heute vor 30 Jahren habe ich am Kollwitzplatz mit einem Bier in der Hand auf die Deutsche Einheit gewartet, mehr neugierig als ergriffen. Gegen Mitternacht waren von weit her ein paar Böller zu hören, irgendwo splitterte Glas. Wir gingen zurück ins „Westphal“ und diskutierten weiter, ob das jetzt der Beginn eines neuen Nationalismus war oder von etwas ganz Normalem. Niemand hätte sich vorstellen können, dass in dieser dunklen, heruntergekommenen Gegend ein paar Jahre später der US-Präsident mit dem Bundeskanzler in einem feinen Lokal Namens „Gugelhof“ speisen würde.
Auch im Tagesspiegel blicken wir heute mit einer Sonderausgabe zurück, wieder etwas anders als in den Jahren zuvor. Mauerfall und staatliche Einheit verlassen langsam den zeitgeschichtlichen Orbit, der um die immer gleiche, doch jedes Mal um Nuancen blassere Erzählung kreist. Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass sich immer alles auch wieder ändern kann. Das macht mal Hoffnung, und mal macht es Angst. Aber fertig mit der Geschichte werden wir nie.
Unser Programm (u.a.): Aufstieg und Absturz der Interflug / Wo Berlin sich nicht verändert hat / Ost-Lehrerin und West-Lehrer erzählen / Wie Osteuropäer die Einheit sehen / Steffen Mau über Heimat / Stephan Steinlein über Diplomatie / Unterwegs auf dem Mauerradweg / Die vergessenen Bücher der DDR / Die schönsten Filme zur Einheit.
Außerdem: Robert Ide beschreibt, warum die Einheit so schnell gehen musste, welche Spuren sie hinterlassen hat und was sie uns bis heute lehrt (hier zu lesen). Und ebenfalls bereits online: Unser „Gyncast“ von Esther Kogelboom und Julia Prosinger mit der Gynokologin Dr. Mandy Mangler zur Frage: Hatten Frauen im Osten wirklich den besseren Sex?
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Besondere Einblicke in die jüdisch-deutsche Geschichte
„Die Geschichte der Juden hat sich nicht geändert – aber unsere Perspektive darauf. Mit unserer neuen Ausstellung reagieren wir auf veränderte Sehgewohnheiten und auf einen neuen Forschungsstand“, sagt Hetty Berg, Direktorin des Jüdischen Museums Berlin. Ein Schwerpunkt liegt auf der Geschichte nach 1945: Diese reicht vom Umgang mit der Zäsur des Holocaust über den Neubeginn jüdischen Lebens in der BRD und der DDR bis hin zur Migrationsgesellschaft im heutigen Deutschland.
Die Neue Dauerausstellung: Jetzt Zeitfenster-Tickets buchen
Zur Förderaffäre (CP von gestern): Die Sozialverwaltung bestätigte gestern alle hier beschriebenen Details – es blieb ja auch nichts anders übrig, die internen Schreiben liegen uns vor. Die Innenrevision hatte festgestellt, dass eine von Staatssekretär Daniel Tietze gegen Bedenken des LAF-Präsidenten, aber mit Unterstützung der Senatorin per Anweisung durchgesetzte Projektförderung „nicht rechtmäßig“ und „unzulässig“ war. Verwaltungssprecher Stefan Strauß erklärte dazu gestern: „Staatssekretär Tietze hat in Anerkennung der ehrenamtlichen und für alle sichtbaren Flüchtlingsarbeit des Netzwerks auf eine zügige und positive Bearbeitung politisch entschieden, die Zuwendung zu bewilligen.“ Es geht dabei um 40.000 Euro pro Jahr, die seit 2016 an das Stadtteilzentrum Steglitz für den Betrieb der Website „Berlin hilft“ gezahlt wurden.
Inzwischen „erfolgte eine Anzeige an den Rechnungshof gemäß Nr. 5 AV zu § 9 LHO“, bestätigte Strauß und kündigte an: „Ergibt sich, dass die Zuwendung zurückgefordert werden kann, wird ein entsprechender Bescheid erteilt.“ Die „politische Entscheidung“ von Tietze, der sich über schriftlich begründete Bedenken hinwegsetzte, erklärt Strauß so: „In der aktuellen Prüfung sind Mängel zu Tage getreten, die vorher nicht ersichtlich waren.“ Jedenfalls nicht durch die rosarote Brille, mit der das Projekt in der Sozialverwaltung wohlwollend betrachtet wurde.
Und was sagt dazu Thomas Mampel, der Geschäftsführer des Stadteilzentrums?Unser Kollege Boris Buchholz vom „Leute“-Newsletter Steglitz-Zehlendorf hat gestern mit ihm gesprochen. Mampel sagt, das Landesamt für Flüchtlingsfragen habe Einfluss auf die Inhalte der mit 40.000 Euro jährlich finanzierten Website nehmen wollen, Förderbescheide verzögert und Klärungstermine platzen lassen. Von den Vorgängen und Vorwürfen zwischen der Senatsverwaltung für Soziales und dem LAF habe er aber erst bei der Lektüre des Checkpoints erfahren: „Das sind Dinge, die uns komplett überrumpeln und die wir heute zum ersten Mal hören.“ Aber sicher nicht zum letzten Mal.
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Rund um diesen raren Globus des Nürnbergers Doppelmayr von 1728 drehen sich die Satelliten der Galerie Bassenge: einige tausend Bücher, Autographen, Landkarten, Asiatica und mehrere Sammlungen, von der Insel-Bücherei bis zum modernen Tanz und Postexpressionismus. Drei Auktionstage lang leuchtet das Universum – wie ein weißes Blatt Papier.
Die antimilitaristische Front in Friedrichshain-Kreuzberg bröckelt, aber noch fällt sie nicht. Die BVV verwies gestern Abend einen Antrag zum Einsatz der Bundeswehr bei der Pandemiebekämpfung in den Sozialausschuss – obwohl Bürgermeisterin Monika Herrmann gestern überlief: „Jede helfende Hand wäre uns in dieser Lage willkommen“, sagt sie dem Tagesspiegel. Noch mehr Kreuzberg gefällig? Bitte sehr: Auch ein Antrag der FDP auf „würdevollen Rücktritt“ von Baustadtrat Florian Schmidt fand keine Mehrheit – die SPD enthielt sich in der Bauaufsichtsaffäre Rigaer 94. Heizpilze lehnte die BVV allerdings ab. Und dann kam noch heraus, dass die ehemalige Gerhart-Hauptmann-Schule nun doch kein internationales Zentrum für Geflüchtete wird – es fehlen die erforderlichen Sanierungsmittel von 14 Millionen Euro.
Die Zustände in Berlins berühmtestem Bezirk kommentiert Julius Betschka im Tagesspiegel heute so: „Manchmal erscheint Friedrichshain-Kreuzberg wie eine Schlingensief-Perfomance: Völlig drüber, schmerzhaft, am Rande der Legalität, aber augenöffnend für die Ungerechtigkeiten unserer Zeit.“
„75 Visionen für Berlin“ heißt unsere neue Serie zum 75. Tagesspiegel-Geburtstag – und den Auftakt macht der Regierende Bürgermeister, sein Fazit: „Wir müssen uns für unsere Freiheit und unseren Wohlstand vieles bewahren, aber auch immer bereit sein, Liebgewonnenes infrage zu stellen, Neues willkommen zu heißen und über den Tellerrand zu blicken. Und genau das sind die Berliner Tugenden, die mich zuversichtlich machen, dass es in einer nicht mehr so fernen Zukunft vielerorts auf der Welt heißen wird: Komm, wir machen es wie Berlin!“ (Den ganzen Beitrag von Michael Müller finden Sie hier).
Berliner Schnuppen
Telegramm
Jetzt suchen wir aber wirklich mal den Ausschalter für unseren traditionellen BER-Count-up (siehe unten): Die Luftfahrtbehörde hat die Inbetriebnahme unseres Lieblingsflughafens gestattet – 14 Jahre nach dem ersten Spatenstich. Kann da noch was schiefgehen? „Nach menschlichem Ermessen steht einer Eröffnung am 31. Oktober 2020 nichts mehr entgegen“, sagt Flughafenchef Engelbert Lütke-Daldrup. Fehlt nur noch das O.k. von Aeolus, dem Gott der Lüfte – Interview ist angefragt.
Apropos Tegel (das ja beim Thema BER-Start immer mitschwingt): Eine Gruppe Berliner Funkamateure (ja doch, auch so etwas gibt es noch) hat zur Verabschiedung von Tegel bei der Bundesnetzagentur ein Sonder-Funkrufzeichen beantragt – und für ein Jahr zur Nutzung zugeteilt bekommen. Die Kennung lautet DL73TXL (DL steht für Deutschland, die „73“ wird als Gruß am Ende eines Gesprächs genutzt, und TXL… nun ja). 2000 Mal wurde das Zeichen bereits in die Welt hinausgefunkt – und wenn Sie dabei mal zusehen wollen: Am Sonnabend und Sonntag treffen sich die Funker auf der Lübarser Höhe (Freizeitpark) zu einem internationalen Wettbewerb.
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Vom 1–31 OCT präsentiert der EMOP Berlin - European Month of Photography über 500 Künstler*innen, die sich auf über 100 Institutionen in ganz Berlin verteilen. Der Startschuss fällt mit den EMOP OPENING DAYS, die vom 1–4 OCT in der Akademie der Künste am Pariser Platz stattfinden. Das ganze Programm, Tickets und weitere Infos gibt es unter
emop-berlin.eu
Da Berlins Karriere als Weltwirtschaftsmetropole derzeit etwas stagniert, hat die Fördergesellschaft „Berlin Partner“ eine neue, passendere Zielgruppe im „Ansiedlungsmanagement“ definiert: die „nonprofit organisations“ (NPOs). Doch leider „ist bislang noch keine Ansiedlung in diesem Bereich zu verzeichnen“, antwortet Wirtschaftsstaatssekretär Christian Rickerts auf eine noch unveröffentlichte Anfrage des FDP-Fraktionsvorsitzenden Sebastian Czaja (DS 18/24922). Es kommentiert Erna Kasupke: „Kost‘ nix, taugt nix.“
Ein Blick auf den Wohnungsmarkt… und schon haben wir wieder ein Schätzchen gefunden: „Single-Wohnung im Herzen von Köpenik“ (sic!) – aber leider fehlt auf den zweiten Blick mehr als nur ein kleines „c“. Schauen wir uns mal die Preisgestaltung an: Für 35 qm wird eine Kaltmiete von 420 Euro aufgerufen, macht 12 Euro pro qm. So weit, so teuer. Jetzt zu den Nebenkosten – und da lesen wir: 52,50 Euro ohne Heizkosten, Gesamtmiete 1265 Euro. Na, wenn das mal nicht ein Fall für den Extrakurs „Mathe mit dem Checkpoint“ ist! Und immerhin wissen wir jetzt, woher die Erderwärmung kommt.
Die Gesundheitsämter suchen dringend Pandemiehelfer für die Nachverfolgung – aber zu mehr als einer Eingangsbestätigung an Bewerber können sich die Bezirke kaum aufraffen – ein Beispiel aus Mitte (liegt dem Checkpoint vor): „Ich bestätige den Eingang Ihrer Bewerbung als Fallmanager und bedanke mich für Ihr Interesse. Bitte ändern sie nicht Ihre Email-Adresse…“). Seitdem: Funkstille. Immerhin besteht die begründete Hoffnung, dass noch vor der Einstellung von befristetem Personal ein Impfstoff gefunden wird – und sich die Bewerber wieder hinlegen können.
Im Knast wird’s enger und enger… ein Blick auf die wöchentliche Belegungsstatistik zeigt: Plötzensee ist bei einer Auslastung von 104% angekommen. Nach dem Gesetz von Angebot und Nachfrage müssten jetzt eigentlich die Eintrittspreise steigen.

Das Projekt @wasihrnichtseht macht Rassismuserfahrungen von Schwarzen sichtbar. Wir machen das durch eine Kooperation an dieser Stelle auch.
25 Berliner Polizisten haben in Chatgruppen… nein, falscher Anfang: 25 Berliner Rassisten haben als Polizisten… Naja, jedenfalls wusste der Vorgesetzte Bescheid und hat nur mal vorsichtshalber daran erinnert, lieber nichts strafrechtlich Relevantes zu schreiben. Und das war’s. Noch lange nicht.
Nach der Erhöhung der ÖPNV-Tarife (zu verantworten von der Grün- geführten Verkehrsverwaltung, mitgezeichnet von der SPD-geführten Finanzverwaltung sowie der Senatskanzlei, vehement abgelehnt von den Linken) hier ein Blick in den Koalitionsvertrag (S. 45): „Die Koalition prüft, ob und wie durch eine Änderung der Tarifstruktur und eine Senkung der Fahrpreise neue Fahrgäste und damit zusätzliche Einnahmen gewonnen werden können.“ Und ab damit in die Tonne (aber bitte in die blaue).
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„The Urban Dentist“ meldet: „Die Architekten des Berghain haben eine Berliner Zahnarztpraxis modernisiert“ – falls Sie also demnächst bei Ihrem Doc am Türsteher scheitern, wissen Sie jetzt immerhin warum.
Unsere selbstgebastelte Checkpoint-Stellenausschreibung war gestern kaum raus („Team Checkpoint sucht Verstärkung, und zwar gleich in drei Bereichen: a) Stadtleben b) Recherche und c) Frühdienst / Newsletterproduktion. Voraussetzung: Kreativität und gute Laune. Wir freuen uns über Kurzbewerbungen mit mindestens einer originellen Checkpoint-Idee an checkpoint@tagesspiegel.de.“), da kamen schon die ersten Bewerbungen rein. Per Twitter meldete sich u.a. Alf Frommer, Creative Director bei der Agentur „ressourcenmangel“, mit der Frage „Wann fange ich an?“
Tja, ich würde sagen… sofort - hier die Kurzfassung einer seiner Kurzgeschichten: „Die Geschichte geht über einen Stuttgarter, der am Stuttgarter Platz wohnt und dessen Hund Stuttgarter heißt. Jedesmal, wenn er über den Stuttgarter Platz mit seinem Hund Stuttgarter Gassi geht, befiehlt er ‚Stuttgarter PLATZ!‘.“ Peng. Die ganze Geschichte bis zum bitteren Happy End ist übrigens auf einem Plakat zu lesen, und zwar (wo sonst): am Stuttgarter Platz (oder eben auch hier).
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Und hier noch ein kleines Ratespiel: Für Sonnabend wurden zwei besonders große Demos angemeldet – eine mit 100.000 Teilnehmern, eine sogar mit 5 Millionen. Aber welche ist welche? Zur Auswahl steht die „Berlin Peace Parade gegen die Covid 19-Maßnahmen“ und „Der Messias: Tag der deutschen Einheit, Tag der Weltwahrheit“. Na, wissen Sie’s? Die Auflösung gibt’s für Checkpoint-Abonnenten gleich in der Rubrik „Berlin heute“.
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Ich fühle mich von anderen Gastronomen betrogen.“
Anastasia Schöck-Bochenski, Betreiberin der Cocktailbar „Fabelei“ in der Kyffhäuserstraße 21 in Schöneberg, ist wütend, weil viele die Regeln nicht einhalten, die Ordnungsämter kaum kontrollieren und die Strafen angesichts der Mehreinnahmen „lapidar“ sind.
Tweet des Tages
Meine Frau hat mir in der Bölschestraße in Berlin Friedrichshagen in einem Feinkostgeschäft einen wunderbaren Wein gekauft. Und was soll ich sagen, je leerer die Flasche, desto großmütiger urteile ich über die Berliner Politik. Vielleicht sollte der Senat... im Suff ertragbar.
Stadtleben
Essen – Vegan und fancy! UmweltschützerInnen finden ihren Soulfood-Fix in Friedenau. Mitten auf dem Gehweg der Hedwigstraße verputzen Gäste Veggie-Burger, Edel-Sülze und Knabbereien, die beweisen, dass die Fleischfrei-Szene auch abseits der hippen Trendkieze brummt. Unser Favorit: die knusprigen Soja-Nuggets mit Sesam (2,50 Euro). Zum Nachtisch kredenzen die Köche des Veg’es Avocado-Cheesecake und Kokos-Desserts, wie sie selbst Kreuzberg nicht trumpfen kann. Dazu ein Glas der Minzlimonade, während eifrig der Trubel Friedenaus vorbeizieht – Checkpoint-Tipp: ein Tisch im Freien! Di-So 9-22 Uhr, Fregestraße 5, S-Bhf Friedenau
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Tagesspiegel-Podcast "Gyncast", Folge 12:
Hatten Frauen im Osten wirklich besseren Sex? So lautet zumindest eine These, wonach die ökonomische Unabhängigkeit in der DDR Frauen zu mehr Orgasmen verhalf. Zum Einheits-Jubiläum widmet sich die unzensierte Sprechstunde mit Dr. Mandy Mangler dem Frausein im Sozialismus - von "Muttipolitik" bis DDR-Vibratoren.
Jetzt anhören!
Trinken – „Twa Omanye aba“ heißt „Prost“ auf Ghanaisch. Und am besten sagt man das bei einem „Dju Dju“-Fruchtbier, das dort seinen Ursprung hat. Priesterinnen und Priester sollen das Getränk zu Festlichkeiten in großen Tontöpfen hergestellt haben. Praktischerweise müssen Sie aber nicht weit reisen, um in den fruchtig-herben Genuss zu kommen: Im„Schwarzen Café“ (Kantstraße 148, Bhf Savignyplatz) in Charlottenburg steht das leckere Mangobier (3,50 Euro) nämlich auf der Getränkekarte. Im trashig-schicken Flair können Sie es bei gutem Wetter sogar auf der Terrasse im Innenhof genießen. Rund um die Uhr geöffnet.
Berlinbesuch – Einfach mal abtauchen und den Alltag vergessen – das geht im Berliner Aquarium(Budapester Straße, Bhf Zoo). Zwischen den Becken der geheimnisvollen Schwarzspitzen-Riffhaie und farbenprächtigen Clownfische können Sie darüber sinnieren, woher das Hängebauchseepferdchen, dieGepunktete Wurzelmundqualle oder der Zitronenkugelfisch ihre Namen haben. Neben den schwimmenden Tieren lohnt sich auch ein Blick in die Terrarien der Schlangen, Spinnen, Echsen und Frösche. Tickets kosten 16/8 Euro und können hier online (nach Zeitfenstern) gebucht werden.
Zeitfenster sichern – Seit Monaten ist seine Bühne verlassen. Erst im nächsten Jahr werden TänzerInnen wieder über die ikonischen Bretter des Friedrichstadtpalasts wirbeln – bis dahin lässt das Haus in die Kulissen seiner makellosen Glanzrevues spähen. Niemand Geringeres als Sven Marquardt fing im Oktober 2019 die Gesichter ein, die hinter der schillernden Fassade stehen: In 70 düsteren Porträts zeigt er die TänzerInnen, wie sie erschöpft von der Bühne taumeln, in den Seitenflügeln lehnen, voll Adrenalin ihr Kostüm abstreifen. Ab heute sind die Fotografien im Foyer des Palastes zu bestaunen, der Eintritt ist frei (tgl. 11-20 Uhr). Zeitfenster sind auch hier obligatorisch – wir verlosen 3x2 Slots für morgen, 15-17 Uhr.
Neu in Schöneberg – Das Urban Nation Museum (Bülowstraße 7) zeigt ab heute eine umfassendste Retrospektive des fotografischen Werks Martha Coopers. Mehr als sechs Jahrzehnte hat die leidenschaftliche Weltenbummlerin das Leben unzähliger Menschen eingefangen. Die Ausstellung „Martha Cooper: Taking Pictures“ widmet sich vor allem ihren bisher unveröffentlichten, größtenteils analogen Fotografien. Neben privaten Exponaten (Skizzen-, Tagebücher und Kinderspielzeuge) sind Arbeiten von 35 KünstlerInnenausgestellt, die Coopers Fotografien neu interpretiert haben. Für alle, die nicht vor Ort sein können, gibt es heute einen Livestream mit Führung und Direktschalte zur Künstlerin nach New York. Heute geöffnet 20-23 Uhr, Sa 10-22 Uhr, So 10-20 Uhr; danach: Di/Mi 10-18 Uhr und Do-So 12-20 Uhr, Eintritt frei.
Rausfahren – Hin zu Kuriosa und Tand: In den Hallen des noblen Palais am Stadthaus trifft sich Potsdams Bohème zur Art & Antique. Noch bis Sonntag forsten Gäste der Messe durch Barockspiegel, Silber und Stadtschlossleuchter, stets auf der Jagd nach der nächsten Rarität – diesmal hoch im Kurs: ein echter Hereke-Seidenteppich, der mit 2,5 Millionen Knoten pro Meter weltweit seinesgleichen sucht. Wer noch ein Fleckchen im Wohnzimmer findet (und das nötige Kleingeld besitzt!), fährt zwischen 11 und 19 Uhr in die Friedrich-Ebert-Straße 37 (14469 Potsdam). Zutritt zur Messe gibt’s für 10 Euro – nur mit Maske.
Last-Minute-Tickets – (ein Tipp von Sandra Luzina) „Ostkreuz“, 1990 in Ost-Berlin gegründet, ist heute die erfolgreichste von FotografInnen geführte Agentur in Deutschland. Gestern wurde ihre Gemeinschaftsausstellung „Kontinent – Auf der Suche nach Europa“ in der Akademie der Künste am Pariser Platz eröffnet. Jordis Antonia Schlösser hat das neu erwachte jüdische Leben in Polen festgehalten. Ute und Werner Mahler sind an fünf Strömen entlanggefahren. Annette Hausschild hat junge Flüchtlingshelfer portraitiert und ist auf einem Seenotrettungsschiff mitgefahren. Menschen am Rande der Gesellschaft hat Tobias Kruse in dem ehemaligen Badeort Jaywick fotografiert. Tickets erhalten Sie für 9/6 Euro hier. Öffnungszeiten Opening Weekend: Fr-Sa 11-22, So 11-20 Uhr
Berlin heute
Verkehr – Buschkrugallee (Britz): Bis Ende März 2021 ist zwischen der A100 und Jahnstraße auf beiden Richtungen die jeweils linke Spur gesperrt.
Wegedornstraße (Altglienicke): Bis Mitte Dezember ist für beide Richtungen nur eine gemeinsame Fahrbahn verfügbar.
Alexanderstraße (Mitte): In Richtung Otto-Braun-Straße sind zwischen Grunerstraße und Karl-Marx-Allee nur zwei Spuren verfügbar, das Rechtsabbiegen in die Karl-Marx-Allee ist verboten (bis Ende Oktober).
Friedrichshain bis Prenzlauer Berg: Aufgrund einer Demonstration (18-20.30 Uhr, s.u.) kann es rund die um Frankfurter Allee und Greiswalder Straße zu Verkehrsbeeinträchtigungen kommen.
Mitte: Auch zwischen dem Platz der Republik und dem Rosa-Luxemburg-Platz ist aufgrund einer Demonstration (15-22 Uhr, s.u.) mit Verkehrsbeeinträchtigungen zu rechnen.
Gesamte Innenstadt: Aufgrund eines Fahrradkorsos (s.u.) kommt es in den Bezirken der Innenstadt zu Verkehrseinschränkungen (20-22.30 Uhr).
Demonstration – Freitag: Unter dem Motto „Lasst uns die Stadt erleuchten“ strampeln 1000 Radfahrende vom Potsdamer Platz bis zum Neptunbrunnen. „30 Jahre Wiedervereinigung – Nein zu Nationalismus und Rassismus“ – von der Greifswalder Straße bis zum Ernst-Thälmann-Denkmal ziehen 400 Personen (18-20.30 Uhr, Berliner VVN BdA). Ebenfalls am Ernst-Thälmann-Denkmal kommen 400 Teilnehmende zu einer Kundgebung mit dem Titel „Deutschland ist Brandstifter“ zusammen (20-23 Uhr). Zwischen Rosa-Luxemburg-Platz und Platz der Republik protestieren 200 Personen unter dem Motto „Verfassungsproblematik in der Bundesrepublik der Gegenwart“ (15-22 Uhr, Kommunikationsstelle demokratischer Widerstand).
Demonstration – Sonnabend: Am Tag der deutschen Einheit zieht die „Berlin Peace Parade gegen die Covid 19-Maßnahmen“ vom Ernst-Reuter-Platz bis zum Brandenburger Tor. Offiziell angemeldet sind 5 Millionen Teilnehmende (0-23 Uhr). Auf dem Platz der Republik ist die Kundgebung „Der Messias: Tag der deutschen Einheit, Tag der Weltwahrheit – ist Deutschland souverän?“ mit 100.000 Personen angekündigt. Zwischen Alexander- und Rosa-Luxemburg-Platz protestieren 2000 Menschen „für Frieden, Freiheit und gegen Gewalt“ (14-23.59 Uhr). Im gesamten Stadtgebiet finden derweil zahlreiche Gegendemonstrationen gegen Verschwörungs- und rechte Ideologien statt, unter anderem an der Siegessäule: Zur Demo „Keine Verschwörungsideologien am Großen Stern und anderswo“ werden 500 Protestierende erwartet (9-19 Uhr). Unter dem Motto „Kein Aufmarsch von Rechten, Neonazis und Faschisten in Berlin“ kommen 500 Personen zwischen Europa- und Alexanderplatz zusammen (11-19 Uhr). Die Bergpartei-Überpartei ruft ebenfalls zur Gegendemo: Zu ihrem „reptiloiden Fahrradkorso“ unter dem Motto „Das Impfperium schlägt zurück“ sind 100 Radelnde angemeldet. „Verkehrswende jetzt!“ fordern zudem 500 Teilnehmende zwischen Adenauer- und Rosenthaler Platz (12.30-20 Uhr).
Demonstration – Sonntag: „Christ und Motorrad Berlin“ fährt mit einer „Mahn- und Gedenkfahrt der tödlich verunglückten Motorradfahrer- und -fahrerinnen in Berlin und Brandenburg“ von der Großbeerenstraße bis zur Gedächtniskirche (9-14 Uhr, 800 Personen). An der Kreuzung Liebigstraße / Rigaer Straße demonstrieren 500 Menschen „zum Erhalt der von Gentrifizierung bedrohten Projekte“ (11-23 Uhr).
Gericht – Ein 46-Jähriger muss sich wegen Drogenhandels verantworten. In der Wohnung des Mannes seien rund 13 Gramm Kokain und 410 Gramm Cannabis gefunden worden (9.30 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal 606).
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – „Lieber Alex, morgen, zu deinem Geburtstag herzliche Glückwünsche! Genieße das neue Lebensjahr. Bussi H.“ / Uwe Haarhuis (40), „Du bist toll. Feiere so wild du kannst mit uns allen! Ilyaam – deine Laura“ / Jan-Marco Luczak (45), Mitglied des Bundestags, Vorsitzender der Berliner CDU-Landesgruppe / Jan-Hendrik Olbertz (66), ehem. Präsident der Humboldt-Universität / Helga Schütz (83), Schriftstellerin, Drehbuchautorin / Manfred Zapatka (78), Schauspieler / Nachträglich: Rainer Laabs, „ein Freund guter Bücher und klassischer Musik, Kunsthistoriker und langjähriger Leiter des Unternehmensarchivs der Axel Springer SE. Es gratuliert nachträglich die Dienstagsrunde.“
Sonnabend – Susanna Bonaséwicz (65), Schauspielerin, Synchron- und Hörspielsprecherin / Uwe Bossert (46), Gitarrist und Produzent / Lothar Hinze (83), „Ehemaliger SFB-Sportmoderator, Schauspieler und Synchronsprecher.“ / Adam Jaskolka (41), Schauspieler, Sänger und Regisseur / Florian Keller (39), Hockeyspieler / Christoph Markschies (58), Theologe und ehem. Präsident der Humboldt-Uni / Michael Neumann (36), „Leider in Budapest“ / Georg Nolte (61), Rechtswissenschaftler / Sybille Osteroth (75), „Liebste Ehefrau, alle Gute zu deinem Halbrunden!“ / Alexei Pawlowitsch Schipenko (59), Schriftsteller und Schauspieler / Katharina Schumacher, „Alles Gute für das neue Jahrzehnt wünscht Ulrike“
Sonntag – Dennis Gansel (47), Filmregisseur und Drehbuchautor / Vicky Krieps (37), Schauspielerin / Torsten Mattuschka (40), ehem. Fußballer, derzeit Co-Trainer beim VSG Altglienicke / Rezzo Schlauch (73), Jurist und ehem. Fraktionsvorsitzender der Grünen (1998-2002) / „Meiner Schwesta Tina in Thüringen vom Bruda aus Berlin“ / Christoph Waltz (64), Schauspieler
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Horst Anker, * 29.1.1930 in Berlin. Der Vater unseres Kollegen Jens Anker war siebzig Jahre lang Tagesspiegel-Abonnent, ununterbrochen - seine erste Ausgabe bezog er am 1. Juni 1950. / Ursula Diebold, * 5. Januar 1938 / H. J. Ruprecht, * 29. August 1941 / Klaus Schimpf, * 7. September 1935, Pfarrer i.R. / Dr. phil. Dr. med. Manfred Stürzbecher, * 18. Oktober 1928
Stolperstein – Julie Pincus (Jg. 1864) wurde in Kosten in der Provinz Posen geboren. 1885 heiratete sie den Kaufmann Leopold Pincus, das Paar bekam eine Tochter und einen Sohn. 1892 zog die Familie nach Berlin. Der Sohn Dagobert wurde Rechtsanwalt und Notar und überlebte den Krieg in Frankreich, wo er und seine nichtjüdische Frau zwei Jahre lang in einem Lager inhaftiert waren. Der Tochter Elsa gelang es, sich mit ihrem Mann kurz vor Kriegsausbruch in die Schweiz zu retten. Julie Pincus blieb allein zurück in Berlin, ihr Mann starb 1918. Von 1931 bis 1942 lebte sie in der Württembergischen Straße 16. 1942 wurde sie nach Theresienstadt verschleppt, wo die 78-Jährige wenige Tage nach ihrer Ankunft am 2. Oktober 1942 an einer „Herzlähmung“ gestorben sein soll.
Encore
Beifall im Zug gibt’s auch nicht alle Tage – im pünktlichen ICE 706 war es kurz vor dem Südkreuz so weit: In schönstem Berliner Dialekt hielt der Zugführer eine humorvolle kurze Rede, in der er sich für die Geduld an schwierigen Tagen bedankte – und sich nach 47 Dienstjahren auf seiner letzten Fahrt verabschiedete. Checkpoint-Leserin Ulrike Schrinner war dabei und wünscht alles Gute – Team Checkpoint schließt sich gerne an.
Ich wünsche Ihnen einen respektvollen Start in den Tag. Die Stadtleben-Tipps haben heute Lotte Buschenhagen und Vivien Krüger zusammengestellt, Caspar Schwietering hat alles durchgesehen, korrigiert und rausgeschickt. Wir sehen uns hier wegen des Feiertags erst am kommenden Montag wieder – bis dahin, fröhliche Einheiten,
