Washington. Was für eine Nacht. Trump-Anhänger stürmen das Kapitol, vier Menschen sterben, der Mob wird angeheizt vom Präsidenten selbst. Polizisten und Putschisten stehen sich bewaffnet im Plenarsaal gegenüber, das Herz der amerikanischen Demokratie wird überrannt.
Während Schwarze Menschen bei Verkehrskontrollen fürchten müssen, erschossen zu werden, schießen die weißen Trumpisten im Kongress Selfies mit Polizisten und entwenden grinsend das Inventar des Hauses als Trophäen dessen, was sich letztlich als Dilettanten-Aufstand herausstellt.
Schockierend ist die Gelassenheit anzusehen, mit der sich die Männer im Parlament bewegen. Schockierend sind die Worte der GOP-Abgeordneten, die (angeblich) entsetzt sind, und deren Opportunismus genauso schuldig an der Revolte ist wie der scheidende Präsident selbst.
Nein, es ist nicht nur sein Werk. CNN-Moderator Van Jones fragte irgendwann: „Ist das hier das Ende von etwas oder der Anfang?“ Diese Frage bleibt – auch für Deutschland.
Wir berichten im Liveblog von den Vorgängen in Washington, dort können Sie die dramatischen Ereignisse der Nacht (MEZ) detailliert nachlesen. Unsere Korrespondentin Juliane Schäuble ist für Sie in den USA vor Ort.
Zurück nach Berlin, zurück in den Alltag der Pandemie. „So ein Abenteuer will ja im Moment auch kein Ministerpräsident eingehen, dass alle Erfolge, die wir uns mühsam erarbeitet haben in den letzten Wochen, wieder in Frage gestellt werden durch ein zu frühes Öffnen der Schulen.“ Das hat Michael Müller, der ja auch im Roten Rathaus regiert, am Dienstag im ZDF gesagt.
Am Mittwochmorgen sagte er in der ARD: „Unsere Zahlen geben das noch nicht her, dass wir wieder in den Präsenzunterricht gehen können.“ Nur wenige Stunden später waren die Aussagen… anscheinend vergessen. Was sein Senat am frühen Nachmittag beschloss, klingt wie das Gegenteil seiner Worte: Schon ab kommendem Montag (11. Januar) soll der Präsenzunterricht stufenweise wieder beginnen.
Bildungssenatorin Sandra Scheeres hatte in der Senatssitzung nach Checkpoint-Informationen vier Öffnungsmodelle vorgelegt. Zwei sahen sogar eine nahezu komplette Öffnung der Schulen ab Montag vor: Nach dem Ersten sollten ab Montag alle 330.000 Schüler im Wechselunterricht (halbe Klassen) beschult werden.
Das zweite sah vor, alle Grundschüler und alle Abschlussklassen (alle außer 7. und 8. Klasse) ab Montag in den Klassen zu beschulen. Ein viertes sah vor, die Schulen bis nach den Winterferien geschlossen zu halten – nur Abschlussklassen sollten im Klassenraum sitzen. Entschieden hat sich der Senat für folgendes Stufenmodell:
+ Ab Montag ist für „abschlussrelevante Jahrgänge“ Wechselunterricht geplant. Die Lerngruppen sollen maximal halb so groß sein wie üblich. Das gilt für die Stufen 10, 11 und 12 an Gymnasien und 9, 10, 12, 13 an Integrierten Sekundarschulen. Prüfungen finden statt.
+ Ab 18. Januar soll es in den Klassen 1 bis 3 mindestens drei Stunden täglich Unterricht in der Schule geben. Auch mehr als drei Stunden wären möglich.
+ Ab 25. Januar sollen die Klassen 4 bis 6 dazukommen, im gleichen Modell wie die Klassen 1 bis 3.
+ Ab 8. Februar – nach den Winterferien – gilt für alle Schularten und Jahrgänge Präsenzunterricht in mindestens halber Lerngruppenstärke.
Berlin öffnet seine Schulen nach und nach – unabhängig von der Inzidenz, im Unwissen über die englische Virusmutation, die aufs europäische Festland schwappt. Kultursenator Klaus Lederer (Linke) selbst erinnerte nach der Senatssitzung daran, dass erst ab dem 17. Januar feststehe, wie sich die Feiertage auf das Infektionsgeschehen ausgewirkt haben.
SPD-Bildungspolitikerin Maja Lasić verteidigte am Abend den Beschluss: „Wir befinden uns permanent in einer Güterabwägung und rufen massiven Widerstand hervor, egal, was wir entscheiden. Die Abwesenheit von Präsenz hat grobe Nachteile für die Schüler im Sozialen und beim Lernen. Daher ist es nur konsequent, dass Schulen als erste mit einer Teilöffnung bedacht werden“, sagte sie dem Checkpoint.
Lasić räumt Probleme mit der Lernplattform „Lernraum Berlin“ ein, das dürfe nicht wieder passieren, klar, das digitale Versagen sei aber nicht der Grund für die Öffnung der Schulen: „Keine Digitalisierungsoffensive dieser Welt ersetzt die menschliche Erreichbarkeit der Schülerinnen und Schüler – gerade bei Kindern mit besonderem Unterstützungsbedarf.“

In Berlin geht Eindämmung jetzt so: Während die privaten Kontakte auf eine Person reduziert werden sollen, essen Schulkinder ab Montag wieder gemeinsam Mittag. Der „Interessenverband der Berliner Schulleitungen“ und auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) unterstützen den Senat zwar, der Landeselternausschuss hält die Entscheidung aber für „sehr widersprüchlich“.
Lehrer, Eltern und Schulleiter reagierten teils entsetzt, berichtet meine Kollegin Susanne Vieth-Entus. Jens Finger ist Schulleiter der Hans-Litten-Schule in Charlottenburg, ein Oberstufenzentrum mit mehr als 2000 Schülern. Seine Eindrücke hat er aufgeschrieben:
„Unter die Formulierung ‚abschlussrelevante Klassen‘ fallen in unseren Schulen so gut wie alle Klassen. Somit würden die größten Schulen des Landes Berlin mit größtenteils jungen Erwachsenen Schüler*innen ab kommenden Montag in den Präsenzunterricht zurückkehren. Zu einem Zeitpunkt, an dem überhaupt noch nicht klar ist, wie viel Menschen sich über die Festtage und Silvester mit dem Virus infiziert haben.
Abenteuerlich ist auch die Vorstellung, dass der Schulalltag nur aus Unterricht besteht. Es mag überraschen, aber es gibt viele und lange Pausen. Gerade die älteren Schüler*innen treibt es dann raus vor die Schulen, um die Nikotinsucht zu befriedigen oder einfach mit Freunden oder Klassenkameraden ‚abzuhängen‘. Vor der Schule ist einfach cooler als auf dem Schulhof.
Da wird sich vor die Füße gespuckt, aus einer Flasche getrunken, miteinander gelacht, sich gegenseitig der Rauch ins Gesicht gepustet, sich angeschrien, miteinander gerangelt.
Die heute getroffenen Entscheidung wurde aus meiner Sicht völlig übereilt getroffen. Allen Warnungen und Ermahnungen zum Trotz wird ohne Not die Gesundheit und im schlimmsten Fall das Leben von Beteiligten am Schulleben und deren Familien riskiert.“
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gruene-bundestag.de
Je eindringlicher die Appelle der Betroffenen, umso ratloser wirkt die Politik. „Ich sehe ein bisschen mit Sorge, wie im Moment die Situation in Berlin auf den Straßen ist“, sagte Michael Müller in der gleichen Pressekonferenz, in der er selbst die Öffnung der Schulen verkündete, die er Stunden zuvor ausgeschlossen hatte.
„Beim ersten Lockdown sind wir raus gegangen und es war völlige Stille. Die Menschen haben den Grundsatz ‚Stay Home‘ wirklich ernst genommen.“ Müller mag recht mit seiner Analyse haben, dass die Pandemie-Müdigkeit der Menschen wächst.
Etwa halb so viele Fahrgäste wie vor Corona verzeichnet die BVG derzeit – im März waren es nur 25 Prozent. Dass der Grundsatz „Stay Home“ nicht ernst genommen würde, muss sich für viele aber wie eine krachende Watschn gegen das eh dahinbröselnde Durchhaltvermögen anfühlen.
Wer kann es sich erlauben, dauerhaft zu Hause zu bleiben, wenn die Kitas offen sind, die Schulen nur für verlängerte Weihnachtsferien geschlossen und es noch immer kein Recht auf Homeoffice gibt?
Wer kann Vereinzelung psychisch durchhalten, wenn politisch verordnet alles so normal wie möglich laufen soll? Von der Automobilproduktion bis zum Weihnachtsfest?
„Alle Umfragen seit Beginn der Pandemie zeigen, dass die Bereitschaft der Mehrheit, sich einzuschränken, viel größer war, als die lautstarken Skeptiker suggerierten. Aber wenn die Politik den Leuten nicht traut, traut sie sich selbst nichts mehr zu und dann, erst dann, verlieren die Leute auch ihr Vertrauen in die Politik. Eine Ansteckungskette, die verhängnisvoll ist“, kommentiert Lorenz Maroldt heute im Tagesspiegel-Leitartikel (im E-Paper oder am Kiosk).
Ding-Dong, Wahlkampf! Erst am Dienstag hatte sich die rot-rot-grüne Koalition nach langem Ringen der parlamentarischen Geschäftsführer auf einen gemeinsamen Antrag geeinigt, der a) eine Vergesellschaftung der Impflizenzen fordert (SPD und Linke) und b) eine bundesweite Schnelltest-Strategie (Grüne).
Heute soll das Papier im Abgeordnetenhaus beschlossen werden. Die Grünen hatten schon vorher ausrichten lassen, diesem Kompromiss nur mit „Bauchschmerzen“ zuzustimmen. In der „Morgenpost“ setzte Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) jetzt noch einen drauf.
Dort machte sie klar, was sie von der Forderung nach einer Freigabe der Impflizenzen hält: „Das ist kein Apfelkuchenrezept, das man einfach weitergeben kann. Entweder verstehen manche zu wenig von der Materie oder machen schon Wahlkampf. Beides finde ich befremdlich.“ So weit, so deutlich.
Nicht einmal bei den Grünen waren alle begeistert über Pops offene Worte, der Vergesellschaftungs-Appell an Jens Spahn wäre doch ohnehin im politischen Nirvana verschwunden, so hoffte man.
SPD-Fraktionschef Raed Saleh sagte dem Checkpoint am Abend: „Anders als ihre Fraktion hat Frau Pop offenbar nicht den Ernst der Lage verstanden. Es ist nicht die Zeit für Wortspielchen. Es geht nicht um Apfelkuchenrezepte, es geht um Menschenleben. Wir müssen impfen, was das Zeug hält.
Das Einzige, was ich von der Wirtschaftssenatorin hören will, sind gute Konzepte und Ideen, wie wir aus dieser dramatischen Krise wieder herauskommen – gerade auch wirtschaftlich.“
Falls Rot-Rot-Grün noch daran gedacht haben sollte, die Erhitzung des Koalitionsklimas auf maximal zwei Grad zu beschränken: Die Kipppunkte sind erreicht.
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Apropos Wahlkampf: Die Berliner CDU geht mit vollen Kassen in das Wahljahr. 800.000 Euro hat der Immobilienunternehmer Christoph Gröner der Partei von Spitzenkandidat Kai Wegner im vergangenen Jahr überwiesen.
Zwei Spenden von 300.000 Euro im März und 500.000 Euro Ende Dezember waren die höchsten Parteispenden des Jahres in Deutschland. Stefan Evers, Generalsekretär der Berliner CDU, sagte der „Morgenpost“ dazu: „Wir freuen uns über die großzügige Unterstützung.“
Das zeige, wie sehr Christoph Gröner Berlin am Herzen liege. Der renommierte Berliner Staatsrechtler Ulrich Battis zweifelt dagegen daran, ob die CDU gut beraten war, diese Spenden anzunehmen.
Battis sagte dem Checkpoint jetzt: „Wenn ein Landesverband einer Partei von einem Immobilienunternehmer 800.000 Euro für Fragen der Baupolitik erhält, muss er damit rechnen, dies von der Konkurrenz und der Presse vorgehalten zu bekommen. Das höchste Gut der Politik ist die Glaubwürdigkeit und die leidet.“
Berliner Schnuppen
Telegramm
Berlins Pop-Up-Radwege dürfen bleiben. Damit hob das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg am Mittwoch einen Beschluss des Berliner Verwaltungsgerichts vom 4. September auf.
Die Verkehrsverwaltung von Regine Günther (Grüne) hatte für die neuen Radstreifen nicht ausreichend eine notwendige Gefahrenlage dargelegt. Das wurde jetzt im zweiten Versuch erfolgreich nachgeholt. 25,46 Rad-Kilometer sind jetzt ein Berliner!
Herausragende Nachrichten an der Impffront: Die EU-Kommission genehmigte das Moderna-Präparat. Es ist nicht so ein Temperatur-Sensibelchen wie der Biontech-Impfstoff und ähnlich wirksam. Deutschland erhält 50 Millionen Dosen – wenn nicht doch noch vergesellschaftet wird.
In Berlin sind mittlerweile 21.955 Menschen geimpft worden. Das sind sechs Impfungen pro 1000 Menschen, wie die Gesundheitsverwaltung verkündete. Berlin liegt damit leicht über dem Bundesschnitt von 4,4 Impfungen pro 1000 Menschen.
Morgen wird eine weitere Fuhre mit 30.000 Dosen des Vakzins erwartet. Ginge es in dem Tempo weiter, wird schon in 2497 Tagen die Herdenimmunität erreicht sein. Das haben die KollegInnen von „Funke“ ausgerechnet. Wir stellen unseren Count-up also (vorerst) auf den 09.11.2027.
Lorenz Maroldt hatte sich hier gestern den „Spandauer Rathausbrief“ angeschaut. Die SPD-Fraktion des Bezirks wirbt darin recht ungeniert für den SPD-Landesvorsitzenden Raed Saleh – obwohl das per Bezirksverwaltungsgesetz eher untersagt zu sein scheint.
Wie das Ganze finanziert wird, konnte die Fraktion auch heute noch nicht beantworten. Ein weiteres interessantes Detail: Laut des Impressums der Zeitung arbeitet auch der Mitarbeiter des Spandauer Bürgerbüros von Saleh in der Redaktion mit.
Spekulativer Leerstand oder Weihnachtswunder? Berlin hat am 23. Dezember 2020 erneut einen historischen Tiefstand bei der Gefängnisbelegung erreicht. In den Justizvollzugsanstalten saßen an diesem Tag nur 3219 Gefangene und damit noch weniger als während des ersten Lockdowns ein. Das erfuhr der Checkpoint aus der Justizverwaltung.
Das liegt wohl vor allem daran, dass Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) wie im Frühjahr die Ersatzfreiheitsstrafe ausgesetzt hatte. Das wurde jetzt bis zum 4. März verlängert. Schwarzfahrer, die ihre Bußgelder bislang nicht zahlen konnten (oder wollten), haben jetzt noch knapp acht Wochen Zeit, ihre Schulden zu zahlen – ansonsten wird die Haft vollzogen.
Justiz II: Der älteste Sicherungsverwahrte Berlins ist nach Checkpoint-Informationen gestorben. Der 87-Jährige wurde am Mittwochmorgen nach dem Aufschluss tot in seiner Zelle in der JVA Tegel gefunden.
Es wird von einer natürlichen Todesursache ausgegangen, ein Todesermittlungsverfahren läuft, bestätigte Sebastian Brux, Sprecher der Justizverwaltung. Der Mann saß seit 2015 in der Sicherungsverwahrung. Der neue Dienstälteste dort ist 85 Jahre alt. Er sitzt seit 52 Jahren im Gefängnis.
Themenwechsel: Die CDU rüstet auch personell für den Kampf ums Rote Rathaus: Thorsten Schatz (37) arbeitet seit dem 1. Januar als Teamleiter Kommunikation und Kampagne der CDU Berlin. Er wird in dieser Funktion die Wahlkampagne leiten und spricht für Spitzenkandidat Kai Wegner.
Zuvor arbeitete Schatz als persönlicher Referent und Sprecher Wegners im Deutschen Bundestag. Wir freuen uns auf einen spannenden Wahlkampf!
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Punk ist tot! Beweise? Selbst Friedrichshain-Kreuzberg erstrahlt jetzt in neuem Gewand. Berlins emsige Stadtbewahrer fürchten bei diesem Satz schon Schlimmstes… aber ganz ruhig: Luxussanierungen und Neubauprojekte sind nicht gemeint.
Der Bezirk hat sich nur ein frisches Logo mit passendem Kalenderspruch verpasst: „Gemeinsam anders” heißt das neue Motto. Der evangelische Kirchenkreis Xhain ärgert sich sicher linksgrün, nicht selbst drauf gekommen zu sein.
Hefte raus, Geschichtstest: Wann genau war nochmal das Datum der deutsch-deutschen Wiedervereinigung? Das ist das andere Wichtige, was nicht der Mauerfall ist. Wussten Sie nicht? Nicht schlimm (naja). Nächstes Mal dürfen Sie in ein Rateteam mit Thomas Gottschalk und Elyas M’Barek. Die wissen das nämlich auch nicht, hat meine Kollegin Anette Kögel festgestellt.
Forellenröllchen und Distelkuchen, kandierte Früchte, Konfekt und Marzipan – Speisen, inspiriert von Bartolomeo Scappi. Unter anderem bekochte der fünf Päpste zwischen 1534 und 1576. Ein halbes Jahrtausend später kocht die Berliner Gastronomin Birgitt Claus die Renaissance-Gerichte nach und serviert zu jedem Menü den passenden Podcast: das „hörMahl“. Forellenröllchen und Distelkuchen, mhhhhh.
Zitat
„Sie haben versucht, unsere Demokratie zu stören. Sie sind gescheitert.“
Der republikanische Mehrheitsführer im Senat, Mitch McConnell, nach der Attacke auf das Kapitol im Selbstgespräch.
Tweet des Tages
CNN: Twitter sperrt Trumps Account für die nächsten 12 Stunden
Stadtleben
Essen to go – Wer in den letzten Jahren auf einer Berliner Veranstaltung unterwegs war und plötzlich Eisbein-Hunger verspürte, ist sicherlich an Pannek seine Budike vorbeigeschlendert. Dank seines stadtbekannten Food-Trucks muss auch in diesen Tagen niemand auf die deftige „Berliner Feldküche“ von Thorsten Pannek verzichten, die er, coronakonform zum Mitnehmen, auf dem „Streetfood auf Achse“-Markt in der Kulturbrauerei am kommenden Wochenende anbietet. Sein heißer Tipp: Sous-vide gegarte Berliner Bier-Rippchen. Sa/So, 12-18 Uhr, Schönhauser Allee 36 (U-Bhf Eberswalder Straße)
Anschauen – Ob in Ausgehrobe oder Jogginghose – auch in diesem Monat ist der Dresscode für Kulturveranstaltungen flexibel, denn die meisten davon finden am Computer statt. So auch Malte Schlössers „Nicht-Theaterabend: „Es fällt mir immer so schwer, Orte zu verlassen, an denen ich noch nie war“, präsentiert von Berliner Theaterdiscounter. Da heißt es, „‚Liebe dich selbst‘ und ‚komm klar‘ sind zeitgenössische Befehle, die wir versuchen mit unserem Leben zu füllen, indem wir permanent zeigen, wie kreativ wir klarkommen, und damit die ausschließende Ordnung weiter verfestigen.“ Hilft toll dabei, die virtuelle Yoga-Stunde morgen getrost ausfallen zu lassen (5 Euro Leihgebühr für 24 Stunden).
Geschenk – Schon mal Popcorn mit Einhorngeschmack probiert? Geht leider nur virtuell, dafür aber mit Karma-Zuschuss: 36 Berliner Programmkinos haben die Aktion Fortsetzung folgt zur Rettung unserer Kinolandschaft wiederbelebt. Bis zum 11. Februar können Sie auf startnext spenden – und so die Kinos über Wasser halten, damit die 78 Leinwände auch nach der Pandemie weiterflackern können. Ein Geschenk für Berlin.
Letzte Runde – Te An Nguyen, Mitinhaber des Schöneberger Cocktail-Bistros Bonvivant, steht derzeit seinem Team zur Seite, kocht Sirupe, bereitet Kräuter-Infusionen oder Milchfiltrationen zu. Und langweilt sich auch sonst mitnichten, da er nach den letzten Jahren des Bar(be)treibens nun wieder Zeit für Sport hat: „Ich strahle jedes Mal, wenn ich den Basketball in der Hand habe. Selbst wenn ich die meiste Zeit alleine bei Regen und Schnee spiele.“ Zum Heim-Mixen empfiehlt er einen alkoholfreien „Applelade“: 75 ml Apfelsaft werden mit 60 ml Kokosmilch, 15 ml Orgeat und 15 ml Zitronensaft kräftig geschüttelt und über Eis abgeseiht; so werfen sich die Körbe wie von selbst.
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Grübelstoff – Wie viele Spätkaufs befinden sich wohl in Ihrem Radius von 15 Kilometern und was zeichnet Ihren liebsten Späti darunter aus?
Berlin heute
Verkehr – Bahnhofstraße (Blankenburg): Von ca. 11 Uhr an bis Ende März steht in beiden Richtungen auf Höhe Schäferstege abwechselnd nur ein Fahrstreifen zur Verfügung. Eine Baustellenampel regelt den Verkehr.
Finckensteinallee (Lichterfelde): Von ca. 8 Uhr an bis Ende August ist die Straße in beiden Richtungen zwischen Potsdamer Straße und Theklastraße gesperrt. Der Fuß- und Radverkehr kann die Baustelle passieren. Eine Umleitung ist ausgeschildert.
Luisenstraße (Mitte): Zwischen 13.30 und 18 Uhr zwischen Reinhardtstraße und Marienstraße in beiden Richtungen gesperrt.
Demonstration – Vor der Landesvertretung Sachsen-Anhalt in der Luisenstraße 18 erinnern heute etwa 100 Menschen von 14 bis 18 Uhr unter dem Motto „Gedenken an Oury Jalloh“ an den 2005 in Polizeigewahrsam in Dessau verstorbenen Sierra-Leoner. Am Pariser Platz will das Bündnis „Free Assange“ vor der Vertretung der USA von 18 bis 20 Uhr mit ca. 40 Teilnehmenden für „Freiheit für Julian Assange – Pressefreiheit, Meinungsfreiheit, Grundlage von Demokratie und Frieden“ demonstrieren.
Gericht – Weil er auf drei Personen geschossen haben soll, die ihn in Wedding verfolgt hätten, muss sich ein 35-Jähriger wegen versuchten Totschlags verantworten. Die Schüsse auf offener Straße hätten die Verfolger verfehlt. Hintergrund seien Streitigkeiten im Drogenmilieu gewesen (13 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Saal 700).
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Jean-Marc Birkholz (47), Schauspieler / Johannes Brandrup (54), Schauspieler / Tanju Çalıkıran (44), Rapper und Fernsehdarsteller / Leonard Lansink (65), Schauspieler / Jan Lehmann (34), „Wir drücken ihn virtuell und gratulieren herzlich. Die Schippers“ / „Liebe Mona, herzlichen Glückwunsch zum 28. Geburtstag!! GRATTIS! Bleib gesund und zuversichtig. Ganz liebe Grüße von deinen Eltern aus Schweden.“ / Uwe Ochsenknecht (65), Schauspieler und Sänger / Karl-Heinz Petzinka (65), Architekt / Max Riemelt (37), Schauspieler / Helga Schubert (81), Schriftstellerin und Dipl-Psychologin / Marlies Wanjura (76), ehem. Bezirksbürgermeisterin von Reinickendorf (1995-2009)
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Wolfram Erber, * 22. Juni 1939 / Jürgen Seidel, * verstorben am 21. Dezember 2020, ehem. Geschäftsführer des Vereins zur Förderung des Israel Museums in Jerusalem e.V. / Hans Hermann Friedrich Trommer, * 28. Juni 1936 / Kerstin von Wittken, * 5. September 1942
Stolperstein – Der Textilkaufmann Eduard Salinger (Jg. 1872) lebte in der Friedenauer Hertelstraße 8. Am 14. September 1942 deportierten die Nazis ihn nach Theresienstadt. Dort wurde er heute vor 78 Jahren umgebracht.
Encore
Es hilft ja nichts in diesen Tagen. Man muss träumen – von der durchgeimpften Zukunft, Fair-Trade-Kaffee, Sonnenstrahlen oder dem schönsten Platz (an der Theke). Welchen Berliner Ort würden Sie denn für ihren Haushalt (+1) reservieren, wenn Sie könnten?
Kollegin Hipp wollte das auf Twitter wissen und bekam Antwort: Das Stadtbad Neukölln würde gerne jemand buchen, außerdem Mustafas Gemüsekebap, die sechste Etage im KaDeWe (mein hochhaushoher Favorit!), den Zoo, das „Vabali“-Spa in Moabit, die Stabi West oder „irgendein Gym“.
Nun. Es geht den Menschen wie den Leuten. Was wäre gerade Ihr Berliner Traumort? Und warum? Schreiben Sie an checkpoint@tagesspiegel.de.
Das Stadtleben hat heute Juliane Reichert geschrieben. Produziert wurde dieser Newsletter von Kathrin Maurer. Ich empfehle mich und Ihnen morgen den Checkpoint von Stefan Jacobs. Bis bald,
