sollten Sie der Berliner Lehrerschaft oder der Landesregierung angehören - Glückwunsch, dann können Sie den Start in die verkürzte Woche ja ganz gemütlich angehen. Schließlich ist heute unterrichts- und senatssitzungsfrei. Diese Verschnaufpause sei aber auch allen von Herzen gegönnt. Denn Ferienbeginn ist ja erst in neun Tagen. Wir vom Checkpoint-Team rackern übrigens durch diesen Sommer. Und servieren Ihnen als Abonnent täglich News aus Berlin, frisch zubereitet versteht sich.
Vielen Berliner Mietern dürfte trotz langen Feiertagswochenendes nicht so recht nach Urlaub und Feiern zumute gewesen sein – dank der Immobilienwirtschaft. Der Eigentümerverband Haus und Grund hat seine Mitglieder aufgerufen, noch schnell die Mieten zu erhöhen, bevor der Senat mit einem neuen Gesetz den Deckel draufmacht. Nun herrscht seit dem Tagesspiegel-Bericht über die Aktion á la „Börse auf! Der Mietsteiger kommt“ das große Pfingstwundern, die Landespolitik staunt Bauklötze. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) schimpft in der „Berliner Zeitung“ über eine Haltung, die „zur Konfrontation führe, die wir gerade erleben“.Für Christian Gräff, den baupolitischen Sprecher der CDU, ist der Aufruf kein Zeichen guten Umgangs miteinander. Haus und Grund empfiehlt, kurzfristig den gesamten Spielraum zu nutzen – 15 Prozent innerhalb von drei Jahren. Die Erhöhung sei auch als Zeichen gegen die „linke Wohnungspolitik“ zu verstehen, sagt der Berliner Haus- und-Grund-Chef. Diese zerstöre den Mittelstand. Noch viel eher kaputt dürfte das Vertrauen der Mieter sein.
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Wie viel Mittelstand steckt eigentlich in der Wohnungswirtschaft? Der Mieterverein und der Immobilieninvestor Grand City Properties, eines der größten Wohnungsunternehmens Europas und die Nummer sieben in Berlin, haben ein bundesweites Register für Eigentümer von Wohnraum gefordert. Das soll helfen, die Transparenz zu erhöhen und für Mieter zumindest ein bisschen Waffengleichheit herzustellen. Denn die wissen oft nicht, wem ihr tröpfelndes Dach über den Kopf gehört. Erst kürzlich war durch Recherchen von Tagesspiegel und „Correctiv“ im Rahmen von „Wem gehört Berlin“ herausgekommen, dass die britische Milliardärsfamilie Pears auf etwa 3000 Wohnungen in Berlin sitzt – dank einem verzweigten Netzwerk von Firmen mit Sitz in Steueroasen.
Wer übrigens herausfinden will, ob er bei einer der zwölf größten Unternehmen (oder einer ihrer Tochterfirmen) wohnt, für den bietet der Tagesspiegel ab sofort eine neue Online-Suche, und zwar unter diesem Link.
Das Geld liegt in Berlin bekanntlich relativ selten auf der Straße. Aber dafür manchmal eine dicke Rechnung auf dem Viktoria-Luise-Platz in Schöneberg. Über die würde vermutlich nicht viel Aufhebens gemacht, drehte sie sich nicht ums Kanzleramt („Ausführungszeitraum 31.03.2017 bis 24.04.2019“). Für fast drei Millionen Euro wurden dort undichte Stellen beseitigt, wie Tagesspiegel-Kollege Alexander Fröhlich schreibt. Natürlich ging es nicht Verrätern an den Kragen, sondern verräterischen Wasserschäden in der Tiefgarage. Wobei: Lecks muss es auch woanders gegeben haben, denn sonst wäre die Rechnung nicht auf dem Trottoir gelandet. Auf dem Schreiben, ausgestellt von der Baufirma, finden sich Stempel des Bundesamts für Bauwesen und des Kreuzberger Architekturbüros, das die Abrechnung wohl checkte. Firma und Prüfer wollten sich nicht äußern, die Bundesbehörde gibt sich – nach anfänglicher Erheiterung zerknirscht wie Sand im Betonmischer: „Wir nehmen den Vorfall sehr ernst.“ Wichtig sei aber noch der Hinweis, dass im Kanzleramt nichts saniert, sondern nur Mängel beseitigt werden. Als hätte jemand den Zustand der der GroKo beschrieben.
Die berühmte Brücke am U- und S-Bahnhof Schönhauser Allee muss demnächst weichen, was ein mittleres Verkehrschaos verursachen dürfte. Funfact: Heute will BVG-Chefin in der Gegend etwas Neues zum Thema Mobilität verkünden. Da kann sie sich ja vielleicht nebenher schon mal Gedanken machen, wie mobil der Berliner Nordosten nach dem Abriss bleiben könnte. Jedenfalls soll für etwa 21 Millionen Euro ein Ersatz her, also für die Brücke am Verkehrsknotenpunkt von Auto, S-, U- und Straßenbahn. Anfang 2020 sollen die Planungsleistungen EU-weit ausgeschrieben werden. Der Senat rechnet nach jetzigem Stand mit einem Baubeginn nicht vor 2024 und danach mit einer Bauzeit von etwa sechs Jahren. Wie die Brücke aussehen soll, ist noch völlig unklar.
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Marsch in den Abgrund: Gustav Mahlers Sechste ist ein Werk der Extreme. In einer der glücklichsten Phasen seines Lebens komponierte Mahler mit dieser Symphonie ein 90-minütiges, monumentales Katastrophenszenario mit demonstrativ tragischem Ausgang. Am 19. Juni dirigert Jakub Hrůša (Foto) das faszinierend düstere Werk beim DSO Berlin. Wir verlosen 3x2 Karten. (Code: HRUSA)
Die Brücken zur GroKo möchte hingegen Michael Müller am liebsten abbrechen. Er wirbt nämlich für Rot-Rot-Grün im Bund. Es sei mal dahingestellt, ob der Regierende dem Projekt, dessen Sympathiewerte mit wachsender Entfernung vom S-Bahnring sinken, nicht einen Berliner Bärendienst erweist. „Im Bund wird R2G kein Selbstläufer“, sagt Müller jedenfalls (wobei es ja zurzeit nach G2R aussieht). Eher zum Weglaufen findet denn auch Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (dito SPD), die Idee. Lustigerweise steht er einer Koalition mit der Linkspartei vor, mit der er auf Bundesebene aber nicht zusammenarbeiten würde. Wegen kritischer Haltung zu Nato und EU und so.
Dazu passt eine Mail, die in der Berliner SPD kursiert. Verfasser ist Mark Rackles, unlängst von Bildungssenatorin Sandra Scheeres in den Ruhestand versetzter Staatssekretär – und bis dahin nicht nur Stratege der Schulpolitik. Immer wieder hat er den Zustand seiner Partei kritisiert. Vor fast genau einem Jahr schrieb der Parteilinke einen Wutbrief, warf Landeschef Müller vor, dass die Führung der Landespartei von Mehltau befallen sei. Jetzt hat Rackles wieder in die Tasten gehauen, kritisiert aber, Müller kann aufatmen, die Bundespartei, genauer den Vorstand (in dem der Regierende allerdings auch sitzt).
„Erneuerung gescheitert“, „fehlendes SPD-Profil“, „Personal ist Teil des Problems“, „Nicht Andrea Nahles ist gescheitert, sondern der gesamte Parteivorstand“ – das sind nur ein paar Stichworte seiner Abrechnung mit der Parteiführung. Seinen Text hat Rackles mit „Aus Fehlern nichts gelernt?“ überschrieben. Um Vertrauen nach der „krachenden Wahlniederlage“ zurückzugewinnen, fordert er, neben einem glaubwürdigen Personal, ein erneuertes sozial-, steuer- und arbeitsmarktpolitisches Konzept. Der Parteivorstand habe bislang jedoch nur mutloses Stückwerk vorgelegt. Der Erfolg der Grünen, so Rackles weiter, habe zudem einen „blinden Fleck“ der SPD ausgeleuchtet: Ökologie, Nachhaltigkeit und Klimawandel. Noch sieht er aber eine Chance für seine Partei, wenn sie die „sozial-ökologische Transformation der Gesellschaft formuliert und gestaltet“. Nur auf „Debattencamps und Kommissionen“ hat er keine Lust mehr.
Gut eine Million Menschen hat nach den Angaben der Veranstalter den Karneval der Kulturen am Wochenende besucht. Höhepunkt war die Parade, die dieses Mal ganz nachhaltig und abgasfrei mit Lastenrädern, Rikschas und Bollerwagen lief (hier der Live-Blog zum Nachlesen). Ob es außer mit der Abgas- auch mit der geplanten Müllvermeidung geklappt hat, wird sich zeigen. Am Montagabend hatten die Veranstalter noch keinen Überblick. Allerdings sah es am Sonntag entlang der Paradestrecke zeitweise eher nach mehr weg denn nach Mehrweg aus. So war der Karneval nicht nur eine Demonstration für eine offene Gesellschaft, sondern auch für offene Läden: Vermutlich hätte der eine oder andere sein Leergut auch lieber im Supermarkt statt im Rinnstein gelassen. Nächsten Sonntag gehen jedenfalls schon mal die Inhaber von Spätverkaufsstellen und Mini-Märkten auf die Straße (laut „Berliner Zeitung), um für die uneingeschränkte Sonntag-Öffnung zu demonstrieren. Parallel dazu läuft eine Onlinepetition, die aber nicht einer der 2500 Ladenbesitzer gestartet hat, sondern ein Anwohner in Prenzlauer Berg.
Berliner Schnuppen
Telegramm
Sie galten als die „roten Nazis“ von Neukölln, bedrohten Linke, hetzten gegen Juden: die Mitglieder des „Jugendwiderstandes“. Jetzt hat der Schlägertrupp, laut Senat eine der aggressivsten linksextremen Gruppierungen, seine Auflösung bekannt gegeben – „nach fast fünf Jahren intensiver antiimperialistischer und revolutionärer Jugendarbeit“, wie es auf Facebook heißt. Der Spaß an Mao Mao ist der Gang wohl vergangen.
Das Kunsthaus Tacheles ist schon lange in die ewigen Jagdgründe der Alternativkultur eingegangen. Jetzt gibt es andernorts neue, ähnliche Pläne. Eine Initiative will laut „Berliner Zeitung“ das Tempelhofer Flughafengebäude für gemeinnützige Zwecke öffnen. Einen Anfang will „THF:Next“ in einem der Torgebäude machen, wo Dienstagnachmittag ein Zukunftsworkshop läuft. Denn zu 70 Prozent herrscht große Leere in dem ab 1936 entstandenen Gebäude. Nach der Fertigstellung 1941 war es das größte der Welt – bis zwei Jahre später das Pentagon öffnete.
Berlins Polizei hat so ihre Schwierigkeiten mit der Bewaffnung. Zweimal musste der Hersteller neuer Pistolen schon nachbessern. Allerdings hat die Pressemitteilung mit dem Titel: „Dienstwaffe versucht zu entreißen“ nichts mit Büchsen zu tun die ausbüxen wollen. Vielmehr geht es um einen Einsatz in Neukölln am Wochenende, bei dem sich eine Frau der Waffe eines Beamten bemächtigen wollte. Die Angreiferin konnte überwältigt werden.
Endgültig unter Kontrolle ist auch der Waldbrand bei Jüterbog. „Feuer gelöscht,“ hieß es am Montagabend. 750 Hektar Forstsind zerstört.
Von Rauchfahnen zu Regenbogenfahnen. Laut „Washington Post“ will die US-Regierung unterbinden, dass diplomatische Vertretungen das Symbol der Homosexuellenbewegung anlässlich des „Gay Pride Month“ (läuft gerade) hissen. Wie „NBC News“ berichtet, sei sogar eine Anfrage der Berliner US-Botschaft abgewiesen worden, die von Trump-Fan Richard Grenell geleitet wird. Der Botschafter, der offen schwul lebt, will die Flagge dennoch hissen und ein Banner aufhängen. Gestern Nacht hingen dort zwar gestreifte Flaggen, aber eindeutig keine in Regenbogenfarben.
„Aus gegebenem Anlass: Christian Ströbele versendet keine Autogramme. Er hat auch keine Autogrammkarten. Bitte sparen Sie sich die Briefmarken.“ So steht es auf der Hompepage des Ur-Grünen, der dieser Tage 80 Jahre alt geworden ist. Konsequent war er ja schon immer – und eine eigene Marke.
Die BVG hat schicke neue Elektrobusse, doch die entpuppen sich als Halbtagskräfte. Wie die „Berliner Morgenpost“ schreibt, müssten sie zur Mittagszeit schon wieder an die Ladestation, während Dieselbusse den Job übernehmen.
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Wenn es woanders machbar ist, machen wir es doch hier einfach noch besser.
Ferienzeit, Berlin strömt in die Welt hinaus – und staunt manchmal nicht schlecht. Es gibt Dinge, die funktionieren woanders offenbar einfach besser. Da kann man neidisch sein oder es einfach nachmachen. Wir müssen das Rad gar nicht neu erfinden, nur unsere Stadt.
Dieses Jahr soll es noch fast 19 Kilometer neuer Busspuren geben, unter anderem auf Ku‘damm, Schlossstraße, Sonnenallee und Otto-Suhr-Allee. Das berichtet die „B.Z.“. Die Spuren gelten rund um die Uhr. Radler dürfen auch rauf.
Mit ganz anderen Strichen hatte sich jetzt der Senat zu befassen. Der CDU-Abgeordnete Hans-Christian Hausmann wollte via parlamentarische Anfrage klären lassen, ob „Groß-Ziethener Chaussee“ (ein Bindestrich) oder Groß-Ziethener-Chaussee“ (zwei Striche) richtig ist. Beide Varianten gebe es auf Straßenschildern am U-Bahnhof Rudow. Der Senat, da offenbar weder kundig noch zuständig, fragte im Bezirksamt nach, und das erklärte nun die Ein-Strich-Variante für gültig. Eine Abfrage auf kauperts.de, dem quasi offiziellen Straßenführer Berlin, hätte die Frage übrigens in einer Sekunde geklärt.
Gottesdienste auf dem Wasser sind Berlin nichts Ungewöhnliches, im Wasser wohl schon eher. Am 23. Juni laden drei Gemeinden zum gemeinsamen Gottesdienst am und im Glienicker See ein. Drei Pfarrer machen sich dabei buchstäblich nass; im vorigen Jahr erlebten das fast 300 Besucher. Was hinter der Aktion steckt, verrät Tagesspiegel-Kollege André Görke in seinem heute erscheinenden „Leute“-Newsletter aus Spandau (am besten noch schnell unter diesem Link kostenlos bestellen). Außerdem erscheinen noch vier weitere Newsletter, in denen es unter anderem um Schulwegsicherheit geht.
Schon lange nichts mehr über „Amt, aber glücklich“ gelesen? Hier eine Geschichte aus dem Bürgeramt Schöneberg, präsentiert von CP-Leser Franz Frowein. Dessen nunmehr zwölfjähriger Sohnemann braucht dringend einen Reisepass, bekommt am vorigen Freitag sogar einen Termin, hätte aber dreieinhalb Stunden warten müssen. Das Abschluss-Schwimmen mit der Schulklasse wäre damit ins Wasser gefallen. Der Vater schildert das Problem, bittet um eine Alternative und beinahe schneller als ein Kopfsprung war alles erledigt. Was bleibt? Ein „Danke, Frau Danisa!“
Über den Flughafen Tegel ist in den letzten Tagen wieder viel geschimpft worden. CP-Leserin Kristiane Jansen kann nach all den schlechten nun mal eine gute Geschichte erzählen: „Pfingstmontagnachmittag, Easyjet aus Catania landet pünktlich um 16.35 Uhr, Gangway und Bus sind da. Um 17.05 Uhr sitzen wir mit Gepäck und Sperrgepäck im nicht eigens bestellten Taxi. So kann es auch gehen! TXL aber glücklich!“
Die Gaudi von Barcelona, die Sagrada Familia, war 137 Jahre lang ein Schwarzbau. Erst jetzt gab es die Baugenehmigung für die Basilika, nachdem der Stadtverwaltung aufgefallen war, dass die Unterlage fehlte (Pointen zu einer BERliner Langzeitbaustelle bitte selbst ausdenken).
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Wussten Sie, dass in Spandau alle drei Teile von ,Herr der Ringe‘ gedreht worden sind? Die Produktionsfirma hat ein Heidengeld gespart, weil man die Leute ja hier nicht mal schminken lassen musste.“
Komiker Kurt Krömer in einem RBB-Spot
Zitat
„Sie sind gespalten in Grüne Nord und Grüne Süd, wie Aldi. Die Nordgrünen, Robert Habeck, Annalena Baerbock, gute Laune, Smoothie, Bio, Hoodie, täglich ein Zitat aus ,Kant für Gestresste‘. Grüne Süd: Palmer, Kretschmann, konservativ, Sheriff spielen und Internetseiten nach Hautfarben sortieren.“
Kabarettist Florian Schroeder im Tagesspiegel-Interview (gemeinsam mit Peer Steinbrück)
Tweet des Tages
Dialog in einem BVG-Bus: „Fahren Sie zur Richard-Wagner-Straße?“ „Nee, aber ich kann die Richard-Strauss-Straße anbieten.“ „Na, den meinte ich doch!“ „Sie wissen aber schon, dass die Herren musikalisch Welten trennen?“ Bildung, so wichtig!
Stadtleben
Essen – Hinter dem enigmatisch-vielversprechenden Namen Smartdeli Sushi & More verbirgt sich natürlich zunächst mal ein großartiges kleines japanisches Restaurant, das zwischen durchaus traditioneller Küche und modernem Tokio-Pop-Interieur samt original japanischem High-Tech-WC oszilliert. Man könnte sich damit als „& More“ durchaus zufriedengeben, tut man aber nicht. Stattdessen befindet sich im Eingangsbereich noch der Geschäftszweig Tante-Emma-Laden, natürlich mit japanischen Utensilien. Das Personal spricht weniger Deutsch, dafür Englisch und richtig gut Japanisch und die frischen Speisen machen richtig Sommer. Mo-Sa 12-22 Uhr, Novalisstraße 2, U-Bhf Oranienburger Tor
Trinken – Eine scheinbar freundschaftliche Nähe zu lokalen Bands und eine Getränkekarte mit lokalen Herstellernamen wie Proviant oder Ingwerer (siehe Geschenk) zu unauffälligen Preisen, urgemütlichste Atmosphäre, gute Musik und unterhaltsame Barkeeper von Welt – was will man mehr? Na eine Adresse! Bitteschön: Anna Hirsch, Torstraße 221, U-Bhf Oranienburger Tor. Di-Sa ab 19 Uhr
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Wie groß ist der Druck auf die Klimaforschung und andere Wissenschaften?
Diskutieren Sie mit am 11.6.2019 um 19.00 Uhr im Tagesspiegel-Haus.
Hier kostenfrei anmelden
Eine Veranstaltung der Reihe
Max-Planck-Forum Spezial
anlässlich 70 Jahre Grundgesetz – 70 Jahre Wissenschaftsfreiheit
Ruhe vom Berlinbesuch hat, wer ihn heute dicht an dichtende Dichterlippen hängt – und sich selbst gleich mit, denn dann hat man auch vor sich selbst Ruhe. Dass das auch per Erlass geht, versteht sich von selbst: Dichtung stammt nämlich nicht vom Dichtungsring ab sondern vom lateinischen Dictum, „Aussage“, aber eben auch „Befehl“. Poets' Corner steht (eigentlich für etwas Anderes) heute für eine Vielzahl in verschiedenen Bezirken stattfindende Lesungen mit Bezirksdichtung. Auch wenn es unmöglich sein dürfte, es rechtzeitig zu allen Veranstaltungen zu schaffen, auch der Vergleich ausgewählter Bezirke bringt einem die Stadt sicher etwas näher. Zum Programm geht's hier entlang.
Geschenk – Wer auf dem Weg zu Freunden nie wieder in letzter Minute vor dem Weinregal verzweifeln will, steige doch einfach auf den Ingwerer um: Der wunderbar zimtige Likör auf Ingwerbasis findet nicht nur in der Barwelt Berlins zunehmende Verbreitung, sondern erfreut sich eben auch als besonderer Geschenktropfen wachsender Beliebtheit. Und das gerade im Sommer: Von der scharf zimtigen Note sollte man sich keineswegs abschrecken lassen, das Ganze ist richtig erfrischend. In Maßen versteht sich. Und richtig Berlinerisch ist es auch: Herstellung, Vertrieb, Webshop – alles in der Weddinger Pankstraße mit Wurzeln in Bern.
Last-Minute-Tickets – Hošek Contemporary, der Name ist Programm. Contemporary, Englisch für das Zeitgenössische. Und Hošek: In Wahrheit ein Nachname, aber wer weiß das schon auf Anhieb? Es könnte sich ebenso gut um einen Begriff handeln, den man einfach nicht versteht, so wie man das wirklich Neue und Zeitgenössische prinzipiell nicht verstehen kann. Weshalb es ja überhaupt interessant ist. Heutiges Programm: Ein Stück für Violine solo von Rebecca Saunders, gefolgt von einer Improvisation mit fünf Streichern, die wieder in ein Stück für Violine solo von Haukur Þór Harðarson übergehen. Eintritt auf freiwilliger Basis zwischen 5 und 10 Euro, Einlass 19 Uhr – obligatorische Platzreservierungen unter info@hosekcontemporary.com. Die Adresse lautet MS Heimatland (ja, es handelt sich um einen echten Frachtkahn) nahe Fischerinsel 3
Noch hingehen – Erinnert sich jemand noch an die Porzellan-Dalmatiner, die in den Achtzigern in waren? Oder Goldringe „für ihn“ mit Löwenkopfmotiv und rubinbesetzten Augen? Ganz neu war die Ästhetik dahinter schon damals nicht, sondern ein verkitschtes Echo des Exotismus der vorletzten Jahrhundertwende. Die Begeisterung für alles Fremde und Ferne saß nahe den Wurzeln von Jugendstil und Art déco. Nachvollziehbar etwa in den Bildern und Designs von Ilna Ewers im Bröhan Museum. Wunderwald – Wiederentdeckung einer Jugendstil-Ikone, nur noch bis 16. Juni in der Schloßstraße 1a nahe S-Bhf Westend. Di-So von 10-18 Uhr, Eintritt 8/ 5 Euro
Mit diesem Stadtleben wünscht Ihnen Thomas Wochnik einen schönen Tag.
Prominent verraten
„Der Fernsehturm ist für mich ein Zeichen für Heimat. Der Turm – und der Geruch der U-Bahn“, sagt der diese Woche gesuchte Berliner, der 1991 im Charité-Klinikum geboren wurde.
Bekannte Berliner fotografieren für uns eine Woche lang täglich Ausschnitte aus ihrem Leben. Die Auflösung kommt immer freitags - mit einem Selfie.
Berlin heute
Verkehr – Für Berliner 5x5-km Staffellauf ist ab 18 Uhr bis vsl. Samstag, 9 Uhr die John-Foster-Dulles-Allee in Tiergarten zwischen Großer Querallee und Spreeweg gesperrt. Ebenfalls in Tiergarten steht auf der Kurfürstenstraße ab 8 Uhr bis ca. Mitte August in Richtung Potsdamer Straße zwischen Landgrafenstraße und An der Urania nur ein Fahrstreifen zur Verfügung. Auch auf der Straße Alt-Moabit ist ab 8 Uhr in Richtung Moltkestraße vor der Wilsnacker Straße bis Ende Juni nur eine Spur frei.Die Schulzendorfer Straße (Gesundbrunnen) ist bis Ende Juli zwischen Kunkelstraße und Neue Hochstraße gesperrt, der Fuß- und Radverkehr ist davon nicht betroffen. In Reinickendorf ist auf der Lindauer Straße in Richtung Waldstraße zwischen Ragazer Straße und Walliser Straße zwischen 9 und 18 Uhr nur ein Fahrstreifen frei. Rund um dieMercedes-Benz-Arena kann es ab 17.30 Uhr zu Staus kommen, ebenso im Bereich der Zitadelle Spandau.
Gericht – Gegen sechs Männer beginnt der Prozess wegen Drogenhandels im großen Stil. Drei der 24- bis 29-Jährigen sollen zehn Wochen lang täglich Kokain verkauft und als Bande agiert haben (9.30 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal 621).
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Pascal Andres (26), Kino-, Fernseh- und Theaterschauspieler / Marianne Burkert-Eulitz (47), für die Grünen im AGH / Joy Denalane (46), Soulsängerin / Peter Eigen (81), Jurist und Gründer von Transparency International / Paul Kalkbrenner (42), Techno-Musiker / Anne Kasprik (56), Schauspielerin / Günther von Lojewski (84), Journalist / Claudius Seidl (60), Publizist und Filmkritiker
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Prof. Dr. Peter Furth, * 25. Juli 1930 / Monika Patzke, * 15. Januar 1946 / Rosemarie Rohr, * 13. Juni 1926
Stolperstein – Amalie Ritterband, geb. Kamnitzer, (Jhg. 1877) lebte bis etwa 1940 in der Konstanzer Straße 3 in Wilmersdorf. Nach dem Tod ihres Mannes Samuel und der Emigration von Tochter Susanne nach Palästina war sie gezwungen, in die Jenaer Straße 22 zu ziehen. Am 11. August 1942 wurde sie ab Anhalter Bahnhof nach Teresienstadt deportiert und zwei Jahre später, heute vor 75 Jahren, ermordet.
Im Tagesspiegel
Er will versöhnen, Verbrechen aufklären. Für viele Landsleute ist Bekim Blakaj deshalb ein Verräter. Auch nach 20 Jahren Kfor-Mission ist die Lage in Kosovo noch angespannt. Die Nato-Truppen sollen im Land bleiben – damit Wut nicht wieder in Gewalt umschlägt. Lesen Sie die Reportage von Hannes Heine heute auf Seite 3 im Tagesspiegel und im E-Paper.
Encore
Vorige Woche gab’s an dieser Stelle ja schon mal Enten-Content (Rettung von Küken durch die Feuerwehr). Heute folgt die nächste Folge, obwohl es eigentlich mehr um Enter- denn Enten-tainment geht. Denn gestern wäre der größte Berliner Alleinunterhalter nach Klaus Wowereit 90 Jahre alte geworden: Harald Juhnke. Lebensältere erinnern sich bestimmt noch an das Juhnke-Plakat mit der Peking-Ente, das ewig in der City West für ein China-Restaurant warb. Seither ist Harald (gestorben 2005) aber aus dem Straßenbild verschwunden. Kein Weg oder Steg ist nach ihm benannt: „Trotz aller Leistung wird er eben doch auch mit den negativen Folgen des Alkoholismus in Verbindung gebracht“, sagte vor Jahren mal ein Bezirkspolitiker. Mit gewissen negativen Folgen ist allerdings auch das Wirken Paul von Hindenburgs verbunden. Die Straße in Lichterfelde, die nach dem Reichspräsidenten benannt ist, der 1933 einen gewissen „österreichischen Gefreiten“ zum Reichskanzler machte, soll nun zumindest erläuternde Schilder erhalten. Da sage noch einer, Berlin habe kein Herz für Persönlichkeiten mit ambivalenter Biografie.
Hoffentlich haben Sie heute wenig ambivalente Erlebnisse. Morgen begrüßt Sie hier wieder meine Kollegin Ann-Kathrin Hipp.
Bis bald