an diesem windig begonnenen Wochenende starten wir mit einem Überblick über die wichtigsten Berlin-Nachrichten der vergangenen Stunden:
+++ Berlin droht ein Defizit von 1000 Lehrern im neuen Schuljahr. Assistenten statt Sonderpädagogen und andere Auswege: Der neue Haushalt sucht Antworten auf die Not. Beim Schulbau aber ist eine Lösung in Sicht, weiß Susanne Vieth-Entus exklusiv zu berichten.
+++ Tief „Emmelinde“ in Berlin: Regen und Blitze, aber kein Unwetter. Für Berlin und Brandenburg waren schwere Unwetter angekündigt. Bislang sei die Einsatzlage „absolut ruhig “, berichtete die Berliner Feuerwehr am Freitagabend.
+++ Digitalpanne in der Berliner Innenverwaltung. Mehrere Hundert Berliner und Berlinerinnen erhalten ihre bestellten Urkunden nicht. Grund ist ein technischer Fehler in der Innenverwaltung. Robert Kiesel mit den Details.
Natürlich war das längst nicht alles. Den Rest erfahren Sie hier auf tagesspiegel.de.
Am Wochenende lesen Sie an dieser Stelle üblicherweise nichts von Behörden. Für liebevolles Behördeln machen wir aber eine kurze Ausnahme: Die Lösung unseres gestrigen Behördle-Rätsels lautet natürlich Bundeswehrbeschaffungs-beschleunigungsgesetz, wem lag es nicht auf der Zunge? Noch mehr Wahnsinn gibt's nur in der neuen Checkpoint-Podcastfolge „Berliner & Pfannkuchen“ (Thema Neuwahlen & Nachbarschaft mit Sprachnachrichten von Ex-MdA Marcel Luthe (Freie Wähler) und dem Stadtsoziologen Robert Vief). Und damit zurück zur gewohnten Wochenendbehördenberichterstattungs-
unterbrechung: Willkommen im Wochenend-Checkpoint.
Samstagmittag – Wer nach der (Über-)Dosis Feierkultur etwas reflexiven Fokus wünscht, wie ihn Natur und Kunst fördern, macht sich auf zur Fahrradtour von Haus zu Haus. Wobei mit „Haus“ ganz klar „Museum“ gemeint ist – die Tour verbindet nämlich das Haus am Waldsee, das Georg Kolbe Museum, das Brücke-Museum und das Kunsthaus Dahlem. Per pedales führt Kunstvermittlerin Karen Grunow bis vor die Tür der Häuser und erzählt einiges zu ihren Hintergründen – Ausstellungsbesuche sind im Preis von 18/15 Euro nicht enthalten. Start ist am Georg-Kolbe-Museum (Sensburger Allee 25) um 13 Uhr, eigenes Rad und fünf Stunden Freizeit sind mitzubringen.
Sonntagmorgen – Vielleicht hält er ja ein Schläfchen oder macht Pause, um in bester librocubicularistischer Manier ein Buch zu lesen – auf jeden Fall bestehen die Veranstalter im Cassiopeia darauf: „Punkrock’s not dead – it just smells funny“. Und eben um das lustig riechende Punkrock-Inventar mal an die frische Luft zu führen, veranstalten sie das „Sonntags-Punkrock-Shopping-Gelage“. Wie bitte? Antikapitalistisches Shopping? So ist es. Neben dem üblichen Flohmarkt für Punk-Paraphernalien gibt es auch eine Annahmestelle für Sachspenden, die hier verkauft und deren Erlös an soziale Projekte gespendet werden soll. Mucke und Futter gibt‘s auch, und zwar von 12 bis 18 Uhr beim Berlin Punk Rock Market #21 im Cassiopeia Garden, Revaler Straße 99.
Sonntagmittag – Was heute an Natur da ist, ist nur da, weil wir beschlossen haben, es vor uns selbst zu schützen – willkommen im Anthropozän. Einen schillernden Dreh verpasst die Potsdamer Künstlerin Claudia Güttner diesem Gedanken: In ihren Arbeiten lässt sie nämlich, um ein paar Klischees zu bemühen, leblosen, seelenlosen, kalten Stahl die feinsten und fragilsten Formen der Natur, organisches Wachstum und pflanzenartiges Sprießen nachahmen. Und, wie um auf die bekannte eine-Minute-vor-Zwölf-Metapher zu verweisen, endet die Ausstellung „Leise Massen“ in der GalerieETAGE im Museum Reinickendorf (Alt-Hermsdorf 35) schon heute. Jetzt hingehen – oder nie.
Sonntagabend – Zum Wochenendeende Freundschaft: Viele Jahrzehnte lang verbanden nämlich zahlreiche Freundschaften den US-Komponisten und Künstler Alvin Lucier mit Berlin. Als DAAD-Stipendiat 1990/91 lernte er die Stadt intensiv kennen, zeigte 1999 seine Installationen „Empty Vessels“ und „Twins“ in der Parochialkirche und öffnete mit zahlreichen seiner Konzeptstücke die Horizonte in klassischen Notationsweisen denkender Kompositionsklassen. Einige seiner Freunde und Weggefährtinnen aus dem Kontext singuhr – projekte erinnern heute Abend um 19 Uhr in der Villa Elisabeth (Invalidenstraße 3) an ihn und führen eine Auswahl seiner Kompositionen auf. Eintritt frei.
Mein Wochenende mit
Kevin, unser liebstes Wildschwein in der Rotte, kennt jeden Flecken Land in Berlin und Brandenburg. An dieser Stelle gibt er wöchentlich Ausflugstipps ins Umland.
„Neulich beim Umgraben: In gewohnter Manier haue ich meine Hauer in den Waldboden, als der in ungewohnter Manier aufspringt und davonrennt. Wunderlich, nicht? Wie ich mittlerweile weiß, handelte es sich bei diesem „Hügel“ um ein in Tarnfarben getarntes Tarnzelt. Ich sollte erwähnen, dass es noch sehr früh am Morgen war, ich mich also noch im dämmrigen Halbschlaf befand und dass der darin schlafende Wildcamper beim ersten Ruckeln laut aufschnarchte, bevor er seine Beine und sein Gestänge in die Hand nahm. Ich möchte mich bei diesem Unbekannten in aller Form entschuldigen, ihn zu erschrecken lag wirklich nicht in meiner Absicht. In Zukunft gelobe ich, häufiger höflich Anzugrunzen, bevor ich in Aktion trete. Wie dem auch sei, wer sicher gehen möchte, nicht versehentlich umgegraben zu werden, campt natürlich nicht wild im Wald, was in den allermeisten Fällen auch gesetzlich problematisch ist. Sondern auf einem Campingplatz – hier und hier und hier finden Sie einige Empfehlungen dazu. Chantal, die freundliche Sau von Nebenan, findet die Idee einer Architektur-to-go übrigens äußerst charmant. „Dann hätten wir immer wieder frische Wühlgruben vor der Tür“, sagt sie. Finde ich auch. Mobilie statt Immobilie, reizvolles Konzept. Das empfehle ich. Und mich selbst, mit freundlichen Grunzen.“
Leseempfehlungen
Mit der Bülowstraße verbinden wohl viele vor allem das Rotlichtmilieu. Allerdings: „Der Straßenstrich zwischen Potse und Nollendorfplatz mausert sich zur Kunstmeile“, schreibt Michael Bienert, und erklärt, weshalb das geplante George-Grosz-Museum ebenda hin gehört.
Apropos Zukunftsperspektiven: Frederik Hanssen (Abo) hat sich die Aussichten des Rundfunkchors Berlin angeschaut.
Apropos Aussichten: Warum ein Reisen ohne erreichbares Ziel, nämlich im (Leih-)Wohnmobil gar keines ist, hat Hannes Soltau empirisch herausgefunden.
Und warum genau das, allerdings zu Wasser, für andere genau richtig ist, weiß Julia Schmitz (Abo) zu berichten: Und zwar aus dem Logbuch eines Kapitäns.
Wochenrätsel
Gewonnen! Folgender Satz beschreibt ihn gut: „Am besten wächst er auf kargen Stellen in voller Sonne. Viel mehr Ansprüche hat er nicht.“ Wir suchen den…
a) Glatzenmulch
b) Natternkopf
c) Seidenflaum
Tipp: Aufmerksame Leser:innen kennen die Antwort aus einem der Checkpoints der vergangenen Woche.
Schicken Sie uns die richtige Lösung und gewinnen Sie einen Checkpott.
Jetzt mitmachenHaben Sie ein inspirierendes Wochenende. Der frühe Vogel im Produktionsdienst war heute Lionel Kreglinger, am Montag lesen Sie an dieser Stelle Lorenz Maroldt.