Wir beginnen gleich mal mit Flüsternews aus Schönefeld: Am BER funktionieren zwar noch immer nicht alle Sprinkler, aber gegenüber im FBB-Verwaltungsgebäude (hier ein Bild vom Eingang) gibt’s immerhin schon mal einen Wasserschaden – betroffen ist auch das Büro von Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup. Am Wochenende war im Haus H002 ein Rohr gebrochen, die Mitarbeiter aus der ersten Etage sind bereits ausgezogen. Beim Chef sind zwar nur die Fußböden nass, aber 1) will er sich nicht nachsagen lassen, kalte Füße zu bekommen, und 2) werden bei ihm Bautrockner aufgestellt, und die produzieren nur heiße Luft. Also zieht er wohl heute um – und zwar: voraussichtlich nach Tegel (bloß gut, dass da noch nicht alles abgerissen ist).
Wir aber bleiben erstmal in Schönefeld, denn hier ist noch mehr zu hören: Ein Umweltverband soll über sein Berliner Rechtsanwaltsbüro beim Bundesverwaltungsgericht Klage gegen den Weiterbetrieb und Ausbau des Flughafens SXF eingereicht haben - wegen der Kapazitätsmängel des BER hatte die Flughafengesellschaft die maroden Anlagen von „Schönefeld Alt“ ins neue Konzept eingebunden. Anti-BER-Aktivisten halten das ohne neuen Planfeststellungsbeschluss für rechtswidrig.
Am BER selbst gab‘s gestern vom Flughafenchef eine Nachricht „von großer Bedeutung auf dem Weg zur Inbetriebnahme des BER“: Nur ein halbes Jahr nach dem letzten abgesagten Eröffnungstermin erteilte das Bauordnungsamt die Baugenehmigung zum Betrieb des Bahnhofs in maximaler Auslastung („Nachtrag 6.1“ – klingt ja auch besser als „7. Nachtrag“). Die beantragten „Maßnahmen“ sollen im 2. Quartal 2018 abgeschlossen sein. Die Mitteilung der FBB endet mit dem aktuellen Ceterum censeo: „Eröffnet wird der Flughafen Berlin Brandenburg im Oktober 2020.“
Es gibt ein neues Konzept für das Palais am Festungsgraben – die landeseigene Wohnungsgesellschaft will aus dem historischen Gebäude „ein offenes Haus für Kunst, Kultur, Wissenschaft und Veranstaltungen“ machen, einen multifunktionalen „Berliner Kultursalon“. Nach der Sanierung „soll jedes Berliner Projekt Flächen mieten können“, aber nur temporär: „Vom Kita-Sommerfest über Studenten-Initiativen bis zur Kunstausstellung mit internationaler Strahlkraft“ ist alles möglich, auch für Hochzeiten stehen die Säle zur Verfügung. Außerdem vorgesehen: ein Restaurant, eine Bar mit Dachterrasse, zwei möblierte Wohnungen zur kurzzeitigen Vermietung an Künstler oder Professoren und Co-Working-Arbeitsplätze für die Digital- und Kreativszene (alles Weitere zum Berlinovo-Konzept finden Sie hier).
Den Wünschen des Senats kommen die Berlinovo-Ideen entgegen: Laut Kalkulation ist mit Einnahmen von 642.284 Euro zu rechnen – in der Ausschreibung waren Zuschüsse ausgeschlossen. Zudem ist die Landesregierung ohnehin auf der Suche nach einem repräsentativen Gebäude, auf das sie gelegentlich Zugriff hat. Mit den Ideen der anderen Teilnehmer war der Senat dagegen bisher nicht so zufrieden – das Maxim-Gorki-Theater hatte ein Flüchtlingskonzept vorgeschlagen, die Humboldt-Uni ein „Forum für Religionsfragen“. Beiden Institutionen bietet Berlinovo (Aufsichtsratsvorsitzender: Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen) aber Nutzungsmöglichkeiten an. Nach dem Vorschlag eines Lenkungsgremiums entscheidet der Senat über das künftige Konzept endgültig im Sommer.
Nachdem die über Jahre wiederholten, massiven Bedrohungen eines jüdischen Mädchens durch muslimische Mitschüler bekannt geworden sind („Ungläubige werden verbrannt“, CP von gestern), hat der Schulleiter den Eltern eine Rundmail geschrieben – darin heißt es u.a.: Das Mädchen sei von ihren Mitschülern „angesprochen“ worden „zum Thema Glaube und Religion“. Ach ja? Es ist offenbar höchste Zeit, dass die Schulaufsicht mal den Schulleiter „anspricht“ – und zwar zum Thema Verantwortungsversagen bei Gewalt gegenüber Schutzbefohlenen.
Der Regierende Bürgermeister kommentierte die Sache gestern so: „Das ist ein furchtbarer und besorgniserregender Einzelfall, der hoffentlich nur ein Einzelfall ist und bleibt.“ Aber jeder, der sich ein bisschen auskennt mit der Situation an den Schulen, zum Beispiel die Antidiskriminierungsbeauftragte Saraya Gomis, weiß: Mobbing ist ein Massenphänomen.
Auf Platz 1 der Berliner Landesliste der Ausdauerwahlkämpfer liegt nach derzeitiger Erkenntnis Klaus Mindrup – auch sechs Monate nach der Bundestagswahl verspricht der SPD-MdB auf einem Plakat an einer Straßenlaterne in Karow: „Bahnlärmschutz kommt.“ (Beweisfoto hier) Eigentlich müssen die Parteien solche Politwerbung in der Woche nach der Wahl entfernen, die SPD hat Klaus Mindrup also ziemlich hängen lassen. Würde es in Berlin ein Ordnungsamt geben, wäre hier seit September 2017 sicher schon der Gegenwert einer Lärmschutzwand zusammengekommen. Achtung: Sollten noch Konkurrenten von Klaus Mindrup bisher unentdeckt in der Stadt ausharren: Bitte ein Foto mit Datum an die Ausdauerwahlkämpferjury unter checkpoint@tagesspiegel.de, die Spitzenkandidaten des Wettbewerbs werden auf tagesspiegel.de veröffentlicht.
Telegramm
Eiszeit im Frühling: 14 europäische Länder und die USA weisen wegen des Giftanschlags auf einen Doppelagenten in England russische Diplomaten aus – und Moskau droht mit Vergeltung. Eine Karte zu Berlins besten Bunkern brauchen wir nicht, aber ein bisschen mulmig kann es einem schon werden. Dazu auch der Dienstagskommentar um kurz nach 8 bei Radioeins.
Und hier ein paar Informationen über das „Partnerland“ der Berliner ITB 2020, den Oman: Monarchie mit absolutistischem Herrscher (Sultan Qabus ibn Said), Parlament ohne Rechte, Verfolgung und Inhaftierung gewaltloser Oppositioneller, Missachtung und Verletzung von Menschenrechten, Unterdrückung der Meinungs- und Religionsfreiheit, keine Pressefreiheit (Platz 126 von 180), Rechtssystem Scharia, Haft ohne Anklage und Urteil. Irgendwas vergessen? Ach ja: Homosexualität ist illegal und wird mit bis zu 3 Jahren Gefängnis bestraft (Q: Amnesty International, Reporter ohne Grenzen). Der Checkpoint wünscht spannende Unterhaltung und gewissenlose Erholung.
Wir kommen zum Checkpoint-Rätsel von heute: Was verbirgt sich hinter Wassersuppe, Verlorenwasser, Frischwasser, Regenmantel, Steinreich, Ranzig und Ohnewitz? Na klar: Das sind Brandenburger Orte (ohne Witz!). Mehr kuriose Namen bei unseren Nachbarn finden sie hier.
Aus der Reihe „Busfahreransagen“: „Manche wissen wohl nicht, dass die Fahrscheine für die ganze Buslänge gelten.“ (Gehört im M37, via @Lemur_9898)
Nein, die S-Bahn lässt uns nicht im Stich – verlässlich liefert sie uns Tag für Tag die neuesten Nachrichten über das Chaos auf ihren zerbrechlichen Schienen: „Wegen einer Signalstörung Verspätungen und Zugausfälle auf der S3, S5, S7, und S9“, hieß es gestern. Fortsetzung folgt (der nächste Zug dagegen nicht unbedingt).
Neues aus der Rubrik „Geh doch rüber wenn’s Dir hier nicht passt“, heute aus Grevesmühlen (MeckPom) – Richard Kiel (72) berichtet der „Ostsee-Zeitung“: „Unglaublich! Man findet Unrat fünf Meter neben Mülleimern“ (via Nils Markwardt). Immerhin – bei uns im Hof findet man unter fünf Metern Unrat den Mülleimer nicht.
Frank Hansel, parlamentarischer Geschäftsführer der AfD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, meint, Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen solle „ihre dümmlich-ignorante Nanny-Klappe halten“. Falls Sie sie treffen: Richten Sie‘s den bürgerlichen Wählern von Herrn Hansel aus.
Ein automatisiertes Selfie mit niedriger Auflösung, aber zu hohen Kosten (min. 680 Euro) hat ein Autofahrer auf der Stadtautobahn in Steglitz erworben – er wurde mit Tempo 191 geblitzt (max. erlaubt: 80 km/h). Schneller war in diesem Jahr auf dieser Strecke noch niemand. Lapidarer Kommentar der Polizei: „Davon wird der Raser oder die Raserin wohl per Post erfahren“ (wenn sie denn kommt).
Und was passieren kann, wenn man sein Fahrrad am Gepäckträger abschließt, hat hier auf Instagram der großartige Lars Eidinger dokumentiert.
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Guten Tag, meine Herren, ich weiß zwar nicht, was Sie machen, aber machen Sie keine Fehler!“
Dieter Kosslick beim Betreten eines Fahrstuhls am Potsdamer Platz, in dem sich bereits vier Männer befinden. (Q: „Berliner Liste“)
Tweet des Tages
„Agentursätze aus der Hölle: 'Der WM-Härtetest gegen Deutschland wird für Rekordweltmeister Brasilien zur Nagelprobe für das Nervenkostüm.'“
Antwort d. Red.: (Nervenkostüm mit Nägeln? Klingt irgendwie nach Karneval … Also ich schaue mir das heute Abend ab 20.45 Uhr live im Olympiastadion an.)
Stadtleben
Essen & Trinken im Kreuzberger Graefekiez. Die selbstgemachten Kuchen der Kaffeebar findet man inzwischen auch in anderen Cafés in der Umgebung, kiezige Exportschlager sind etwa der Himbeer-Cheesecake (3,40 Euro) und der Grapefruit-Joghurt-Cake für 2,60 Euro. Eine weitere Spezialität sind die„Eggs Benedict“ (8,90 Euro) aus zwei pochierten Eiern auf Sauerteigbrot mit Avocado und Sauce Hollandaise. Für den Durst gibt es Kaffee aus der Berliner Rösterei „Fjord“, den man bei gutem Wetter auch draußen an der Graefestrasse 8 (U-Bhf Schönleinstraße) trinken kann. Mo-Fr 7.30-19 Uhr, Sa-So 9.30-19 Uhr