wir schauen zu Beginn mal schnell ins Kino-Programm (ist ja schließlich Berlinale; mehr dazu im „Encore“) – und lesen auf der Ankündigungstafel des (geschlossenen) Bundesplatz-Kinos: „Schnee von heute – Wegen des großen Erfolgs Verlängerung! 2. Woche“. Tatsächlich könnte es heute nochmal zu einem kleinen Flockdown kommen, bevor es taut (max. 5 cm, siehe auch „Das Eis wird dünner“). Der Kino-Lockdown dauert dagegen noch an.
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Bei „Berlin direkt“ im ZDF warnte der Regierende Ministerpräsidentenvorsitzende Michael Müller gestern Abend trotz sinkender Inzidenz (F‘hain-Xberg und T‘hof-S‘berg sind unter 50, Steglitz-Z’dorf bei 32,6) vor zu großer Hoffnung auf baldige Wiedereröffnung von Kultur und Kommerz: Die Werte müssten erst stabil unter 35 liegen, und zwar großflächig. Osterurlaub hält Müller immerhin „für denkbar“ – aber das kann auch bedeuten, dass er vielleicht wieder nur im Kopf stattfindet, als schöne Fantasie.
Viel hängt ab vom Tempo, mit dem sich die hoch ansteckenden Virusvarianten verbreiten – in Berlin tauchen sie inzwischen bei jeder zehnten Neuinfektion auf (Q: Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci). Müller meint seine Mahnung zu mehr Geduld also durchaus ernst – auch wenn er zuletzt öfter lächelnd zu sehen ist, wie am Sonnabend bei Phoenix. Der Comic-Künstler Matthias Lehmann, der das politische Leben Müllers zu zeichnen versuchte, stellte beim Gespräch jedenfalls fest: „Sie kommen sehr entspannt rüber.“
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Die Sondersitzung des Berliner Parlaments gestern zu den Corona-Verordnungen hatte einen unerwarteten Höhepunkt: Als der NPD-nahe Abgeordnete Andreas Wild (noch Mitglied bei der AfD, früher Fan von CDU, FDP und Grünen) von einer Diktatur schwafelte, unterbrach ihn Präsident Ralf Wieland und klärte ihn darüber auf, dass er in einer Diktatur hier wohl kaum würde reden dürfen. Den Rest der Rede überklatschte das Parlament dann einfach, (fast) fraktionsübergreifend. Hoffentlich hat der Protokollant das nicht falsch verstanden – spätestens in fünfzig Jahren werden wir es in den Geschichtsbüchern lesen.
Angetreten war die Grünen-Spitzenkandidatin Bettina Jarasch, um „Brücken zu bauen“ – vom Bau neuer U-Bahnstrecken hielt sie (wie die meisten Grünen) eher wenig. Doch die Meldung der „Morgenpost“, dass ausgerechnet die (grün geführte) Verkehrsverwaltung eine Verlängerung der U7 in beide Richtungen empfiehlt (BER und Heerstraße), kommentierte sie jetzt so:
„Gut, wenn der Senat die Debatte über neue U-Bahnlinien versachlicht. Die U-Bahn ist ein wichtiger Teil der Verkehrswende.“
Hm, demnach wäre wohl auch das gleichzeitige Vorwärts- und Rückwärtsfahren ein wichtiger Teil der Verkehrswende; zumindest scheint es ein elementarer Bestandteil von Jaraschs Wahlkampf zu sein. Vielleicht will sie die Berliner Untergrund-Bahnen demnächst aber auch nur noch über Brücken fahren lassen, das Oben und Unten ist schließlich auch ein wichtiger Teil der Verkehrswende, ebenso wie das Drunter und Drüber. Die grüne Wirtschaftssenatorin Ramona Pop, die den Zug ins Chefzimmer im Roten Rathaus vor ein paar Wochen verpasst hatte, stieg jedenfalls gleich ein und reagierte ironisch jubelnd so:
„Weitere Linien werden folgen! Freue mich darauf, und: Jede Senatsdebatte ist selbstverständlich sachlich.“
Anmerkung der Redaktion: Früher haben sich die Grünen auch fürs Klima interessiert. Nach aktuellen Berechnungen für ein Gutachten (hier nachzulesen) amortisiert sich der Umweltbauschaden einer U7-Verlängerung erst nach 128 Jahren (unter Berücksichtigung der überirdischen Teilstrecken). Bis dahin dürfte nicht nur den Nachnachnachfolgern der heutigen Grünen-Generation das Wasser bis zum Hals stehen.
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Ein herrlicher Spaß ist die „Joyn“-Doku „Unfck the World“ (ganz cool ohne „u“) über den (nicht nur an Corona gescheiterten) Versuch, am 12. Juni 2020 die Welt durch eine Petitionsveranstaltung im Olympiastadion zu retten – allein schon der Start-up-Sprech der dengelnden Aktivsten ist allerfeinste Unterhaltung („Also das is‘n huge success“).
Teil 1 läuft unter dem Titel „Aufstand der Wissenschaftler“, und in einer Schlüsselszene sollen die „Scientists for Future“ im leeren Stadion für ein PR-Video den ausgewählten Slogan rhythmisch skandieren („Unfuck the World. Es eignet sich super als Festival-Titel, Unfuck the world. Es ist so… so call to action-mäßig“). Philip Siefer, einer der beiden Organisatoren, singt vor: „Aaanfuck, Anfuck the World, Aaanfuck the World“ (Klatschklatsch). Die Gruppe stimmt nur zögernd ein, einer fragt: „Was ist, wenn wir nicht ‚fuck‘ sagen wollen?“
Tja, Problem. Was jetzt? „Wir piepsen das aus“, schlägt Siefer vor. Die Wissenschaftler ziehen sich zur Beratung zurück. „Einige stören sich jetzt hier an der Nicht-Jugendfreiheit.“ „Das heißt halt so.“ „Das wollen wir gar nicht erst aufmachen, das Fass.“ Waldemar Zeiler, der andere Organisator, versucht, einen Zweifler zu überzeugen. „Das ist natürlich provokativ, aber die Presse wird extrem darüber berichten.“ Eine Frau löst sich aus der Gruppe und geht auf Siefer zu: „Also ich glaube, es gibt noch keinen Konsens darüber, dass wir ‚Unfuck the World‘ rufen.“ „Ok, wer nicht will, braucht nicht.“ „Aber wir stehen ja trotzdem hier zusammen.“ „Ok, hat jemand eine Idee für einen neuen Slogan?“ Hm, wie wär’s vielleicht mit „Vornehm geht die Welt zugrunde“?
Immer mehr Müll (inkl. Hausratschrott) landet in Berlin auf der Straße: Vor drei Jahren waren es 31.900 Kubikmeter, vor zwei Jahren 33.200 und im vergangenen Jahr 39.500 m³. Abfuhrkosten laut BSR: Fünf Millionen Euro. Im krassen Gegensatz dazu stehen die Einnahmen durch Bußgelder wegen illegaler „Entsorgung“ – hier eine Bezirksübersicht (Zahlen für 2020):
Spandau: 8960 Euro
Reinickendorf: 4940 Euro
Marzahn-Hellersdorf: 2890 Euro
Friedrichshain-Kreuzberg: 2775 Euro
Neukölln: 2520 Euro
Mitte: 785 Euro
Pankow: 500 Euro
Charlottenburg-Wilmersdorf: 0 Euro
Lichtenberg: 0 Euro.
Steglitz-Zehlendorf: 0 Euro („Keine Ermittlungsansätze“)
Treptow-Köpenick: 0 Euro („Kann leider nicht beantwortet werden“)
Tempelhof-Schöneberg: 0 Euro („Die Verursachenden konnten nicht ermittelt werden“)
Macht zusammen gerade mal 22.370 Euro, also ein 213tel der angefallenen Kosten (von den Aufwendungen für Ermittlung und Bußgeldabwicklung einmal abgesehen).
Besonders interessant ist ein näherer Blick auf zwei der zwölf:
+ Tempelhof-Schöneberg sieht sich als einziger Bezirk nicht einmal in der Lage anzugeben, wie viele Sperrmüllmeldungen überhaupt eingegangen sind (Zuständig: Stadträtin Christiane Heiß, Grüne).
+ Mitte bleibt mit 18.346 Meldungen der vermüllteste Bezirk Berlins (Pankow kommt als Zweitplatzierter auf 10.188 Meldungen), erhält aber andererseits mit 719.000 Euro die meisten Mittel aus dem Programm „Saubere Stadt“ – fast das Dreifache des Durchschnitts aller Bezirke (und 225.000 Euro mehr als Neukölln). Dagegen die Zahl der Bußgeldbescheide: fünf.
Somit teilen sich Mitte und Tempelhof-Schöneberg den erstmals in diesem Jahr vom Checkpoint vergebenen Preis „Die Blechtonne“ (wird auf Wunsch bis zur Rathaustür gerollt).
Oft gemeldet werden auch überquellende Abfallbehälter in Parks. CP-Leser Thomas Röming fotografierte gestern so einen am Müggelsee – dort hatten sich offenbar Hochstapler beim Ausflug getroffen (hier zu sehen).
Berliner Schnuppen
Telegramm
Das Eis wird dünner – aber das glauben die Berliner erst, wenn sie es von unten sehen (wie der Vater, der mit Sohn im Kinderwagen aus dem Schlachtensee gezogen werden musste). Die Polizei versuchte, störrische Eisläufer per Hubschrauber ans Land zu wehen. Ein Wärmebild aus der Luft (hier zu sehen) zeigt drastisch die Gefahr.
Die Meldung „Polizei löst Party in Hotel auf – alle Teilnehmer ohne Maske“ hätte es früher am Karnevalswochenende auch nicht gegeben (nicht mal in Berlin). 15 Leute teilten sich hier 15 qm – aber da geht mehr, wie die nächste Meldung zeigt:
„Polizei löst Party in Friedrichshain auf“ – gefunden wurden hier Tütchen mit Kokain, Heroin, Marihuana, Ecstasy und 24 Leute auf 20 qm.
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Unser Kollege André Dér-Hörmeyer hat versucht herauszubekommen, warum zuweilen längst Verstorbene Einladungen zum Impfen bekommen. Es wurde, wie nicht anders zu erwarten, eine lange Partie Behördenpingpong. Schönster Satz (heute im Tagesspiegel): „Das Standesamt. Ein Amt für Geburten, Eheschließungen und für den Tod. Ein Amt für die Ewigkeit? Zumindest wenn man dort jemanden erreichen will.“
Bayern-Trainer Hansi Flick will, dass die Politik „auch mal was Positives verkünden“ kann – offenbar so wie sein Verein mit dem Testergebnis von Thomas Müller. „In der Diskussion um Corona, kann man die sogenannten Experten langsam nicht mehr hören“, sagt Flick. Tja, auch verstehen konnten die Bayern die Experten nie (Suchworte „Rummenigge“, „Maske“, „Nase“ – CP v. 8.2.).
Das Grauflächenamt Pankow hat Stress mit Naturschützern, weil im Bürgerpark ein Baum gekappt wurde – in dem morschen Geäst befand sich die Winterwohnung eines Abendseglers, der Nabu erstattete Anzeige wegen Verstoßes gegen das Bundesnaturschutzgesetz. Stadtrat Kuhn (Grüne), der übrigens gerade neue Baumkontrolleurinnen sucht (Ausschreibung 010-3810-2021), verteidigte die Abholzaktion mit Stammfäulnis der betroffenen Linde – das BA wollte offenbar verhindern, dass den Bürgerinnen eine Krone auf den Kopf fällt.
Apropos Krone: Georg Friedrich Ferdinand Prinz von Preußen droht Berlin und Brandenburg im „Entschädigungskonflikt“ damit, Kunstwerke anderswo in Preußen auszustellen (Schreiben der „Generalverwaltung des vormals regierenden Königshauses“). In irgendeinem Reichsbürgerschuppen ist sicher noch Platz.
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Klopapier und ein Radio waren in dem Koffer, der auf der Wiese vor dem Reichstag herumstand (also alles, was ein Reichsbürger – siehe oben - zum Überleben so braucht). Die Polizei hatte das Gelände abgesperrt, der U-Bahnverkehr wurde unterbrochen.
Das schönste Berliner Valentinsbild hat gestern Hendrik Wieduwilt fotografiert – es ist wirklich herzzerreißend, finden Sie nicht?
Aber: Wenn Ihnen der gestrige Valentinstag genauso am Ärmel vorbeigeht wie der heutige Rosenmontag: Hier ist jemand zusehen, der ganz unverblümt sagt, warum ihm der kalendarische Kitsch auf den Keks geht (heitere 1:56 Minuten).
Auch Silvester kommt jedes Jahr wieder (fällt diesmal übrigens auf den 31.12). Innenstaatssekretär Torsten Akmann hat für den SPD-MdA Christian Hochgrebe deshalb schon mal auf das Feuerwerk 21/22 geschaut und kommt zu dem Schluss: „Das Infektionsschutzrecht stellt keine taugliche Rechtsgrundlage für ein generelles Verbot von Pyrotechnik im innerstädtischen Ring über die derzeitige Pandemie hinaus dar.“ Da steht uns also wieder eine explosive Debatte bevor. Wie sich die Verbotszonen auf die Feinstaubbelastung ausgewirkt haben, können Sie hier sehen.
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Was steht auf der verkehrspolitischen Agenda 2021? Auf dem Future Mobility Summit werfen wir zusammen mit Ihnen einen Blick auf die Zukunftsthemen der Mobilität. Sichern Sie sich jetzt eines der letzten Early Bird Tickets zum vergünstigten Preis (Präsenzticket: 459€, Digital Ticket: 259€ - Angebot gültig bis einschließlich 18.02.21/ zzgl. 19% MwSt.), um am 8. Juni 2021 teilzunehmen.
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Die AfD ist einer ganz heißen Sache auf der Spur: Offenbar will die SPD auf Lebenszeit regieren und hat dafür das Wahlgesetz manipuliert (oder so). Aber sehen Sie selbst…
Das Schild „Neu Montags geschlossen“ (gesehen von Nils Markwardt in der Petersburger Straße) beschreibt Berlins heutigen Gemütszustand eigentlich ziemlich treffend (auch wenn das Ding leider nur schlecht gealtert ist). Übrigens: Friseure hatten früher montags immer zu – was haben die Leute damals an dem Tag bloß mit ihren Haaren gemacht?
Und hier noch ein paar Downer für unsere Lockdown-Sammlung (Staffel 2, Teil 3): Plagiatsprobleme: Dokdown; Militante Katzengruppe: Dogdown; Potenzprobleme: Cockdown; Happyend: Schockdown; Striptease: Rockdown; Atheismus: Gottdown; Bahnverspätung: Lokdown. Nebelwand: Fogdown; Ladehemmung beim FBI: Glockdown; Vorm Anlegen: Fockdown; Friedensgespräch: Stockdown; Steinschlag: Brockdown; Vorlesungsende: Blockdown. Vampire töten: Pflockdown; Im Sitzen pinkeln: Hockdown; Und überhaupt: Downtown! (Mit Dank an u.a. Michael Witte, Martin Schmidt-Ott, Florian Haas, Nora Weise, Elke Rosztok, Christiane Seeber, Sabine Stengel, Lorenz Meisel, Annette Schulze-Röger, Andreas Jandl, Ole Krüger, Sabine Kannenberg, Helga Pannicke, Dorothea Renner, Norbert Thomma.)
Nachtrag (I) zum Wochenrätsel – Erstmals in der Checkpoint-Geschichte stand die richtige Antwort gar nicht zur Auswahl: „Aus welchem Grund musste die Abflughalle des BER-Terminal T1 diese Woche wieder geschlossen werden?“ kann eigentlich nur so beantworten werden: T1 wurde gar nicht geschlossen (jedendfalls nicht so richtig). Geschlossen wurden die Schalter.
Aber auch Antwort a) („weil nicht genug Passagiere durch ihre bloße Anwesenheit die Halle beheizt haben“) haben wir durchgehen lassen, weil das tatsächlich der Grund dafür war, dass es am eiskalten T1 keinen Betrieb gab (der strenge Ostwind drückte die Luft in einen der Bahntunnel, die Bahnen drückten die Luft in den Bahnhof, von dem aus sie weiter ins Terminal strömte). 5000 mal 37 Grad (tägliche Passagierzahl derzeit) sind eben nicht so heiß wie 100.000 mal 37 Grad (geplante tägliche Passagierzahl).
Nachtrag (II) zum Wochenendtipp von Kevin, unserem Lieblingswildschwein – Checkpoint-Leser Peter Brinckmann schreibt:
„Was meint Kevin mit ‚vegane Berliner aus dem Ofen‘? Sind das Veganer, die sich bei dem Wetter im Ofen aufwärmen müssen? Oder ein Schreibfehler, er meint 'aus dem Osten'? Oder gar, nein, kann nicht
sein: Kevin ist ein neu zugezogener Wessi und isst Berliner?“
Also hier zur Klarstellung: Kevin ist Berlin, aber er isst keine Berliner, allenfalls mal eine Maus – am liebsten aber Pfannkuchen (die in Ulm, wo unser Rezept herkam, blöderweise Berliner genannt werden…).
Zitat
„Verzagen Sie nicht.“
Aus der Standard-Mail eines Wohnungsmaklers, in der darauf hingewiesen wird, dass nur ausgewählte Interessenten ein persönliches Antwortschreiben und einen Besichtigungstermin erhalten. Ansonsten: „Wir wünschen Ihnen alles Gute und viel Erfolg bei der Wohnungssuche.“
Tweet des Tages
Es ist nie genug Brahms.
Stadtleben
Menü ergattern – Nichts wie hinaus in die weite Ferne? Wen die nagende Wanderlust plagt, surft flugs hinüber zu den Seiten des Cordo: In seiner frisch gestarteten Kochbox-Reihe verschickt das Michelin-Lokal Fine Dining-Päckchen, die vor Fernweh nur so strotzen – erster Halt: Mexiko! Aus unzähligen kleinen Beuteln plumpsen edle Tacos al Pastor, Ceviche, Süßkartoffeln und Tostadas, zum Nachtisch purzeln Churros und Gewürzschokolade dazu. Sind alle Zutaten ausgepackt, muss nur noch der Herd angeworfen werden, für die Wartezeit liegt situationsgemäß ein Corona-Bier bei. Checkpoint-Tipp: Versandt wird erst ab Donnerstag, doch bestellt werden sollte tunlichst vorher – die Päckchen sind stets im Nu vergriffen. Eine „bring-mich-hier-weg“-Box ist für ca. 50 Euro unter diesem Link zu haben: Frohes Brutzeln.
Drink-Begleitung – Eingeschweißte Hoffnung per Post gibt’s derweil aus der Pawn Dot Com-Bar: Einen „Hope“-Cocktail aus dem Plastikbeutel – mit Sake, Matcha und Holundergin – erstehen Sie für 13 Euro hier, für die ganze „Booze-Box“ bitte hier entlang. Auf heitere Nächte!
Geschenk – Grillen sind Ihnen nur noch aus Erzählungen bekannt und Vögel trällern allenfalls auf Twitter? Wem im Lockdown der Kontakt zur Außenwelt zu entgleiten droht, holt sich lieblichste Natur ins Homeoffice: per Zwitscherbox. Kitschige, scheppernde Billigkisten sind dabei schon längst passé – stattdessen kommen adrette Designboxen mit aufwendigen Soundcollagen ins Regal, aus denen es zaghaft zirpt, quakt und singt. Selbst das New Yorker MoMa orderte 2015 gleich mehrere hundert Exemplare des Start-Ups Relaxound, wie meine Kollegin Susanne Leimstoll hier verrät. Ihr Verdikt: „Geht nicht auf den Wecker“! Mut zur Probe? Eine Box nennen Sie ab ca. 50 Euro Ihr Eigen – hier entlang.
Hören & Spazieren – 80 Tonschnipsel liegen in der Berliner Mitte verstreut, 80 Fetzen der Geschichte: Für das ablaufbare Hörspiel „50 Aktenkilometer“ sammelte das Theaterkollektiv Rimini Protokoll Stasi-Berichte, Pläne und Persönlichkeitsbilder, die sie ehemals Observierte lesen ließen – direkt am Ort der Beobachtung. So entstanden eindringliche Aufnahmen, die per App zu hören sind: Wer sich beim Spaziergang in den Radius einer Datei begibt, kann diese über die Plattform Radio Aporee abspielen. Mehr Infos zum Projekt finden Interessierte hier, der Download des Walks ist kostenlos.
Lockdown-Turnen – Noch bleiben die Fitnesstempel fest verschlossen – auch das Training zieht in Online-Sphären. Wenn Ihre gewohnten Homeworkouts langsam virtuellen Staub ansetzen, muss jedoch schleunigst Abwechslung her: zum Beispiel per Yoga-Kurs, der Mutige nichts Geringeres als die Kunst des Handstands lehrt. Losgeturnt wird heute um 19 Uhr im digitalen HiYoga-Studio – für zehn Euro stehen auch Sie Kopf (Anmeldung hier). Aufrecht, doch nicht weniger kreativ, geht es derweil beim Fitness-Hula Hoop zu: Mit tausendundeins Umdrehungen sollen Bauch und Rücken gestärkt werden – von der Hüft-Augen-Koordination ganz zu schweigen. Wer reinschnuppern mag, klickt sich hier entlang, direkt zum Zoom-Kurs geht es danach hier. Wenn das nicht die Lockdown-Fadheit vertreibt…
Grübelstoff – Flocken über Flocken wollen in diesen Tagen zu Skulpturen verbaut werden. Wer noch nach Geistesblitzen ringt, klickt sich hinüber zu den schicksten Snowmen of Berlin und grübelt prompt: Wann war Ihr herrlichster Schneewinter Berlins – und wie viele Schneemänner wohl derzeit in den Boden der Hauptstadt schmelzen?
Das Pandemie-Ding
Zeiten ändern sich und Corona ändert die Zeiten. In den kommenden Wochen wollen wir an dieser Stelle Gegenstände zeigen, die während der Pandemie an Bedeutung gewonnen haben. Heute: Bianca Tchinda und die Freibad-Kompensation.
„Eigentlich fertige ich verschiedene Fantasie-Häkeltiere und verschenke sie. Ich denke, der Grund, warum ich nun ganze Schwimmmannschaften und Co häkle, ist klar. Die Bäder sind geschlossen seit Monaten.“
Was ist Ihr Pandemie-Ding? Wir freuen uns über Fotos (möglichst im Querformat) inklusive einer kurzen Begründung an checkpoint@tagesspiegel.de.
Berlin heute
Verkehr – Kreuz Zehlendorf (A115): Sperrung der Einfahrten von der Potsdamer Chaussee in Richtung AD Funkturm, es wird über den Kronprinzessinnenweg und die AS Spanische Allee umgeleitet (bis Donnerstag, je 9-16 Uhr).
Kantstraße (Charlottenburg): Auf Höhe Krumme Straße ist in Richtung Messedamm nur eine Spur frei (6-18 Uhr).
Stralauer Allee (Friedrichshain): Zwischen Oberbaumbrücke und Bödikerstraße ist in Richtung Elsenstraße abschnittsweise nur eine Fahrbahn verfügbar (bis Donnerstag, je 8-16 Uhr).
Westend: Zwischen 19 und 21.15 Uhr fährt ein Autokorso durch die City West.
BVG: Die Linien M17, 27 und 37 sind zwischen Allee der Kosmonauten/Rhinstraße und S Karlshorst unterbrochen, es fährt ein Ersatzverkehr (bis Ende Mai).
Demonstration – Vor dem Rathaus Neukölln demonstrieren 100 Personen unter dem Motto „Staat und Nazis Hand in Hand“ (16-18.30 Uhr). Mit einem Aufzug zwischen Gesundbrunnen und Leopoldplatz fordern 100 Teilnehmende „Freiheit für A. Öcalan“ (17-20 Uhr). Aus „Solidarität mit dem XR-Aktivisten, der am 15.2. seine Verhandlung hat“ kommen 20 Demonstrierende zu einer Kundgebung vor dem Landgericht in der Wilsnacker Straße 4 zusammen (12.15-16 Uhr).
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Serge Aubin (46), Cheftrainer der Eisbären Berlin / Dr. Ulrich Frucht (79), „Mediziner; Kordula + Felix grüßen herzlich, wünschen v.a. in diesen Zeiten beste Gesundheit und weiterhin ‚ungebremste‘ Tat- und Schaffenskraft“ / Elke Heidenreich (78), Moderatorin / Romuald Karmakar (56), Filmemacher / Klaus D. Krebs (76), „Herzliche Geburtstagsgrüße von Ellen und Reinhard“ / Reinhard Loske (62), Volkswirtschaftler, ehem. für die Grünen im BT / Gudrun Nelson-Busch (60), „Gratulation von den Mitgliedern der ZWR (Zentrale Webredaktion) der Stabi“ / Patrick Pohle (48), „Gitarrenspieler und bester Schwiegersohn“ / Zsuzsa Sch., „von Herzen das Allerbeste von ihren Fans aus der ehemaligen 4. Etage“ / Sandra Scheeres (51), Senatorin für Bildung, Jugend und Familie (SPD) / Clemens Schick (49), Schauspieler / Nachträglich: „Allerbeste Wünsche und weiter die stabilste Gesundheit: Meine Frau Christine hatte nicht zufällig am Valentinstag Geburtstag!“ / „Unserem lieben Papa, dem Rudower Horst Werner, zum 85. die allerbesten Wünsche von seinen beiden Töchtern!“
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Hillert lbbeken, * 16. Februar 1935, Geologe, Cellist, Fotograf und Schriftsteller / Barbara Hedwig Kühl, * 16. August 1945 / Gisela Månström, * 5. Februar 1924 / Dr. Axel Nünke, Philosoph und Erwachsenenbildner / Renate Urbas, * 20. September 1938
Stolperstein – Otto Reich wurde am 5. Mai 1885 in Berlin geboren. Ende Januar 1943 deportierten ihn die Nationalsozialisten nach Auschwitz, wo er wenige Wochen später – heute vor 78 Jahren – ermordet wurde. In der Charlottenburger Giesebrechtstraße 12 liegt zu seinem Gedenken ein Stolperstein.
Encore
Tag 3 unseres Checkpoint-Filmfestivals: Noch bis Ende der Woche empfehlen Ihnen an dieser Stelle Kultur- und Filmschaffende ihren Lieblingsfilm – und Sie können am Schluss abstimmen, welcher Streifen die Checkinale gewinnt und den „Goldenen Checkpoint“ erhält. Nach den Berlinale-Chefs Carlo Chatrian und Mariette Rissenbeek stellt nun Schauspielerin Lena Urzendowsky (hier eine Erinnerung an das Checkpoint-Sommerkino 2020 mit ihrem Berlin-Film „Kokon“) ihre Wahl vor:
„Ich habe mich dazu entschlossen, einen Film zu nennen, den ich erst vor nicht allzu langer Zeit gesehen habe, der allerdings aus meinem Geburtsjahr 2000 stammt. Es handelt sich um Dancer in the Dark von Lars von Trier. Dieser Film stellt für mich ein richtiges Gesamtkunstwerk dar. Ich finde, jedes Department hat eine in den Kosmos des Films passende eigene Sprache gefunden. Von der darstellerischen Leistung der Schauspieler will ich gar nicht zu schwärmen anfangen, denn dann sprenge ich den Rahmen. Ich finde es faszinierend, wie Björk es schafft, mit all ihren Talenten, diesen Film immer noch einen Schritt mehr zu bereichern, selbst wenn man denkt, das Maß an künstlerischer Leistung ist schon längst erreicht. Ich empfehle jedoch, den Film nicht allein zu schauen, einmal, weil es schön ist, sich danach mit jemandem auszutauschen, und auch, weil er harter Tobak ist.“
In unserer Berlinale-Glosse (heute von Birgit Rieger) geht’s übrigens um King Knut Elstermann („Der einfühlsamste Film-Talker der Stadt“). Mit ihm wird selbst eine Berlinale, die nicht richtig stattfindet, im Radio richtig großes Kino.
Mit viel Gefühl kümmerte sich heute Lotte Buschenhagen ums Stadtleben, Florian Schwabe machte die Produktion klar. Und wir sehen uns hier morgen früh wieder – bis dahin,