Wirbelsturm „Harvey“ relativiert gerade die meisten Ärgernisse, die unsereinen so umtreiben. Was sich allerdings in der Nacht zu Mittwoch in Schönefeld abspielte (TXL war wegen Bombenentschärfung gesperrt), wird vielen Betroffenen im Gedächtnis bleiben. Es war eine Art kalte BER-Einweihung mit zwei Dutzend umgeleiteten Flugzeugen, aber ohne Gangways, Busse und Taxis. Also eine Stehparty, die für Hunderte erst am Morgen ausgestanden war.
Der von Regiermeister Michael Müller einst geschrumpfte Ex-SPD-Landeschef Jan Stöß zieht nach Karlsruhe, um in den Senat zu wechseln. Genauer gesagt in den 1. Senat des Bundesverfassungsgerichts, zuständig für Verfassungsbeschwerden. (Q: „B.Z.“) Ein Konkurrent weniger für Michael Müller. Und für Raed Saleh. Noch eine Personalie: Thomas Pröpstl wird neuer Protokollchef des Landes Berlin. Er folgt auf Volker Pellet, der nach nur zweieinhalb Jahren geht. Die wahren Gründe für diesen raschen Abschied zu Protokoll zu geben, sah das Protokoll nicht vor.
Falls es mit der 150-Mio-Bürgschaft der KfW doch nichts wird, scheint auch ein anderes Sanierungsmodell für Air Berlin infrage zu kommen: Auf Ebay werden die Schokoherzen zu teils völlig abgehobenen Preisen angeboten: Einzelstücke für 100 Euro, limitierte 3er-Packungen (Weihnachten 2014 – mmmh!) für 299. Nach Marktbeobachtung vom Mittwochabend lässt sich sagen, dass maximal 10 Euro pro Stück realistisch sind. 20 Stück für 200 Euro gingen allerdings trotz des Hinweises GELDANLAGE!!! sowie kostenlosem und gekühltem Versand nicht weg, d.h. die Sales-Leute müssten sich schon ein bisschen anstrengen.
Apropos gekühlter Versand: Daniel Wesener (Grüne) wollte vom Senat wissen, ob es normal ist, dass den Bezirksämtern für Zuarbeiten zu parlamentarischen Anfragen oft nur ein, zwei Tage Zeit zum Antworten bleibt, weil der Senat ihnen die Fragen zu spät schickt. Die Senatskanzlei betrachtet die Sache jedoch als ausdiskutiert und verweist auf die gesetzliche Dreiwochenfrist für die Antwort an den Fragesteller. Wesener resümiert, dass der Hauptverwaltung die Bezirke offenbar wurst (bzw. wurstersatz) sind. Und in der Koalitionsvereinbarung steht: „Wenn es darum geht, eine neue Kultur der Verwaltung zu etablieren, bedarf es (…) auch neuer Formen der Zusammenarbeit zwischen Hauptverwaltung und Bezirken.“
Groß ist die Resonanz auf die Frage im gestrigen CP, welche Vorschrift Sie gern mit ständiger Polizeipräsenz durchsetzen würden. Besonders häufig gefordert wurden Kämpfe gegen 1.) Busspurraser und -parker, 2.) Radfahrer-zu-knapp-Überholer, 3.) Fahrradspur-Zuparker, 4.) Gehwegradler und 5.) Ladezonenblockierer. Im bunt gemischten Hauptfeld finden sich außerdem: Tempo- und Kuddelmuddelkontrollen vor allen Grundschulen (nächsten Mo. beginnt das neue Schuljahr, eine Woche darauf starten die Erstklässler), Rote-Ampel-Überwachung, Anliegerkontrollen in Fahrradstraßen, aber auch Pöblerkontrollen ebenda, damit echte Anlieger beim Ein- und Ausparken nicht mehr von unfehlbaren Radfahrern drangsaliert werden.
Vereinzelt wurden auch Forderungen jenseits des Straßenverkehrs erhoben, z.B.: Reinigung der Schultoiletten zum Ferienende sowie überwachte Mülltrennung (im Hinterhof von CP-Leserin Charlotte G., die hoffentlich nicht im selben Haus wohnt wie ich). Fast schon als feierliches Schlusswort taugt der Wunsch von Siggi K., anstelle einer einzelnen Busspur Art. 1 Abs. 1 des Grundgesetzes zu verteidigen: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“
Seit gestern ist wieder der Wahl-O-Mat online, der sich als Entscheidungshilfe millionenfach bewährt hat. Außer bei denen, denen er am Ende doch wieder diese scheußliche, äh, na ja, Sie wissen schon, welche Sie garantiert nicht wählen würden, vorschlägt. Peter Tauber brachte es beim Selbstversuch immerhin auf 99% Übereinstimmung mit der CDU und lag damit nur knapp hinter Hubertus Heil, der sich zu 100% als Sozi erwies. Es gibt auch Alternativen zum bundesbetriebenen Wahl-O-Mat - teils ernsthaft und gut gemacht, teils gaga. Ein paar davon haben die Kollegen von Mitvergnuegen.com getestet.
Der Senat hat die S-Bahn und die für deren Infrastruktur verantwortliche DB Netz zum Krisengespräch geladen, weil es vor allem auf der Stadtbahntrasse zuletzt eher drunter und drüber als vorwärts ging (Q: „Berliner Zeitung“). Dazu das Rahmenprogramm vom Mittwochnachmittag lt. Homepage der S-Bahn: „Aus betrieblichen Gründen verkehrt die Linie S3 zwischen Friedrichshagen und Charlottenburg nur im 20-Minuten-Takt. Wegen mehrerer Signalstörungen im Bereich Lichtenberg kommt es auf den Linien S5, S7 und S75 zu Verspätungen und Zugausfällen. Die Linie S75 verkehrt nur zwischen Wartenberg und Ostkreuz.“
Telegramm
Amt, aber glücklich: CP-Leser Eckart F. hatte vergessen, den TXL-Zettel in den Briefwahlumschlag zu stecken. Verflixt und zugeklebt! Ein Anrufversuch im Bezirkswahlamt Steglitz-Zehlendorf ging erst ins Leere, aber dann rief ein Bearbeiter zurück und versprach, neue Umschläge für die Stimmzettel zuzuschicken. „Spricht für eine auch in Kleinigkeiten funktionierende Demokratie“, resümiert der angenehm überraschte Herr F.
Der Zwerg ruft – zur Kleingartenkonferenz auf Einladung der CDU im Abgeordnetenkonferenz. Auf der klagten Kleingärtner am Dienstagabend, dass viele seit Jahren um ihre Parzellen bangen, weil die Zukunft der Kolonien nicht geregelt wird. Doch die CDU konnte ihnen wenig bieten außer Laube, Liebe, Hoffnung.
„Car2Go führt günstige Pakete für entspannte Langzeitmieten ein“, stand gestern in meinem Mailfach. Im besten Fall kann diese Entspannung Leben retten - wenn ein paar Kunden z.B. dank 2h-Pauschale darauf verzichten, wie die Teufel gegen die (Kosten-)Uhr zu fahren. Zur Frage, wie sich ein minutengenaues Mietsystem für Gelegenheitsfahrer auf die Verkehrssicherheit auswirkt, mochte sich Car2Go noch vor ein paar Tagen gar nicht äußern.
Morgen tritt übrigens ein Gesetz in Kraft, das die Carsharer super finden, zumal sie selbst daran mitgeschrieben haben: Kommunen können einfacher Stellplätze für sie ausweisen und ihnen Parkgebühren erlassen. Weil die Anbieter der Stadt ja Privatautos ersparen, so die Logik. Ich kenne allerdings mehr Leute, die sich dank Car2Go & Co. vor allem die BVG ersparen.
Vier schwere Fahrradunfälle meldete die Polizei gestern: Eine Frau wurde an der Alten Jakobstraße von einem schleudernden Unfallauto gerammt. Eine wurde am Tempelhofer Ufer von einem abbiegenden Sattelzug erfasst, ein Radfahrer von einem abbiegenden Auto am Kaiserdamm, einer kollidierte in Lichtenberg mit einem 90-jährigen Fußgänger, der vor ihm auf die Straße lief und ebenfalls schwer verletzt wurde. Der ganz normale Wahnsinn. Wobei - normal?
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
"Die Stahlkonstruktion des ICC ist frei von Spritzasbest."
Heinz Oeter, ehemaliger Berlin-Chef von Krupp Stahlbau, sowie der ehemalige Bauchef der Messe Berlin, werfen dem Senat vor, das ICC ohne Not und aufgrund falscher Behauptungen weiter vergammeln zu lassen, statt es für überschaubares Geld zu sanieren.
Stadtleben
Essen & Trinken am Weißen See: An das ursprüngliche Fachwerkhaus, das erst privates Gartenhäuschen und später eine Milchverkaufsstelle war, erinnert heute nur noch der Name: Milchhäuschen. Seit 1996 bewirtschaftet Familie Wachenbrönner das Lokal, das zum Weißen See gehört wie der Fernsehturm zum Alex. Besonders die Terrasse lädt zu einem spätsommerlichen Abstecher mit Wein oder einem Kaffee Affogato (doppelter Espresso mit Vanilleeis) ein. Kulinarisch geht’s hier einmal quer durch die (ost-)deutsche Küche, von Ragout fin bis Leberkas. Vegetarische Ziegenkäseravioli und veganes Linsencurry stehen ebenfalls auf der Karte. Parkstraße 33A, Di-So 10-22 Uhr
Neu in Mitte Sie haben die erste Kaffeemaschine entwickelt, die die Bohnen auch selbst röstet. Nun hat das Berliner Start-up Bonaverde mit dem dazugehörigen Café vor dem Büro in der Schröderstraße 11 (S-Bhf Nordbahnhof) nachgelegt: Im Kike Coffee Canteen bietet Barista Kike Morales selbstgerösteten Fair-Trade-Kaffee aus den hauseigenen Maschinen an, der laut Geschmackstest der Qiez-Kenner besonders mild schmeckt und locker ohne Milch und Zucker auskommt. Wie die grünen Kaffeebohnen verarbeitet werden, können Besucher vor Ort im Taste Lab mitverfolgen. Neben dem frischen Heißgetränk für 1,50 Euro sind auch Sandwiches im Angebot (Mo-Fr 9-18 Uhr).