Der Checkpoint steht heute unter dem Motto: Sollte nicht passieren (kommt aber immer wieder mal vor).
Beginnen wir mit dem Linken-Abgeordneten Hakan Taş, der in der Nacht zum Sonnabend in der Lennéstraße eine Straßenlaterne rammte und dennoch in seinem demolierten Daimler noch bis Schöneberg weiterfuhr – inklusive 0,9 Promille Alkohol im Blut. Als er Nähe Nollendorfplatz einparkte, stoppte ihn die alarmierte Besatzung eines Streifenwagens, Polizisten außer Dienst waren dem Politiker hinterhergefahren. Unterstützung bekam der Innenpolitiker ausgerechnet von einem FDP-Kollegen – Marcel „Lunte“ Luthe (1187 parlamentarische Anfragen seit Dezember 2016) schrieb bei Facebook: „Hier macht man aus der sprichwörtlichen Mücke einen Elefanten.“ Womit bewiesen wäre, dass manche Leute ihren Rüssel einfach überall reinstecken müssen.
Auch auf blöde Bemerkungen trifft unser heutiges Motto zu – die „B.Z.“ meldet: „Grünen-Politikerin stöhnt über SPD-Kollegen – Verrückter Penis-Streit im Berliner Abgeordnetenhaus“. Puh… Heute erhitzt der Vorfall auch noch die Sitzung der Fraktionsspitzen von Rot-Rot-Grün, die SPD erwartet eine Entschuldigung. Was war geschehen? Den Missbilligungsantrag gegen Regine Günther lehnten etliche MdA von SPD und Linken nur aus Koalitionsraison ab, Sven Kohlmeier und Joschka Langenbrink (beide SPD) sagten das der Senatorin auch. Kommentar von Susanne Kahlefeld (Grüne) laut „B.Z.“: „Männer mit kleinen Schwänzen sind jetzt gerade ganz mutig.“
Uiuiui - Sodom & Gomorra! Woher kennt Frau Kahlefeld die Größe von… ach, das soll mal der Koalitionsausschuss klären, sie selbst gibt dazu folgenden Hinweis: „Schon mal Freud gelesen?“ Schon, da steht was von „Penisneid“, aber… also, falls Sie die Stelle mit den Maßen von Kohlmeier und Langenbrinck finden, bitte unter Angabe von Ausgabe und Seite an checkpoint@tagesspiegel.de. Offen ist die Frage, ob Kahlefeld wirklich „Schwänze“ sagte (Darstellung Grüne) oder „Schniedel“ (Darstellung SPD). Immerhin ist die Schuldfrage geklärt - Grünen-Fraktionschefin Antje Kapek gibt bekannt: „Regine Günther wurde in den letzten Tagen massiv angegriffen, auch sexistisch. Als Frau & als weibliche Chefin. Dass anderen Frauen da die Hutschnur platzt, ist sehr verständlich. Über die Art der Bemerkung lässt sich streiten. Aber gut, dass es bald den Frauenkampftag gibt!“
Wir bleiben kurz bei der Affäre Günther: In der Verwaltung ist zu hören, dass die Leitung bereits am 5. Dezember das Büro von „Nilson“ Kirchner ausräumen wollte - also eine Woche, bevor die Abschiebung des krebskranken Staatssekretärs aufs Abstellgleis erstmals dem Senat vorgelegt wurde (und einen Tag, bevor die Versetzung durchsickerte). Vorgänge wie dieser erklären die Abneigung, die der Senatorin zurzeit entgegenschlägt.
Was auch nicht passieren sollte (aber immer wieder vorkommt): Fehler bei der Verwendung des guten, alten „ß“… Sie merken schon, es gibt Neues von Nußbaums „ss“-Affäre (CP v. 14.12.) – der Ex-Senator und heutige Staatsekretär im BMWi hat gleich am Freitag seinen Kreuzberger Anwalt (Namen gerade vergessen, aber unter Juristen als Rumpelstilzchen bekannt) einen Brief an den Checkpoint schreiben lassen. Demzufolge ist er nicht von Eitelkeit getrieben, sondern zum „ss“ gezwungen (die Amis und Briten sind schuld) - leider ist das Schreiben voller „ß“-Fehler („daß“, „muß“). Ist ja auch verwirrend. Nußbaum lässt verlauten, er schreibe sich mit „ß“, wo immer es geht. Demnach geht es nicht im Organigramm des Ministeriums (für seine Kollegin „Claudia Dörr-Voß“ wurde offenbar eine andere Schreibmaschine in Anschlag gebracht), nicht auf der Website des Ministeriums (wo germanische Saboteure Wörter wie „außerdem“ eingeschmuggelt haben) – und auch nicht auf einer privaten Visitenkarte. Da kann man wohl nichts machen.
Das Wirtschaftsministerium weigert sich übrigens, beamtenrechtliche Fragen zu Nußbaum zu beantworten (selbst mit „ss“). Da haben wir uns natürlich auch einen Anwalt genommen, sein Name: Ernst Reuter. Bereits vor 70 Jahren verkündete er (damals noch als Regierender Bürgermeister): „Die Presse hat das Recht, von der Verwaltung Auskunft zu verlangen, und die Verwaltung ist verpflichtet, jede mögliche Auskunft zu geben.“ (Q: Tagesspiegel, 14.12.1948) Ausnamen - pardon: Ausnahmen regelt das Bremerhavener Fischereirecht.
Interview mit Michael Müller: „Nervt es Sie, dass Familienministerin Franziska Giffey in der SPD als Ihre Nachfolgerin ins Gespräch gebracht wird?“ Antwort: „Das nervt mich überhaupt nicht. Ich habe schon viele Diskussionen um Nachfolger erlebt.“ Als Berliner SPD-Chef sagt Müller zum Zustand seiner Partei: „Es tut im Moment richtig weh“. Als Regierender Bürgermeister zur Reisewarnung des Tübinger Dorfschulzen Boris Palmer: „Berlin ist eine Stadt, die funktioniert.“ Da müssen wir also unbedingt mal hin. (Das ganze Interview gibt’s hier.)
Berliner Schnuppen
Telegramm
Ergebnisse vom Parteitag der Linken:
1) Katina Schubert bleibt Landesvorsitzende (84 %).
2) Als Stellvertreter bestätigt wurden Tobias Schulze (73), Sandra Brunner (71) und Pascal Meiser (64).
3) Als Regierungspartei unterstützt die Linke das Volksbegehren „Deutsche Wohnen & Co enteignen“ (SPD und Grüne sind nicht so richtig begeistert).
Und hier die Ergebnisse des weltweiten Mobilitätsrankings von „here“ (38 Städte) aus Berliner Sicht (gesamt: Platz 13): Der Straßenverkehr fließt besser als sein Ruf (4), der ÖPNV ist nur mittelmäßig (17), außerdem richtig teuer (28) und in puncto U-Bahnautomatisierung echt das Letzte (38). Christian Schlippes und Henriette Anders haben die Daten für die „Morgenpost“ hier aufbereitet.
Wir kommen zu unserem beliebten Betriebsstörungsbingo – nicht neu, aber immer wieder gut ist die Anzeige bei einer Störung der „Lage“-App („Internal Server Error“): „Leider lässt sich nicht herausfinden, wo der Lokführer für den vorderen Teil des Zuges ist. Besuchen Sie uns zu einem späteren Zeitraum oder laden Sie die Seite erneut.“ Machen wir, garantiert. (Mit Dank an CP-Leser Sven Ehlers).
Dazu passend heute der Aufmacher der „Morgenpost“: „Berliner S-Bahn verfehlt ihr Ziel“ – nur in einem Monat (September) wurde die vertraglich vereinbarte Pünktlichkeitsquote erreicht (96 %).
Und auch in der U-Bahn wird’s wieder ungemütlich: Vom 4.1.19 bis 24.2.19 sperrt die BVG in der City West zeitgleich die Linien U2 und U3 – ohne SEV. Die Fahrgäste müssen die Lücken umfahren (4 Möglichkeiten) und dazu mindestens 2 x umsteigen. Leicht wäre ein Wechsel an der Spichernstraße, aber (Konjunktiv!) der ist nicht möglich: Hier wird bis mindestens Mai 2020 ein Aufzug gebaut.
Begegnungszone killt Bergmannstraßenfest - die bisherigen Betreiber geben auf, ihre Begründung: Wegen der neuen „Parklets“ (Straßenmöbel) können nicht genügend Standflächen vermietet werden (vielleicht waren sie aber auch einfach nur müde).
Brandenburgs Ex-Wirtschaftsminister Albrecht Gerber hat bei der Staatskanzlei einen Minijob angemeldet – er will als „landwirtschaftlicher Helfer“ Weidezäune kontrollieren.
Das Kapitel Knabe an der Stasi-Gedenkstätte ist beendet – der frühere Direktor und die Stiftung schlossen einen Vergleich, weitere Verfahren gibt es nicht.
Endspurt unserer Aktion „Wem gehört Berlin?“ Alles, was Sie dazu wissen sollten, und wie Sie dabei mitmachen können - hier steht’s.
Dazu auch wieder ein kurzer Blick in die Daten von „Immoscout24“, heute die Steigerung der Angebotsmieten im Ortsteil Schöneberg seit 2007: plus 97 % auf durchschnittlich 11,65 Euro/qm.
Wenn Sie mal sehen wollen, warum die AfD das Twittern über die Messerattacken in Nürnberg eingestellt hat – hier steht’s (hat was mit einem Berliner zu tun).
Ein schönes Beispiel dafür, was das Grauflächenamt Mitte unter einer „geschützten Grünanlage“ versteht, hat hier Robert Ide dokumentiert - und falls Sie wegen der vielen Aufkleber nicht durchblicken: Sie dürfen hier nichts (außer sich wundern).
Aus der Reihe „Wir sind spitze!“: „Berliner haben zum Fest den meisten Zoff“ – Hamburg kommt hinterher, aber nicht mit (am friedlichsten ist es in Sachsen-Anhalt).
Nachtrag (I) zur Meldung „Wurstwochen im Landesamt für Flüchtlingsfragen“ (CP 14.12.) – zum Rücktritt der Personalratsvorsitzenden Nurda Tazegül, die nicht einverstanden war mit der Klassifizierung des Führungspersonals von P-Rats-Mitgliedern in einem internen Chat („Aggro-Wurst“ für LAF-Chef Straßmeir, „Leberwurst“ für Verdi-Mann Tremper,„Oberwurst“ für Senatorin Breitenbach), erreichten uns mehrere Mails. In allen wird das Wirken Tazegüls etwas kritischer gesehen als von ihr selbst, ein Beispiel: „Frau Tazegül (ihres Zeichens Kampfsportlerin) ist durchaus dafür bekannt, ihren Verhandlungspartnern gerne mal eine Tracht Prügel anzubieten, falls sie ihre Position nicht überdenken sollten. ‚Persönliche Diffamierungen und Diskreditierungen‘, die sie im CP erschüttert beklagt, gehören zu ihrem eigenen Handwerkszeug unverzichtbar dazu.“ Offenbar ist die im Amt bevorzugte Mahlzeit Hackepeter.
Nachtrag (II) zur Meldung „Mathe lernen mit dem Checkpoint (am Beispiel BER)“: Auch die Flughafengesellschaft hat mitgerechnet – sie schreibt per Twitter: „Die Frage hätte auch lauten können: ‚Warum ist man trotz mehr Personal pro Passagier an anderen Flughäfen nicht pünktlicher als in Berlin?‘ Oder: ‚Was würde Boris Palmer sagen?‘ Oder: ‚Kennt ihr auch einen Äpfel-mit-Birnen-Vergleich?‘.“ Antwort von FDP-MdA Christoph Meyer: „Ich wäre immer vorsichtig, mich als Flughafengesellschaft mit Fallobst zu vergleichen.“ Übrigens: Wir kennen auch einen Pflaumen-Vergleich.
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Ich neige nicht zur Nervosität und schlafe nach wie vor gut…“
… sagt Innensenator Andreas Geisel im Tagesspiegel-Interview zwei Jahre nach dem Anschlag vom Breitscheidplatz…
„… aber immer dann, wenn mein Staatssekretär Thomas Akmann zu außergewöhnlichen Zeiten anruft, rechne ich zunächst mit dem Schlimmsten.“
Tweet des Tages
„Na Ihr Versager, habt ihr schon den Tisch bei Vapiano für Heiligabend reserviert?“
Antwort d. Red.: (Apropos: Wer wirklich noch für Weihnachten oder Silvester irgendwo einen Tisch reservieren will, sollte sich tatsächlich beeilen – der Checkpoint hilft dabei: Jeden Tag haben wir im Stadtleben dafür noch einen guten Tipp).
Stadtleben
Essen & Trinken zu Weihnachten und Silvester ohne schon irgendwo einen Tisch reserviert zu haben, wird knapp in der Hauptstadt – obwohl die Zugezogenen über die Feiertage ausschwärmen. Doch im Jolesch, wo gehobene österreichische Küche aufgetischt wird, läuft der Reservierungsversuch nicht ins Leere! Am 26. Dezember verpasst man deshalb in der Muskauer Straße 1 in Kreuzberg keineswegs die Fritattensuppe, das Gulasch, „Kärntner Kasnudeln“, ordentliches Wiener Schnitzel oder Steak mit Zwiebeln und Kartoffel-Auflauf. Nicht traditionell weihnachtlich, aber sehr gut und deftig – mit ausgewählter Weinbegleitung aus der angedockten Vinothek. U-Bhf Görlitzer Bahnhof, So-Fr 11.30-24 Uhr, Sa 17-24 Uhr