das war gestern ein ganz schlechter Tag –als entspringe Corona einem Märchen der Gebrüder Grimm, hatte sich SARS-CoV-2 als herrlichstes Frühlingswetter verkleidet. Die unsichtbare Gefahr lockte viele Leute verführerisch strahlend nach draußen: aufs Tempelhofer Feld, auf den Hermannplatz, in den Park am Gleisdreieck – überall waren Menschengruppen zu sehen, eng beieinander auf den Wiesen, dicht an dicht in den noch offenen Cafés. Als hätte es keine Warnungen und Appelle gegeben.
Doch die erschreckende Prognose des Robert-Koch-Instituts ist nicht Teil einer Fantasy-Serie, die sich je nach Gemütslage abschalten lässt, sondern simple Mathematik: Zehn Millionen Infizierte könnte es in zwei bis drei Monaten deutschlandweit geben – das wären zu schnell zu viele, um die ernsthaft Erkrankten versorgen zu können. „Versammeln Sie sich nicht, bleiben Sie zuhause“, bat deshalb noch einmal flehentlich RKI-Präsident Lothar Wieler – in den Berliner Bluetooth-Boxen kam das nicht mal als Störgeräusch an.
Auch der NDR-Podcast mit dem Virologen Christian Drosten schaffte es offenbar nicht in die Playlists der Parks – der Charité-Professor sagte gestern: „Es wird wirklich schlimm kommen“, und mit Blick auf eine Studie aus England: „Die Aussichten sind wirklich verzweifelnd.“
Angela Merkel mahnte am Abend in einer dramatischen TV-Ansprache: „Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst. Seit der Deutschen Einheit, nein, seit dem Zweiten Weltkrieg gab es keine Herausforderung an unser Land mehr, bei der es so sehr auf unser gemeinsames solidarisches Handeln ankommt.“ Und weiter:
„Ich appelliere an Sie: Halten Sie sich an die Regeln, die nun für die nächste Zeit gelten. Wir werden als Regierung stets neu prüfen, was sich wieder korrigieren lässt, aber auch: was womöglich noch nötig ist. Dies ist eine historische Aufgabe und sie ist nur gemeinsam zu bewältigen. Dass wir diese Krise überwinden werden, dessen bin ich vollkommen sicher. Aber wie hoch werden die Opfer sein? Wie viele geliebte Menschen werden wir verlieren? Wir haben es zu einem großen Teil selbst in der Hand."
Nie zuvor war Merkel so zu hören. Es ist auch ein letzter Versuch, mit einem Appell noch zu verhindern, was anderswo bereits gilt: eine Ausgangssperre.
Und auch Berlins Regierender Bürgermeister rief dringend dazu auf, Einschränkungen und Verhaltensempfehlungen ernst zu nehmen – er hoffe, eine Ausgangssperre vermeiden zu können, aber ausschließen wollte er ein solches Mittel nicht: „Das kann schnell entschieden werden. Und wenn nötig, wird es schnell entschieden.“
In einer „YouGov“-Umfrage sprachen sich 53 % der Befragten für Ausgangssperren aus („Ja, auf jeden Fall“ 21% / „Eher ja“ 32 %). Ich bin gespannt, wie es unter den Checkpoint-Leserinnen- und Lesern aussieht – bitte sehr, hier ist jetzt nur Ihre Meinung gefragt:

Autoritarismus und Anarchie geben in der Krise einander die Hand – hoffen wir, dass dabei kein schwerwiegender Defekt auf die Gesellschaft übertragen wird. Politik und Verwaltung stehen auch in Berlin vor Herausforderungen, für die es keine Blaupause gibt. Die Aufgabe wird jeden Tag größer, die Koordination schwieriger, gewohnte Strukturen lösen sich auf. Vieles erinnert an die Vereinigung der beiden Stadthälften, auch dafür konnte niemand üben: Learning by doing, damals wie heute, jeder Schritt Wagnis und Notwendigkeit zugleich, Politik als Experiment mit ungewissem Ausgang – mit drei gravierenden Unterschieden:
1) Diesmal geht es um Leben und Tod.
2) Zeit ist heute nicht Geld, sondern Gesundheit.
3) Es gibt viel zu verlieren.
Zu den Verlierern zählt die Kultur. „Kultur ist systemrelevant“, sagt Kultursenator Klaus Lederer – und für Berlin gilt das absolut. Während in den Wirren der Wendezeit die Kreativität auf einzigartige Weise erblühte, droht Covid-19 sie jetzt zu ersticken: Von einem Tag auf den nächsten entzieht das Virus Tausenden (Überlebens-)Künstlern die Existenzgrundlage. „Das Coronavirus ist auch ein Angriff auf ein Lebensmodell, es trifft Leute, denen es nicht ums große Geld geht, sondern um ihre Ideen und deren Verwirklichung“, schreiben heute Werner van Bebber und Barbara Nolte im Tagesspiegel – so ist es.
Vom Senat gibt es Nothilfen, Überbrückungskredite, Steuerstundungen, aber jetzt sind alle Berlinerinnen und Berliner gefragt: Welche Ideen haben wir, denjenigen zu helfen, die unsere Stadt so besonders, so anders, so lebenswert machen? Wie schaffen wir es, dass wir auch nach Corona das Konzert, die Kleinkunstbühne, das Kiezkino, die Galerie, das Theater, die Bar besuchen können? Wie können wir diejenigen retten, die auch uns schon so oft gerettet haben, und sei es vor der Langeweile? Wir sammeln hier ab sofort Vorschläge, an ein paar Ideen arbeiten wir auch schon – die Adresse: checkpoint@tagesspiegel.de. Support your local Artist, Barkeeper, Barista!
Bedroht von der Corona-Krise sind viele – gerade auch wirtschaftlich. Nicht wenige werden schon bald ihre Mieten nicht mehr zahlen können. Bei aller gebotenen körperlichen Distanz („soziale Distanz“ könnte als Wort kaum falscher und fataler sein): Jetzt ist der Moment, in dem Vermieter und Mieter aufeinander zugehen sollten (sinnbildlich!), in aller Offenheit über ihre jeweilige Situation.
In der Not zusammenhalten: Das hat Berlin schon immer gut gekonnt. Zeigen wir, dass es noch geht.
Der Senat stellt von heute an Liquiditätshilfen bereit bis zu 200 Millionen Euro insgesamt. Informationen für betroffene Unternehmen bieten ab sofort die Berliner Fördergesellschaften – telefonisch und auf ihren Webseiten:
Berlin-Partner: 030 46302 440 bzw. https://www.berlin-partner.de/
IBB: 030 2125 4747 und https://www.ibb.de/de/startseite/startseite.html
visitBerlin: 030 264748 886 oder https://www.visitberlin.de/de
Der Senat ist auf der angemessenen Betriebstemperatur angekommen – aber die strukturellen berlintypischen Probleme schaukeln sich gerade in der Krise hoch, Beispiel Spielplätze: Hier war der Senat der Schließungsempfehlung des Bundes nicht gefolgt (Lederer: „Weil in der Großstadt nicht jedes Haus einen Garten hat und Kinder in kleinen Wohnungen nach Wochen einfach krank werden“), aber fünf Bezirke machten dennoch dicht – völlig überraschend hielten sich viele Kinder nicht an den Ratschlag der Gesundheitssenatorin, beim Spielen auf Distanz zueinander zu gehen. Tja.
Der Regierende Bürgermeister hatte in der vergangenen Woche erste Corona-Maßnahmen hinausgezögert, weil er ein einheitliches Handeln der Länder wollte – jetzt konnte er nicht mal im eigenen Gärtchen föderalen Wildwuchs verhindern.
Eine Mail des unter Quarantäne stehenden Mitte-Bürgermeisters Stephan von Dassel an seine elf Kolleginnen und Kollegen verdeutlicht das Dilemma – hier ein Auszug:
„Faktisch können wir uns ja nur zwischen Pest und Cholera entscheiden, ich halte die Offenhaltung nach wie vor für richtig, einheitliches Handeln aber für noch wichtiger. Aus virologischer Sicht haben die Schließungsbefürworter sicherlich Recht, hier wäre die vollständige Quarantäne aller Bürger*innen für mehrere Wochen das Beste. Aber wir haben wirkliche tausende Familien in unserem Bezirk, bei denen mir Angst und Bange wird, wenn diese über längere Zeit in ihren oftmals ja beengten Wohnungen bleiben (…). Und aus meiner Sicht müssen wir das öffentliche Leben so organisieren, dass diese Regeln dann auch für mehrere Wochen durchhalt- und der Bevölkerung vermittelbar sind. Regeln, an die sich niemand hält oder die nur mit Polizeigewalt durchzusetzen sind, helfen niemand.“
Und hier die Antwort von Helmut Kleebank aus Spandau (Auszüge):
„Spandau folgt damit der Linie der Bundesregierung und auch dem Sinn nach den bisherigen Maßnahmen des Landes Berlin, nämlich Sozialkontakte möglichst zu vermeiden und Veranstaltungen zu unterbinden. Dem Virus ist es nämlich egal, ob wir die Begegnung von Menschen eine Veranstaltung nennen oder nicht. Faktisch sehen wir aber Spielplätze mit Dutzenden von Kindern samt Eltern, die quasi permanent direkten Kontakt miteinander haben. Wenn wir die Spielplätze offenlassen, verlegen wir also die Übertragung von den mittlerweile geschlossenen Kitas und Schulen auf die Spielplätze. (…) Nicht Spandau hat die einheitliche Linie verlassen, sondern der Senat ist der mit der Bundeskanzlerin verabredeten Linie nicht gefolgt. Wieso stimmt Berlin dieser Verabredung erst zu, setzt sie dann aber nicht um?“
Gute Frage. Wir könnten versuchen, den Regierenden Bürgermeister zu fragen, aber Michael Müller ist jetzt auch in Quarantäne, und das kam so:
Am Nachmittag teilte die Senatskanzleiüber den offiziellen Twitter-Account des Regierenden Bürgermeistersmit:
„Berlin und Brandenburg haben bei einer Sondersitzung über ein gemeinsames Vorgehen beim Umgang mit dem Coronavirus gesprochen. Beide Länder sind in dieser Krisenzeit nochmal enger zusammengerückt. Die intensive Zusammenarbeit ist wichtig, um die Verbreitung des Virus einzudämmen.“
„Enger zusammengerückt“ ist hier wörtlich zu verstehen – die dazu verbreiteten Bilder zeigen Michael Müller und Ministerpräsident Dietmar Woidke jedenfalls recht nah beieinander.
Etwa zur gleichen Zeit verschickte Parlamentspräsident Ralf Wieland eine Mail an alle Berliner Angeordneten, die Botschaft: Der israelische Botschafter wurde positiv getestet – am 9. März hatte Jeremy Issacharoff an einer Veranstaltung zu Ehren von Margot Friedländer teilgenommen, unter den 140 Gästen waren viele Abgeordnete, die Plenarsitzung am heutigen Donnerstag wurde deshalb abgesagt.
Auch Michael Müller war am 9.3. dabei – eine direkte Infektion ist zwar wegen des zeitlichen Ablaufs eher unwahrscheinlich, aber der Regierende Bürgermeister begab sich gestern am späten Nachmittag ebenfalls für mindestens vier Tage in Quarantäne. Offiziell (z.B. über Twitter) erfuhren die Berlinerinnen und Berliner davon allerdings bis heute früh nichts – auch nicht auf der Website der Senatskanzlei, wo alle Pressemitteilungen veröffentlicht werden.
Die geplante Notklinik auf dem Messegelände für leichte und schwere Corona-Fälle will Projektleiter Albrecht Broemme noch im April in Betrieb nehmen – zur Ausstattung sagte der frühere Feuerwehrchef gestern Abend im „rbb“ allerdings vage: „Die Beschaffung ist eingeleitet.“ Doch nach Checkpoint-Informationen könnte sich die Lieferung von dringend benötigten Beatmungsgeräten in höherer Stückzahl noch Monate hinziehen – in Berliner Kliniken ist von massiven Engpässen die Rede. Bei Marktführer Dräger, der auf Materialzulieferungen angewiesen ist, soll die Wartezeit 32 Wochen betragen.
Berlin ist und bleibt eine der internationalsten Städte der Welt – die englischsprachige Community ist riesengroß. Ab sofort gibt es den Checkpoint deshalb auch tagesaktuell in einer englischen Fassung – mit allen Corona-News und den wichtigsten Berlin-Nachrichten, frei auf der Tagesspiegel-Website. Er erscheint hier unter diesem Link an jedem Vormittag. Wenn Sie Freunde, Bekannte, Kommilitoninnen oder Kolleginnen haben, die sich dafür interessieren könnten, würden wir uns über eine Empfehlung sehr freuen.
Berliner Schnuppen
Telegramm
Die Schulleiter sollen in Berlin selbst entschieden, ob die Abitur-Prüfungen verschoben werden – im Fach „Fürs Leben lernen“ dürfte die Höchstnote aber schon mal garantiert sein.
130 unerlaubt geöffnete Geschäfte hat die Polizei gestern dichtgemacht. Häufigste Entschuldigung der Betreiber: Sie wussten von nichts. Tja, mit einem Checkpoint-Abo wär‘ das nicht passiert.
Das „Kinder- und Jugenderholungszentrum Frauensee“ löst wegen der Corona-Krise seinen Kindertierpark auf – folgende Tiere sind abzugeben: 8 Ponys, 1 Maultier, 2 Esel, 4 Ziegen, 4 Schafe, 2 Wollschweine, 3 Mini-Schweine, 14 Kaninchen, 6 Meerschweinchen, 20 Tauben, 4 Puten, 4 Pfauen, 7 Enten, 2 Zebrafinken, 2 Japanische Mövchen, 2 Nymphensittiche, 8 Wellensittiche. Also, wer in diesen sozial distanzierten Zeiten etwas Gesellschaft sucht: Bitte melden unter 015223322869 oder 015115810750, gerne auch per WhatsApp.
Noch nicht abgesagt: die große Bud-Spencer-Ausstellung „Plattfuß in Berlin“ (30.5. bis 29.8. im „Haus Ungarn“). Es kommentiert der Meister selbst: „Hand geb’ ich nicht, kann leicht festkleben!“ (Q: „Das Krokodil und sein Nilpferd“)
Es gibt auch ein Leben abseits von Corona – hier noch einige (fast) virenfreie Meldungen von heute:
Politik und Verwaltung gehen gerne mal in die Luft – und trotzen mit vielen Inlandsflügen wacker den ehrgeizigen Klimazielen des Senats. Die Grünen-Abgeordneten Georg P. Kössler und Harald Moritz haben die aktuellen Zahlen abgefragt, der Checkpoint präsentiert hier exklusiv die wichtigsten Ergebnisse:
+ 54 Prozent aller Flugreisen der Berliner Verwaltung sind Inlandsflüge.
+ Platz 1:Finanzen (126 von 189).
+ Platz 2: Gesundheit (34 von 41).
+ Platz 3: ITDZ (52 von 59)
+ Senkrechtstarter: die Bezirke (+60 % in vier Jahren)
Kommentar der Fragesteller: „Einige Senatsverwaltungen scheinen nicht zu wissen, dass es in Deutschland ein Schienennetz gibt.“ Checkpoint-Prognose: Es geht abwärts (wegen Corona).
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Hören Sie jetzt den Checkpoint-Podcast „Eine Runde Berlin“ bei Spotify, Apple Podcasts oder überall sonst, wo’s Podcasts gibt! Tagesspiegel Checkpoint-Autorin Ann-Kathrin Hipp nimmt sich einmal im Monat ein Thema vor, eine Berlinerin oder einen Berliner mit und fährt eine Runde Ringbahn. Los geht’s in der ersten Folge mit Autor Jens Bisky.
Barrierefreiheit ist ein großes Versprechen der Koalition, doch manche Vorhaben kommen kaum über die Hürde – Beispiel Bushaltestellen: Von 6454 sind ca. 6000 noch immer nicht entsprechend umgebaut. Laut Personenbeförderungsgesetz müssten jedoch bis zum Jahr 2022 von allen Bushaltstellen 75 Prozent barrierefrei sein – Staatssekretär Ingmar Streese dazu in einer noch unveröffentlichten Anfrage des FDP-MdA Thomas Seering: Das ist „nicht annährend realistisch“. Und das nehmen wir heute doch gerne als Beitrag des Tages zu unserem beliebten Betriebsstörungsbingo.
Irgendwie unpassend – aber vielleicht auch gerade eben nicht: Heute ist „Lass uns lachen“-Tag. Wer auch immer sich das ausgedacht hat…
Auch nicht ganz ernst gemeint (allenfalls ein bisschen): Auf der Seite „Pandemic Footprint“ lässt sich genau das berechnen – der eigene pandemische Fußabdruck.
Gregor Gysi ist Union-Fan seit DDR-Zeiten, ok. Aber sein drei Gründe dafür sind originell:
1) „Weil der Club nie ganz vorne gelandet ist.“
2) „Weil Union mit so einer komischen Art Fußball spielte.“
3) „Ich konnte als Anwalt gut von Union leben.“
CP-Analyse: Gysi ist eben Profi (Q: „Spox“)
Und hier noch eine aktuelle Mitteilung der Verkehrsverwaltung: „Der Aufbau einer neuen, modernen Sanitärinfrastruktur geht weiter: Die 100. neue Berliner Toilette wird heute aufgestellt.“ Und wir stellen fest: Corona kann sich in Berlin schon mal auf einigen Normalitätswiderstand einstellen.
Auch das noch – die „Barmenia“ meldet: „Frühjahrsplage Heuschnupfe auf dem Vormarsch“. Puh… Naja, der November war in Berlin diesmal eigentlich auch ganz schön.
Die neuesten Entwicklungen in der Corona-Krise finden sie weiterhin rund um die Uhr hier in unserem Live-Blog.
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„In Krisenzeiten ist es ein Fehler, auf Eigenverantwortung und Vernunft der Leute zu setzen.“
Micky Beisenherz in Folge 1 der neuen Youtube-Serie „Nudeln und Klopapier“ von Aline von Drateln.
Tweet des Tages
Ein dänischer Supermarkt geht genial kreativ gegen Hamsterkäufe(r) vor: Für eine einzige Flasche Desinfektionsmittel werden lediglich 40 Kronen (5,50 Euro) verlangt – für zwei Flaschen jedoch 1000 Kronen (134 Euro) pro Flasche. Besser hat der Markt wohl noch nie geregelt!
Stadtleben
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Weitere Erkenntnisse aus dem Homeoffice mit Kindern: 1. Das Interesse den Kleinkindes an seinem Spielzeug kann durch künstliche Verknappung gesteigert werden. Spielzeug, das selbstverständlich im Überfluss zur Verfügung steht, um selbstverständlich missachtet zu werden, wird wieder spannend, wenn es ein paar Tage aus dem Blickfeld verschwindet. Außerdem nützlich: Washi Tape. Kann überall dran geklebt werden, ohne Spuren zu hinterlassen, haftet selbst nach mehrfachem Abziehen, Zusammenknüllen und Durchkauen noch an Kühlschranktüren und Schuhen. Wesentlich elaboriertere Tipps zur Kleinkindbespaßung finden Sie bei youtube auf dem mamiblock-Channel von Julia Lanzke.
2. Schulaufgaben flutschen besser, wenn man zu Beginn der Lerneinheit einmal alle vorgenommenen Aufgaben (nicht zu viele auf einmal!) kurz durchspricht. Das minimiert Zwischenfragen und gibt Selbstvertrauen. Unmittelbares Feedback und Kontrolle kommen ebenfalls gut an – Nougattüten auch.
3. Bewegung ins häusliche Klassenzimmer bringen seit gestern die JugendtrainerInnen von Alba Berlin: Auf Youtube werden von Dienstag an täglich (Mo-Fr) drei altersspezifische Sportunterrichtseinheiten gezeigt (9 Uhr: 30 Minuten Work-out für Kita-Kinder, 10 Uhr: 45 Minuten Sport für GrundschülerInnen, ab 11 Uhr für OberschülerInnen). Die erste Folge ging gestern online und hatte bis 22 Uhr bereits über 54.000 Aufrufe. Also, wann immer der Kopf raucht: Trainingshose an und los!
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Techno ohne Türsteher: Das Erwachsenen-Sportprogramm folgt am Abend, wenn um 19 Uhr der Livestream für das Feierpublikum startet. Täglich liefert die Plattform „United we stream“ DJ-Sets aus den einschlägigen Clubs Berlins (heute aus dem Tresor) – auch dieses Stadtleben ist unter dem Einfluss von Jamie Mathew und Monika Kruse live aus dem Watergate entstanden. Also bitte nicht wundern, wenn bis Mitternacht die Altbauwende wackeln, im besten einfach mitmachen – und spenden! Denn die Schließung der Clubs ist für mehrere tausend Leute existenzbedrohend, die Plattform der Versuch, eine Art Überbrückungskredit von den Techno-Fans zu bekommen, der in Musik zurückgezahlt wird. Jetzt wird sich zeigen, ob der Berliner Hedonismus auch Solidarität kann. Cash statt Koks! Oder kauft euch wenigstens einen Hoodie.
Lesen ohne Letalität: Den ersten gehen die Pandemie-Romane aus. Darunter Klassiker der Weltliteratur, keine Frage, aber mal ehrlich – in Zeiten wie diesen darf es doch gern etwas sein, das so gar nichts mit Corona zu tun hat. Dazu bitte einmal im Reportagen-Fundus vom Tagesspiegel stöbern. Unsere Favoriten zum weltweiten „Lass-uns-lachen-Tag“: „Das Leben mit der Maus“ – eine Geschichte von Erwin Koch über einen Forscher und seine Leidenschaft zur Etruskerspitzmaus.
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Vertiefende Literatur dazu können Sie übrigens in jeder Kiez-Buchhandlung bestellen. Viele liefern derzeit direkt nach Hause, auch wenn der Laden geschlossen bleibt, wie die Buchhandlung Thaer in Friedenau (Bundesallee 77, Tel. 030 8527908). Bestellungen werden telefonisch oder per Mail entgegengenommen, geliefert wird zum Teil versandkostenfrei – einfach mal nachfragen. Support your local Bücherladen!
Frühlingsgefühle in Steglitz-Zehlendorf: Auch das Ensemble Schlosspark Theaters spielt seit Dienstag ohne Publikum, dafür vor laufender Kamera. Aktuell im Programm: „Schmetterlinge sind frei“ – von einem der auszog, um seine Nachbarin kennenzulernen. Was folgt sind „Liebe, Chaos, Gefühle“, schreibt Boris Buchholz dazu im Tagesspiegel-Bezirksnewsletter, der heute erscheint. Der Livestream aus dem Schlosspark Theater startet um 20 Uhr auf Facebook – Bauchkribbeln inklusive.
Stefanie Golla wünscht Ihnen mit dem heutigen Stadtleben einen zauberhaften Donnerstag.
Berlins heimliche HeldInnen
Dass ein Virus, dessen Auswirkungen noch nicht völlig erforscht sind, gerade das öffentliche Leben in Berlin, Deutschland, ja ganz Europa lahmlegt, davon bekommen die Menschen, mit denen Susann Schmiedel täglich zusammenarbeitet, nichts mit. Schmiedel ist seit acht Jahren Pflegerin in der Demenz-WG der Diakonie Kreuzberg/Mitte und leitet das Pflegeteam. Dort leben Menschen, deren Demenz hochgradig fortgeschritten ist, zusammen. Die Wohngemeinschaft soll Vertrauen und Nähe vermitteln – ein bisschen wie zu Hause auch. „Wir können den Bewohnern die aktuelle Situation nicht erklären, weil sie kognitiv nicht in der Lage dazu sind, sie zu erfassen“, erklärt Schmiedel. Die Pflegenden sind besonders vorsichtig, um keine unnötigen Ängste bei den Bewohnern zu schüren. Viele hätten in ihrer Jugend schlimme Kriegserfahrungen gemacht. Ein Bedrohungsszenario wie das des sich rasant ausbreitenden Virus könnte diese Erinnerungen bei den Betroffenen zurückholen. „Das würde eine Weltuntergangsstimmung erzeugen“, vermutet Schmiedel. Dennoch bekämen die Bewohner mit, dass etwas anders ist als sonst. „Alles ist unruhiger, wir Pfleger verhalten uns anders.“ Diese Unruhe übertrage das Personal unbewusst auf die Bewohner und das wiederum würden auch die Pflegenden merken. Ein Ping-Pong-Effekt, den Schmiedel und ihre Kollegen durch ganz alltägliche Gespräche oder das Singen von Liedern zu durchbrechen versuchen. Nicht wegsingen lässt sich jedoch der Umstand, dass der Betrieb der Demenz-WG durch das Coronavirus stark beeinträchtigt wird: Das Desinfektionsmittel wird knapp, die Lieferung von Lebensmitteln dauert länger, externe Betreuer dürfen ihre Freizeitaktivitäten nicht mehr anbieten und auch Besuche von Angehörigen sind gerade untersagt. Zum Glück reagieren jene verständnisvoll: Sie würde ihrer Mutter eben von der Straße aus zuwinken, hat eine Tochter daraufhin gesagt. „Natürlich würde die Mutter nicht verstehen, wer da unten winkt“, so Schmiedel, „aber die Reaktion hat mich schon sehr gerührt.“ (Foto: privat)
In den kommenden Tagen wollen wir an dieser Stelle Menschen vorstellen, die Berlin aktuell am Laufen halten. Wem wollen Sie danke sagen? Schreiben Sie uns gerne: checkpoint@tagesspiegel.de
Berlin heute
Verkehr – A10 (Südlicher Berliner Ring), Raststätte Michendorf-Süd: Zum Rückbau der bisherigen provisorischen Ausfahrt heute und zum Asphalteinbau am Samstag, 21. März, wird der rechte Fahrstreifen im Bereich der Rastanlage gesperrt. In Fahrtrichtung Dreieck Nuthetal stehen an diesen Tagen nur zwei von drei Fahrstreifen zur Verfügung.
Neu-Hohenschönhausen: Auf der Falkenberger Chaussee beginnen am Morgen Brückenbauarbeiten. Stadteinwärts steht in Höhe Falkenberger Brücke nur eine Spur zur Verfügung. Der Fuß- und Radverkehr wird über einen gemeinsamen Geh- und Radweg geführt.
S-Bahn: Auf den Linien S1, S3 und S5 entfallen in den Hauptverkehrszeiten entfallen die Verstärkerfahrten, der sonstige Takt bleibt erhalten.
Demonstration – Laut Polizei wurden alle neue Demonstrationen für heute abgesagt. Offiziell darf weiterhin unter bestimmten Vorraussetzungen demonstriert werden (bis maximal 50 Teilnehmende, mit Mindestabstand, Dokumentation der Kontaktdaten aller Teilnehmenden), aber die Proteststimmen werden zunehmend leiser auf den Plätzen und Straßen Berlins. Auch wir raten: Bleiben Sie lieber zu Hause! Und stellen vorerst unsere Demo-Rubrik ein.
Gericht – Momentan werden nur noch wenige Prozesse fortgesetzt, neue Prozesse finden vorerst nicht statt. Fortgestetzt wird heute die Verhandlungen gegen einen 41-jährigen Vater, der seine 26 Tage alte Tochter durch heftiges Schütteln tödlich verletzt haben soll. Zu dem mutmaßlichen Übergriff soll es im März 2017 gekommen sein. Der Vater sagte im Verfahren wegen Körperverletzung mit Todesfolge, er habe keine Erklärung für das diagnostizierte Schütteltrauma (9.30 Uhr Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal 701).
Universität – Auch die Universität der Künste läuft im Notbetrieb. Inhalte werden aber auch außerhalb der Universitätsgebäude präsentiert: Im Wintersemester gingen Studierende des Studiengangs Kulturjournalismus der Frage nach, wie wir uns an Deportation, Verfolgung und Rassismus in der Nazizeit erinnern. Es entstanden fünf Radiostücke mit Zeitzeugen und Menschen, die die Verbrechen der Nationalsozialisten immer wieder gegenwärtig machen, nachzuhören in der „rbb Kultur“-Mediathek.
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Nadja Auermann (49), Model / Isabella Benz (30), Schriftstellerin (Pseudonym) / Edith Brunswick (80), „Alles Gute wünscht M. Günther.“ / "Liebste Lili, zu Deinem 18. großen Geburtstag wünschen wir Dir nur das Beste und einen trotz (oder gerade wegen) des Ausnahmezustands unvergesslichen und schönen Tag. Endlich voll(jährig)! In Liebe, Deine Familie" / Barbara Morgenstern (49), Musikerin / Maik Penn (39), für die CDU im AGH / Silke Peyrick (50), Buchhändlerin – „Alles Gute von Christoph Piotti" / Joachim Sartorius (74), ehem. Intendant der Berliner Festspiele (2001-2011) / Ines Schmidt (61), für Die Linke im AGH
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Michael R. Fischer, * 27. Mai 1941, Künstler / Hannelore Harder-Brauer, * 2. August 1951 / Fabian Glowacki, * 4. September 1972 Ilse Sophia Kubaschk, * 23. April 1939
Stolperstein – In der Dudenstraße 10 in Kreuzberg erinnert ein Stolperstein an Erich Ohser (Jhg. 1903). Der unter dem Pseudonym e.o.plauen bekannte Zeichner und Karikaturist illustrierte u. a. Bücher von Erich Kästner, arbeite für den „Vorwärts“, positionierte sich am Ende der Weimarer Republik mit satirischen Zeichnungen für die Zeitschriften „Der Querschnitt“ und „Neue Revue“ gegen die Nationalsozialisten. Mit Hilfe des Ullstein-Verlags erhielt er eine „Arbeitserlaubnis für unpolitische Zeichner“. Nachdem er in einem Luftschutzkeller Witze über Hitler und Goebbels erzählt hatte, wurde Erich Ohser denunziert und am 27. März 1944 von der Gestapo verhaftet. Der Prozess wegen „Wehrkraftzersetzung“ und „landesverräterischer Feindbegünstigung“ war für den 6. April 1944 angesetzt. Erich Ohser erhängte sich am Tag zuvor in seiner Zelle.
Encore
In Erinnerung an Max Frisch hatten wir hier gestern gefragt, wie wohl ein zeitgemäßer Fragebogen in Zeiten von Corona aussehen würde. Also: Was wollen wir (von uns) eigentlich wissen? Hier ein paar Ihrer Antw… nein, Quatsch – Ihrer Fragen:
Wer sind Sie? Was bedeutet Heimat für Sie? Kann man nach einer Konversation mit jemandem dümmer sein als vorher? Welche Drogen werden im Jahr 2200 konsumiert? Welche sollten konsumiert werden? Wann machen Pommes endlich schlank? Wie funktioniert GPS? Was ist Ihr Fokus im Leben? Wird aus der augenblicklichen Nachdenklichkeit (angesichts der Corona-Pandemie) eine echte, nachhaltige Änderung Ihres Selbstverständnisses erwachsen? Wie werden wir nach Corona leben? Sind Sie glücklich? Warum?
Viel Stoff zum Nachdenken. Das letzte Wort aber soll heute nochmal Angela Merkel haben:
„Im Moment ist nur Abstand Ausdruck von Fürsorge.“
Ich wünsche Ihnen einen gesunden Tag – morgen früh bezieht hier Stefan Jacobs den Checkpoint, um für Sie mit und ohne Virenscanner nach den wichtigsten Nachrichten Ausschau zu halten. Bis dahin,