Genau zwei Jahre ist es her, dass ein Loser mit religiöser Schlagseite auf dem Breitscheidplatz zwölf Menschen ermordet und 60 verletzt hat. Die erste Zeit danach war geprägt von amtlichen Maschinerien, die die Sache für Angehörige noch schlimmer machten. Danach begann die Aufarbeitung, die längst nicht abgeschlossen ist. Und auf dem Breitscheidplatz weihnachtet es jetzt hinter mächtigen Sperren, auf denen „TruckBloc“ steht, damit es auch niemand vergisst. Heute Vormittag werden Michael Müller und andere am Fuß der Gedächtniskirche der Opfer gedenken. Um 18 Uhr folgt eine Andacht in der Kirche, und zur Tatzeit um 20.02 Uhr werden zwölf Glockenschläge hoch über dem gedimmten Weihnachtsmarkt an die Toten erinnern, die so furchtbar sinnlos gestorben sind.
Was allen bleibt, ist, innezuhalten und im Alltag daran zu denken, dass man die Welt nicht schlechter machen sollte, als sie ohnehin ist, sondern besser. Zumindest ein kleines bisschen ist doch fast immer drin.
In der RBB-Abendschau hat der Bauchef der BVG gestern noch mal erklärt, warum es während der achtwöchigen Sperrung von U2 und U3 in der City West keine Ersatzbusse gibt (CP von Montag). Allerdings hat er den Fahrplan ohne Michael Müller gemacht: In der Senatssitzung hat der Regiermeister Verkehrssenatorin Regine Günther und Wirtschaftssenatorin Ramona Pop als BVG-Aufsichtsratsvorsitzende dringend aufgefordert, doch noch einen Ersatzverkehr einzurichten. Günther soll von der Misere erst aus der Zeitung erfahren haben. Gern geschehen!
Die vorhandenen Ersatzbusse braucht die BVG für die U7 in Neukölln, auf der bis Anfang März ebenfalls gebaut wird. Insgesamt will die BVG in den nächsten vier Jahren 800 Mio. Euro ins U-Bahn-Netz investieren. Wo und wann, steht hier. Die legendären M29er-Rudel kommen zur Verstärkung nur scheinbar infrage, da sie aus Artenschutzgründen nicht getrennt werden sollen. Kämen die Busse allgemein schneller voran, entstünde ganz von selbst eine Reserve. Aber sie stehen im Stau. Und in der Koalitionsvereinbarung steht: „Neue Busspuren werden dort eingerichtet, wo Busse im Stau stehen, und Lücken im existierenden Busspurennetz geschlossen.“ Und steht und steht und steht.
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Jürn-Jakob Schultze-Berndt, CDU-Abgeordneter aus Reinickendorf:
„Früher fanden viele Berliner keine Jobs. Heute finden wir für viele Jobs keine Berliner. Fachkräfte-Mangel ist ein Problem. Als Arbeitsmarkt-Experte wünsche ich mir mehr Anstrengungen, bessere Gehälter und Aufstiegsmöglichkeiten, damit keine Arbeit liegenbleibt.“
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Wie steht es eigentlich ums Nachtflugverbot in TXL? „Grundsätzlich befürwortet der Senat alle Maßnahmen, die zu einer Reduzierung von Nachtflügen führen.“ Und in Zahlen? 691 Flugzeuge dröhnten in den ersten neun Monaten dieses Jahres zwischen 23 und 6 Uhr von oder nach Tegel (zzgl. Ambulanz- und Postflüge, die der Senat laut eigenem Bekunden nicht nach SXF verlegen lassen kann). Pro Durchschnittsnacht werden die Anwohner also zwei bis drei Mal geweckt. Wenn das die Umweltsenatorin wüsste!
In der Randstunde von 22 bis 23 Uhr geht in TXL nicht nur die Post ab, sondern praktisch alles, was Kerosin in Krach umwandeln kann: Die Zahl der derart verspäteten Starts stieg von 299 im Januar auf 701 im September, die der Landungen sogar von 50 auf 238. Zusammen ergibt das den Zweiminutentakt, in dem anderswo die U-Bahn fährt. Und wer gleitet so spät durch Nacht und Wind? Bettina König (SPD), die die Anfrage gestellt hat, wollte die Rangfolge der betroffenen Fluglinien wissen – und erhielt von der Verwaltung eine (von der Flughafengesellschaft stammende) Aufzählung von 30 Airlines samt dem Hinweis: „Diese Reihenfolge entspricht nicht dem Verkehrsanteil.“ Fragen kost' ja nüscht. Und manche Antworten sind völlig umsonst.
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Kann ein Herz wirklich brechen?
Im Sanofi Showroom im Sony Center am Potsdamer Platz können Besucher die Funktionsweise des menschlichen Körpers interaktiv erleben. Digitale und haptische Exponate vermitteln spielerischen Zugang zum Thema Gesundheit: Stoffwechsel, Herz-Kreislauf, Immunologie, Genetik. Schulklassen willkommen. Der Eintritt ist frei.
Seit eine grüne Stadträtin in Thf-Schöneberg ein Rudel Damhirsche aus dem Franckepark nach Brandenburg in ein artgerechteres Gehege umsiedeln will, sind mehrere Bezirksverordnete trumpisiert. Tenor ihrer BVV-Reden: Nun übertreibt es mal nicht mit den Fakten! Höhe- bzw. Tiefpunkt: „Fakten zum Tierwohl werden gegen die emotionalen Bedürfnisse der Anwohner ausgespielt“ (Dagmar Lipper, FDP). Fakt sind z.B. vier durch menschliches Fehlverhalten zu Tode gequälte Hirsche. CP-Vermutung: Es dürfte vielen Anwohnern ein emotionales Bedürfnis sein, dass dieses Elend aufhört. Oh Deer, make Tempelhof-Schöneberg great again!
Berliner Schnuppen
Telegramm
Die Bäderbetriebe suchen einen Vorstandsvorsitzenden – und der Ole könnte der Neue sein: Ex-Chef Bested Hensing, der den Job 2015 „aus wichtigen familiären Gründen“ an den Handtuchhalter gehängt hatte, will sich wohl wieder bewerben. Außerdem am Startblock soll Ex-Sportsenator Frank Henkel (CDU) sein. Der war für Nachfragen aber wieder mal abgetaucht.
Was ist eigentlich mit dem Antisemitismus-Präventionskonzept, über das die Justizverwaltung unter Regie von Staatssekretärin Margit Gottstein mit diversen landespolitischen Akteuren beraten wollte? Nachdem schon der Termin am 12.12. geplatzt war, klappt es auch am 8. Januar nicht. Anmerkung eines Beteiligten (m/w/*): Manchmal sollte man einfach Prioritäten setzen.
Die Berliner Bäume stehen gut da, wenn man dem gestern vorgestellten Waldzustandsbericht glauben darf. Darf man aber nicht, weil die Referenzbäume wie üblich im Sommer begutachtet wurden – also bevor die Trockenheit so extrem wurde wie noch nie seit Erfindung des Regenmessers. Nach dem (im Vergleich zu 2018 harmlosen) Jahrhundertsommer 2003 brauchten z.B. die Eichen rund zehn Jahre, um sich zu erholen.
Sind 80 Prozent der Schülerschaft aus Hartz-IV-Haushalten besser als 78 Prozent? Für Lehrer und Erzieher auf jeden Fall. Denn sonst entgeht ihnen die Brennpunktzulage von bis zu 300 Euro. Gerade in Neukölln und Mitte liegen etliche Schulen knapp unter dem Wert. Entsprechend verärgert ist das Personal dort.
Einige Leute fahren so dreist mit ihren Autos durch die Fußgängerzone in der Spandauer Altstadt, dass der lokale Weihnachtsmann am liebsten die Rute zücken würde, berichtet mein Kollege André Görke aus Berlins westlichem Vorort. Einen Überblick über die Themen, denen sich unsere heute erscheinenden Newsletter aus Mitte, Neukölln und Reinickendorf widmen, gibt’s hier.
Was vergessen? „Bezirksstadtrat Maack (AfD) fordert "Regionalisierung des Welpenhandels“, kabelt das BA Reinickendorf. Ich hatte erst „Regionalisierung des Welthandels“ gelesen. Aber das Thema ist ernst. Und der Hundewelpe, den Maack auf dem Foto zur Pressemitteilung ins Büro trägt (Ist das der reguläre Behördenweg?), passt sogar zu seinem Einstecktuch.
In der Rubrik „Amt, aber glücklich“ gibt’s heute einen Gastbeitrag aus Trebbin im Fläming: Als CP-Leser Harald F. am Donnerstag Post von der Stadt bekam, dachte er erst, er sei geblitzt worden. Tatsächlich war es die Spendenbescheinigung für das Geld, das er nur drei Tage zuvor für Orazio Giamblanco überwiesen hatte. Wem der Name nichts sagt: Der Italiener war 1996 von Skinheads halbtot geprügelt worden. Mein Kollege Frank Jansen besucht ihn jedes Jahr.
Auch das Abgeordnetenhaus hat jetzt einen Podcast. Im Premierenbeitrag des „Parlamentsgeflüster“ wird der Petitionsausschuss erklärt. Essenz: Bei Behördenkummer kann der Ausschuss als Turbo wirken, die Antworten der zuständigen Stellen müssen durch eine Qualitätskontrolle, und das „Lalüla“ der S-Bahn lässt sich nicht unter Denkmalschutz stellen. Wer's genauer wissen will, kann es sich anhören. Dauert aber 36 Minuten, die sich mindestens wie 37 anfühlen.
Die Odyssee zu erzählen, die CP-Leserin Angelika R. am Montag auf der Bahnfahrt von Duisburg nach Berlin erlebt hat, würde fast so lange dauern wie das Erlebnis im Original. Deshalb belassen wir’s heute beim Beitrag von Heiko B., dem ein S-Bahnzug die neu ins Portfolio genommene Ansage „Bitte benutzen Sie zum Einsteigen die gesamte Länge des Zuges“ entgegenkrächzte – nachdem die Türen sich geschlossen hatten.
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Uraufführung am 13. Januar: »Violetter Schnee« in der Staatsoper Unter den Linden
Die neueste Oper von Beat Furrer zeichnet die Welt im Ausnahmezustand. Fünf Menschen sind eingeschlossen in einem unaufhörlichen Schneewehen. Wird das jemals enden? In Claus Guths Inszenierung werden u.a. Martina Gedeck, Anna Prohaska und Elsa Dreisig Teil des endzeitlichen Szenarios.
Fotocredit: MakiEni´s photo/Getty Images
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Sollte es sich bei den abgestellten Fahrzeugen um Abfallfahrzeuge handeln, sind die Regelungen des Kreislaufwirtschaftsgesetzes anzuwenden. Gemäß § 3 Abs. 1 KrWG sind Abfälle alle Stoffe und Gegenstände, derer sich ihr Besitzer entledigt, entledigen will oder entledigen muss. Nach § 3 Abs. 3 Nr. 2 KrWG ist der Wille zur Entledigung solcher Stoffe oder Gegenstände anzunehmen, deren ursprüngliche Zweckbestimmung entfällt oder aufgegeben wird, ohne dass ein neuer Verwendungszweck unmittelbar an deren Stelle tritt. Für die Beurteilung der Zweckbestimmung ist die Auffassung des Besitzers unter Berücksichtigung der Verkehrsanschauung zugrunde zu legen. Konkret bedeutet dies, dass bei einem vermeintlich in Entledigungsabsicht abgestellten Fahrzeug (z.B. ein Unfallfahrzeug) zunächst in der Regel der Wille des Abfallbesitzers, sofern dieser ermittelbar ist, im Rahmen eines Verwaltungsverfahrens ermittelt werden muss. Das heißt, dass nach Anhörung des Betroffenen und Nachkontrolle durch den Außendienst eine rechtsmittelfähige Aufforderung zur Beseitigung mit Androhung der Ersatzvornahme dem Pflichtigen zugestellt wird.“
(Aus der Antwort der Umweltverwaltung auf eine Anfrage von Stefan Förster (FDP), der wissen wollte, wie die Beseitigung von Autowracks nach Unfällen geregelt ist.)
Tweet des Tages
"Großes Lob für den freundlichen Busfahrer auf der 100 (Wagen 3534) gerade am Bahnhof Zoo. Tolle Ansagen! Wünscht u.a. frohe Weihnachten auf Deutsch und Englisch. Manche fragen sich, ob das 'Verstehen Sie Spaß?' ist." @BVG_Bus: Der hat ne Prämie verdient! #ditisberlin
Stadtleben
Essen & Trinken Weiter geht’s mit unseren Last-Minute-Tipps für die Feiertage: An Heiligabend und den beiden Weihnachtstagen können Sie noch im Eckstein am Winterfeldtplatz reservieren und in den Genuss der breit aufgestellten Speisekarte kommen: Neben den bodenständig-deftigen Klassikern (Wiener Schnitzel für 17,90 Euro oder Rinderroulade für 15,90 Euro) sind auch - unweihnachtlich, aber nicht weniger lecker - Flammkuchen und Pastagerichte (ab 8,90 Euro) zu haben. Maaßenstr. 14 (U-Bhf Nollendorfplatz), Mo-Do 8-24 Uhr, Fr-Sa 8-1 Uhr, So 9-24 Uhr
Für nachhaltige Geschenk-Ideen, allesamt entdeckt bei den Kiezhelden, geht's nach Schöneberg: Schmuck, nach Fairtrade-Standards in ausgewählten Manufakturen und Werkstätten produziert, ist bei The Fair Traders in der Dickhardtstraße 60 zu finden (Mi-Fr 11-18 Uhr, Sa 11-16 Uhr) - darunter Geschmeide des Labels Adam & Stoffel, die in einem früherem Leben ihr Dasein als Weinflaschen fristeten, bevor Sie zu Ringen und Anhängern recycelt wurden. Nach gleichem Prinzip schustert und schneidert Meyburg in der Barbarossastraße 5 (Di- Fr 11-19 Uhr, Sa 11-16 Uhr) aus alten Sofas und Sesseln neue Taschen und Rücksäcke – und wem das noch nicht Unikat genug ist, der kann sich sein eigenes Exemplar aus dem vorhandenem Material wunschgerecht zaubern lassen. Das passende Geschenkpapier für alles hält – neben anderen umweltfreundlichen Schreibwaren – Polly Paper in der Gipsstraße 23b bereit (Mo-Fr 10-19 Uhr, Sa 11-16 Uhr).
