Müller „kritisiert“, Müller „fordert“, Müller „erwartet“ – so lauten die Corona-Nachrichten in Bezug auf Restaurants, Biergärten und Kneipen. Und im Deutschlandfunk verkündete der Regierende am Sonntag: „Ich akzeptiere nicht mehr, dass Gastronomie und Hotellerie immer weiter hintenangestellt werden.“ Wow – Machtwort Müller per Faustschlag auf den Tresen: Das ist einen Eintrag in die Berlinchronik und einen Futschi wert.
Nur steht das, was Müller verlangt, längt auf der TO der nächsten Bund-Länder-Schalte, beschlossen am 30.4.: „Die zuständigen Fachministerkonferenzen werden beauftragt (…), Vorschläge für Rahmenbedingungen schrittweiser Öffnungen von Gastronomie- und Tourismusangeboten und für die weiteren Kultureinrichtungen vorzubereiten.“ Spätestens am Mittwoch werden wir wissen, ob die Berliner Vorschläge mundgerecht frisch aus dem Ofen serviert werden oder erst noch aufgetaut werden müssen.
Müller zeigt sich darüber hinaus genervt vom unterschiedlichen Umgang der Bundesländer mit der Krise und bringt eine Föderalismusreform ins Gespräch (ebenfalls im DLF) – er könne sich vorstellen, dass beim Gesundheits- und Katastrophenschutz allein der Bund über Maßnahmen entscheidet. Starkes Wort vom Regierungschef eines Bundeslandes, in dem zwölf Bezirke mindestens 13 verschiedene Regelungen zur Benutzung von Spielplätzen haben.
In der Hasenheide z.B. steht auf einem Aushang: „Das Bezirksamt rät dringend von der Benutzung der Spielplätze ab!“ Auf die Website des Bezirks Neukölln: „Wir bitten alle Eltern, die Spielplätze nur zu nutzen, wenn es nicht anders geht.“ Offiziell sind die Spielplätze hier allerdings seit vergangenem Donnerstag freigegeben. Einen Überblick, wo und wann was gilt, finden Sie hier.
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Gespielt werden konnte gestern in Fhain-Xberg auch auf vielen Straßen, die bis 18 Uhr für Autos gesperrt wurden. Zur Feier des Tages verzichteten einige Begleitpersonenrudel auf der Suche nach Herdenimmunität im typischen Kreuzberg-Style auf Atemschutzmaske und Abstand (und damit leider auch auf Anstand). Und nächsten Sonntag wieder.
Bürgermeisterin Monika Herrmann ist über die demonstrative Sorglosigkeit in ihrem Bezirk vor allem im Rückblick auf den 1. Mai so richtig sauer – sie spricht von „Antisolidarität mit den Risikogruppen“. Viele hätten sich vernünftig verhalten, „nur die Szene aus Friedrichshain-Kreuzberg hat das anscheinend abends überhaupt nicht mehr ernstgenommen“. (Q: „Tagesspiegel“)
Zu welcher Szene die ZDF-Schläger gehören, ist klar: „Antidemokratische Gewalttäter“ passt in jedem Fall. Darüber hinaus hat die Polizei festgestellt, dass ihr drei der sechs Festgenommenen (inzwischen alle wieder frei) bekannt sind wegen Beamtenbeleidigung und Verstoß gegen das Versammlungsverbot – sie werden geführt in der Kategorie „Politisch motivierte Kriminalität links“. Nach Informationen aus Sicherheitskreisen war der Angriff zwar „gezielt“ (also möglicherweise spontan), aber nicht „geplant“.
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Das Alter der Festgenommenen: zwischen 24 und 31 Jahren – sie gehören also abgesehen von ihrer Brutalität zur Gruppe derjenigen, auf die der höchste Anstieg an Infektionen fällt. Eine Art von aktiver Risikogruppe, deren Treibstoff der Leichtsinn ist. (Q: Lipsitch/Goldstein aus Harvard in „Eurosurveillance“).
Die Zahl der Neuinfektionen nimmt im Vergleich zum Vortag in ganz Deutschland zurzeit weiter leicht ab, die Zahl der aktiven Fälle sinkt. Weltweit steigt die Zahl der aktiven Fälle dagegen und liegt bei 2.2 Millionen.
Berlin: 6004 registrierte Fälle / 5091 gemeldete Genesene / 154 Tote /
National: 165.532 / 130.600 / 6845 /
International: 3.485.000 / 1.096.000 / 243.858 /
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„Corona Help“, die neue Plattform der Berliner Festspiele, ist online. In unserer Bibliothek finden Sie Texte von Philosoph*innen, Künstler*innen und Wissenschaftler*innen, die Deutungen der Krise und des Wandels geben. Und unsere HelpList versammelt Websites zur praktischen Krisenhilfe in unterschiedlichsten Bereichen.
Ab heute in Berlin wieder erlaubt (bei Einhaltung von Hygiene- und Abstandsregeln):
+ Angemeldete Versammlungen mit bis zu 50 Personen
+ Gottesdienste mit bis zu 50 Personen
+ Museumsbesuche (ohne Museumsinsel)
+ Besuch wissenschaftlicher Bibliotheken
+ Ausschusssitzungen im Abgeordnetenhaus
+ Benutzung einzelner Sportanlagen (System „Spielplatz“, siehe oben)
+ Friseurbesuche (ohne Wimpern- und Bartpflege)
Zur Wiedereröffnung der Friseure auch unser Kurs „Mathe mit dem Checkpoint“, heute geleitet von Stefan Jacobs. Die Aufgabe: Im Durchschnitt hat jeder von uns ca. 121.000 Haare auf dem Kopf (unterschiedlich nach Naturfarbe, Alter und Anlage), jedes von ihnen wuchs an jedem der 43 Lockdown-Tage um ca. 0,3 Millimeter. Angenommen, Sie gingen heute zum Friseur, ließen ihre Vor-Corona-Frise exakt wiederherstellen und legten alle abgeschnitten Haarteilchen hintereinander aus - wie lang wäre ihre Corona-Haarspur? (Auflösung weiter unten).
Übrigens: Unsere CP-Frisuren-Umfrage vom Sonnabend („Montag öffnen die Friseure – gehen Sie gleich hin?“) zeigt ein splissiges Bild:
41% sagten: „Unbedingt,ich sehe schon aus wie ein Pudel“.
49% sagten: „Nein, ich bleibe bei meinem Corona-Style“.
10% wählten den Mittelscheitel – aber „weder, noch“ kann in diesem Fall ja nur heißen: Auf der einen Seite so, auf der anderen so. Wir sind gespannt auf ihre Fotos!
Irgendwie Durchhalten, bis es einen Impfstoff gibt – auf diese Losung können sich gerade die meisten Entscheidungsträger in der Politik verständigen. Über das Ausmaß der Lockerungen wird heftig gerungen, aber einig sind sich die Ministerpräsidenten und die Bundesregierung zumindest in dem Punkt, dass ein Impfstoff in ein oder zwei Jahren das Ende des Corona-Shutdowns markieren wird. Der Chef der Klinik Havelhöhe, Prof. Dr. Harald Matthes, hält diese Strategie allerdings für „naiv“.
Matthes leitet eine der drei großen anthroposophischen Kliniken in Deutschland, die zugleich ein Lehrkrankenhaus der Charité ist. Und entsprechend umfassend ist seine Kritik an der Bundesregierung, die er in einem internen „Lagebericht“ formuliert hat. „Vollständig auf eine Impfung bei der Corona-Pandemie“ zu setzen, findet Matthes gewagt: „Medizinisch muss diese alleinige Langzeitstrategie als optimistisch bis naiv bewertet werden.“
Der neue Erreger Sars-CoV-2 zeige ebenso wie andere Coronaviren eine hohe genetische Varianz und Wandlungsfähigkeit. Mit Blick auf die verwandten Influenzaviren bezweifelt Matthes deshalb, dass ein vollständiger Impfschutz gewährleistet werden kann. Je nach Impfstoff gebe es bei den Influenzaviren etwa nur eine Letalitätsreduktion von circa zehn bis maximal 65 Prozent. „Die politisch gewählte Strategie, alles auf eine Karte einer hoch effizienten Impfung zu setzen", ist für Matthes deshalb "ebenso ein Vabanquespiel" wie die politisch verworfene Strategie der Herdenimmunität.
Harald Matthes fordert stattdessen einen ganzheitlichen Ansatz:
– „Die verschiedenen Werte müssen sorgfältig gegeneinander abgewogen werden.“
– „Statt eines begrenzten Blickwinkels einzelner ExpertInnen, wie z.B. der Virologen (…), muss lösungsorientiert eine Risikoabwägung und damit eine Risikostratifizierung verschiedener Szenarien gesellschaftlich diskutiert erfolgen.“
– „Das Sowohl-als-auch-Prinzip und Beschreiten verschiedener Lösungswege mit gesellschaftlichem und transparentem Diskurs (…) scheint das Gebot der Stunde (…). Komplexe Probleme bedürfen eines differenzierten Vorgehens und können nicht monokausal gelöst werden.“

Berliner Schnuppen
Telegramm
Heute in einer anderen Welt hätte die „ufa-Fabrik“ zum gemeinsam Singen von „Gassenhauern“ nach Tempelhof geladen. Geht aber auch solo: „Es wird ja alles wieder gut“ (Detlev Lais), „Ich möchte heute ausgehen“ (Margot Eskens), „Berlin bleibt doch Berlin“ (Marlene Dietrich)… Ach ja, und Andrej Hermlin hätte heute in anderen Welt zum Swing in den „Wintergarten“ gebeten - trösten wir uns mit seinen Wohnzimmerkonzerten hier auf Facebook.
Zur nächsten Runde Schulstart gibt es noch immer mehr Fragen als Antworten – und heute werden sicher neue hinzukommen. Susanne Vieth-Entus hat hier das Wichtigste zusammengefasst – und erklärt u.a., was es mit der Maskenpflicht in manchen Schulen auf sich hat.
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AM ANFANG WAR DIE WAHL
Demokratische Wahlen ebneten den Weg in die NS-Diktatur. Der Zweite Weltkrieg mit Tod und Zerstörung war deren Folge. Er endete vor 75 Jahren. Lassen wir es nie wieder geschehen - Demokratie ist Verantwortung!
Virtuelle Ausstellung, App und Podcast zu 75 Jahre Kriegsende und Befreiung Europas vom Nationalsozialismus:
www.75jahrekriegsende.berlin
Facebook: @75jahrekriegsende #75jahrekriegsende
„Fast alles wird vergeben“ ist kein Versprechen aus einem Werbeprospekt der katholischen Kirche, sondern die Ankündigung des Senats zur größten Ausschreibung der S-Bahn-Geschichte (mehr dazu hier). Theoretisch könnte sich also auch die BSR beteiligen, aber…
… das würden wohl nicht alle Beschäftigte goutieren, wie die Durchsage eines Zugführers in der S1 kurz vor der Endstation Frohnau nahelegt: „Vergessen Sie nicht, Ihren Müll nach draußen zu nehmen. Wir sind nicht der Mülleimer Berlin-Brandenburg.“ (Q: „Berliner Liste“)
Pünktlich zur Ausschreibung meldet die S-Bahn: in Berlin zu 94% pünktlich (Platz 1 im Vergleich mit zwölf anderen Städten) – bis zu drei Minuten Verspätung werden allerding nicht mitgezählt. Und das ist in Berlin mitunter eine gefühlte Ewigkeit.
Der Naturschutzbund Berlin ruft uns alle dazu auf, Gartenvögel zu zählen. Falls in Ermangelung eines Gartens auch Hinterhöfe gelten, möchte ich hier drei Tauben melden. Ich habe sie Margarete, Magda und Margot genannt, nach den „Drei Damen vom Grill“, besonderes Kennzeichen: Sie haben großen Spaß daran, von mir nassgespritzt zu werden – und kommen immer wieder.
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Auch Er ist wieder da: „Kim Jong Un lebt und raucht“, lautet heute eine Schlagzeile – pünktlich zum Tag des Pressfreiheit trat der totgesagte Diktator des pressefeindlichsten Landes der Welt (Platz 176, Q: Reporter ohne Grenzen) in der so genannten Öffentlichkeit auf.
Trotz mehrerer Coronafälle (1. FC Köln) will die DFL unbedingt die Bundesligasaison fortführen – als Geisterspielspektakel. Checkpoint-Empfehlung: Alle 22 Spieler komplett im weißen Gespensterkostüm antreten lassen – das mindert die Ansteckungsgefahr und erhöht den Spaß (jedenfalls für die Zuschauer).
Nachtrag: Zur Komplettöffnung von KaDeWe und Karstadt/Kaufhof (durchgesetzt per Beschluss des Verwaltungsgerichts, CP vom 2.5.) gibt es widersprüchliche Angaben – offiziell hieß es nur „diese Woche“.
Gerade mal zwei Wochen ist es her, dass wir unsere Checkpoint-Kinogruppe in die Berliner Hinterhöfe verlagert haben – jetzt will das Team vom Fassadenkino „Window Flicks“ sein Programm erweitern, weil sich immer mehr Hausgemeinschaften melden, die dabei sein wollen. „Wir fühlen eine starke Solidarität und gegenseitige Aufmerksamkeit“ sagt Organisator Olaf Karkhoff. Berlin lässt seine Programmkinos nicht im Stich – und damit es die nach der Krise noch gibt, geht’s hier zur Spendenkampagne „Fortsetzung folgt“.
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Niklas Maak ist bei der verzweifelten Suche nach einem Thema für die Corona-gebeutelte FAS-Reisekolumne „Phänomenologie“ in Tegel notgelandet. Die „geradezu ungeheuerlichen Meldungen“, dass der BER eröffnet und TXL geschlossen wird, sind für ihn „ein erneuter Beweis für die Berliner Marotte, bewährte Dinge mit großem Radau durch etwas zu ersetzen, von dem keiner weiß, was es ist und wie es funktioniert“.
Tja, mag sein. Nur gäbe es ohne diese Marotte weder die Currywurst noch den Computer, beides Erfindungen aus Berlin, von denen am Anfang auch niemand wusste, was es ist und wie es funktioniert. In Berlin wurde übrigens auch der Fön erfunden (AEG, 1900) – Einwohner von Marottistan wissen: Damit lässt sich prima auch lauwarme Luft verblasen.
Frei nach dem liberalen Motto „Lieber ein falsches Bild als gar kein Bild“ zeichnet Maak dann unseren Lieblings-Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup auch noch als „verbitterten Mann, der gegen Mitternacht im Restaurant allein vor seinen verwelkenden Rosen sitzt und dem müden Kellner ein wütendes ‚Sie kommt noch‘ entgegenbellt“. Wuff! Es kommentiert hier exklusiv Prof. Dr.-Ing. ELD himself: „Die BER-Baustellenwitze werden langweilig. Alle können sich jetzt daran gewöhnen, vom BER statt von einer ewigen Baustelle von einem zukünftigen Flughafen zu sprechen.“
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Wir werden bei der Personaleinstellung und bei Baumaßnahmen langsamer werden.“
Finanzsenator Matthias Kollatz zu den Folgen der Corona-Krise – langsamer im Vergleich zu was sagte er nicht.
Tweet des Tages
Seit Beginn des Lockdowns drei Kilo zugelegt. Ich hätte nie gedacht, dass Haare so viel wiegen.
Stadtleben
Zurück ins Museum – Heute öffnen die ersten Berliner Museen wieder ihre Pforten. Zum Beispiel können sich Nachwuchs-Agenten wieder durch den Laserparcours im Spionagemuseum schleichen, große Architektinnen die Zeichnungen der Tchoban-Foundation bewundern – mit Abstand, Maske und Zeitfenster. Auch die Trabis im DDR-Museum dürfen wieder getestet werden, wer es gediegen mag, bewundert die Sammlung des Keramik-Museums in Charlottenburg. Alle Infos zu Regeln, Tickets und Zeiten gibt es hier. Lieber zu Hause bleiben? Eine virtuelle Alternative kommt aus London – und führt rund um den Erdball: Das „Museum of the World“ entführt Gäste per Zeitstrahl in die Kulturgeschichte der Menschheit. Quer über sechs Kontinente klicken sich Interessierte durch Exponate des British Museums – vom Rosetta Stone bis zum arktischen Jagdhelm. Zur digitalen Tour durch die Jahrzehnte geht es hier entlang.
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Zu-Hause-Naschen – Auch in der Kreuzberger Markthalle Neun geht es derzeit ruhiger zu. Zwar hat die Halle weiterhin für den Verkauf geöffnet, ihre bunten Streetfood-Thursdays und der legendäre Naschmarkt – längst kulinarische Kiezinstitution – fanden seit März jedoch nicht statt. Wer den Marktbesuch vermisst, holt sich Weine, Lunch und Gurkensalat direkt ins Homeoffice: Auf ihrer Website hat die Halle die Lieferdienste ihrer Delis und Händler zusammengestellt. Für Zuckeraffine gibt es gleich eine zweite Übersicht: Alle Stände des Naschmarkts samt Lieferoptionen sind hier zu finden. Checkpointgeprüft: Bei Cake Pops, Eclairs und Mango-Sorbet arbeitet es sich gleich doppelt so leicht.
Lieber selbst am Schneebesen? Wie das perfekt cremige Schoko-Fudge-Eis gelingt, verrät mein Kollege Felix Denk aus der Genuss-Redaktion – ganz ohne Eismaschine.

Zehlendorfer Refugium retten – Leere Stühle dort, wo sich sonst die Bohème des Südwestens zur Nachmittagsquiche traf: Seit Mitte März hat das lauschige Gartenhaus-Café am Teltower Damm komplett geschlossen. Ein Außerhausverkauf lohnt sich für das Lokal im Kunstgewerbehaus nicht, schreibt Inhaberin Iris Hartwig. So schwirren die Wildbienen derzeit ungestört durch die Rosenranken des Gartens, der nun ungestört gedeihen kann: „Es gibt für uns keine gute Alternative. Wir müssen warten, bis wir öffnen dürfen.“ Hartwig ist gerührt von der Unterstützung, die sie erfahren hat. Schon jetzt freut sie sich auf ihre Gäste, wenn das Café wieder seine Türen öffnet: „Die können dann den Garten bewundern.“ Für die Zeit nach Corona wünscht sich Hartwig eine Sensibilisierung der Gesellschaft, auch in anderen großen Fragen: „Wir sitzen alle in einem Boot.“ Für die, die unterstützen möchten: Gutscheine für das Gartenhaus-Café – und andere Kiezläden – finden Sie auf unserer Tagesspiegel-Kiezhelfer-Seite. Damit es sie noch gibt, wenn die Krise vorbei ist. (Foto: Promo)
Auch Ihr Lieblingscafé braucht Hilfe? Schreiben Sie uns an checkpoint@tagesspiegel.de.
Online-Sammelsurium – Der Mauerpark verlassen und der Ostbahnhof verwaist: Trotz Lockerungen bleiben die Berliner Flohmärkte derzeit noch geschlossen. Wer sich danach sehnt, durch Ramsch zu wühlen und nach Kuriosa zu graben, klickt sich zum virtuellen Antikmarkt: Auf der Plattform „Oldthing.de“ begeben sich Sammelnde auf digitale Raritätenjagd. Ob Holzspiegel, Übersee-Marke oder Nasenkneifer – zwischen Tand und Trödel ergattern Suchende noble und sonderbare Antiquitäten von Berliner Händlern. Nur um die Preise lässt sich nicht flohmarktgemäß feilschen: Die sind bei „Oldthing“ fix. Für Kunst und Kitsch bitte hier entlang.
Rein in die Manege – Handstand lernen und Hüte jonglieren: Der Kinderzirkus Cabuwazi verlegt sein Training vom Zelt ins Netz. Das berichtet meine Kollegin Corinna von Bodisco in ihrem aktuellen Kreuzhain-Newsletter: Auf dem Programm stehen neben Fitness und Akrobatik auch Diabolo, Basteln und Breakdance – kleine Illusionisten verblüffen ihre Eltern mit neu erlernten Zaubertricks. In kurzen Videos führen Trainer*innen in die Manöver ein, mit kleinen Ausnahmen finden sich die Requisiten im Kinderzimmer. Zur virtuellen Manege geht es hier – Wir sagen: Hals- und Beinbruch!
Homer auf Distanz – Lockdown macht erfinderisch: Gerade erst wollte das Theaterkollektiv der FU sein Debüt geben, dann kam Corona. Die Studierenden gründeten kurzerhand eine Online-Bühne: Das Agon Theater Berlin spielt ausschließlich digital – auf Instagram, Twitter und Youtube. Die Netzwerke nutzt die Gruppe als Labor, probiert sich aus und sammelt Kritik. Homer gibt es als Stream, Manzoni per Story: Eine Übersicht der Kanäle des Kollektivs finden Sie hier. Nicht verpassen: Samuel Beckett in der To-Go-Version – „Warten auf Godot“ in fünf Minuten.
Virtuelle Buchpremiere (ein Tipp von „Ticket“-Kollege Ingolf Patz) – Bücher gehören in Berlin zur Grundversorgung. Die Buchläden blieben trotz Corona offen und haben die Krise mit viel Engagement ganz gut überlebt. Schwer tun sich die Verlage, wie man an der Veröffentlichung von Karosh Tahas neuem Roman „Im Bauch der Königin“ sieht. Der Dumont Verlag verschob die Premiere vom März in den Mai, dann wieder zurück auf den 29. April und veröffentlichte den Text zunächst als E-Book. Geht gar nicht! Denn dieses schöne Buch will gewendet werden und von vorne wie von hinten gelesen werden. Es erzählt von der lebenslustigen Shahira und der deutsch-kurdischen Community aus zwei Perspektiven und als zwei Wahrheiten. Zur digitalen Buchpremiere im Literaturhaus Berlin um 18 Uhr stellt Karosh Taha, die 1987 im Nordirak geboren wurde und seit 1997 im Ruhrgebiet lebt, die Frage: „Warum gibt es eigentlich auf Deutsch kein weibliches Äquivalent zum Weiberhelden, Schürzenjäger und Casanova?“
Mit diesem Stadtleben wünscht Lotte Buschenhagen einen fulminanten Start in die Woche.
Berlin heute
Verkehr – A111: Sperrung der Einfahrt Waidmannsluster Damm/ Hermsdorfer Damm (stadteinwärts), Umleitung über die Holzhauser Straße (bis 15. Mai).
Wuhletalstraße (Marzahn): Auf Höhe Mehrower Allee ist in beiden Richtungen nur eine Fahrbahn verfügbar (bis morgen Abend).
Oderbruchstraße/ Hohenschönhauser Straße (Alt-Hohenschönhausen): Sperrung in Richtung Konrad-Wolf-Straße zwischen Landsberger Allee und Judith-Auer-Straße/ Franz-Jacob-Straße, Fuß- und Radverkehr frei (bis Anfang Juni).
Falkenberger Chaussee (Neu-Hohenschönhausen): Auf Höhe der Falkenberger Brücke ist stadtauswärts nur eine Spur frei (bis Mitte Mai).
Landsberger Allee (Prenzlauer Berg): Um den S-Bahnhof Landsberger Allee steht in beiden Richtungen nur ein Fahrstreifen zur Verfügung (bis Ende 2020).
Bernauer Straße (Tegel): Auf Höhe der Tegeler Brücke regelt eine Baustellenampel den Verkehr (bis Mitte Mai).
Nahverkehr: Die seit März bestehenden, coronabedingten Einschränkungen im ÖPNV werden ab sofort aufgehoben, das heißt Busse und Bahnen fahren von heute an wieder im Normalbetrieb. Es gilt weiterhin: 1,5 Meter Abstand halten und Mund-Nasen-Schutz tragen, die Verkehrsbetriebe bitten außerdem, die Hauptverkehrszeiten zu meiden.
BVG: Die Linien M17, 27 und 37 sind zwischen Rhinstraße und Treskowallee unterbrochen. Zwischen Allee der Kosmonauten/ Rhinstraße und Hegemeisterweg bzw. S-Bhf Schöneweide fährt ein Ersatzverkehr (bis 8. Juni).
Regionalverkehr: Bis zum Morgen des 8. Mai fallen die Züge des RE5 zwischen Oranienburg und Berlin Gesundbrunnen aus, bitte steigen Sie hier auf die Bahnen der S1 um.
Demonstration – Ab heute sind Versammlungen unter freiem Himmel mit bis zu 50 Teilnehmenden wieder zugelassen – unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln. Für heute gibt es drei Anmeldungen: Auf der Kirchstraße/ Ecke Teltower Damm in Zehlendorf protestieren 50 Teilnehmende mit einer „Mahnwache zur Einhaltung der Menschen- und Grundrechte in Deutschland“ (16-18 Uhr). Unter dem Motto „Wir kämpfen für Tierrechte – Du auch?“ demonstrieren zehn Personen an der Ecke Wilmersdorfer Straße/Pestalozzistraße in Charlottenburg (16-19 Uhr, angemeldet durch den „Aktiver Tierschutz Berlin e.V.“). Auf dem Platz der Republik treffen sich fünf Demonstrierende zu einer Kundgebung mit dem Titel „Broken Rights – Einschränkung der Bürgerrechte → Hinweis auf die Zerbrechlichkeit der Demokratie“ (11:30-12:30 Uhr).
Gericht – Weil sie Geldautomaten mit Hilfe von Schadsoftware manipuliert und geplündert haben sollen, kommen vier Männer auf die Anklagebank. Die 26- bis 52-Jährigen sollen als Bande agiert und rund 660.000 Euro erbeutet haben sollen. 37 Taten sind angeklagt (9.30 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal B 129).
Heimuniversität – Auch das „Caledonian Café“ des Anglistik-Instituts der FU ist derzeit geschlossen. Damit Studierende beim Hausarbeit-Schreiben und Lektüre-Wälzen jedoch weniger einsam sind, hat sich das Café kurzerhand ins Internet verlegt: In einem Discord-Server können Gäste virtuellen Räumen beitreten und mit anderen Studierenden schreiben und telefonieren. Unsere Chatroom-Favoriten: das „Dungeon of the Crazy Old Anglistik Witch“ und der „Romantic Table for Two”. Zur digitalen Lerngruppe geht’s für alle Studierenden hier – nur die Mate muss selbst mitgebracht werden.
Berliner Gesellschaft
Geburtstag– Turgut Altuğ (55), für die Grünen im AGH / Prof. Dr. Joachim Breuer (64), „Herzlichen Glückwunsch unserem Vorsitzenden von allen ZNS’lern“ / Werner Fritsch (60), Schriftsteller / Reinhard Hanke (80), „Glück auf, wenn auch leider nicht auf Sylt!“ / Florian Illies (49), geschäftsführender Verleger des Rowohlt Verlags / Nachträglich: Bernd (65), „Mit hochfliegenden, akribischen Plänen! Herzlichst, Hedwig.“ / „Unsere liebe Hanna Bruhns, „fleißige Leserin der Potsdamer Ausgabe feierte wieder einmal am 1. Mai Geburtstag, diesmal gezwungenermaßen leider in sehr kleinem Kreis. Wir waren in Gedanken dabei und wünschen alles Gute“ / Jana Stampka, „Fühl dich umarmt – alles Gute zum Jubeltag...“
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Hans-Jürgen Dahne, * 12. März 1950 / Bettina Dunkel, * 19. Juli 1920 / Waldemar Nebe, * 28. Oktober 1946 / Klaus Teßmann, * 12. Januar 1953, Journalist und Unikum / Ingo Trendelenburg, * 23. Oktober 1938, Oberfinanzpräsident a.D.
Stolperstein – Jakob Julius Michalowski (Jg. 1867) lebte am Bundesratufer 4 in Moabit. Bis zu seiner Enteignung durch die Nationalsozialisten war der Kaufmann Eigentümer des Wohnhauses. Im Juli 1942 wurde Michalowski gemeinsam mit seiner Frau Klara mit einem „Alterstransport“ nach Theresienstadt verschleppt, wo er heute vor 76 Jahren ermordet wurde. Seine Frau überlebte das Konzentrationslager und konnte nach ihrer Befreiung zu Verwandten in die USA emigrieren.
Encore
„Liebe Menschen, ich habe meinen Handball ferloren“, stand handgeschrieben auf einem Zettel, den „Vice“-Chefredakteur Felix Dachsel an einen Baum gepinnt am Arnswalder Platz entdeckte, und weiter: „fals sie ihn gefunden haben melden sie sich bitte. Danke sehr. Finderlon.“
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Lieber @DHB_Teams, das habe ich neulich im Park in Berlin gesehen und frage mich, ob ihr nicht vielleicht einen (signierten) Ball übrig habt? Wen fragt man da @SophiePassmann (hab keine Ahnung von diesem Sport)? pic.twitter.com/GATaeEKUdZ
Dachsel postete ein Bild davon bei Twitter und fragte, ob vielleicht jemand jemanden kennt, der einen signierten Ball übrighat („Hab keine Ahnung von diesem Sport“). Jemand hatte – und zwar Hans Lindberg von den „Füchsen“, einer der besten Rechtsaußen der Handballwelt. Gestern traf sich der dänische Nationalspieler mit Lea, ihrer Schwester und ihrer Mutter, brachte ein paar Geschenke mit (siehe unten) – und Felix Dachsel, der uns allen diese schöne Geschichte geschenkt hat, sagt: „Ich glaube, ich werde doch Handball-Fan.“
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Habe mich heute mit Lea, ihre kleine Schwester und Mutter getroffen, ich habe ein paar Geschenke mitgebracht pic.twitter.com/L52lFbjjVC
Empfohlener redaktioneller Inhalt
Ich wünsche Ihnen allen einen runden Start in den Tag. Morgen früh bezieht hier für Sie Anke Myrrhe den Checkpoint – bis dahin,