wie an jedem Sonnabend küren wir auch heute wieder die Berlinerinnen und Berliner der Woche – besondere Leistungen werden hier ausgezeichnet mit Gold, Silber, Bronze und Blech. Preisverdächtig sind dabei alle, die Großes oder Kleines für diese Stadt und die Welt geleistet haben: ob beim Sieg über das Behördenpingpong, bei der Umsetzung kreativer Ideen oder dem persönlichen Engagement im Kiez. Wir freuen uns auf Ihre Nominierungen (Deadline ist immer freitags um 13 Uhr) an checkpoint@tagesspiegel.de.
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Unsere Herbstromantik: Die bunteste Zeit des Jahres lädt zum Genießen ein. Nehmen wir das Eichhörnchen zum Vorbild und sammeln wir Glücksmomente für morgen.
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Favoritin auf Bronze war bis kurz vor Einsendeschluss Bettina Jarasch – die Spitzenkandidatin der Grünen hatte es irgendwie geschafft, im Wahlwerbesong ihrer Partei („Das gesungene Lastenrad“, wie Julius Betschka hier kommentierte) nicht auftreten zu müssen. Aber dann überkamen die Jury Zweifel: War ihr Einsatz im Video vielleicht nur wieder wegen inkorrekter Bezeichnung eines indigenen Volkes nachträglich gelöscht worden? Und so setzten sich letztlich aus den Nominierungen unserer Leserinnen und Leser Sylvia Falkner und das Team vom „Metzer Eck“ durch – die Begründung, vorgetragen von Lotte Lund und Detlef Kannapin: „Sylvia Falkner hat mit ihrem Team durch alle Weltlagen und die Pandemie hindurch diese Ur-Berliner Kneipe von 1913 mit Selbstkosten und Humor erhalten - dafür unseren ewigen Dank!“ Team Checkpoint schließt sich gerne an Prost!
Mit Silber werden in dieser Woche unsere Leserinnen und Leser ausgezeichnet – Ihre Vorschläge zur Umbenennung des Kreuzberger Weins waren wirklich hochprozentig: „Rüpelsheimer Nierentreter“, „Kreuzberger Schotterrebe“, „Grüner Grauser“, „Gruselkabinett“, „Säuerling“, „Zögerling“ usw… Nach der Jurysitzung gab’s erstmal ein Kreuzberger Katerfrühstück.
Gold hätte in dieser Woche eigentlich das junge Tagesspiegel-Paralympics-Team unter der Leitung von Benjamin Apitius und Ann-Kathrin Hipp verdient – besser und origineller lässt sich das kaum machen. Doch Angehörige der Redaktion sind natürlich von der Preisvergabe ausgeschlossen.
Und so heißt die Berlinerin der Woche Eva-Marie Schoenthal! Die älteste Bezirksverordnete der Stadt wurde am Donnerstag zu ihrem 90. Geburtstag nach 53 Jahren SPD und 41 Jahren BVV Neukölln von Bezirksbürgermeister Martin Hikel in den kommunalpolitischen Ruhestand verabschiedet. Hier Auszüge ihrer letzten Rede:
„Ich versuche es mal ohne feuchte Augen, vielleicht klappt’s ja. Ich hoffe, ich habe einiges erreichen können. Das konnte ich jedoch nie allein. Ich möchte mich bei allen bedanken, die mir auf meinem Weg geholfen haben. Unsere Demokratie ist verletzlich und nicht selbstverständlich. Wir müssen stetig dafür kämpfen, dass sie auch künftig stark gegen Angriffe von außen und innen bleibt.“
Team Checkpoint gratuliert herzlich!
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Zur Eröffnung des Musikfest Berlin 2021 am 30.8.2021 treffen die innovative Kraft des Ensemble Modern Orchestra und die genreübergreifende Kompositionsweise von Heiner Goebbels erneut aufeinander. Das neue Werk „A House of Call. My Imaginary Notebook“ ist ein außergewöhnlicher Zyklus für Orchester und akusmatische Stimmen, die in einen Dialog miteinander treten.
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Wir kommen zur Blechmedaille. Ein heißer Kandidat war in dieser Woche der „Referent_innenrat der HU“, der in einer Stellenausschreibung „weiße Menschen“ bat, von einer Bewerbung für einen Job in der Beratungsstelle für rassistische Diskriminierung abzusehen. Aber die Gefahr, sich bei der Begründung intersektional zu verheddern, erschien der Jury zu groß. Zudem wurde die Ausschreibung gestern geändert – jetzt sollen „Personen, die rassistische Diskriminierungserfahrungen machen“, zur Bewerbung „ermutigt“ werden – und dagegen ist nun wirklich nichts zu sagen (offenbar war im Proseminar „Das Grundgesetz“ gerade noch rechtzeitig Artikel 3 dran).
Auch Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel (Motto: „Unter diesem Topf steckt ein kluger Kopf“) hatte nach Bronze in der Vorwoche diesmal gute Chancen auf Blech – seine Bemühungen, in Mitte ab 22 Uhr die Bürgersteige hochzuklappen, sind allerdings lediglich Schrott.
So setzte sich am Ende Dassels grüne Parteifreundin Christiane Heiß durch: Die Stadträtin vollzog am Ende ihrer fünfjährigen Amtszeit in Tempelhof-Schöneberg die Transformation des Grünflächenamts in ein Grauflächenamt – während falschparkende Blechkarossen unbehelligt die engen Straßen verstopfen, lässt sie die von Anwohnern am Gehwegrand gepflanzten Stockrosen jäten. Für die Umsetzung des Mobilitätsgesetzes, für das sich ihre Partei gerne selbst feiert, fehlt da natürlich die Zeit: „An keiner Stelle“ wurden die Vorgaben „in die erforderlichen Personalstellen übersetzt und etatisiert“, heißt es in einem „Kienbaum“-Gutachten. Und um einen bereits 2008 (!) vom Senat empfohlenen Radweg endlich auf die Straße zu bringen, musste Heiß jetzt den Nachbarbezirk Friedrichshain-Kreuzberg um Amtshilfe bitten. Das Urteil der Jury: „Reden ist Silber, Nicht-Handeln ist Blech.“
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Wochniks Wochenende
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Samstagmorgen – Wie wäre es zum Aufwachen mit etwas Kunst? Dazu muss man heute nicht einmal Galerien betreten, denn eine Vielzahl von Komponist:innen und Klangkünstler:innen haben ihre Werke über die ganze Stadt verteilt. Mit nichts weiter als einem Smartphone und Kopfhörern ausgestattet, sind die Stücke zu hören, darunter Hörspielhaftes, Historisches und abstrakte Kompositionen, die mit den Orten, an denen sie zu hören sind, korrespondieren. Vor Ort angebrachte QR-Codes starten den jeweiligen ortsbezogenen Stream. Das Ganze geschieht im Rahmen des Monats der Zeitgenössischen Musik, der in diesen Tagen begonnen hat und noch bis Ende September eine geballte Ladung eben zeitgenössischer Musik an zahlreichen Spielstätten und in den öffentlichen Raum der Stadt bringt.
Samstagmittag – Wer viel zu Fuß geht, sollte auch gut essen! In Prenzlauer Berg gibt es seit Kurzem eine Neuerung: Das Sathutu bietet moderne Küche aus Sri Lanka in Kombination mit Zutaten aus dem Berliner Umland. Die Speisekarte ist überschaubar, aber umso feiner: Als Short Eats werden Speisen zwischen 8 und 25 Euro bezeichnet, die teilweise danach schreien, verschiedentlich kombiniert zu werden. Darunter Papadam mit Pflaumen-Chutney, Linsen mit Masala und Tomaten, Muscheln mit grünem Pfeffer und Brioche oder Garnelen mit Yoghurt und Pepperoni. Rykestraße 15, Di-Sa 17.45-22 Uhr.
Samstagabend – Apropos Essen: Die Erde quillt über vor Plastik. Eine ordinäre Plastiktüte braucht zwischen 100 und 500 Jahren, um vollständig zersetzt zu werden – und Plastik ist nahezu in allem zu finden. Darüber haben auch Regisseurin Andrea Bittermann und ihr Team nachgedacht und bereits 2012 die Ratten ins Leben gerufen: Eine Theater-Performancegruppe von Schauspieler:innen in aberwitzig überdimensionierten Rattenkostümen, die im öffentlichen Raum Aktion macht. Und was hat das nun mit Essen zu tun? Aktuell verarbeiten sie in der Performance Ratten To Go die etwa 280 000 Tonnen Verpackungsmüll, die die Food-To-Go-Industrie allein in Berlin alljährlich produziert und denken in der Show über nachhaltige Mehrweg-Lösungen nach. Um 17 und 18 Uhr ist das Nagetier-Ensemble vor dem Robin Hood Store, Altenbraker Straße 15, zu erleben.
Sonntagmorgen – Wer nach derart viel Action etwas Ruhe fürs Auge benötigt, findet sie in grundsätzlich leisen Fotografien. Zum Beispiel in Oberschöneweide, Wilhelminenhofstraße 83-85, wo der 14. Jahrgang der renommierten Ostkreuzschule ab 12 Uhr seine Abschlussarbeiten zeigt. Oder im Haubentaucher, Revaler Straße 99, ebenfalls ab 12 Uhr: Hier ist gerade die Photo Week angelaufen, die allerdings mit Workshop-Programm, Prominenz und Preisverleihungen vermutlich etwas weniger Ruhe verströmen dürfte.
Sonntagmittag – Vom Stillen zum Bewegtbild: Der aus Pakistan stammende Videokünstler Basir Mahmood befasst sich mit den Produktionsprozessen der Filmindustrie. In der auch „Lollywood“ genannten Stadt Lahore, die einst das Potenzial hatte, in einem Atemzug mit „Bollywood“ genannt zu werden, mittlerweile aber zur Randerscheinung der Pakistanischen Kulturlandschaft geworden ist, erteilte er einer dortigen Filmcrew den Auftrag, einen Film zu produzieren. Einzige Vorgabe seinerseits: Der Streifen sollte vom Tod des Al-Qaida Führers Bin Laden handeln, alles weitere überließ er der Crew. Regieanweisungen und Zwischenrufe während der Produktion hat er mit aufgenommen und im Film Good ended happily mit verarbeitet, um ihm eine zweite Reflexionsebene zu verleihen. Zu sehen ist das Werk bis 27. Februar im Neuköllner Kindl – heute von 14 bis 22 Uhr ist die feierliche Eröffnung.
Sonntagabend – Wenn man noch am Wochenendeende aufmerksam horchend in der Stadt unterwegs ist, sollte man selbst vom Plänterwald aus noch jazzige Klänge vernehmen können. Am gegenüberliegenden Ufer, auf dem Grün vor dem Funkhaus Nalepastraße, findet nämlich das XJazz Weekender statt. Live-Acts wie Dimitra Zina, das Aron Ottington Quartet oder Leona Berlin könnten vorüberziehenden Standup-Paddler:innen gefährliche Tanz-Impulse in die Beine schicken. Das Ganze geht von 16 bis 22 Uhr, der Eintritt ist frei. Statt, wie vom Veranstalter empfohlen, Picknickdecken mitzubringen, sollte angesichts des Wetterberichts allerdings auch über Regenschirme und Zelte nachgedacht werden.
Mein Wochenende mit
Kevin, unser liebstes Wildschwein in der Rotte, kennt jeden Flecken Land in Berlin und Brandenburg. An dieser Stelle gibt er wöchentlich Ausflugstipps ins Umland.
„Neulich waren Chantal, die wanderlustige Sau von Nebenan, und ich mal wieder in 15859 Philadelphia. Wussten Sie, dass der mittlerweile in Storkow eingemeindete Ort so heißt, weil seine ursprünglichen Einwohner:innen im späten 18. Jahrhundert als Kolonisten in die USA auswandern wollten? In die gleichnamige Stadt in Pennsylvania nämlich. Irgendwie muss das schief gegangen sein, sodass sie am Ende einfach ihr Dorf umbenannten. Einfacher war reisen noch nie, würde ich meinen. So kamen wir entlang unserer kleinen Wanderung natürlich auf Ideen. Der angenehm zu umrundende Görsdorfer See, an dessen Ufer erstaunlich viele Hundehalter:innen zugegen waren, wurde kurzerhand zum an der Sonne gelegenen Lago di Görda und der gleich daneben gelegene Kolberg zum berühmten Kol di Lana. Obwohl der Gipfel gleich mehrere Meter über dem Spiegel des Lago di Görda liegt, haben wir es uns nicht nehmen lassen, ihn zu bezwingen – die Aussicht war atemberaubend und alle Mühen wert. Ja, Italienburg, seine Berge und Seen, zum Greifen nah. Oder nicht? Chantal hat sich gleich informiert: Wollten wir hier tatsächlich etwas umbenennen, wäre der Amtsweg in der Tat länger als die Fahrt per Ozeandampfer nach New York. Und schneller. Aber man wird ja wohl noch etwas träumen dürfen, nicht wahr? Ich empfehle mich, mit freundlichen Grunzen.“
Leseempfehlungen
Kabul brennt – auch in Berlin setzt die Situation Menschen und Dinge in Bewegung. Wie Berliner Afghanistan-Experten Fluchtwege für Menschen In Kabul finden, schreibt Armin Lehmann (Abo).
In der Prignitz, genauer: nahe der Haltestelle „Lenzen Markt“, gleich neben einer Reihe verrammelter Häuser mit Nazisymbolen, befindet sich Deutschlands größtes veganes Hotel, in dem zugleich alles auf Nachhaltigkeit ausgerichtet ist. Jana Weiss (Abo) hat es besucht.
Die Musikindustrie verändert sich – nicht für alle Beteiligten zum Besseren. Der Berliner Musiker Valentin Hansen rebelliert – wie, das hat Carolin Rueckl (Abo) aufgeschrieben.
Wochenrätsel
In dieser Woche sorgten die Grünen mit einen Wahlwerbesong voll hanebüchener Reime für Gesprächsstoff. Welches Volkslied liegt der Neuinterpretation zugrunde?
a) „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten“
b) „Kein schöner Land“
c) „Grün, grün, grün sind alle meine Kleider“
Schicken Sie uns die richtige Lösung und gewinnen Sie einen Checkpott.
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Zum Schluss heute noch ein sachdienlicher Hinweis. Falls Sie sich wie in jedem Jahr darüber wundern, dass mitten im Sommer das erste Weihnachtsgebäck in den Läden liegt, Sie sich aber nicht mehr erinnern können, warum das so ist: Es gibt dafür eine einfach Verschwörungserklärung, die wir Ihnen hier gerne verraten – aber nur, wenn Sie das nicht weitererzählen. Also dann: Es handelt sich um eine heimliche Privilegierung von Anhängern der Regierungsreligion! Mir ist das zufällig klar geworden, als ich im Internet an einem Warenregal folgendes Schild entdeckte: „Für alle Geimpften, die bereits im September versterben werden, hat der Handel den Verkauf von Spekulatius-Keksen vorgezogen. Sie sind ab sofort im Supermarkt erhältlich.“ Halleluja… Und falls Ihnen das nicht passt: Unter den 78 Demonstrationen, die an diesem Wochenende in Berlin angemeldet sind, findet sich sicher auch eine gegen den vorzeitigen Verkauf von Weihnachtssüßigkeiten.
An den Spekulationen dieser Ausgabe beteiligt waren Thomas Lippold (Recherche) und Florian Schwabe (Produktion). Wir wünschen Ihnen ein schönes Wochenende!