seit dem Wahlsieg der CDU wabern wilde Geschichten über Kai Wegner in der Stadt herum – oft ohne Absender, also anonym. Es geht um Politisches und um Privates, um Wegners Rolle in der Jungen Union, seine Vorbilder, seinen Aufstieg, sein Netzwerk, seine Freunde und Feinde.
Wer ist Kai Wegner? Wo kommt er her, wo will er hin? Wie ist er vom Schulabbrecher aus Spandau zum mächtigsten Mann Berlins geworden? Um das herauszufinden, hat das Team Checkpoint in den vergangenen Wochen intensiv recherchiert. Wir haben uns durch Archive gewühlt und mit vielen Weggefährten Wegners gesprochen, um ein möglichst genaues Bild vom neuen Regierenden Bürgermeister zu erhalten – und natürlich auch mit Wegner selbst. Nicht alle, die wir getroffen haben, wollten sich zitieren oder gar aufnehmen lassen. Doch am Ende hatten wir genug Material, um daraus eine dreiteilige Serie für unseren Podcast „Berliner & Pfannkuchen“ aufzeichnen zu können.
In der ersten Folge, die „Spandau, das Sport-Eck & rechte Parolen“ heißt, geht’s zurück in Wegners Vergangenheit. Wir sprechen mit früheren Parteifreunden über seine Politisierung, treffen die Frau, die hinterm Tresen stand, während „Kai und seine Jungs“ Futschi bestellten, und wir erfahren, wann Wegner den Plan fasste, Berlins Regierender Bürgermeister zu werden.
Hören können Sie die Folge hier und überall dort, wo es Podcasts gibt. Der zweite Teil erscheint am Mittwoch, der dritte am Freitag.
Wenige Tage vor der Leitungsübergabe der Bildungsverwaltung an die CDU-Senatorin Katharina Günther-Wünsch ließ die SPD noch mal die Abrissbirne schwingen: Mit Wissen der Hausspitze warfen eine Referatsleiterin und ein Abteilungsleiter mitten in der Abiturphase den beliebten Direktor der Inselschule Scharfenberg raus – inklusive Zwangsversetzung binnen einer Woche als Lehrer an eine Schule in Mitte. Sein Vergehen: Er ist, anders als fast alle anderen Beteiligten, nicht in die SPD eingetreten. Unsere Kollegin Susanne Vieth-Entus berichtet hier über die Hintergründe des spektakulären Falls.
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Stolz verkündete Tobias Nöfer, Vorsitzender des Architekten- und Ingenieurvereins, in interner Runde seinen Einfluss auf die neue Liegenschaftspolitik des Senats (CP v. 5.5.) – und da künftig landeseigene Grundstücke in Toplagen an Genossenschaften verkauft werden können (unter Rot-Grün-Rot war das ausgeschlossen), gründet der AIF jetzt schnell auch noch eine (hier nachzulesen).
Nach außen spielt Nöfer, der 2021 bei den Koalitionsverhandlungen noch die SPD beriet, seine Rolle zwar lieber herunter. Doch das ist zu bescheiden: Nach Checkpoint-Informationen gehörte Nöfer fest der externen CDU-Beratergruppe für die Verhandlungen mit der SPD an. Mitte März nahm er an Gesprächen digital von der Immobilienmesse Mipim in Cannes aus teil, zurück in Berlin trieb er auf Basis seiner neuen Insidererkenntnisse über den Koalitionsvertrag die Gründung der AIF-Genossenschaft voran. Da macht sich die Teilnahme auch ohne Honorar bezahlt.
Weitere Mitglieder der siebenköpfigen externen CDU-Beratergruppe: Buwog-Geschäftsführerin Eva Weiß, Immobilieninvestor Ulrich Weber, BBU-Geschäftsstellenleiter Matthias Brauner, Luxusimmobilien-Experte Daniel Ralf Schmitz, Immobilienrechter Manuel Heide und Bauplanungsexperte Stefan Bruch. Geleitet wurde die CDU-Arbeitsgruppe „Stadtentwicklung, Bauen, Wohnen“ von Stefan Evers – als Finanzsenator ist er jetzt zuständig fürs Landeseigentum.
In der Befangenheitsaffäre um Verfassungsgerichtspräsidentin Ludgera Selting, vom Checkpoint im Herbst 2022 aufgedeckt (Selting hatte im Zusammenhang mit der Akteneinsicht in die Wahlprotokolle zur Abgeordnetenhauswahl gegenüber ihrem Kollegium falsche Angaben gemacht; hier nachzulesen), war eine Frage bisher offengeblieben:
Von wem kam die Anzeige, die das Ermittlungsverfahren gegen Rechtsanwalt Marcel Templin und die polizeiliche Durchsuchung von dessen Kanzlei ausgelöst hat? (Die Vorgeschichte können Sie hier nachlesen.)
Sowohl das Verfassungsgericht als auch die Generalstaatsanwaltschaft sowie die Rechtsanwaltskammer verweigerten eine Stellungnahme, und die damalige Justizsenatorin Lena Kreck ließ ausrichten, sie habe „keine Kenntnis“. Doch jetzt steht nach Checkpoint-Informationen fest: Es war Selting selbst – die Gerichtspräsidentin ging mit einer Anzeige gegen den Anwalt vor, dessen Mandant sie wegen eines ungewöhnlichen Verhaltens für befangen hielt.
Templin vertritt den früheren Abgeordneten Marcel Luthe, der die Abgeordnetenhauswahl 2021 angefochten hatte. Weil es bei der Einsicht in die Wahlprotokolle am 20. Mai 2022 zu einem verbalen Zusammenstoß zwischen Selting und Mitarbeitern des Verfahrensbeteiligten gekommen war, lehnte Luthe die Präsidentin wegen des Verdachts der Befangenheit ab. Doch noch bevor das Verfassungsgericht über den Antrag gegen Selting entschied, legte die Präsidentin nach.
Drei Tage nach dem Vorfall, am 23. Mai 2022 (es waren inzwischen Inhalte der ohnehin öffentlichen Wahlprotokolle in verschiedenen Medien veröffentlicht worden), stellte Selting „Anzeige wegen Verdachts des Verstoßes gegen Pflichten der anwaltlichen Berufsordnung“ bei der Rechtsanwaltskammer: „Ich bitte, den Sachverhalt zu prüfen und ggf. das Erforderliche zu veranlassen.“ Die daraufhin eingeschaltete Generalstaatsanwaltschaft hielt eine Beschlagnahme von Akten und Datenträgern in Templins Kanzlei für erforderlich.
„Eilt! Noch heute!“ hatte Selting am 23.5.2022 auf ihre Anzeige geschrieben. Aber erst am 15.1.2023, also knapp acht Monate später und genau drei Tage nach der Entscheidung des Verfassungsgerichts über die Wiederholungswahl, klingelten Beamte des Landeskriminalamts (LKA) mit einem Durchsuchungsbeschluss in der Hand in der Kanzlei von Rechtsanwalt Templin.
Gesucht wurden Hinweise darauf, dass die namentlich genannten Personen, die im Auftrag von Luthe die Akten digital erfassten, Mitarbeiter des Rechtsanwalts waren. Der Inhalt der beschlagnahmten Unterlagen geht weit darüber hinaus. Die Ermittlungen dauern an.
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Die Chaoswahlen von 2021 und ihre Folgen werden uns also weiter beschäftigen – auch aus einem anderen, fast vergessenen Grund: Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, ob die Wiederholung der Abgeordnetenhauswahl überhaupt rechtens war, steht noch aus. Und in einem zweiten Verfahren wird geklärt, ob und wenn ja welche Teile der Bundestagswahl wiederholt werden müssen.
Eigentlich unvorstellbar, aber es würde irgendwie zu Berlin passen: Pünktlich zum Marathon im Herbst 2023 wird per Gerichtsbeschluss Franziska Giffey wieder zur Regierenden Bürgermeisterin ernannt und ein Remake der Bundestagswahl von 2021 aufgeführt. Wann dürfen wir denn mit einer Entscheidung rechnen? Das hat der Checkpoint das Bundesverfassungsgericht gefragt. Die Antwort: „Bezugnehmend auf Ihre heutige Anfrage kann ich Ihnen mitteilen, dass sich die Wahlprüfungsbeschwerden derzeit in Bearbeitung befinden. Ein Entscheidungszeitpunkt ist noch nicht absehbar.“
Berliner Schnuppen
Telegramm
Dürfen an den beiden Gedenktagen zum Ende des Zweiten Weltkriegs an den Ehrenmalen in Treptow, Tiergarten und der Schönholzer Heide nun russische und ukrainische Flaggen und Symbolen gezeigt werden oder nicht? Das Verwaltungsgericht hatte am Wochenende ein polizeiliches Verbot für heute und morgen aufgehoben, jetzt ist das Oberverwaltungsgericht dran – und dann wieder, so oder so, die Polizei.
Die Deutschen, die Russen und das Weltkriegsende am 8. Mai: Putins brutaler Angriff auf die Ukraine ist kein Argument, die Rolle der Sowjetunion bei der Befreiung von Hitler zu vergessen, sondern doppelt Grund, die ganze Geschichte in den Blick zu nehmen – meint jedenfalls Christoph von Marschall. Seinen Kommentar können Sie hier lesen.
Wir kommen zur Montagsfrage: Was ist die erste Amtshandlung des neuen Senats?
a) Die Mieten in den landeseigenen Wohnungen werden gesenkt.
b) Es gibt ab sofort freie Termine im Bürgeramt.
c) Die Büroleitungen der neuen Senatorinnen und Senatoren bekommen eine fette Gehaltserhöhung.
Na? Ok, das war nicht so schwer – der neue Senat hebt die Besoldung der Büroleitungen auf 8301,14 Euro brutto plus Zulagen an (bisher: zwischen 5017 und 7144 Euro; Q: Morgenpost).
Zu b): Die neue Digitalstaatsekretärin Martina Klement bekommt zwar wie alle Staatssekretäre eine zusätzliche zweite Sekretariatsstelle genehmigt, aber auf genügend BA-Termine müssen wir weiter warten. Immerhin verspricht Klement dafür zu sorgen, „dass Berlin jeden Tag ein Stückchen besser funktioniert.“ Wer heute ein solches Stückchen findet, kann sich gerne bei uns unter checkoint@tagesspiegel.de melden.
Zu a) empfehlen wir die Lektüre unseres Kollegen Julius Betschka mit dem Titel „In den 350.000 Berliner Landeswohnungen sollen die Mieten steigen“ (hier zu lesen).
Wir kommen zur Rubrik Theorie und Praxis:
Theorie: „Die Koalition will die Fußgängerfreundlichkeit Berlins deutlich erhöhen.“ (…) „Wir planen Ampelschaltungen so, dass diese für Fußgängerinnen und Fußgänger ausreichende Querungszeiten bieten.“ (…) „Die Schulwegsicherheit hat besondere Priorität.“ (Koalitionsvertrag, S. 5).
Praxis: Wenn eine Grundschule für die Sicherheit ihrer Schüler um eine längere Grünphase bittet, blitzt sie in der Verwaltung ab (Beispiel hier) – denn angeblich kostet das Umprogrammieren einer einzigen Lichtzeichenanlage mindestens 13.000 Euro und dauert fünf Monate (wenn nichts dazwischenkommt).
Bloß gut, dass es da einen kostenlosen Profitrick gibt – wir verraten ihn hier mal: An den Ampeln gibt es unter dem Gehäuse mit dem Anforderungsknopf einen zweiten Schalter für Menschen mit Sehbehinderung – wenn der gedrückt wird, verlängert sich automatisch die Grünphase zum Queren der Straße. Aber bitte nicht weitersagen, sonst bricht der Verkehr zusammen.
Wie bitte, tut er auch so schon? Na ja, aber nicht mehr lange – CDU-Wähler, die auf das Plakat „Berlin, lass dir das Auto nicht verbieten“ reingefallen sind, müssen jetzt ganz stark sein: Die neue CDU-Verkehrssenatorin Manja Schreiner hält eine Einschränkung des Autoverkehrs für notwendig („Definitiv das ist so“). Es kommentiert unser Verkehrslyriker Ernst Jandel: „Manche meinen, lechts und rinks kann man nicht velwechsern, werch ein illtum.“
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Egal ob Theater, Museum, Oper oder Show – erleben Sie den Mai mit aufregenden Veranstaltungen und spannenden Führungen. Jetzt exklusive Tickets sichern im Tagesspiegel Shop!
Explosive Ausschreibung der Polizei: Gesucht wird ein Unternehmen, das pro Quartal bis zu 750 Kilogramm pyrotechnische Erzeugnisse abholt und entsorgt. Hm, warum wird das Zeug denn nicht gleich auf den Sprengplatz im Grunewald gebracht? Da fliegt es doch fast von allein und ganz umsonst in die Luft.
Hier mal ein wirklich süßer Genehmigungsantrag der Firma Cargill bei der Senatsverwaltung für Umwelt: „Gegenstand der wesentlichen Änderung nach § 16 BImSchG ist die Kapazitätserhöhung der Produktion für weiße Schokolade von derzeit 42 auf künftig 75 t pro Tag.” Einwendungen gegen das Vorhaben in der Flottenstraße sind bis zum 9.7. möglich – aber wenn das abgelehnt wird, würden wir uns schon schwarzärgern. (Q: Amtsblatt, Seite 2133)
Nachschub fürs Betriebsstörungsbingo: „Kurzfristiger Personalausfall“ war der Grund dafür, dass die S45 zwischen den Flughafen-Terminals 1-2 (BER) und 5 (Schönefeld) gestern „nicht verkehrte“ (Mitteilung der S-Bahn). Aber wer steigt schon an einem geschlossenen Airport aus?
Apropos Flughafen, apropos Personal: „Der BER zieht“, sagt Michael Halberstadt, Geschäftsführer Personal – 3000 Interessierte schauten bei der Jobmesse am Stand der Flughafengesellschaft vorbei. Allerdings sind hier 1000 Stellen unbesetzt.
Pankow sucht Gärtnerinnen/Gärtner (m/w/d), Jobvoraussetzung laut Ausschreibung (Entgeltgruppe 5): „einen grünen Daumen oder besser zwei“ – färbende Erfahrungen am Stempelkissen zählen nicht.
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Live im OP: Wie läuft ein Kaiserschnitt ab?
Nach 20 Minuten ist das Baby da.
Das verspricht der geplante Kaiserschnitt. Doch was passiert dabei wirklich?
Jetzt auf Spotify, Apple Podcasts und Tagesspiegel.de
Die Briten sind einfach zu nett zu Berlin – auf einer Liste der unhöflichsten deutschen Städte landen wir laut einer Studie aus London nur auf Platz 7. Beim nächsten Königsbesuch müssen wir uns also ein bisschen mehr anstrengen, um einen Spitzenplatz zu verteidigen (und unseren Ruf).
Zwergotter Maizie, seit November 2022 Witwe, hat erfolgreich getindert – der Zoo teilt mit: Sie zeigt sich sogar schon glücklich mit ihrem neuen Partner (hier zu sehen).
Alles andere als glücklich ist der Besitzer des kunterbunten „Happy Go Lucky“-Hostels am Stuttgarter Platz: Das Oberverwaltungsgericht verurteilte ihn, wie vom Ordnungsamt angeordnet, das Werk des Künstlers Dom Brown zu überstreichen. Zur Wahl stellten die Richter dem Mann die beiden Berliner Traditionsfarben: Er muss heute erklären, ob er die Fassade grau oder beige malern lässt.
„Der Wannseemord – die Geheimnisse des Millionenerben“ lautet der Titel der neuen Folge unseres True-Crime-Podcasts „Tatort Berlin“ von Sebastian Leber und Katja Füchsel. Staatsanwältin Antonia Ernst berichtet über einen Fall, bei dem fast alles anders ist, als es zunächst erscheint.
Zur Auflösung unseres Wochenrätsels: Auch diesmal haben wir wieder hunderte Einsendungen erhalten, die meisten davon richtig. Frage 6 erwies sich allerdings als ernstzunehmende Hürde – wie heißt sie denn nun, die neue Toiletten-App: PeePee2Go, EasyPZ oder Klorando? Wer auf PeePee2Go setzte, kam auf das Lösungswort „Bürokunde“. Richtig war allerdings EasyPZ, und das führte zum Buchstaben „H“ – also: „Bürohunde“. Der Gewinner der originalen „Checkpott“-Tasse wird benachrichtigt – herzlichen Glückwunsch!
Zitat
„Die Aliens des 17. Jahrhundert sind eingefleischte Misanthropen.“
Woher Moritz Wullen, Direktor der Kunstbibliothek am Kulturforum, diese Gewissheit nimmt und worum sich die von ihm kuratierte Ausstellung „Ufo 1665“ in der Berliner Kunstbibliothek dreht, können Sie hier lesen.
Tweet des Tages
Wie kommt Ihr eigentlich so ohne Atomstrom zurecht?
Antwort d. Red.: (Prof. Crey ist Spezialist für dumme Fragen und Ohrwurmgenerator am Lehrstuhl für Unterhaltungsmathematik)
Stadtleben
Essen & Trinken – Rot-weiß-karierte Tischdecken, flackernde Kerzen, vorne die Antipasti-Theke – das „Il due Emigranti“ in Schöneberg ist ein Bilderbuch-Italiener. Im Kern aber: eine sardische Trattoria mit erstklassigen Produkten vom und aus dem Mittelmeer. Pizza können sie hier zwar schon auch, in den eigentlichen Hauptrollen spielen aber Fisch und Meeresfrüchte. Zum Beispiel die „Fregola sarda ai frutti di Mare“ (19,50 Euro) von der Tageskarte: Die kleinen Pastakügelchen, eine Spezialität Sardiniens, sind außen weich und innen knackig al dente, mit Pulpo, Venusmuscheln und Garnelen verbinden sie sich zu einem selig machenden Ganzen – Blitzurlaub auf dem Teller. Mo-Sa 16-24 Uhr, So 11-24 Uhr, Belziger Straße 38, U-Bhf. Eisenacher Straße
Berlinbesuch – Bei Ihnen zu Hause wird viel geträllert? Vielleicht haben die Kids Lust, im Chor mitzusingen. Am Samstag gibt es an der UdK einen Tag der offenen Tür, bei dem sich sowohl die Sing-Akademie zu Berlin (Mädchen, ab 12.30 Uhr) wie der Staats- und Domchor Berlin (Jungen, ab 10.30 Uhr) vorstellen. Beide musizieren auf professionellem Niveau und werden bei Konzerten eingesetzt. An dem Tag ist ein Stimmcheck möglich – Vorkenntnisse braucht es nicht. Kinder, die sich nicht eindeutig einem Geschlecht zugehörig fühlen, können beide Chöre beschnuppern. Hier geht es zur Anmeldung, Bundesallee 1-12, U-Bhf. Augsbuger Straße
Karten sichern – Das Leben ist zu ernst? Die Barbaren Barbies liefern Humor, Lebensfreude und Albernheit. Und ihr Programm aus zeitgenössischem Zirkus, Akrobatik, Tanz und Comedy verstehen sie gleichzeitig als eine Ode an starke Frauen. Die fünf Barbarinnen aus vier Ländern haben eine zirzensische Ausbildung, im Pfefferberg Theater jonglieren, tanzen, hängen sie vom Trapez – kunstvoll, skurril, schrill (noch bis 14.5.). Wir verlosen exklusiv 2x2 Karten für die Vorstellung am Donnerstag (11.5.). Regulär kosten Karten 25/20 Euro, Schönhauser Allee 176, U-Bhf. Senefelderplatz
Last-Minute-Buchvorstellung – Intendantinnen und Pianisten erhalten Morddrohungen, in Berlin muss das Publikum eine Vorstellung wegen einer Bombenwarnung verlassen, in Aachen fordert ein AfD-Sprecher einen Regisseur auf, Passagen in einer Inszenierung zu streichen. Die Neue Rechte hat die Kultur als Kampffeld entdeckt: Aber weshalb interessieren sich AfD-Politiker plötzlich für Tanztheater und zeitgenössische Musik? In „Volkstheater. Der rechte Angriff auf die Kunstfreiheit“ dokumentiert der Journalist Peter Laudenbach über hundert rechte Übergriffe auf die Kunstfreiheit. Heute Abend stellt er das Buch im Berliner Ensemble vor (20 Uhr) und diskutiert u.a. mit Wilhelm Heitmeyer (Soziologe und Gewaltforscher). Karten kosten acht Euro, Bertolt-Brecht-Platz 1, S-Bhf. Friedrichstraße
Grübelstoff – S 25, sagt Ihnen das etwas? Klingt nach S-Bahn, ist aber ein Straßenlauf mit langer Tradition (und Zieleinlauf im Olympiastadion!). Das Event findet am Sonntag statt, Tausende Läufer:innen stecken in den Vorbereitungen. Haben Sie schon Laufschuhe und Energieriegel parat oder ist das entschieden zu viel Sport für Sie?
Kiekste
Appellativer Aufsteller in Richtung Wettergott. Der Blumenladen in der Weserstraße in Neukölln spricht uns doch gerade allen aus dem niedrigtemperaturgebeutelten Herzen, oder? (Foto: Thomas Lippold). Per checkpoint@tagesspiegel.de erreichen uns auch Ihre Berlin-Hingucker zu jeder Jahres- und Tageszeit.
Berlin heute
Verkehr – A111 (Reinickendorf-Zubringer): In den folgenden Nächten bis 10./11.5. bleibt die Autobahn jeweils in der Zeit von 22-5 Uhr in beiden Richtungen zwischen den Anschlussstellen Am Festplatz und Holzhauser Straße gesperrt.
Buch/Köpenick/Prenzlauer Berg/Mitte/Tegel: Wegen Demonstrationen und Kundgebungen sind Verkehrsbeeinträchtigungen möglich.
Ebertstraße (Mitte): In Höhe An den Ministergärten steht bis Dienstagabend in Richtung Potsdamer Platz nur ein Fahrstreifen zur Verfügung.
Danziger Straße (Prenzlauer Berg): Ab dem Morgen stehen an der Kreuzung Kniprodestraße weniger Fahrstreifen zur Verfügung. Das Linksabbiegen ist an der Kreuzung nicht möglich (bis Anfang Juni).
Schlichtallee (Rummelsburg): Ab 5 Uhr bleibt die Fahrbahn in Richtung Nöldnerstraße zwischen Hauptstraße und Fischerstraße bis voraussichtlich 17.5. für den Kfz-Verkehr gesperrt.
Demonstration – In Berlin finden heute 39 Demos statt (Stand 7.5., 13 Uhr), u.a. „Keine neuen fossilen Strukturen: Kundgebung zu LNGTerminals vor der Küste Rügens und zur Sitzung des Petitionsausschusses des Bundestags.“: 75 Protestierende, Fridays for Future, Willy-Brandt-Straße 1 (10-11.30 Uhr)
„Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus! Der Tag der Befreiung, ein Tag des Erinnerns und des Mahnen“: 100 Menschen, Die Linke, Wiltbergstraße, sowjetisches Ehrenmal, S-Bahnhof Buch (10-21 Uhr)
„Völkermord an den Herero und Nama anerkennen“: zehn Teilnehmende, Gesellschaft für bedrohte Völker, Werderscher Markt 1 (11-13 Uhr)
„Erinnert Werden/Gedenkmarsch an die ukrainischen Opfer des 2. Weltkrieges“: 200 Teilnehmende, Schönhauser Allee 36, Sophienstraße (18-20 Uhr)
„Demokratie und Menschenrechte in der Türkei verteidigen, für einen Rechtsstaat eintreten“: 50 Menschen, CHP, Hermannplatz, Kottbusser Tor, Kochstraße, Heerstraße (19.15-20.30)
Gericht – Eine 39-Jährige muss sich wegen mehrerer Vorwürfe verantworten. Sie soll in einem Fall am Rande einer Demonstration „Heil Hitler“ gerufen haben, in einem anderen Fall habe sie über soziale Medien zu einem Brandanschlag auf ein Theater aufgerufen. Zudem geht es um Ladendiebstähle und Körperverletzung (9 Uhr, Amtsgericht Tiergarten, Kirchstraße 6, Saal 1101).
Universität – Die erste Jüdische Campuswoche an der Freien Universität startet heute. Bis 12. Mai finden mehrere Veranstaltungen statt, u.a. ein Kinoabend mit anschließendem Get-Together mit koscheren Snacks (10.5.) Infos hier
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Sir David Frederick Attenborough (97), britischer Tierfilmer, Naturforscher und Schriftsteller / „Hallo ihr Czappies, Karin & Wolfgang (160+), Kegler und Kanuten, herzliche Glückwünsche zu Euer beider Geburtstage und eine fröhliche Heimkehr von Malle wünschen Euch Renate und Wolfgang und alle anderen Kumpels +-innen!!“ / Roderick Doyle (65), irischer Schriftsteller und Drehbuchautor / Wolfgang Engler (71), Soziologe und Publizist, von 2005 bis 2017 Rektor der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ / Matti Geschonneck (71), Regisseur / Barbara Hannigan (52), kanadische Sopranistin und Dirigentin / Keith Jarrett (78), US-amerikanischer Pianist / „Adalbert Kwasigroch (76), Kaufmann: Lieber Ali, Gesundheit und ein wenig Glück wünscht einer deiner Fans.“ / Colja Löffler (34), ehemaliger Handballspieler, bis 2016 bei den Füchsen Berlin / Holger Marks (51), Tenor / Carsten Müller (53), Politiker (CDU) und Mitglied des Deutschen Bundestages / Carola Rackete (35), Kapitänin und politische Aktivistin / 6ix9ine, bürgerlich Daniel Hernandez (27), US-amerikanischer Rapper
+++ Sie möchten der besten Mutter, dem tollsten Kiez-Nachbarn, dem runden Jubilar, der Lieblingskollegin oder neugeborenen Nachwuchsberlinern im Checkpoint zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie uns bis Redaktionsschluss (11 Uhr) einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.+++
Gestorben – Hartmut Glanz, * 5. September 1942 / Gerald Lorenz, * 2. Dezember 1937 / Prof. Dr. Dr. Eckart Matthias, * 30. September 1932 / Monika Schlie, geb. Pätzold, * 25. Februar 1938
Stolperstein – Nathan Graetz wurde am 9. März 1870 in Landsberg an der Warthe (Polen) geboren. Er war Juwelier und Kaufmann. Am 22. Mai 1903 heiratete er Elsbeth Eger in Berlin-Friedrichshain. Das Paar hatte drei Kinder. Nathan und Elsbeth Graetz wurden am 20. November 1942 nach Theresienstadt deportiert. Nathan starb am 8. Mai 1943, Elsbeth am 5. August 1943. An beide erinnert ein Stolperstein in der Westarpstraße 3 in Schöneberg.
Encore
Zum Schluss ein Blick auf die „Berliner Liste“:
Im Zeitschriftenladen am Bahnhof Friedrichstraße, Freitagabend, 21 Uhr. Zwei Männer mittleren Alters, einer mit langen Locken, der andere kurzhaarig, die sich beide an diesem Tag augenscheinlich noch nicht gekämmt haben, kommen ins Gespräch. Es geht um Bücher zu Hause und deren Aufbewahrung sowie die Magazine im Laden. Irgendwann sagt einer: „Wer bist du? – „Ich bin der Jonathan. Jonathan Meese.“ – „Und du?“ – „Ich bin der Günther.“
Was wieder einmal eindrucksvoll zeigt: Es ist schon eine besondere Kunst, in Berlin aufzufallen – sogar als Promi. Und falls auch Ihnen eine originelle Berlingeschichte über den Weg läuft, schicken Sie sie uns gerne an checkpoint@tagesspiegel.de.
Auffällig gut beherrschten heute Thomas Lippold, Lionel Kreglinger, Stefan Jacobs (Texte, Recherchen und Hinweise) sowie Antje Scherer (Stadtleben) und Florian Schwabe (Produktion) ihre Kunst. Morgen früh zeichnet Ihnen hier Christian Latz sein Bild von Berlin. Bis dahin,