Franziska Giffey lädt ein zum „Auftaktforum“ der „Equal Pay Day Kampagne“ am nächsten Montag – konsequenterweise bekommen alle Panelist/innen (auch Männer sind dabei) als Honorar nicht nur das gleiche, sondern sogar dasselbe: nix, nada, niente. Dafür gebe es „kein Budget“, wurde mitgeteilt – mehrere Referentinnen sagten ab, auch der generöse Reisekostenzuschuss von 100 Euro und die Übernachtungspauschale von 60 Euro (reicht für ein Hostel inkl. Späti-Bier) konnten sie nicht umstimmen. Einige Teilnehmerinnen wollen aus Protest T-Shirts mit dem Aufdruck „umsonst“ tragen, und einer der spannendsten Vorträge dürfte der von Dr. Benita Combet sein: „Mythos und Wirklichkeit beim Thema Frauen in Gehaltsverhandlungen“.
Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci will per Bundesratsinitiative Leiharbeit in der Pflege verbieten lassen – das kündigte sie bei der Vorstellung unserer großen Pflegekräfte-Umfrage (677 Teilnehmer/innen) gestern im Tagesspiegel an.
Die wichtigsten Ergebnisse:
1) Nur knapp ein Drittelder Befragten sagt, dass ihr Arbeitspensum eine gute Pflege ermöglicht.
2) Nur ein Viertel fühlt sich leistungsgerecht bezahlt.
3) Nur 15 Prozent halten ihren Job für gesellschaftlich anerkannt.
4) Aber 77 Prozent sagen, dass ihnen der Pflegeberuf Freude macht.
Eine Heim-Pflegekraft schrieb: „Ich kann meine Bewohner nicht mehr so versorgen, wie ich es gerne hätte bzw. wie ich es gelernt habe. Ich habe selbst Angst vor dem Älterwerden und wie ich später vielleicht selbst mal versorgt werde.“
Die komplette Umfrage, gesellschaftliche und politische Hintergründe und vor allem Tipps zum Thema, hat das Team meines Kollegen Ingo Bach in unserem neuen Pflegemagazin zusammengefasst – es erscheint am Donnerstag dieser Woche, bestellen können sie es schon mal hier.
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Zum Prozess um die „Syndikat“-Räumungsklage (heute, 12 Uhr, im Landgericht)hat die Richterin strenge Auflagen verhängt: Es dürfen u.a. keine Eier mitgebracht werden – das Kneipenkollektiv ist empört, fühlt sich „an Terrorprozesse erinnert“ und spricht von einem „Klima der Angst“. Vielleicht hat die Gerichtsvorsitzende aber auch nur vor einer Woche die Erklärung der „Syndikat“-Freunde zum Prozess bei „Indymedia“ gelesen, in der dazu aufgerufen wird, „am Prozess selbst (…) wütend und laut“ zu sein.
Prozessgegner ist als Eigentümer übrigens ein Zweig des „Pears“-Reichs, was deswegen interessant ist, weil die Richterin auch kein Obst zulassen will (und damit eben auch keine Birnen). Mit welchen miesen Methoden die Briten als Vermieter in Berlin ihre Milliarden zu mehren trachten, hat das Team unseres „Tagesspiegel Innovation Lab“ recherchiert – nehmen Sie sich dafür nachher einen Moment Zeit, es lohnt sich („Das verdeckte Imperium“). Ich wünsche Ihnen, dass Sie seriösere Vermieter haben.
Frage für Berlinspezialisten: Was haben Walter, Inge, Lars, Biene, Frieda, Rika, Phine, Luise, Lisbeth, Ali, Marianne, Monty, Molara, Bella, Tilo, Karlsson, Beatrix, Ute, Lena, Lotte, Fred, Kalle, Soldini, Rudi und Nele gemeinsam? Sind sie:
a) Kinder der Kita-Krabbelgruppe „Klunkerkürbis“?
b) Angehörige des Selbsthilfevereins „Anonyme Anarchisten“?
c) Lastenfahrräder der „fLotte Berlin“?
Tja, gar nicht so einfach diesmal… also, ich habe mich gestern mal angemeldet, und tatsächlich: Das sind 25 der heute verfügbaren „fLotte“-Lastenräder – ein Sharingprojekt, das aus den Reihen des ADFC entstanden ist. Bald sollen 120 solcher Lastenräder angeboten werden, kostenlos buchbar bis zu drei Tage am Stück. Und alle haben sie einen Namen.
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Kinder und Jugendliche wachsen heute ganz selbstverständlich in einer digitalisierten Welt auf. Wie können die jungen Digital Natives befähigt werden, sich kompetent und kritisch in der vernetzten Welt zu bewegen?
Was gehört in ein modernes Jugendschutzgesetz? Wie werden Schulen kompetent für die digitale Bildung? Diskutieren Sie mit der grünen Bundestagsfraktion am 08.11. Infos & Anmeldung hier.
210 Jahre sind genug: „Der ‚Polizeipräsident Berlin‘ wird abgeschafft“, lautet eine der Meldungen des Tages. Nie wieder verschickt er „hochachtungsvoll“ Bußgeldbescheide, er verschwindet von Schildern, Briefen und Visitenkarten, aus „er“ wird „es“, und das zeichnet jetzt nur noch als „Polizei Berlin“. Ach, und falls Sie es noch nicht mitbekommen hatten: Wir haben jetzt übrigens eine Polizeipräsidentin. Es kommentiert der Kreuzberger Medienanwalt Jonathan Wüterich: „Warum nennt ihr die Bullen nicht mehr Bullen!?!“
Hurra, am Sonntag gibt’s „Revolutionskaraoke“ in Pankow – leider sogar ausnahmegenehmigt. Ensemble-Mitglieder des Theaters an der Parkaue rezitieren Reden und Losungen der Alexanderplatz-Demo von 1989, und die Checkpoint-Band begleitet live „Karussell“-Sänger Dirk Michaelis bei seiner Wendehymne „Als ich fortging“. Als Bühne dient wie damals ein Klein-Laster, Typ „Robour LO“, den wir im Theaterhof des Haffner-Kulturzentrums parken (wenn’s regnet, machen wir nebenan im Pankow-Museum weiter). Los geht’s um 15 Uhr, der Eintritt ist dem Anlass angemessen: frei! Und vielleicht spielen wir ja auch noch den einen oder anderen Wendesong – was darf’s denn sein? Sonderzug nach Pankow? Über sieben Brücken? Looking for Freedom? Freiheit? Oder was haben Sie so im Ohr und in Erinnerung, wenn sie an den November ‘89 denken? Wir sind auf Ihre Vorschläge gespannt! Bitte per Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Berliner Schnuppen
Telegramm
Berliner Nachlese zur Thüringenwahl: „Koalieren wir mit der Linkspartei, gefährden wir den Status der CDU als Volkspartei“, meint der Landesvorsitzende Kai Wegner. Mit Blick auf die letzten Wahlergebnisse und Umfragen lässt sich sagen: Stimmt – das schafft die CDU hier auch ohne die Linkspartei.
Neues aus Klein-Hollywood, früher in Berlin als Friedrichstadt bekannt: Das eine Filmteam ist weg, das nächste hat rund um die Köpenicker Straße schon neue Zettel an die Haustüren geklebt und auf drei Straßen seine Halterverbotsschilder aufgestellt. Diesmal dreht die Ufa Fiction GmbH für „Deutschland 89“, leider nur nachts im Innenhof. Wie soll ich da durchs Bild laufen?
Nanu, hatten wir die Meldung nicht schon mal? „Sigrid Nikutta wechselt zur Bahn“ – ja, ok, aber jetzt wird’s ernst: Morgen stellt sich die BVG-Chefin im Personalausschuss des Aufsichtsrats vor, sie soll ein eigenes Vorstandsressort bekommen (Güterverkehr und Logistik).
Und woher wissen wir das? Ganz einfach: In einem Zug der U9 wurde uns gestern die Nachricht vom Abgang Nikuttas auf dem Display der Anzeigentafel als verschlüsselte Botschaft übermittelt, sie lautet „3NGH 001 046500“ – wenn Sie mal sehen wollen, hier ist ein Foto davon.
Kurz zuvor fiel die BVG-Chefin übrigens noch schnell aus allen Wolken – so sagte es jedenfalls Berlins Datenschutzbeauftragte Maja Smoltczyk im Agh-Ausschuss („Nikutta fiel aus allen Wolken“). Und warum? Weil die BVG-App „Jelbi“ immer noch nicht den rechtlichen Anforderungen genügt, oder anders gesagt: „Jelbi ist eine datenschutzrechtliche Baustelle“ (nochmal Smoltczyk) – geht heute auch als Beitrag zum Betriebsstörungsbingo durch… (Mehr dazu und anderen Digitalthemen gibt’s heute in unserem „Background Digitalisierung & KI“).
... wobei „Verspätung wegen ein- und aussteigender Fahrgäste“natürlich auch ganz nett ist fürs Betriebsstörungsbingo (gehört von Checkpoint-Leser Torsten Bernd – später wurde als Verspätungsgrund im selben Zug übrigens eine „technische Störung“ angegeben).
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Umstrittenes Klimapaket
Was darf die Energiewende kosten? Politik und Wirtschaft diskutieren mit Svenja Schulze.
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Ein schönes Datenspielzeug hat Uber ins Netz gestellt – eine interaktive Karte auf der Basis der Fahrten im ersten Halbjahr zeigt die tatsächliche Durchschnittsgeschwindigkeiten auf den Berliner Straßen an. Bei mir vor der Tür rumpeln sie mit 21 km/h übers Kopfsteinpflaster, auf der Leipziger Straße wird fast überall Tempo 30 überschritten, und die Oberbaumbrücke… ach, schauen Sie ruhig mal selbst.
Apropos Oberbaumbrücke – da kommen wir doch gleich zur nächsten Folge aus der Reihe „Vollpfostenpolitik ohne Poller“: Der Umwelttechniker Jens Blume veröffentlichte gestern ein Video der gefährlichen Neuregelung (hier zu sehen) – er beklagt einen Verstoß der Verwaltung gegen das Mobilitätsgesetz.
Wenn die letzten Läufer vom Berlin-Marathon dann auch ins Ziel gekommen sind: Bitte die Umleitungsschilder abbauen (u.a. Berliner Straße, Emser Straße) – oder sind das schon die für nächstes Jahr?
Aus der Reihe „Berliner Alltagsphilosophen“, heute: der Malermeister.
Per handgekritzeltem Zettel im Türschlitz (Wedding) kündigt der Handwerker einen Fensteranstrich an, Zusatz: „Sollten Sie diesen Termin nicht wahrnehmen können, brauchen Sie nichts weiter zu tun. Ich klingel einmal, macht keiner auf, dann macht keiner auf.“ Es kommentiert Checkpoint-Leser Sebastian Pertsch (von dem auch der Hinweis kommt): „Wenn ich nicht da bin, bin ich nicht da.“
Und noch eine wichtige Frage: „Stammen wir alle aus dem Norden Botsuanas?“ Hm, ich kann mich nicht mehr so genau erinnern – aber das ist jedenfalls eine gute Gelegenheit, nachher mal zu Hause anzurufen.
Ach, und falls Sie noch mal was von Berlins berühmten Kulturbauten sehen wollten – machen Sie schnell, der Bundesrechnungshof hat festgestellt: Der Stiftung Preußischer Kulturbesitz ist mit der Instandhaltung überfordert.
Aushang bei Rewe in der Rheinstraße unter „Von Kunde zu Kunde“, „Gesuche“: „Dringend 2 oder 3 Wellensittiche, egal ob weiblich oder männlich, egal welche Farbe. Habe ein großes Vogelhaus. Es eilt.“
„An Halloween Kinder nicht überfordern“, meldet der Katholische Nachrichtendienst – am besten, Sie nehmen ihnen die Entscheidung „Süßes oder Saures“ einfach ab.
100 Restaurants beteiligen sich an der Aktion „Suppe mit Sinn“ – jeweils ein Euro geht an die „Berliner Tafel“. Guten Appetit!
Eine „Sudel-Attacke auf SUVs“ meldet der „Kurier“ – unbekannte Täter hatten in der Nacht zu Sonntag 27 Autos in Prenzlauer Berg mit weißer Lackfarbe bespritzt. Wahrscheinlich sind sie jetzt sicherer und komplett umweltfreundlich.
Bis zur Eröffnung des BER (soll ja unmittelbar bevorstehen) eröffnen wir noch schnell eine neue Reihe: „Witzigkeiten, die der Flughafenchef noch nie lustig fand“, heute:
„Wirst du mich immer lieben?“
„JA!“
„Sag wie lange?“
„Bis zur Eröffnung des Berliner Flughafens.“
„Ooohhhhhhhhh! Du bist soooo romantisch!“
Das Hü und Hott hat am BER jetzt immerhin schon mal ein Ende: Flughafenchef Lütke Daldrup trennte sich gestern von zehn Liebenthaler Wildpferden, die bisher in FBB-Besitz waren – sie gehören jetzt der Gemeinde Schönefeld, als Teil von Kompensationsmaßnahmen. Dazu Flughafensprecher Daniel Tolksdorf: „Wer mit dem Fahrrad vorbeifährt, kann gerne eine Möhre hinhalten.“ Es kommentiert der chinesische Philosoph Lü Buwei: „Zehn gute Pferde zu bekommen ist nicht so viel, wie einen Pferdekenner zu bekommen.“
Die Pferde ist die Flughafengesellschaft also losgeworden, aber jetzt sucht sie eine Fachreferentin Projektcontrolling (m/w/d), Aufgaben u.a.: „Dokumentation, Planung, Steuerung und Überwachung von Kenngrößen zur Fortschrittsmessung und Zielerreichung wie Termine“. Da hätten wir gleich noch einen.
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Die können im Parkhaus am Hermannplatz parken.“
Baustadtrat Florian Schmidt zur Frage, wo Autos nach dem Umbau des Kottbusser Damms abgestellt werden sollen.
Tweet des Tages
An alle Berliner Eltern, die wie ich immer alles zu spät machen. Der Schülerausweis gilt nur noch bis Ende November als BVG-Ticket, also jetzt schnell kostenloses Schülerabo beantragen. (Ist easy, man muss nur Passbild und Schülerausweis hochladen.)
Stadtleben
Essen & Trinken – Auch wenn der Name es nicht gleich vermuten lässt: Im No/Bananas wird das Essen als Gemeinschaftserlebnis zelebriert. „To us, food is a form of expression, a common language that we all speak and an intimate experience that allows for real connection.“, erklären die Macher des Lokals in der Panniertraße 29 ihr Konzept, das Inhaber Nevzat aus Istanbul importiert hat. Das Manti, Bohnensalat und Kibbeh (Içli Köfte) zum Teilen bestimmt sind, versteht sich da von selbst. Viel Wert wird auf Wohlfühlatmosphäre gelegt, die sich hier aus einer Mischung gekonnt drappierter Speisen, Musik und sympathischem Service fast von selbst ergibt. Ähnlich multikulturell wie die Speisekarte ist die Getränkeauswahl, die neben deutschen und anatolischen Weinen (zum Teil vegan und organisch) auch Gemixtes wie Mezcal Sour bereithält. „No Bananas" bedeutet übrigens so viel wie „alles ist gut“ - der Name ist Programm. U-Bhf Hermannplatz, Mo-Sa ab 18 Uhr
Berlinbesuch – „Was kommt nach „arm aber sexy“? Um die Frage, wie kreative Räume und Berliner Clubkultur langfristig mit Gentrifizierung und staatlicher Regulierung vereinbar sind, geht es heute auf dem Holzmarkt in Friedrichshain. Beim „Quartierstag“ werden alte Probleme diskutiert und neue Ansätze ausgetauscht: Wie werden Lärmkonflikte vermieden? Wie vermitteln zwischen Nachbarn und Club? Was tun gegen das Kultursterben durch Mieterhöhungen und Klagen? In Podiumsdiskussionen, Ausstellungen und Führungen wird das aktuelle Konzept des Holzmarkts vorgestellt – Damit Berlin Berlin bleibt. 15-20 Uhr, Säälchen, Holzmarkstraße 25, S + U Bhf Jannowitzbrücke
Geschenk – Woran denken Sie beim Wort „Therapiedecke“? – Wenn Ihre Assoziation irgendwo zwischen einer Busladung voller Rentner und behandlungsbedürftigen kalten Füßen oszilliert, klären wir gern auf: Eine Therapiedecke ist in erster Linie schwer, im Idealfall etwa 10% des eigenen Körpergewichts, um Sie ausreichend bekuscheln zu können. Das Verkaufsargument heißt „Tiefendruck“, der entspannt, weil Serotonin und Melatonin das Nervensystem beruhigen. Als Experten für kurzen Nachtschlaf, können wir nach zwei Wochen Test allen schlafgestörten oder sonstig schlafbedürftigen Checkpoint-Leser*innen eine Therapiedecke durchaus empfehlen – auch wenn das Aufstehen dadurch nicht leichter wird, im Gegenteil. Eine so genannte „Gravity Gewichtsdecke“ gibt es für 219 Euro zum Beispiel hier.
Plätze sichern – 1989, aber anders: Statt auf Mauerfall und Proteste schaut der Film „Preis der Freiheit“ auf die Umbruchjahre zwischen 1987 und 1990. Erzählt wird die Geschichte dreier Schwestern (Funktionärin, Zweiflerin und Geflüchtete), deren Leben innerhalb und außerhalb der DDR ganz unterschiedliche Richtungen nimmt. Der erste Teil der Miniserie, die ab dem 4. November im TV läuft, wird Donnerstagabend um 19 Uhr in der ehem. Stasi-Zentrale in der Ruschestraße 103 (jetzt Campus der Demokratie) vorab gezeigt. Im Anschluss gibt es ein Podiumsgespräch mit Darstellern, Produzentin und dem Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen Roland Jahn. Zur kostenlosen Anmeldung geht’s hier.
Noch hingehen – Als Berliner*in bekommt man ihn oft gar nicht richtig mit, den „Urban Jungle“, der einen umgibt, sobald man die Wohnungstür verlässt. Zwei Künstler richten ihren Blick genau darauf: David Antonides (Maler) und Thomas Nitz (Fotograf) halten den Großstadtdschungel fest, wo andere einfach durchlaufen. IhreDialog-Ausstellung in der Galerie Christine Knauber ist noch bis zum 2. November in der Langenscheidtstraße 6 zu sehen (U-Bhf Kleistpark, Mi–Fr 13–19 Uhr, Sa 13–18 Uhr). Morgen Abend laden ebenda beide Künstler zum Gespräch (um 19 Uhr, mit französischem Buffet und Getränken, Eintritt: 20 Euro, nur mit Anmeldung).
Last-Minute-Tickets sind noch zu haben für Kate Tempest. Aber Vorsicht: Die Londonerin macht schon länger nicht nur bloß Pop. Mit „The Book of Traps and Lessons“ präsentiert Tempest in Huxleys Neuer Welt in erster Linie bildgewaltige Verse – ein paar zum Brexit sind auch dabei. 20 Uhr, Hasenheide 107 (U-Bhf Hermannplatz), 35 Euro an der Abendkasse
Verlosung – „The Singing Dead“– Nach tanzenden Vampiren und singenden Hexen bekommen nun auch Zombies ihr eigenes Musical. Mit „Zombie Berlin“ verlegt Benedikt Eichhorn (Produzent und Komponist) die Apokalypse dorthin, wo der Zusammenhang von Hipstern und Untoten am offensichtlichsten scheint: nach Kreuzberg. Wer herausfinden möchte, „wie die Apokalypse in einer Stadt abläuft, in der schon an normalen Tagen wenig funktioniert“: Wir verlosen zwei Freikarten für die Premiere am Mittwoch im BKA um 20 Uhr.
Lotte Buschenhagen und Stefanie Golla wünschen mit diesen Stadtleben-Tipps einen spektakulären Dienstag.
29. Oktober – DDR-Flüchtlinge kommen in NRW-Hotels unter
29. Oktober 1989, 11 Tage bis zum Mauerfall – Die Übersiedler aus der DDR sorgen für wirtschaftlichen Aufschwung in der westdeutschen Hotel-Branche. Weil vielerorts die kommunalen Unterkünfte bereits belegt sind, logieren jetzt statt Urlaubern Flüchtlinge als Dauermieter in Hotels und Pensionen. In Nordrhein-Westfalen wurden etwa 50.000 Menschen in provisorischen Unterkünften, sogenannten „Übergangsheimen“, untergebracht. Die Zahl der belegten Fremdverkehrsbetten in Hotels und Ferienheimen schätzen Experten in dem Bundesland auf 15.000 bis 45.000.
Quelle: Tagesspiegel vom 12.10.1989, S. 6
Berlin heute
Verkehr – Auf der Neuköllner Straße steht stadteinwärts zwischen Flurweg und Arnikaweg nur ein Fahrstreifen zur Verfügung (bis Mitte November), ebenso in Neukölln auf der Sonnenallee in beiden Richtungen zwischen Pannierstraße und Weichselstraße (bis Ende November). Auf der Straße am Juliusturm in Spandau ist noch bis April 2020 in jeder Richtung eine Spur gesperrt, und zwischen 17 und 20 Uhr die komplette Tiergartenstraße vor der türkischen Botschaft. Auf der Dorfstraße in Falkenberg steht für beide Fahrtrichtungen nur ein gemeinsamer Fahrstreifen zwischen Falkenberger Chaussee und Hausvaterweg zur Verfügung (7-18 Uhr, bis Anfang November). Weil Alba in der Mercedes-Benz-Arena spielt, wird im Bereich Mühlenstraße, Warschauer Straße, Oberbaumbrücke und Stralauer Allee ein erhöhtes Verkehrsaufkommen erwartet (vor 20 Uhr), ebenso rund um die Columbiahalle, wo um 20 Uhr Snarky Puppy spielt. Die A111 ist heute Nacht stadtauswärts zwischen AS Am Festplatz und AS Waidmannsluster Damm/Hermsdorfer Damm gesperrt (20-5 Uhr).
Demonstration – Heute finden zwei Kundgebungen für die Freiheit politischer Gefangener statt: Ca. 50 Personen protestieren vor dem Büro der Flüchtlingskommission der Vereinten Nationen in Mitte (16:30- 17:15 Uhr, Zimmerstraße 79), weitere 50 vor der Botschaft der Republik Aserbaidschan in Grunewald (12:45-13:30 Uhr, Hubertusallee 43). Vor der türkischen Botschaft in Tiergarten demonstrieren außerdem ca. 250 Teilnehmende für „Frieden in der Welt“ (17-20 Uhr, Tiergartenstraße 20).
Zu Gast bei Bundespräsident Steinmeier in Bellevue sind Gruppen des Deutschen Trachtenverbands zu dessen 90-jährigem Bestehen.
Gericht – Ein 42-Jähriger, der mehrfach mit einer Schere auf seine Lebensgefährtin eingestochen und sie lebensgefährlich verletzt haben soll, muss sich wegen versuchten Mordes verantworten. Anlass der Tat sei die Verweigerung des Geschlechtsverkehrs durch die Geschädigte gewesen (9.15 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal 704). Und ein 63-Jähriger, der mit seinem Lkw an einer Kreuzung beim Rechtsabbiegen einen 34-jährigen Radfahrer übersehen und überrollt haben soll, kommt wegen fahrlässiger Tötung auf die Anklagebank (9.15 Uhr, Amtsgericht Tiergarten, Kirchstraße 6, Saal 2108).
Universität – Die TU Berlin geht translokal: Bis zum 10. Dezember zeigt das Forschungscluster „translocations“ des Fachbereichs Kunstgeschichte der Moderne im Zeughauskino Filme, die die „historische Verlagerung und Instrumentalisierung von Kulturgütern unter asymmetrischen Machtverhältnissen“ thematisieren. Los geht es heute um 19 Uhr mit „Fünf Tage – Fünf Nächte“ (DDR/UdSSR, 1961) über die Wiederentdeckung weltberühmter und während des Zweiten Weltkrieges ausgelagerter Kunstschätze. Unter den Linden 2 (neben dem DHM), Eintritt: 5 Euro
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Klaus Brünger, „hispanophiler Freund, vielseitiger Helfer. Alles Gute für das kommende Lebensjahr und viele weitere, Michèle und Ulli“ / Malik Fathi (36), Fußballspieler / Florian Flecker (24), Fußballspieler / Bettina Flitner (58), Fotografin / Harald Hartung (87), Schriftsteller und Literaturwissenschaftler / Susanne Heinrich (59), „Wilmersdorfer ‚Zuckerpuppe‘ aus Bremen“ / Charlotte Knobloch (87), Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern/ Annett Maurer, „unermüdliche Ideensammlerin und unersetzliche Mitarbeiterin“, Alles Gute wünscht der Zukunft in Grünau e.V / Mirco Nontschew (50), Komiker / René Pollesch (57), Theaterregisseur, und Dramatiker, designierter Intendant der Volksbühne / Tobias Przytarski (60), Domprobst des Metropolitankapitels bei St. Hedwig / Conny Schmalfuß (44), Wasserspringerin / Tino Schopf (45), für die SPD im AGH / Claudia Sünder (50), Senatssprecherin / Susanne, „Eine Bremerin, aber kein Fischkopp! Susanne wird ein bisschen älter. Herzlichen Glückwunsch!“ / Thomas Thieme (71), Schauspieler / Barbara Wilk-Mincu (80), Kunsthistorikerin / Matthias Zschokke (65), Schweizer Schriftsteller, Dramatiker und Filmemacher
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Dr. Karl-Dietrich Gräwe, * 3. Mai 1937 / Gerhard Kaczmarek, * 10. September 1938 / Gertrud Mährlein, * 21. Januar 1927 / Peter Nöldechen, * 20. Februar 1930 / Waltraut Wraske, * 11. Oktober 1923
Stolperstein – Ruth Rosa Jacobsohn war trotz der Machtübernahme fest entschlossen, ihr Medizinstudium an der Friedrich-Wilhelm-Universität (heute: Humboldt-Universität) zu beenden. Obwohl sie bis zum Sommersemester 1937 als Studentin immatrikuliert war, durfte sie ihr Abschlussexamen jedoch nicht ablegen. So arbeitete Ruth als Krankenschwester im Jüdischen Krankenhaus in Gesundbrunnen, bevor sie am 26. Oktober 1942 ins Ghetto Riga deportiert wurde. Ihre medizinischen Instrumente band sie sich vor ihrer Deportation um die Taille, um ihren Beruf eines Tages wieder ausüben zu können. Drei Tage später, heute vor 77 Jahren, wurde sie von den Nazis ermordet. Unter den Linden 6 erinnert ein Stolperstein an sie.
Encore
Zum Schluss wieder der „Checkpoint Derby-Vergleich“, heute: Würstchen und Bier.
Union: Ein halber Liter Bier kostet 4 Euro, ein halber Liter Cola 3 Euro und die Stadionwurst 2,50 Euro (Platz 14 im Bundesligavergleich der teuersten Vereine).
Hertha: Ein halber Liter Bier kostet 4,40 Euro, ein halber Liter Cola 4,40 Euro und die Stadionwurst 3,50 Euro (Platz zwei im Bundesligavergleich – teurer ist nur Leipzig, da kostet ein halber Liter Cola 6 Euro).
Fazit: Halten Sie’s für die 90 Minuten am besten so ähnlich wie George Best es sein Leben lang tat: „Ich habe viel Geld für Alkohol, Frauen und schnelle Autos ausgegeben, den Rest habe ich einfach verprasst.“
Genießen Sie den Moment, wann immer er kommt – morgen früh begrüßt Sie hier Ann-Kathrin Hipp mit den neusten Neuigkeiten aus der besten Stadt des Universums.