Ganz Berlin redet über die Bildungskrise - nur nicht die Koalition. Bildungskrise? „Sehe ich nicht“, sagt Schulsenatorin Sandra Scheeres und delektiert sich in der Martin-Niemöller-Grundschule (Hohenschönhausen) an ihrem kostenlosen Mittagessen. Bildungskrise? „Kein Thema“, heißt es im Roten Ratloshaus, wo Kritik per Dekret zur Kampagne gerinnt. Bildungskrise? „Nicht bei uns“, entscheidet der Koalitionsausschuss und spielt lieber Regierungsmikado – nichts wackelt, alles gut, niemand fällt um.
Wir verlassen für einen Moment das politische Paralleluniversum und begeben uns in die Ruinen der Berliner Bildungspolitik – hier finden wir heute eine Blitzumfrage unter 50 Schulleiterinnen und Schulleitern staatlicher Berliner Gymnasien (von insg. 91, Q: Vereinigung der Oberstudiendirektoren des Landes Berlin). Das Ergebnis:
1) 52 % der Gymnasien haben fest eingeplante Lehrkräfte kurzfristig verloren.
2) 70 voll ausgebildete Lehrkräfte haben kurzfristig ihren Wegzug in ein anderes Bundesland angekündigt.
3) 95 % der Gymnasien waren in den vergangenen drei Jahren von Abwanderungen aus Berlin betroffen.
4) 80 % der Wechsler begründen ihren Fortgang mit einer Verbeamtung anderswo.
5) Von 7 Zielbundesländern ist Brandenburg das beliebteste.
6) 100 % der nach Brb abgewanderten Lehrerinnen und Lehrer wurden in Berlin ausgebildet.
7) 100 % der nach Brb abgewanderten Lehrerinnen und Lehrer unterrichten mindestens ein Fach, dass in Berlin als Mangelfach gilt.
8) Mindestens 18 Mathelehrkräfte haben Berlin alleine in diesem Sommer verlassen.
Egal. Hauptsache, das Schulmittagessen ist jetzt für alle umsonst – wer braucht schon geistige Nahrung, wenn es Nudeln mit Ketchup gibt? Ach, übrigens: Die SPD hat auf die bissige Kritik an ihrer Eigenlobkampagne mit einer Menüreform reagiert – statt glasiger Kohlenhydrate mit verzuckerter Würze (hier zu sehen) serviert sie ab sofort Brokkoli.
Kostenloses Mittagessen, kostenloses Schülerticket, kostenlose Hortbetreuung – und doch hat die Bildungsverwaltung heute noch Geld übrig für eine halbseitige Anzeige in der „Berliner Zeitung“. Wir lesen: „Berliner Schulbauoffensive auf Erfolgskurs: Erste Neubauschule eröffnet!“ Merke: Das Licht im Tunnel kann auch ein entgegenkommender Zug sein.
Wir blicken noch kurz auf die nächste Sitzung des SPD-Landesvorstands (12.8., 16.30 Uhr). Eingeladen wurde am Dienstag, einen Tag nach dem großen Schulknall (26.000 fehlende Plätze) – wir lesen:
„Vorläufige Tagesordnung:
1. Aktuelle Lage
2. Bericht über Konsolidierung des Haushaltes Parteivorstand
3. Verschiedenes
Wir bitten Euch, uns schnellstmöglich mitzuteilen, wer am Dienstag eine Kinderbetreuung benötigt.“
Es gibt offenbar kein Thema mehr für die SPD (außer sich selbst), es gibt nur eine „Lage“. Letzte Wasserstandsmeldung: Noch 10 Prozent Stimmen unterm Kiel bis zum Fünfergrund, Tendenz: fallend…
… und fallend: Im Bund ist die SPD inzwischen bei 11,5 % angekommen (Rekordminus laut „Insa“). Und jetzt? Bei der Suche nach einem Vorsitzenden-Team spielen die Sozialdemokraten jetzt 5 aus 55 (ohne Zusatzzahl) – die Mitglieder bekamen eine Liste zum Ankreuzen mit vorgefertigten Fragen an die Kandidatinnen und Kandidaten zugeschickt, dazu die Regieanweisung: „Bitte wähle zwischen 1 und 5 Antworten aus“. Hm, wie wäre es mit „Welchem Zweck dient die Parteiorganisation?“ Oder vielleicht doch lieber: „Was bedeutet Führung für Dich?“ Das Stichwort „Schule“ kommt übrigens nicht vor – ist ja auch Ländersache.
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Ein lauer Sommerabend an einem normalen Arbeitstag. Sie sitzen im Auto und sind auf dem Heimweg. Radiomusik im Hintergrund, die Straße ist frei, rechts parken wie immer die Autos. Plötzlich ein Ball!
Das kann jedem passieren. Reagieren Sie rechtzeitig mit einem ADAC Fahrsicherheitstraining – buchen Sie jetzt, um im Fall der Fälle gut vorbereitet zu sein.
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Berlins IT-Staatssekretärin Sabine Smentek geht’s wie einst Jürgen Wegmann: Erst hatte sie kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu: In einem internen Schreiben an den KT-Ausschussvorsitzenden im Abgeordnetenhaus äußert Berlins Datenschutzbeauftrage Maja Smoltczyk jetzt „erhebliche Bedenken“ gegen den „Gesetzentwurf zur Verbesserung des Onlinezugangs der Berliner Verwaltung“ – dieser entspreche „in weiten Teilen“ dem bereits im März 2018 von ihrer Behörde in etlichen Punkten abgelehnten Referentenentwurf. In dem sechsseitigen Dokument weist Smoltczyk zudem darauf hin, dass „das Service-Konto Berlin seit dem März 2018 ohne eine Rechtsgrundlage betrieben wird“ – ihr Haus habe die Innenverwaltung „stets darauf hingewiesen“, dass die „Verarbeitung personengebundener Daten“ klar geregelt werden muss.
Wir kommen zur Verkehrswende (der so genannten): „Die Koalition wird das sichere und bedarfsgerechte Fahrradparken weiter vorantreiben. Dazu werden vermehrt Fahrradbügel aufgestellt“, heißt es im Koalitionsvertrag (S. 42) – ok, und wie viele sind’s jetzt? Hier die Meldungen aus den Bezirken: „Keine gesonderte Statistik“, „Keine Aussage“, „Statistik wurde nicht geführt“, „Aus personellen Gründen keine Statistik“, „Nie gezählt“, „Aufgrund unzureichender Personalkapazität nicht bekannt“… usw. Nur vereinzelt gibt es konkrete Zahlen, aber auch die unter Vorbehalt.
Selbstverständlich weiß auch niemand in der Verkehrsverwaltung, wie viele Fahrradbügel eigentlich wo gebraucht werden, klassische Antwort: „Die Bedarfe an Fahrradabstellanlagen steigen analog zur Anzahl der Radfahrenden“ (Mitte). Noch besser ist nur die Antwort aus Steglitz-Zehlendorf: „Dem Bezirksamt ist nicht bekannt, wie es möglich sein soll, einen Bedarf an Abstellanlagen für Fahrräder zu ermitteln.“ Na da sind wir aber platt. (Q: Noch unveröffentlichte Anfrage von Sven Kohlmeier, SPD).
Berliner Schnuppen
Telegramm
Nachdem die ersten E-Roller an Bäume gehängt wurden (CP von gestern), gab’s gestern ein „Krisengespräch“ (Mopo) mit den fünf Anbieterfirmen (insg. 6000 Roller in Berlin), das Ergebnis: Abstellverbote am Brandenburger Platz, am Holocaust-Mahnmal und auf allen Gehwegen – und feste Abstellplätze auf den Straßen. Von einem Krisengipfel wegen des Blechs, das überall in der Stadt herumsteht (1,2 millionenfach) war keine Rede.
Der Betriebsausflug der Wirtschaftsverwaltung zum Sommergarten auf dem Messegelände fiel gestern zwar nicht ins Wasser, aber endete im Regen – immerhin verlief die Anfahrt klimafreundlich mit einem E-Sightseeingbus (Umbau von der Wirtschaftsverwaltung gefördert).
Einen etwas größeren CO2-Fußabdruck wird eine andere Reisegesellschaft der Wirtschaftssenatorin hinterlassen: Ramona Pop fliegt vom 16. bis 20.9. mit Beatrice Kramm und Jan Eder von der IHK sowie Stefan Franzke von Berlin Partner und einigen weiteren Delegationsteilnehmern nach New York und Boston. „Die USA sind der wichtigste Berliner Außenmarkt“, heißt es in der Einladung.
Wie oft sind Senatsmitglieder in den letzten zweieinhalb Jahren geflogen? Das wollte der AfD-Fraktionsvorsitzende Georg Pazderski wissen. Laut der Reisestatistik des Senats jettete die Landesregierung (inklusive Staatssekretäre) in zweieinhalb Jahren 331 Mal durch die Weltgeschichte (98 Inland, 208 Europa, 25 Interkontinental). Zugfahrten ins europäische Ausland dagegen: Genau zwei. Klaus Lederer (Linke) fuhr zweimal mit dem Kulturzug nach Breslau. Das ist aber auch eine etwas gemein gestellte Frage. Denn im Inland waren Berlins Senatoren und Senatorinnen vermutlich häufiger auf der Schiene unterwegs. Aber danach hat Pazderski nicht gefragt.
Am häufigsten saßen drei Sozialdemokraten am Abfluggate: Der Regierende Michael Müller (22), Finanzsenator Matthias Kollatz (15) und Innensenator Andreas Geisel (15). Am wenigsten in der Luft waren Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) und Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne). Beide flogen genau vier Mal. Ganz klein ist CO2-Abdruck der Grünen Pop jedoch nicht. Denn eine Flugreise führte sie gleich nach Peking und Shanghai. Und in diesem Spätsommer steht noch eine Delegationsreise nach New York an. Mit an Board sind unter anderem Beatrice Kramm und Jan Eder von der IHK sowie Stefan Franzke von Berlin Partner. „Die USA sind der wichtigste Berliner Außenmarkt“, heißt es in der Einladung. Berlins oberster Außensenator ist allerdings immer noch Michael Müller mit 20 Auslandsflügen.
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Vom 9.-31. August 2019 findet das internationale Festival Tanz im August am HAU Hebbel am Ufer und weiteren Spielorten in Berlin statt. Höhepunkte sind unter anderem das „Merce Cunningham Centennial: Berlin“ an der Volksbühne, die Uraufführung des Choreografen Jérôme Bel am Deutschen Theater und die große Werkschau „RE-Perspective Deborah Hay: Works from 1968 to the Present“. Tickets unter www.tanzimaugust.de
BVG-Chefin Sigrid Nikutta beeindruckte gestern die Berliner Rotarier mit einem unterhaltsamen und präzisen Vortrag, einigen Zahlen (3 Mio Fahrgäste täglich, Beschaffungsdauer neuer U-Bahnen von Ausschreibung bis Inbetriebnahme 8 Jahre) und einem bereits etwas älterem Flow-Chart, das den Platzverbrauch von 200 Menschen auf der Straße zeigt – im Auto, ohne Autos, auf Fahrrädern, in drei Bussen und in einem Zug. Falls Sie es noch nicht kennen: Hier ist es - logisch und verblüffend zugleich.
„Nur in fünf Städten lebt man besser als in Berlin“, meldet die „B.Z“ (Work-Live-Balance) – also bei mir wären das Mitte, Kreuzberg, Pankow, Schöneberg, und Spandau (in echt sind’s angeblich Helsinki, München, Oslo, Hamburg und Stockholm).
Arafat Abou-Chaker steht im Verdacht, einen Anschlag auf die Rapper Farid Bang und Kollegah in Auftrag gegeben zu haben – die Staatsanwaltschaft ermittelt. (Q: „Bild“)
Die Tagesspiegel-Newsletter-Familie wächst weiter: Am 14. August erscheint erstmals unser 14-tägiger Ehrenamts-Newsletter von Gerd Nowakowski. Weitere Infos gibt’s hier, und zur kostenlosen Anmeldung geht’s hier.
Übrigens: Der FDP-Abgeordnete Bernd Schlömer hat gerade die Pläne des Senats für die Unterstützung bürgerschaftlichen Engagements erfragt (komplette Übersicht hier) – seine Bilanz: „Zu unorganisiert, zu dezentral, zu kleines Budget (45 Mio für zwei Jahre). Wie soll hier eine Staatssekretärin für bürgerschaftliches Engagement wirken, oder mal direkt gesagt: Wo bleibt ihr Fingerabdruck?“ Ich bin mir sicher: Sawsan Chebli wird gleich antworten.
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Helfen. Kann hart sein, macht aber Freude. Zumindest dann, wenn die Rahmenbedingungen für Sozialarbeiter/-innen stimmen. Lösungen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen werden auf dem Forum Zukunft Soziale Arbeit diskutiert, das die Senatsverwaltung für Finanzen gemeinsam mit dem Verlag Der Tagesspiegel am 20. August 2019 veranstaltet.
Infos und Registrierung
Leseempfehlungen aus dem Tagesspiegel von heute:
1) „Die drei Fragezeichen“ – Werner van Bebber und Ulrich Zawatka-Gerlach über das Trio Sandra Scheeres, Regine Günther und Katrin Lompscher, deren parteipolitisch gut verteilte Schwäche paradoxerweise die Koalition stabilisiert.
2) „Der Stadtrat, die Senatorin und der Stasi-Offizier“ – Johannes Bockenheimer über eine seltsame Genossenschaft, die in einen finanziell hoch riskanten Häuserkampf zieht.
Vor dem Landgericht Berlin versucht heute ab 12 Uhr im Sitzungssaal 143 Johannes Eisenberg, Mitgründer und früherer Hausanwalt der „taz“ , Teile der „Zeit“-Recherchen von Holger Stark zur „Ibiza-Affäre“ aus dem Verkehr zu ziehen. Die Anwälte der Wochenzeitung halten die Argumente Eisenbergs für „absurd“ – das dürfte reichen, um ihn mal wieder aus dem Anzug springen zu lassen.
Und noch ein Kulturtipp vorab (mehr dann unter „Stadtleben“): Das Netzwerk „AusserGewöhnlich Berlin“ von Alexander Wolf hat nicht nur einen tollen Club gegründet (mehr dazu demnächst im Checkpoint), sondern auch eine Urban Art Galerie im Bikini Berlin (wo auch der Tagesspiegel mit dem Checkpoint bald einen Shop eröffnet). Los geht’s heute mit dem Künstlerkollektiv Ron Miller, das von Berlin aus nach Mailand, Los Angeles und Tokio gezogen ist - und jetzt zurückkommt mit der Ausstellung „Mad & Bed“.
Am 1. September wählt Brandenburg – und der Checkpoint schaut bis dahin jeden Tag nach, was dort los ist. Heute: Die AfD wirbt mit einem Bild von Willy Brandt und dem Spruch „Mehr Demokratie wagen“. Es kommentiert Wolfang Thierse: „Das ist schlicht obszön!“
Ebenfalls am 1. September startet unsere neue Checkpoint-Radgruppe – und weil Wahltag ist, drehen wir eine 75-km-Runde vom Brandenburger Tor aus rund um die Havel nach Neu-Fahrland und dann über Potsdam zurück nach Berlin. Je nach Teilnehmerwünschen fahren wir in zwei unterschiedlich schnellen Gruppen oder auch zusätzlich eine kürzere Strecke. Für die bessere Planung würden wir uns über eine rechtzeitige Anmeldung unter checkpoint@tagesspiegel.de freuen, gerne mit einem Hinweis auf die Art des Rads und die beabsichtigte Kilometerzahl. Und wie immer gilt: zwanglos und mit viel Spaß! Getränke bringen wir übrigens auch mit.
Und was macht die Checkpoint-Laufgruppe? Die trifft sich mal wieder in ihrem Wohnzimmer auf dem Tempelhofer Feld. Los geht es am Sonnabend, 11 Uhr, Eingang Herrfurthstraße (6 bzw. 12 Kilometer). Diesmal mit dabei: Valerie Barsig von den PNN – herzlich willkommen! Außerdem Wissenswert:
1) SCC-Lauftrainer Ivo bietet zusätzlich ein Intervall-Training.
2) Wir bringen Getränke und ein Auto für Wechselklamotten mit.
3) Unter allen Teilnehmern verlosen wir Startplätze für den SportScheck-Lauf am 25. August.
Und noch ein Hinweis für Filmfreunde: Sie können sich heute aufs „Encore“ freuen – aber jetzt erst mal weiter mit dem sonstigen Geschehen in unserer schönen Stadt.
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„In Berlin sieht man viele, die wahnsinnig stylish wirken – als würde die Schönheit der Prachtbauten und der Statuen auf sie abfärben.“
Julianne Moore, Schauspielerin und Trägerin des Checkpoint-Ehrenpreises „Die rosarote Brille“ (Q: „Madame“)
Tweet des Tages
Berlin hat zu viele hässliche Tattoos.
Antwort d. Red.:
Stadtleben
Neu in der Graefestraße 11 ist das Cocolo Ramen X-Berg, das einmal von seinem alten Standort am Paul-Linke-Ufer über den Landwehrkanal migriert ist. Dort, wo vor wenigen Wochen noch das recht schleppend laufende kalifornische Diner Big Sur residierte, fand in kürzester Zeit ein fliegender Lokalitäten-Wechsel statt. Von den USA geht’s mit der gehypten Ramen-Suppe nach Japan. Den Außenbereich an der Kreuzung zur Böckhstraße haben die Inhaber mit geschwungenen, dunklen Holzbänken und Kletterpflanzen zu einem kleinen japanischen Garten umgestaltet. Die Karte bleibt dabei genauso minimalistisch, wie zuvor – an dem Ansturm und den langen Wartezeiten dürfte sich aber auch nichts ändern. U-Bhf Schönleinstraße, Mo-Sa 12-23 Uhr
Trinken – Noch immer von den Cocktail-Connaisseusen von Mixology preisgekrönt in der Kategorie „Bar des Jahres“ ist Becketts Kopf. Die komplett in schwarz gehaltene Prenzlauer Berger Bar ist besonders renommiert für ihre gediegenen Cocktails – bei denen man mit dem ersten Blick auf die Karte aber nicht sofort herausfinden kann, was sich hinter ihren Namen verbirgt. So bleibt nur zu empfehlen, den Straw Man, ein „Totschlagargument für Kontemplation“ oder The Saints, der „mit trockenem Humor und holunderblühender Fantasie“ daherkommt, selbst zu probieren. Pappelallee 64, S/U-Bhf Schönhauer Allee, So-Do 20-2 Uhr, Fr-Sa 20-4 Uhr
Berlinbesuch – Wo soll man schon (in Deutschland) lernen, wie man richtigen Hummus selber macht, wenn nicht in Berlin? Damit der Berlinbesuch also auch ganz praktisches Wissen von seinem Städtetrip mit in die heimische Küche nimmt, sollte man ihm die „Hummus Making Class“ im Raum Schwalbe ans Herz legen. Dabei verspricht der Titel viel weniger, als der Kurs hält – denn zubereitet werden in den 3 Stunden ab 18.30 Uhr auch Tabouleh, Rote-Beete-Salat, Pitabrot und arabischer Salat. Obendrein gibt’s für die Teilnehmenden ein arabisches Überraschungsdessert, das so wie Bier, Wein und Softdrinks im Preis von 39 Euro inbegriffen ist. Zur Anmeldung hier entlang. Winsstraße 9, U-Bhf Senefelder Platz
Geschenk – Was ist im „Nirgendsland“? Fotograf Dirk Borho hat es dokumentiert. 1991 hielt er nämlich in schwarz-weiß das Areal fest, auf dem kurz zuvor noch die Mauer stand. Der Grenzstreifen, der bald neu bebaut werden sollte und so eine „Stadtlandschaft zwischen Erinnerung und Erwartung“ war. 50 Aufnahmen hat Borho nun in seinem Sammelband „Nirgendsland – Der Berliner Mauerstreifen 1991“ (Triglyph Verlag, 39 Euro) abgedruckt. Ergänzt werden die einzigartigen Fotoaufnahmen von zeitgeschichtlichen und persönlichen Texten des Autors Pete Meyer. Präsentiert wird das Buch heute um 19.30 Uhr im Sprechsaal in Mitte (Marienstraße 26, S/U-Bhf Friedrichstraße), vor der Fotoausstellung als Kulisse.
Karten sichern für das Musikfest Berlin, das genauer gesagt ein Orchesterfestival ist. Es möchte ein Forum sein für die großen Orchester und Ensembles, die Klassik und Moderne in ihrem Repertoire verbinden. Zum Auftakt der diesjährigen Berliner Konzertsaison legt das Festival seinen Schwerpunkt auf rare, vergessene und ungewöhnliche Werke aus Geschichte und Gegenwart. Am dreiwöchigen Programm (30. August bis 22. September) beteiligt sind natürlich auch Berliner Orchester, wie die Philharmoniker (z.B. 12. und 13. September mit „Roméo et Juliette“, je ab 20 Uhr) und das Rundfunk-Sinfonieorchester mit der Weltpremiere von „La Roue“ (14. September, 14 Uhr). Aber auch internationale Künstler reisen hierfür nach Berlin, so auch das Ensemble der Umewaka Kennōkai Foundation Tokio, das am 3. September japanisches Nō-Theater auf die Bühne der Philharmonie bringt. Karten gibt’s ab 8 Euro.
Last-Minute-Diskussion – Von keinem anderen Künstler beschlagnahmten die Nationalsozialisten so viele Werke wie vom Expressionisten Emil Nolde. Er gilt als der berühmteste „entartete Künstler“, vereint dabei in seiner Person aber einen Widerspruch: Nolde war Parteimitglied und blieb dem NS-Regime bis Kriegsende treu. Der Hamburger Bahnhof widmet dem widersprüchlichen Künstler mit Augenmerk auf eben diesen Nexus eine Ausstellung mit vielen bisher ungezeigten Originalen. Heute Abend (18 Uhr) will Sarah Hiron vom Jüdischen Museum anhand ausgewählter Arbeiten Noldes besonders seinen Antisemitismus und die Frage nach seiner Aktualität behandeln. Der Eintritt ist frei. Invalidenstraße 50-51, S/U-Bhf Hauptbahnhof
Noch hingehen – Als Besucher mal selbst Ausstellungsstück sein. Das wird man, ob man will oder nicht, noch bis Sonntag bei „Open, Closed, Open“ im Jüdischen Museum. Die multimediale Ausstellung erstreckt sich über zwei Räume: Im Ersten, der „Sandbox“, formen die Besucher hebräische Buchstaben im Sand. Das wird gefilmt und im zweiten Raum, dem „Video Room“ an die Wand geworfen. Hinzu kommt mit Tonaufnahmen menschlicher Stimmen die auditive Ebene, die die Raumerfahrung komplett machen soll. Der Eintritt kostet 8 Euro. Lindenstraße 9-14, U-Bhf Hallesches Tor, tägl. 10-20 Uhr
Das Stadtleben heute von: Maria Kotsev
Berlin heute
Verkehr – In Moabit ist die Fahrbahn an der Kreuzung Turmstraße / Rathenower Straße wegen Bauarbeiten jeweils auf einen Fahrstreifen verengt. Die A10 ist im Bereich des Dreiecks Werder in Richtung Dreieck Havelland bis Samstag gesperrt, die Umleitung ist ausgeschildert. Ebenso die Auffahrt Saarstraße auf die A 103 in Richtung Kreuz Schöneberg und die A 113 stadteinwärts zwischen den AS Schönefeld-Nord und Adlershof. Und wegen der Deutschen Firmenlaufmeisterschaft B2Run muss ab ca. 14 Uhr rund um das Olympiastadion (Westend) mit Staus gerechnet werden. Der Olympische Platz ist wegen des Laufs bis Freitag (ca. 12 Uhr) gesperrt – am besten sollten zur Anreise die öffentlichen Verkehrsmittel genutzt werden.
Demonstration – Im Invalidenpark zeigt der Changing Cities e.V. zusammen mit 300 Menschen von 17.30-19 Uhr die „Rote Karte für Scheuer und sein BMVI“. Und die Tibet Initiative Deutschland feiert auf der Jannowitzbrücke von 8.30-11 Uhr ihr 30-jähriges Bestehen und will mit rund 10 Teilnehmenden „der chinesischen Regierung und Xi Yin Ping für das Geburtstagsgeschenk, ein freies Tibet, danken“.
Gericht – Gegen einen 37-Jährigen, der seinen 40 Jahre alten Schwager in dessen Wohnung in Reinickendorf unvermittelt angegriffen und erwürgt haben soll, beginnt der Prozess wegen Totschlags. Die Staatsanwaltschaft strebt eine Unterbringung des Beschuldigten in einem psychiatrischen Krankenhaus an (9.30 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal 537).
Berliner Gesellschaft
Geburtstage – Sören Benn (51), Bezirksbürgermeister von Pankow (Linke) / Vladimir Darida (29), Mittelfeldspieler bei Hertha BSC / Uwe Heinelt (51), Illustrator und Comiczeichner / Jan Josef Liefers (55), Schauspieler / Markus Pauzenberger (54), ehem. für die SPD im AGH (2006-11) / Dietmar Peters (70), ehem. Eishockeyspieler / Bernd Pohlenz (63), Zeichner und Cartoon-Künstler / Lena Stolze (63), Schauspielerin / Gernot Wolfram (44), Journalist und Schriftsteller / Hannes Tobias Wöffen (22)
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Gerda Bork, * 8. August 1935 / Christiane Czinczel, * 20. März 1957, Diplomverwaltungswirtin / „Don Pedro“ Jürgen-Peter Feist, * 17. November 1931 / Elfrun Kawel, * 15. Januar 1919 / Adelheid Lang, * 28. Januar 1964
Stolperstein – Kleine Auguststraße 10, Mitte: Hier lebte David Wildstein (Jhg. 1895) vor seiner Deportation nach Sachsenhausen am 13. September 1939. Innerhalb der nächsten zwei Jahre folgten zwei weitere Deportationen, erst nach Dachau, dann nach Buchenwald. Dort wurde Wildstein heute vor 78 Jahren von den Nazis ermordet.
Encore
Wir kommen zur Rubrik „Filme raten“ – allerdings geht’s um solche, die‘s noch werden. Die Spielregeln sind ganz einfach: Der Checkpoint veröffentlicht hier eine Komparsen-Suchanfrage der Berliner Casting-Agentur „Filmgesichter“ und Sie schreiben ein Mini-Drehbuch dazu: Sie entscheiden sich 1) für ein Genre (Thriller oder Komödie oder Vampierfilm…), 2) für einen Plot (also z.B. „Viele schöne Menschen auf der Jungfernfahrt eines luxuriösen Riesendampfers, reiche junge Frau und armer junger Mann verlieben sich unglücklich ineinander, Schiff sinkt…“) und 3) für ein Ende (ob happy oder nicht – Ihre Entscheidung). Und los geht’s:
Sie haben die Auswahl zwischen a) einer internationalen, historischen Netflix-Serie und b) einem großen amerikanischen Kinofilm. Beide Produktionen spielen in verschiedenen Regionen (u.a. Ex-Sowjetunion, heutiges Russland, USA, Mittelamerika, Naher Osten), aber alle Drehorte sind in Berlin. Gesucht werden:
- „5000 internationale Berliner und Schachspieler“ zwischen 3 und 75 Jahren, darunter:
- „2500 russischstämmige oder osteuropäische Männer“
- „500 Frauen und Männer mit süd-, mittelamerikanischen und südeuropäischen Wurzeln“
- „800 Frauen, Männer und Kinder mit arabischem, türkischem, nordafrikanischem oder persischem Erscheinungsbild“
- „500 Frauen und Männer mit afrikanischer, afroamerikanischer oder asiatischer Herkunft“
- „hunderte mittel- oder nordeuropäische Männer mit militärischer Erfahrung oder mit Business-Look“
- „500 Schachspieler (nur Männer zw. 18 und 50 Jahren)“
So, und jetzt Sie – wir freuen uns auf Ihre Mini-Drehbücher unter checkpoint@tagesspiegel.de – die besten Geschichten werden veröffentlicht! Und falls Sie statt Drehbücher zu schreiben lieber mitmachen und Schauspielern wollen: Alle Infos zum Casting gibt’s hier.
Ich hoffe, Ihr Tagesdrehbuch meint es gut mit Ihnen – bis morgen früh,