Was gestern kurz vor 19 Uhr mit drei Unfällen auf der Stadtautobahn begann, entwickelte sich zum abendfüllenden Drama: Ein Autofahrer, der nach Zeugenaussagen womöglich alle drei Unfälle – mit sechs Verletzten, drei davon schwer – absichtlich verursacht hat, erwähnte einen gefährlichen Gegenstand in seinem an der Ausfahrt Alboinstraße liegengebliebenen Opel. Die Polizei fand eine Metallkiste, woraufhin nicht nur die Autobahn komplett gesperrt, sondern auch der Stau evakuiert wurde: Feuerwehr und DRK kümmerten sich um etwa 300 Gestrandete, die in der Nähe bleiben mussten, um ihre Autos wegzufahren, sobald die Strecke wieder frei war. Erst kurz vor Mitternacht war es soweit. Der Opel-Fahrer – 30 Jahre alt, gebürtiger Iraker, psychisch auffällig – wurde festgenommen und dem Staatsschutz übergeben, weil Indizien politischer oder religiöser Art vorliegen sollen. Die geröntgte und per Wassergewehr aufgesprengte Kiste enthielt nur Werkzeug.
Manche Jubiläen feiert man nur einmal im Leben. 3000 Tage BER-Nichteröffnung beispielsweise. Heute! Zur Feier des Tages gibt’s Asbach Uralt und Dauerbackwaren mit Chicken Wings – sowie eine Betrachtung meines unnachahmlichen Kollegen Bernd Matthies (im E-Paper) darüber, warum Gott die Welt in sechs Tagen erschaffen konnte (kurze Entscheidungswege und die Menschen erst zum Schluss, wegen der Bürgerbeteiligung!) und wie lang 3000 Tage ungefähr sind (ein Papageienleben bis zur Pubertät, der gesammelte Urlaub eines 120-jährigen Arbeitnehmers, die Netto-Kampfdauer des 30-jährigen Krieges). Wäre der damalige BER-Eröffnungstermin ein Kind, ginge er jetzt in die dritte Klasse, sofern er nicht sitzen geblieben wäre. Gemobbt würde er wohl so oder so.
Was bleibt, sind ca. vier Milliarden Euro im Wesentlichen steuerfinanzierte Mehrkosten, witztechnische Erschöpfung und 73 Tage, bis es um Tegel endlich ruhiger und im Südosten furchtbar laut wird. Der Standort Schönefeld ist eine Zumutung für Zigtausende, die nun den letzten halbwegs ruhigen Sommer genießen können – ob in Bohnsdorf oder Blankenfelde auf dem Balkon oder in einem der wunderbaren Freibäder von Grünau und Wendenschloss oder beim Wandern in den Müggelbergen oder im coronapräventiv gelüfteten Klassenzimmer in Schmöckwitz. Tags wird’s laut und nachts muss Ruhe herrschen, sodass viel Frachtverkehr nicht zu erwarten ist. Sieht nach einer Lose-Lose-Lösung von historischer Tragweite aus.
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Nun kommt auch noch Georg Kössler von den Grünen und will dem Flugverkehr noch mehr schaden. Genauer: dem auf innerdeutschen Dienstreisen von Landesbediensteten. Nachdem das Abgeordnetenhaus im April beschlossen hatte, dass solche Reisen „grundsätzlich mit der Bahn“ zu erfolgen haben, verweist der Senat in einem Bericht ans Abgeordnetenhaus jetzt auf eine weniger strenge Bundesregelung als Maßstab. „Da vermisst man ein Verständnis von Dringlichkeit und der eigenen Vorbildwirkung beim Senat“, resümiert Kössler und kündigt an: „Ich werde weiterhin jede Flugreise aller Hauptverwaltungen abfragen.“ Laut Senat waren die bedeutendsten innerdeutschen Vielflieger 2019 Polizei, Finanz- und Innenverwaltung.
Vom Fußballgucken bekommt man leicht Corona, wenn man es so macht wie zuletzt in mehreren Sportbars in Mitte, wo die Leute dicht an dicht vorm TV saßen. Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel schlägt mindestens für die Halbfinals der Champions League deshalb ein vorsorgliches Fernsehverbot vor, damit sich keine potentielle Infektionsherde am Infektionsherd schart. Regiermeister Michael Müller will eine grundsätzlichere Lösung und stellt eine neue Aufklärungskampagne in Aussicht. Wobei die Frage ist, ob die die Allgemeinheit vor jenen schützt, die sich in der Internetblase ihres Vertrauens bereits selbst aufgeklärt haben – und nun nicht nur sich und ihre Mitmenschen in Gefahr bringen, sondern auch die fragile Existenzgrundlage der vielen vernünftigen Gastronomen.
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Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den bereits zuvor auf Eis liegenden und am Nachmittag schließlich zurückgetretenen Potsdamer AfD-Fraktionschef Andreas Kalbitz, der seinen Vertreter mit einem nett gemeinten Faustschlag ins Krankenhaus befördert haben soll. Nach der Tat steht die Truppe offenbar nicht mehr so fest wie bisher hinter ihrem Führer: Unter der Überschrift „Andras, bitte geh“ erläutert der durchaus eher wut- als gutbürgerliche Fraktionsmitarbeiter Kai Laubach (Spross der Identitären Bewegung und laut Facebookprofil „M/W/D, also männlich, weiß, deutsch“) mit der Kenntnis des Insiders, warum er den AfD-Prügelknaben für einen verhaltensgestörten, gemeingefährlichen Neonazi hält. Es könnte belanglos sein, wenn nicht vor knapp einem Jahr 22 Prozent der Brandenburger Wähler für Kalbitz & Co. gestimmt hätten.
Für die vsl. von mindestens 2 Milliarden Menschen besuchte „Querdenker“-Vollversammlung in zehn Tagen gibt es laut Veranstalter „!!!!Querdenker Hotelkontingente!!!!! zum Vorzugsreis“ (sic!) in drei Berliner Hotels der Accor-Gruppe mit Buchungscode „Querdenker“. Auf CP-Anfrage, ob der Konzern selbst Sonderkonditionen für Coronaleugner anbiete, antwortete die Pressestelle gestern Abend: „Für die von Ihnen genannten Hotels können wir dies ausschließen.“ Zuvor hatte eines der Häuser auf die Anfrage eines Twitter-Users zum selben Thema anders geantwortet: Wer gegen Corona-Vorschriften verstoße, werde notfalls des Hauses verwiesen, schrieb das Management eines Berliner Novotels und reichte einen aufschlussreichen Satz nach: „Leider können wir nicht bei Reservierungen in unserem Hause parallel die politische Gesinnung, Hautfarbe etc abfragen bzw. es ist auch untersagt, obwohl es sicherlich manchmal auch ganz nützlich sein würde!“ Da gibt es zum Vorzugsreis auch noch Quatsch mit hautfarbener Soße.
Berliner Schnuppen
Telegramm
In Spandau wird heute ab 17.30 Uhr der beiden Radfahrerinnen gedacht, die am Montag binnen weniger Stunden von einem querenden Transporter und einem abbiegenden Geländewagen totgefahren wurden. Erster Treffpunkt ist am Altstädter Ring / Seegefelder Straße, wo eine 82-Jährige starb. Danach wird an der Pichelsdorfer/Brüderstraße an die 66-Jährige erinnert, die dort verunglückte. Wer an den Mahnwachen teilnehmen will, achte bitte auf Mund-Nasen-Schutz und Abstand.

Das Projekt @wasihrnichtseht macht Rassismuserfahrungen von Schwarzen sichtbar. Wir machen das durch eine Kooperation an dieser Stelle auch.
Die Stadtpolizei Wintherthur teilt mit: Der 19-Jährige, der mit seinem Jaguar mit Tempo 109 bei erlaubten 50 km/h erwischt wurde, „muss mit einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr und einem Führerausweisentzug von mindestens zwei Jahren rechnen“. In Deutschland wäre er mit 280 Euro und zwei Monaten Fahrverbot plus Punkten und Nachschulung davongekommen.
Erschrecken Sie nicht, wenn heute ab 15 Uhr im Hauptbahnhof mehrere Herren im Anzug im Anzug sind. Es handelt sich um Führungskräfte von DB und S-Bahn, die die Fahrgäste laut Pressestelle „regelmäßig und höchstpersönlich informieren, wieviel pünktlicher, zuverlässiger und auch schöner die S-Bahn geworden ist“ dank Qualitätsoffensive. Die Zahl der Fahrzeugstörungen sank laut S-Bahn in diesem Jahr um ca. 8%, die Pünktlichkeit stieg von 96,2 auf 97,2%. Das mag auch mit der coronabedingt gesunkenen Zahl der Beförderungsfälle zu tun haben.
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Falls noch irgendwer dringend ein Argument dafür braucht, die Friedrichstraße von Autos zu befreien: Einbrüche wie der von gestern früh, als Diebe mit einem BMW ins Schaufenster der Galéries Lafayette fuhren und teure Taschen klauten, sind wegen der Sperrung vom kommenden Freitag an bis Ende Januar 2021 nicht mehr möglich.
„Über wie viele Dienstfahrräder verfügt das Bezirksamt Spandau und in welchen Abteilungen werden sie genutzt?“, wollte der Bezirksverordnete Oliver Gellert (Grüne) von der Verwaltung seines Heimatstädtchens wissen. Das Bezirksamt weiß es nicht genau, schätzt aber etwa 45, „von denen mindestens zwei Drittel regelmäßig intensiv genutzt werden“.
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Der Weihnachtsmarkt in der Spandauer Altstadt wird coronabedingt abgeblasen. Allerdings kommt als Ausweichquartier mit leichter zu verteidigenden Abstandsregeln die Zitadelle infrage. Die wird ja nicht mehr durchgängig gebraucht, seit sich nach den Schweden auch Napoleon zurückgezogen hat.
„In Sachen Verwüstungen bin ich im Volkspark Mariendorf einiges gewöhnt“, schreibt meine Kollegin Sigrid Kneist im aktuellen Newsletter für Tempelhof-Schöneberg. Aber etwas vom Kaliber jener drei Bierpinsel, die das Wochenende Montagfrüh (also vor dem Regen) mit einem stattlichen Lagerfeuer ausklingen ließen, hat auch sie noch nicht erlebt. Auf ihre Aufforderung, das Feuer zu löschen, wurde sie gemäß geltendem Lokalkolorit mächtig angepöbelt, aber ein Anruf bei der Polizei genügte dann doch, um die hässliche Herrenrunde aufzulösen.
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Sind wir hier etwa eine Partnervermittlung? Ja, warum eigentlich nicht? In unserer Rubrik „Wer sucht was?“ gastiert heute CP-Leserin Astrid. „Biete Teilhabe am bunten Leben einer vielseitigen, schlanken Sechzigerin“, schreibt sie. „Suche einen fitten und ansehnlichen Mann fürs Vorfreuen auf Reisen und Planen der nächsten, romantische Stunden und E-lose Radkilometer, Eintauchen in andere Lebensgeschichten und in unsere Badeseen, Nähe aufbauen und Vorurteile abbauen.“ Wenn Sie sich angesprochen fühlen, mailen Sie’s gern an checkpoint@tagesspiegel.de.
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Wir sind der anderen Seite in jedweder Hinsicht unterlegen.“
Anlässlich des gerade angelaufenen Abou-Chaker-Prozesses hat der Oberstaatsanwalt Ralph Knispel der „Süddeutschen Zeitung“ ein ebenso erhellendes wie deprimierendes Interview gegeben.
Tweet des Tages
Echte Männer begrüßen sich ausschließlich per Milzriss.
Stadtleben
Essen – Schon lange eine gute Adresse für feines Dinieren in Neukölln, hat im Eins44 vor ein paar Monaten kein geringerer als Daniel Achilles (ehem. Reinstoff) angeheuert, um gemeinsam mit Küchenchef Tim Tanneberger noch mehr rauszuholen, als hier eh schon Standard ist: „Finesse bis ins Detail“. Deutlich spürbar bei den „Kartoffel-Spaghetti mit sahnigem Kartoffelschaum, Parmesan, Reis-Knusper und Kräuteröl“ (15 Euro), perfektioniert beim „Tramezzini vom Kalb mit Senfkohl, Rübchen, gebackener Zwiebeln und kräftiger Fleischjus“ (16 Euro). Fast schon revolutionär: Die Gäste können aus einem Dutzend Gänge, davon drei vegetarisch, wählen – à la carte. Unbedingt reservieren! (Für heute Abend sieht es aber noch gut aus.) Elbestraße 28/29, U-Bhf Rathaus Neukölln, täglich geöffnet ab 17 Uhr.
Trinken – Zwischen Fahrradwerkstatt und Nachbarschaftsgärten befindet sich auf dem Tempelhofer Feld auch Roman Mörners mobile Kaffeebar. Ob Eiskaffee mit Hafermilch oder schwarz mit Zucker: An dem drei Meter langen Coffeebike findet jeder was nach seinem Geschmack. Mörners Verkaufsschlager kostet nur drei Euro. Um was es sich dabei handelt, erfahren Sie hier (Abo). Eingang Herrfurthstraße (U-Bhf Boddinstraße)

Urlaub ganz nah – Noch mehr Fine Dining – gepaart mit internationaler, zeitgenössischer Kunst – findet sich im Picknickkorb, der zur ART Biesenthal (noch bis zum 6. September) von stadtbekannten Restaurants zusammengestellt wurde. Darunter u. a. Zwiebelmarmelade aus dem Nobelhart & Schmutzig, Labneh aus dem Otto oder vegetarischer Kaviar, Schmand und Misogurke aus dem Cookies Cream. Und dazu der herrliche Blick ins Grüne rund im die Wehrmühle (Mi-Do 12-20 Uhr, Fr-So 12-21 Uhr, fürs Navi: Wehrmühlenweg 8, 16359 Biesenthal.) Tickets für die Art (15 Euro) sowie der Picknickkorb (49 Euro) können – bitte mir Vorlauf hier gebucht werden.
Berlinbesuch – Minigolf is out, in is: Discgolf. Die Regeln sind gleich, aber der Ball eine Scheibe: Beim Discgolf wird ein Frisbee auf möglichst direktem Weg in einen Fangkorb befördert, wobei immer von dort aus neu geworfen wird, wo der Frisbee zuletzt landete (hier im Video). Manuel Franz vom Turn- und Sportverein Lichterfelde (TusLi) zeigt gern in einem – coronakonformen – Schnuppertraining auf dem neu eröffneten Parcours zwischen Krahmerstraße und Bäkestraße, wie es geht (immer freitags ab 18.30 Uhr mit Voranmeldung, nächster freier Termin: 18. September). Ein freies Training ist dort auch ohne Anleitung und Vereinsmitgliedschaft jeder Zeit möglich. Ein Tipp vom Profi: „Empfehlenswert ist ein Handtuch. Wenn die Scheiben nass oder staubig sind, kann es passieren, dass sie nicht da landen wo man sie hinwerfen möchte.“ Fehlt nur noch ein Frisbee.
Noch hingehen – Bevor es vom 1. September an wieder Programm in der Urania gibt, zeigt die Ausstellung „natürlich Berlin!“ wie artenreich die Hauptstadtnatur ist (Di-Sa 12-20 Uhr, Eintritt frei, Maske und Abstand Pflicht). Kurz nach Ausstellungsende stellt der Präsident des Bundesumweltamtes, Prof. Dirk Messner, an gleicher Stelle „grüne Stadtutopien“ vor, die Wirklichkeit werden könnten, am 4. September wollen verschiedene IntiatorInnen und PoltikerInnen „Berlin ökologisch denken“. Das ganze Programm und Tickets finden Sie hier.
Karten sichern – Auch wenn sich die (Wetter)Lage ein wenig entspannt: Diese Woche werden Sie kein Glück haben, legal ins Freibad zu kommen. Da hilft nur Waldbaden: Mitten in der Wuhlheide lockt der Badesee am FEZ mit freien Plätzen am Sandstrand wie im Wasser, dessen Qualität ausgezeichnet ist, wie uns die Sprecherin versicherte. Geöffnet ist noch bis zum 30. August, jeweils Fr-So 10-18 Uhr, Tickets kosten 4, ermäßigt 3 Euro und können ausschließlich online gebucht werden (noch ist alles grün!). Und wo Sie schon mal den dort sind: Die „SpieloFEZien“ sind noch nicht vorbei (Sa-So, 12-18 Uhr). Straße zum FEZ 2, S-Bhf Wuhlheide
Karten gewinnen – „Female to Empower“ heißt das Motto der 2019 gestarteten Konzert- und Filmreihe im Kulturquartier silent green. Im Mittelpunkt steht das musikalische Schaffen aus weiblicher Perspektive. Morgen Abend geht es wieder los mit einem Solo-Konzert von Schlagzeugerin Katharina Ernst, gefolgt von einem Gespräch mit ihr und Radiogründerin Diana McCarty. Anschließend wird in der Dokumentation „Touch The Sound “ das Leben der britischen Schlagzeugerin Evely Glennie beleuchtet, die Geräusche, Klänge und Rhythmen gehörlos wahrnimmt. Tickets kosten 15 Euro, für den Eröffnungsabend verlosen wir zwei Freikarten. Los geht‘s um 20 Uhr in der Gerichtsstraße 35 (S/U-Bahnhof Wedding).
Last-Minute-Western – (EIn Tipp von Jörg Wunder) Sergio Leones vierter Italowestern „Spiel mir das Lied vom Tod“ ist bekannter. Doch der Vorläufer aus dem Jahr 1966 „Zwei glorreiche Halunken“, sein dritter und letzter Film mit Clint Eastwood als namenloser „Blonder“, ist das noch größere Meisterwerk. Die vor einem nihilistischen Panorama des US-Bürgerkriegs angesiedelte Goldjagd dreier Revolvermänner – es geht mitnichten um „zwei Halunken“, sondern laut Originaltitel um den Guten (il buono = Eastwood), den Hässlichen (il brutto = Eli Wallach) und den Bösen (il cattivo, das ist natürlich Lee Van Cleef) – hat epische Dimensionen und mündet in die grandioseste Duellszene der Kinogeschichte, zur unvergesslichen Musik des kürzlich verstorbenen Ennio Morricone. Freiluftkino Hasenheide, 20.45 Uhr, Tickets: 9 Euro.
Insel-Check
Team Checkpoint hat die Segel gehisst und alle Berliner Inseln besucht – es sind mehr als 50. An dieser Stelle und auf Instagram stellen wir Ihnen täglich eine davon vor. Und oben drauf gibt’s unser Inselquartett – zum Ausschneiden für lange Autofahrten in den Ferien und Sommer-Sehnsucht im Winter.
Schwanenwerder war alles andere als ein Schnäppchen! 8.000 Reichsmark hatte ein Spieler in der ersten deutschen Monopolyversion im Jahr 1936 für das teuerste Grundstück hinzublättern. Kein Wunder, dass die Insel bis 1945 den Spitznamen Bonzenwerder trug. Einst haben hier Industrielle, Kaufleute und Bankiers gewohnt, viele jüdischer Herkunft. Ab 1933 wurden sie von den Nazis vertrieben. Unter anderem Albert Speer und Joseph Goebbels hausten zuweilen in den Villen. Ein Grund, weshalb die Monopolyversion kurzzeitig vom Markt genommen wurde. „Als Goebbels ,Schwanenwerder’ mit Wuchermieten auf den Monopoly-Spielplan übertragen fand, ließ er das Spiel angeblich kurzerhand verbieten“, rekapituliert der Spielwarenhersteller Hasbro die Geschichte. „Offiziell wurde der ,jüdisch-spekulative Charakter‘ des Spiels als Grund für den Verkaufsstopp herangezogen.“ Bis heute hat Berlins exklusivste Insel nur eine Straße und 40 Grundstücke, die den – sagen wir mal – „eher Reichen“ (schön ist keine Voraussetzung) vorbehalten sind.
Text: Ann-Kathrin Hipp
Berlin heute
Verkehr – Heiligensee (Reinickendorf): Auf der Sandhauser Straße zwischen Alt-Heiligensee und Rohrweihstraße beginnt gegen 10 Uhr bis Ende September eine neue Baustelle.
Grunerstraße (Mitte): Ab ca. 7 Uhr (bis Anfang September) ist auf der Grunerstraße Höhe Klosterstraße in beiden Richtungen jeweils nur ein Fahrstreifen verfügbar.
Neukölln: Aufgrund einer Demonstration ist von 17 bis ca. 21 Uhr auf der Strecke vom Hermannplatz über Karl-Marx-Straße, Reuterstraße, Flughafenstraße, Herrfurthstraße zum Herrfurthplatz mit Verkehrsbehinderungen zu rechnen.
Spandau: Zwischen 17.30 bis 18.30 Uhr ist mit Sperrungen und Verkehrseinschränkungen an der Kreuzung Altstädter Ring/ Seegefelder Straße sowie Brüderstraße/ Pichelsdorfer Straße zu rechnen.
S-Bahn: Von 22 bis ca. 1.30 Uhr ist die Linie S3 zwischen Olympiastadion und Spandau unterbrochen. Fahrgäste steigen bitte auf die Linie S9 um.
Demonstration – Mit einem Aufzug vom Hermann- bis zum Herrfurthplatz erinnern 500 Demonstrierende an „Rassismus und rassistische Morde: Sechs Monate seit dem Anschlag in Hanau am 19. Februar 2020, dem neun Menschen zum Opfer fielen“ (17-21 Uhr). Vor dem Eingang des Virchow-Klinikums am Augustenburger Platz 1 in Wedding ruft die Gewerkschaft ver.di zum „Warnstreik Charité Facility Management GmbH – Streikerfassung“. Erwartet werden 300 Personen (6-13 Uhr). „Gegen Militarisierung und militärische Werbung, welche auf Minderjährige abzielt“ protestieren zudem 100 Teilnehmende in der Kohlfurter Straße 41 (17-20 Uhr). Am Brunnen der Völkerfreundschaft auf dem Alexanderplatz kommen 30 Personen zu einer „Videoaktion zur Aufklärung über die Tierindustrie“ zusammen (18-22 Uhr).
Gericht – Zweiter Tag im Prozess gegen Arafat Abou-Chaker und drei seiner Brüder. Dem Clan-Chef werden mutmaßliche Straftaten zum Nachteil des Rappers Bushido, seinem einstigen Partner im Musikgeschäft, zur Last gelegt. Der 44-Jährige soll nach ihrer geschäftlichen Trennung hohe Geldzahlungen gefordert haben, der erste Prozesstag verlief friedlich, aber frostig. (9.30 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal 500).
Universität – Welche Rolle spielt Literatur in der Klimakrise? Dieser Frage gehen Studierende der Freien Universität Berlin in Kooperation mit dem Literarischen Colloquium Berlin nach. In einem digitalen Essay zu „European Climate Fiction“ stellen sie ihre europäische Sicht auf das Thema vor und unterhalten sich u. a. mit der Fridays-for-Future-Aktivistin Clara Mayer. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr als Onlinesteam in englischer Sprache.
Berliner Gesellschaft
Geburtstage – Andi Bohnenberg (66), „Alles, alles Gute, Andi Bohnenberg, Architekt und Schatzmeister bei boule devant Berlin e.V, – wir müssen legen!“ / Tanja Dickert (48), „Ihre Kollegen von der Touristeninformation Neukölln gratulieren ganz herzlich. Sie ist seit 2015 die coolste Leiterin der coolsten Touristenformation, die es so natürlich nur in Neukölln geben kann. Danke dir dafür!“ / „Vor 23 Jahren hast du mir das Glück beschert, Mutter zu werden, heute stehst du schon lange auf eigenen Beinen. Erfüllung deiner Träume und GLÜCK GLÜCK GLÜCK wünscht Christine Sichel ihrem ältesten Sohn“ / Olga Holtz (47), Mathematikerin / Marlon Knauer (33), Sänger / Silke Jäger (45), „Ich möchte meiner Freundin, der besten Frauenärztin vom Südwestkorso und liebsten samstäglichen Boxi-Wochenmarkt-Begleiterin zum 45. Geburtstag gratulieren und ihr noch einen schönen Urlaub wünschen.“ / Sara Nuru (31), Model und seit 2018 Botschafterin für fairen Handel des BMZ / Hans-Christian Schmid (55), Filmregisseur, Drehbuchautor und Filmproduzent / Götz Gaertner, „Kybernetiker, Informatiker und Neugründer des Berliner Segler-Club 1867, viel Glück, Liebe, Gesundheit wünscht Jutta Boergers“ / André Schmitz (63), SPD-Politiker, ehem. Chef der Berliner Senatskanzlei (2001-2006) und ehem. Kulturstaatssekretär (2006-2014) / Mike Vollmuth (48), „Bebet“ / nachträglich: Jürgen R.Draxler (75), „meinem Halbbruder , vollschwesterliche Gute Wünsche“
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Ilona Blumenthal, * 10. Oktober 1934, Rechtsanwältin und Notarin / Brigitte Conrad, * 4. Juni 1952 / Karl-Heinz Gassan, * 26. Juli 1945 / Marianne von Hase, * 6. Januar 1948 / Peter Kußmack, * 4. November 1939, Justizoberamtsrat i.R.
Stolperstein – Martha Hamm (Jg. 1876) wurde am 19. August 1942 – heute vor 78 Jahren – nach Theresienstadt deportiert. Die Nationalsozialisten ermordeten sie in Treblinka, am 26. September 1942. In der Landshuter Straße 14 in Schöneberg erinnert seit 2010 ein Stolperstein an sie.
Encore
Für das Leben lernen wir – aber vorerst nichts mehr bei jener verbeamteten Gymnasiallehrerin, die auf verschiedenen Internetplattformen, die u.a. „seriöse und professionelle Zukunftsdeutung“ anbieten wollen, spirituelle Lebensberatung gegeben haben soll. Die Schulverwaltung untersagte ihr den nicht genehmigten Nebenjob und leitete ein Disziplinarverfahren ein. Außerdem untersagte sie der Frau ihre schriftstellerische Tätigkeit, bei der es sich nach deren Darstellung allerdings bloß um allgemeine Kommunikation „teilweise außerhalb des logischen Systems“ handelte (nicht zu verwechseln mit der Senatsschulverwaltung). Das Verwaltungsgericht wies ihre Klage in einem gestern veröffentlichten Urteil ab – weshalb die Lebensberatungslehrerin nun vors Oberverwaltungsgericht gehen will. Seriöse Zukunftsdeuter prophezeien, dass wir damit noch viel Spaß haben werden.
Das Stadtleben in diesem Checkpoint haben Stefanie Golla und Sophie Rosenfeld verfasst, die morgendliche Politur übernahm Caspar Schwietering. Morgen erklärt Ihnen hier Lorenz Maroldt, was die nahe Zukunft gebracht hat. Machen Sie’s gut!