollerndamm gesperrt.
S-Bahn: Die Linien S2 und S25 sind zwischen 22 und 1.30 Uhr zwischen Nordbahnhof und Bornholmer Straße unterbrochen.
Gericht – Nach einem Raubüberfall auf ein Café in Wedding vor knapp vier Monaten wird einem 54-Jährigen der Prozess gemacht. Er soll in Richtung einer Mitarbeiterin geschlagen, sie mit dem Tode bedroht und der Frau die Tageseinnahmen entrissen haben (9 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal 504).
Heimuniversität – Auf das umfangreiche digitale Angebot des Verbunds der Öffentlichen Bibliotheken Berlins (E-Books, E-Learning, Hörspiele, Filme etc.) haben wir hier bereits hingewiesen – ab jetzt gibt’s den Online-Ausweis für drei Monate kostenlos. Anmeldung hier.
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – „Alles Gute und vor allem Gesundheit zum Geburtstag, liebe Anuschka! Du bist eine tolle Kollegin! Deine Kulturbande vom Moma“ / Hildegard B., (73), „Alles Gute und noch viele Jahre in Gesundheit wünscht dir deine Lauffreundin Gabi“ / Kerstin Buschenhagen-Ochs (53), „Alles, alles Liebe von uns dreien - Wir freuen uns aufs Nachfeiern!“ / Simon Ernst (26), Spieler bei den Füchsen Berlin / Sonja Gerhardt (31), Schauspielerin / Roland Gewalt (62), ehem. für die CDU im AGH / „Gratulation an Andreas Köhler (64), Unternehmer, Musiker, Pilot und Lebenskünstler, von deinen Lieben!“ / Kurt Krieger (72), Unternehmer / Michaela Opialla (66), „Ein Geburtstagskuss für die Gesundheit“ / Charlotte Rennert (22), „Liebe Lotti, bleib so tough und zielstrebig wie Du bist. So bist du genau richtig! Dickes Bussi Mam und Dad“ / Alexandra Schabram, (49) / Brigitte Struzyk (74), Schriftstellerin / Katrin Rutschow-Stomporowski (45), ehem. Ruderin / „Ein Hoch auf die Frühlingskönigin. Bald stoßen wir im real life auf dich an. La vita è ancora bella. Deine Johanna.“ / „Kann es auch weiterhin mit dir aushalten. Herzlichen Glückwunsch, Spätzelchen, dein Puckies.“
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Rita Drews, * 1. November 1949 / Peter Exner-Straube, * 24. August 1947 / Hans Hermann, * 5. April 1931 / Johannes Raschka, Leiter des Referates GI4 „Internet, Soziale Medien“ im Bundesinnenministerium
Stolperstein – Richard Frey (Jhg. 1874) diente als Soldat im Ersten Weltkrieg. Danach kam der Architekt nach Berlin, wo er eine Wohnung in der Goethestraße 80 in Charlottenburg bezog. Er war außerdem als Bildhauer tätig, Mitglied in der Goethe-Gesellschaft und veranstaltete Kammermusikabende. 1938 wurde ihm seine Arbeit von den Nazis verboten. Heute vor 78 Jahren – am 2. April 1942 – wurde er in das Ghetto Warschau deportiert, wo er vermutlich ermordet wurde.
Encore
CP-Leser Manfred Füger, schneekugelprämierter Gewinner des Frühlingsgedichtwettbewerbs vom vorvergangenen Montag, hat wegen des großen Erfolges seine lyrische Begabung zu neuen Gipfeln getrieben – und ein weiteres Gedicht eingesandt. Statt eines Sachpreises gibt es diesmal allerdings nur Ruhm und Ehre. Bittesehr.
Corona – Die Zweite
Forscht man in den Suchmaschinen
Und gibt das Wort „Corona“ ein
Wird man staunend registrieren:
Ein Virus ist das nicht allein.
Erstmal ist's ein Mädchenname
Sodann ein Kranz für eine Dame
Es meint auch eine Heilige
'ne Danceband für ganz Eilige
Auch als Zigarre ist's vertraut
(hat schon der Schröder drauf gekaut)
Ein Spionagesatellit
Spielt bei 'Corona' auch noch mit
Und hätt‘ Toyota je gedacht
Dass ein 'Corona' Sorgen macht?
In aller Welt stimmt Menschen froh
'Corona'-Bier aus Mexiko.
Mit dem „Gefühl wie Strand und Sonne“
bereitet es gewöhnlich Wonne
Nur funktioniert im Angesicht
Des Virus g'rad die Werbung nicht
Weil sie dort begeistert schreiben:
„All you need is a Corona“.
Wir werden schön zu Hause bleiben
Vor allem auch Opa und Oma!
Morgen macht Anke Myrrhe Sie hier auf eventuelle Ungereimtheiten aufmerksam.
Alles Gute!

