auch an diesem Samstag beginnen wir mit den wichtigsten Nachrichten aus Berlin:
+++ Womöglich geht die Entscheidung über die Wahlwiederholung in Berlin doch noch vor das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe. Von der Notwendigkeit ist zumindest die Senatsverwaltung für Inneres überzeugt. Das geht aus einer Stellungnahme der Behörde an das Landesverfassungsgericht hervor. Für die Berliner bedeutet das, dass der Wahltermin Mitte Februar nicht zu halten sein könnte.
+++ Netzwerk gegen Folgen der Energiekrise startet in Berlin. Energiespartipps bei einer Tasse Tee, Kuchenbacken, Mieterberatung, eine heiße Suppe zum Aufwärmen: Das sind nur einige der Angebote, auf die Berlinerinnen und Berliner künftig zurückgreifen können. Akteure aus Wirtschaft, Sozialwesen und Religion haben am Freitag die „Charta der Wärme“ unterzeichnet.
+++ Urteil nach Berliner Straßenblockaden: Eine 56-jährige Klima-Demonstrantin ist zu 1350 Euro Geldstrafe verurteilt worden. Die Klima-Demonstrantin aus Hessen war an drei Berliner Straßenblockaden beteiligt. Jetzt verurteilte sie das Amtsgericht Tiergarten wegen Nötigung und Widerstands.
Auf tagesspiegel.de informieren wir Sie fortlaufend über alle Entwicklungen in Berlin.
Wir erinnern uns: Das Zeitumstellungswochenende habe ich Ihnen doch glatt um zwei Stunden verkürzt, was Sie sich zum Glück nicht haben gefallen lassen. Ein Best-of Ihrer Reaktionen hat Lorenz Maroldt am Montag hier zusammengestellt. Darüber konnten wir noch beschämt lachen. Was wir nicht ahnten ist, dass damit eine wahre Fehlerlawine losging: Lediglich am Mittwoch stand keine Korrektur im Checkpoint, an anderen Tagen dafür auch schon mal zwei. Sogar die Korrekturen wurden im Lauf der Woche falsch und mussten ihrerseits korrigiert werden. Eine steht übrigens noch aus: Im gestrigen Checkpoint vergaben wir den Posten des Bausenators unter Wowereit rückwirkend an Andreas Geisel. Dabei kam der natürlich erst 2014 ins Amt. Wir entschuldigen uns in aller Form. Was war da los? Die zwei fehlenden Stunden bewirkten eine quantenmechanische Phasenverschiebung mitsamt Chronotonenstau in der Gegend um den Askanischen Platz – wer kennt es nicht? Damit das jetzt aufhört, gebe ich Ihnen hiermit offiziell die versehentlich geraubte Stunde zurück und lege die bei der Umstellung hinzugekommene noch drauf. Willkommen zurück in der Gegenwart. Und im Wochenende.
Starten wollen wir das heute mit einem kurzen Glückwunsch: Happy Birthday, Abgeordnetenhaus! Gestern vor genau einem Jahr hat sich Berlins Parlament konstituiert. Die Kolleg:innen Ann-Kathrin Hipp und Lorenz Maroldt ziehen in der neuen Podcastfolge „Berliner & Pfannkuchen“Bilanz. Was ist passiert? Welche Gesetze wurden (nicht) verabschiedet? Welche Abgeordneten-Träume bleiben (vorerst) unerfüllt? Und: Welche Auswirkungen haben die potentiellen Neuwahlen? Mit dabei sind u.a. AGH-Präsident Dennis Buchner, ein Opa, der das AGH erklärt und Berlins neuer Anfragenkönig Martin Pätzold (CDU). Jetzt hier und überall, wo es Podcasts gibt.
Samstagmorgen – Musik und Spaziergang sind bekanntlich Zeitkünste – was also liegt näher, als die zwei in einer Beziehung wechselseitiger Bereicherung zu verbinden? Eben das tut auch das Projekt CityVoice. Die Idee: Ein Rundgang durch elf Stationen der Berliner Musikgeschichte, bei dem Sie auf Deutsch, Englisch oder Russisch die musikgeschichtliche Signifikanz der Orte erfahren, die Sie passieren. Start ist um 11 Uhr an der Alten Nationalgalerie.
Samstagmittag – Dinge, die nicht dem eigenen Lebensplan entspringen, einem aber dennoch widerfahren, nun, die passieren eben. Und echte Widerfahrnisse, das hat zum Beispiel Gilles Deleuze einmal festgestellt, haben an sich, dass sie sich vernünftigen Erklärungsversuchen vehement entziehen. Wirklich versteht man sie nie. Eben das Nicht-Verstehen galt dem Theaterwissenschaftler Hans-Thies Lehmann als oberstes ästhetisches wie kritisches Gebot, mit dem er alle möglichen Theatermacher:innen von Rang und Namen nachhaltig beeinflusste. Besserwisser, Schlauberger, Erklärbären und Mansplainer üben sich daher ab 16 Uhr im HAU Hebbel am Ufer in vornehmer Zurückhaltung. Bei einem öffentlichen Gespräch wird an den kürzlich verstorbenen Theater-Influencer erinnert (HAU1). Im Anschluss können Sie bei „Life Goes On“ (HAU3), einer Produktion der Gaming-Theater-Gruppe Machina Ex, spielerisch die Zügel loslassen.
Samstagabend – Nach allem anderen als hartem Pflaster klingen die kalifornischen Könige des Slacker Rock: Pavement, zu Deutsch Bürgersteig. Ihren bitterernsten Nu-Metal-Zeitgenossen in den Neunzigern klangen sie sicher allzu „pedestrian“, verschafften sich mit ihrer Ablehnung der damals üblichen Droh- und Angeberposen dafür eine treuherzige Hörerschaft mit behutsam kultivierter, leicht flockiger Antihaltung. Anti durch Gelassenheit, Lo-Fi, Fehlerfreude und viel Spaß am Texten. Am Anfang ihrer Laufbahn weigerte sich die Band sogar, aufzutreten und Interviews zu geben. Musik wie Herman Melvilles Protagonist Bartleby: Eines Tages beginnt der, die ihm aufgetragene Arbeit mit einem höflichen „ich möchte lieber nicht“ zu verweigern, was sukzessive sein gesamtes Umfeld in sich zusammenbrechen lässt. 20 Uhr im Tempodrom.
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Großer Festakt am 25.11.: Die Urania-Medaille 2022 würdigt den Pianisten Igor Levit für sein unermüdliches öffentliches Engagement für eine offene Gesellschaft. Zum ersten Mal wird 2022 außerdem der Urania Courage Preis verliehen. Er geht an die Journalistin Theresa Breuer für die Initiative „Kabul Luftbrücke“ als Beispiel für mutiges humanitäres Handeln.
Sonntagmorgen – Was den Slacker Rocker:innen auch einmal anhaftete, war das Bild von nicht ganz genau passenden Klamotten. Was sollte größere Gelassenheit ausdrücken als eben die falschen Größen, gerne mit einem gewissen Vintage-Charakter, sprich, Gebrauchsspuren und Patina. Da nun alles, was in den Neunzigern groß war, wieder groß ist: Wieso versuchen Sie es nicht auch mal eine Nummer größer? Zum Beispiel auf der Vinokilo, dem größten Vintage Kilo Klamottenverkauf Europas, der heute ab 11 Uhr im Kühlhaus (Luckenwalder Straße 3) Station macht.
Sonntagmittag – Um sich sinnlich auf eine Sache einzulassen, benötigen viele Menschen eine Art Fetischobjekt: Eine hochwertige Violine statt einer Kinderfidel, einen schönen Stift statt des schnöden Billo-Kugelschreibers aus der Hunderterpackung. Einer, der das niemals brauchte, ist der Fluxus-Musiker Sven-Åke Johansson. Wer den seit 1968 in Berlin lebenden, aus dem schwedischen Mariestad stammenden Komponisten, Schlagzeuger und Autor schon einmal dabei beobachtet hat, wie er mit Pappe und Cellobogen auf Tuchfühlung geht, könnte selbst ein intimeres Verhältnis zu den Dingen in seiner Umwelt entwickeln. Eben das können Sie im Konzert um 15 Uhr im Haus der Berliner Festspiele, wenn Sie noch eine Karte ergattern. Falls nicht: Schon Samstag um 15 Uhr gibt Antoine Prums Filmporträt, „Blue for a Moment“, eine schöne Einführung in Johanssons Schaffen.
Sonntagabend – Apropos sinnliches Sich-Einlassen: Vieldeutige Bilder, subtile Gesten, zwischen den Zeilen Liegendes können Film und Poesie gleichermaßen. Im Poesiefilm verdoppeln sich die Möglichkeiten. Seit dem 3. November ist Berlin mit dem Zebra Poetry Film Festival im Haus für Poesie und im Kino der Kulturbrauerei ein Zentrum des Poesiefilms. Im Fokus steht die Poesie als Bewältigungsstrategie für Menschen in und aus der Ukraine. Heute um 20 Uhr werden zum Festival- und Wochenendeende drei Poesiefilmemacher:innen mit Preisen ausgezeichnet.
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PALAZZO Berlin bittet wieder zu Tisch!
Willkommen (zurück) zur Lebenslust: Vom 12. November 2022 bis zum 5. März 2023 bietet PALAZZO Ihnen im spektakulären Spiegelpalast in Berlin eine köstliche wie unterhaltsame Mischung aus Haute Cuisine, kreiert von Kolja Kleeberg, und bestem Varieté-Entertainment mit der brandneuen Show „Eskapaden“. Sichern Sie sich jetzt Ihre Tickets für die Saison 22/23 im Webshop oder unter 01806 - 388 883. www.palazzo.org/berlin
Mein Wochenende mit
Kevin, unser liebstes Wildschwein in der Rotte, kennt jeden Flecken Land in Berlin und Brandenburg. An dieser Stelle gibt er wöchentlich Ausflugstipps ins Umland.
„Sicherlich ist Ihnen nicht entgangen, dass ich gerne schreibe. Am liebsten Miniaturen über die Mark. Hier kenne ich mich aus und ein – hier bin ich Schwein, hier darf ich‘s sein. Chantal, die kulturaffine Sau von Nebenan, erzählte mir neulich, dass sie noch einen kenne, der gerne über die Mark schreibe. Über den Stechlin, zum Beispiel, habe er etwas abgefasst. Ein Herr Fontane, Theodor. So, so, dachte ich. Wollen wir doch mal sehen, was die Konkurrenz so treibt. Und ich muss sagen: Chapeau. Nicht jede Zeile ganz zeitgemäß zwar, das muss ich sagen, aber der Inhalt ist mir sowieso wumpe. Stilistisch, da zöge ich an der ein oder andern Stelle durchaus meinen Hut. Wenn ich denn einen trüge. Ich beschloss also, den Herrn Autor zu besuchen. Und, siehe da, nach Neuruppin führten meine Recherchen mich. Er hat es sich offenbar gutgehen lassen, „groß“ wäre eine Untertreibung für dieses Anwesen. Und „exzentrisch“ eine für die dortige Lebensart: An der Garderobe werden einem die Kleider abgenommen – aber nicht nur der Mantel, sondern alle! Und weil der Herr Fontane offenbar sehr gefragt ist, tummelt sich doch ganz schön viel sehr unbekleideter Besuch in seinen Räumen. Im Saunabereich fühlte ich mich erwartungsgemäß sauwohl. Ein wenig zu sauwohl vielleicht, denn ich vergaß gänzlich, weshalb ich gekommen war, und traf den Herrn Fontane nicht an. Na ja, beim nächsten Mal vielleicht. Ich empfehle mich, mit freundlichen Grunzen.“
Leseempfehlungen
Kürzung – Das Energiesparen macht sich hierzulande bereits in messbaren Verbrauchswerten bemerkbar, das ist gut. Noch besser wäre es aber, wenn man den Gesamtjahresverbrauch verkürzte, indem man einfach das Jahr verkürzte. Vorschlag zur Güte: Den März streichen, direkt vom Februar in den Frühling. Max Raabe arbeitet dran, Deike Diening (T+) hat ihn gesprochen.
Tradition – Die Berlinale: Glanz trifft Glamour trifft Tradition. Letztere ist, gerade wenn es um Berliner Institutionen geht, bekanntlich streckenweise schwierig. Ein offener und kritischer Umgang mit den eigenen NS-Bezügen, das dürfte mittlerweile jedes Kind wissen, ist ein guter Start, wenn man die eigene Glaubwürdigkeit wahren will. Nur die Festivalleitung weiß das irgendwie noch nicht so ganz. Christiane Peitz (T+) berichtet.
Wochenrätsel
Gewonnen! Was tun, wenn die Standesämter aus technischen Gründen Geburten und Ableben nicht beurkunden können? IT-Staatssekretär Ralf Kleindiek empfiehlt:
a) handschriftliche Provisorien
b) Rückzug
c) Rückstellungsbescheinigungen.
Tipp: Wer den Checkpoint letzte Woche aufmerksam las, ist im Vorteil!
Schicken Sie uns die richtige Lösung und gewinnen Sie einen Checkpott.
Jetzt mitmachenDen frühmorgendlichen Chronotonen trotzte heute in der Produktion Cristina Marina, am Montag dekorrelliert hier Lotte Buschenhagen den Berliner Spin.