heute ist der 59. Tag des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine. Blicken wir also zunächst auf die Entwicklungen der letzten Stunden:
+++ Russische Truppen haben sich nach ukrainischen Angaben in mehreren Orten in der Ostukraine festgesetzt. UN-Chef Antonio Guterres will sich im großen Stil in die Ukraine-Diplomatie einschalten. Nach einem Treffen mit Kremlchef Wladimir Putin in Moskau wird er kommende Woche auch zu Präsident Wolodymyr Selenskyj in die Ukraine reisen. Selenskyj selbst rief die Ukrainer dazu auf, sich mit allen Mitteln gegen die russische Besetzung zu wehren.
+++ Ukrainischen Angaben zufolge könnte heute eine Evakuierung aus der stark zerstörten ukrainischen Hafenstadt Mariupol stattfinden. Das teilte die Vizeregierungschefin Iryna Wereschtschuk am späten Freitagabend auf Facebook mit. Sie schrieb weiter, dass Fluchtkorridore aus der Stadt bereits mehrmals gescheitert seien und dass sie verstehe, wie schwer dies für die Menschen sei. „Sie und ich müssen es aber so oft versuchen, bis es klappt.“
+++ Eine Woche nach dem Untergang des Kriegsschiffs „Moskwa“ hat die russische Führung ein Todesopfer eingeräumt, 27 Matrosen würden vermisst. Über Verletzte gab es keine Angaben. Kremlkritische Medien hatten nach Gesprächen mit Angehörigen von eine deutlich größeren Anzahl an Toten und Vermissten gesprochen.
Alle weiteren Entwicklungen lesen Sie in unserem Liveblog auf tagesspiegel.de. Updates zur Lage der Geflüchteten in Berlin lesen Sie im Newsblog.
Der April geht nochmal in die Vollen und zeigt sich wechselhaft und unvorhersehbar. Aber nicht nur wetterseitig bleiben die Zeiten spannend. Willkommen zur Wochenendausgabe des Checkpoints.
Samstagmorgen – Von Tag zu Tag werden es mehr Sonnenstunden. Und mehr Licht bedeutet immer auch: mehr Schatten. In Zeiten gesteigerter Aufmerksamkeit für die kleinen Dinge des Alltags gehört natürlich auch der bewusst gestaltet. Die Negativität als hübsches Deko-Element? Theodor Adorno hätte sich entrüstet. Der geistige Vater der Negativen Dialektik war allerdings auch nicht gerade für seine Gartenkünste bekannt, weshalb ihm die angenehmen verflimmerten Schatten großer Zimmerpflanzen an hellen Sonnentagen entgangen sein könnten. Schöne und besondere Töpfe zum Umtopfen und Ausbauen gibt es bei Grigioverde, einen Steinwurf entfernt vom Schloss Charlottenburg in der Christstraße 32. Mo - Fr: 11 – 19 Uhr, Sa 11– 18 Uhr
Samstagmittag – Apropos Schatten: Um 17 Uhr eröffnet die Ausstellung Rivière Noire von Daniel Butcher in der Galerie Anahita Contemporary (Schlüterstraße 14). Und nicht wenigen Betrachter:innen dürften die Bilder des in Montréal lebenden Malers dystopisch erscheinen – einfach, weil die Dunkelheit, die schon der Ausstellungstitel andeutet, im Allgemeinen negativ konotiert wird. Bei Butcher griffe das allerdings viel zu kurz: Die Verweise in seinen figurativen Bildern oszillieren zwischen Vergangenheits- und Zukunftsvisionen, beschwören mitunter vergangene Zukünfte herauf, die nie stattgefunden haben – Retro-Utopien. Bis 11. Juni, Di – Fr, 14 bis 18 Uhr, Samstag 11 bis 16 Uhr.
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Felix Krull
Fake it till you make it!
Am 26. und 27. April zeigt das Berliner Ensemble zum 30. Mal „Felix Krull“ – Thomas Manns Parodie auf ein Künstlertum brillanter Äußerlichkeiten, die am Ende das erzeugen, was sie nicht sind: das Leben selbst – ein echter Schwindel.
Mit dem Stichwort „Checkpoint“ gibt’s 10% Rabatt auf alle Tickets an der Theaterkasse.
Samstagabend – Apropos Zukunft: Angesichts der vielen Problemherde der Gegenwart sind hoffnungsvolle Zukunftsvisionen zurzeit rares Gut. Das Orakeln, das sich seit der Antike durch die Menschheitsgeschichte zieht, ist weitgehend auf Wetterbericht und Aktienkurse beschränkt. Zugleich gibt es mehr Vergangenheit denn je, denn noch nie ist so viel Gegenwart permanent mitgeschrieben worden, wie in den letzten Jahrzehnten, was die Philosophin Karen Barad zur These veranlasst, die Vergangenheit als immer größere und trägere, von der Weltgeschichte abgehängte Masse, sei noch nicht angekommen. Wer damit etwas anfangen kann, verbringt heute (oder auch morgen) einen Abend voller zeitintellektueller Denkakrobatik im Theaterstück The Future von Constanza Macras, 19 Uhr an der Volksbühne.
Sonntagmorgen – Still steht die Zeit dagegen im HKW – und das nur noch heute. Der Film „Le Livre d‘Image“ von Jean-Luc Godard wird hier bekanntlich als Ausstellung gezeigt, und das nicht etwa als Endlosschleife in einer abgedunkelten Kabine laufend, wie man es von anderen Ausstellungen kennt, sondern fragmentiert und auf 40 Bildschirme verteilt. Der Film ist damit also begehbar – und dadurch auch Gegenstand einer Kuratorenführung um 15 Uhr. Geöffnet ist Sentiments, Signes, Passions am heute letzten Ausstellungstag ab 12 Uhr, um 18 Uhr wird zudem der Film „Notre Musique“, ebenfalls von Godard, zum Abschluss gezeigt.
Sonntagmittag – Statt in eine andere Zeit, dient die Ausstellung Ultrasocial Pop als Tor in das Pop-Universum des Künstlers Filip Markiewicz. Eine parallele Welt ist es aber eigentlich gar nicht, der Künstler bezeichnet sein Arbeiten als Instant Comedy – gefundene Wirklichkeit, zu der man sich eigentlich nichts hinzudenken muss. Schlüsselerlebnis für die Schau, sagt er, sei der Sturm auf den Reichstag im August 2020 gewesen, an dem Hippie-Ästhetik, Yoga-Gruppen, Reichsbürger- und Nazisymbole Seite an Seite miteinander marschierten: Jedes Sinns entleerte, ausgehöhlte Symbolik, beliebig rekombinierbar. Warum das Pop ist, erzählt er um 15 Uhr im Künstlergespräch im Haus am Lützowplatz (dort Hausnummer 9).
Sonntagabend – Nach all dem Vergangenheits- und Zukunftsdenken gibt es zum Wochenendeende: Musik, die eigentliche Zeitkunst. Im Salon Verde (Am Treptower Park 28) zum Beispiel kann man eine meditative Reise durch „melorhythmische“ Trancewelten mit klassischen, Jazz- und Weltmusik-Anklängen unternehmen, dargeboten auf dem Cello von FLoHM aka Gábor Hartyáni. 19.30 Uhr, Eintritt 10 – 20 Euro. Im Gretchen (Obentrautstraße 19-21) heizt das Portico Quartet um 19.30 Uhr seinem Publikum mit elektroakustischem Programm ein (Eintritt 25 Euro) und um 21 Uhr versetzt der finnische Pianist Kari Ikonen mit Kollege Claudio Puntin an der Klarinette sein Publikum in an Kandinskys Malerei angelehnte Klanglandschaften im Jazzclub b-Flat (Dircksenstr. 40, Eintritt 15/12 Euro).
Mein Wochenende mit
Kevin, unser liebstes Wildschwein in der Rotte, kennt jeden Flecken Land in Berlin und Brandenburg. An dieser Stelle gibt er wöchentlich Ausflugstipps ins Umland.
„Hach ja, die Trüffelsaison ist nun wirklich vorbei – Anfang Oktober bis Ende Januar dauert sie eigentlich an. Feine Nasen, wie die meine, erspüren aber durchaus noch bis Ende März vereinzelt genießbare Schwarztrüffel. Und wie jedes Jahr, wird auch in diesem das Ende der Trüffelzeit mit blühenden Kirschbäumen markiert. Wussten Sie, dass der größte Teil der japanischen Kirschbäume Berlins auf eine Spendenaktion eines japanischen Fernsehsenders zurückgeht? Klar wussten Sie das, stand ja im Checkpoint. Und wo Sie das edle Blühgeäst finden, war nun auch schon mehrmals zu lesen, zum Beispiel hier. Wie die Bäume die Landschaft doch verändert haben! Hätte das der Uckermarker Maler Emil Hermann Klemke seinerzeit schon gesehen, hätte er sein Brandenburger Landschaftsbild bestimmt anders gemalt. Zu sehen ist es seit 2017 im Bad Freienwalder Oderlandmuseum, nachdem es eine lange Reise durch die USA und Japan vollzogen und gleich noch Verwandtschaftsverhältnisse und eine Städtepartnerschaft mit der japanischen Metropole Hachioji nachgezeichnet hatte. Ist doch wirklich schön, wie die Dinge manchmal zusammenhängen, nicht? Jedenfalls wandeln Chantal, die fernwehgetriebene Sau von Nebenan, und meine Wenigkeit, angeregt durch eben die duftenden Blüten auf japanophilen Pfaden. Anschließend wird es rote Grütze geben, auch wenn diese Kirschen nichts damit zu tun haben. Ich empfehle sie dennoch, wie den Besuch in Wriezen und Bad Freienwalde. Und mich empfehle ich, mit freundlichen Grunzen.“
Leseempfehlungen
Anfang des Jahres haben viele ihre Stromanbieter gewechselt. Wie die Gründung eines neuen Ökostromanbieters so aussieht, hat Masha Malburg (Abo) im Gespräch mit einem Berliner Startup in Erfahrung gebracht.
Ein Kochduell der anderen Art bietet Twitter-Nutzerin „TesafilmEnte“ ihrer Leserschaft: Die Elektroingenieurin aus Marzahn kocht gegen den AfD-Abgeordneten Lindemann an. Wie das funktioniert, erzählt Johanna Treblin
(Abo).
Als schnellstes Großbauprojekt der letzten Jahre gefeiert, werden gerade die womöglich ersten Nebenwirkungen der Raserei sichtbar: 15.000 Liter Lack sind am 11. April bei Tesla in Grünheide ausgelaufen, die Untersuchung des Vorfalls aber: Nebensache. Thorsten Metzner (Abo) hat sich das angeschaut.
Wochenrätsel
Gewonnen! Aufmerksamen BER-Besucher:innen (und Checkpoint-Leser:innen) ist natürlich längst bekannt, dass es am Flughafen einen mysteriösen Raum mit der Aufschrift „Pumi“ gibt. Natürlich handet es sich bei der Aufschrift um eine Abkürzung, und zwar mit der Bedeutung:
a) Pneumatik und Mechanik Ing
b) Putzmittelraum in Bauplänen
c) Passagier- und Mitarbeiter-Info
Schicken Sie uns die richtige Lösung und gewinnen Sie einen Checkpott.
Jetzt mitmachenHaben Sie ein inspiriertes Wochenende. Ihr früher Volgel im Produktionsdienst war heute Lionel Kreglinger, am Montag lesen Sie an dieser Stelle wieder Lorenz Maroldt.