wenn die Vorwürfe zutreffen, wäre es ein handfester Justizskandal. Seit 2016 zünden Rechtsextreme in Neukölln immer wieder Autos an und bedrohen Menschen, die sich gegen Rechtsextremismus engagieren. Trotz mehr als 70 Straftaten erzielten die Ermittler nie einen Durchbruch – vielleicht ja, weil der ermittelnde Staatsanwalt und der Leiter der Staatsschutzabteilung der Staatsanwaltschaft die Verdächtigen deckten? Ein ungeheuerlicher Verdacht, der laut der Berliner Generalstaatsanwältin Margarete Koppers „möglich erscheint“.
Der Vorwurf geht so: Der Leiter der Abteilung Staatsschutz bei der Staatsanwaltschaft soll dem Hauptverdächtigen Thilo P. gesagt haben, er brauche sich nicht sorgen. Er wähle selbst AfD. So stellt es P. dar. Ex-AfDler P. soll dies dem zweiten Tatverdächtigen gesagt haben. Ermittler kriegen das durch eine Telefonüberwachung mit. Die Ermittler sollen nicht ihre Vorgesetzten informiert haben. Auch der ermittelnde Staatswalt soll die Protokolle kennen – und nicht eingeschritten sein. Erst durch eine Beschwerde einer Opferanwältin entdeckt die Generalstaatsanwaltschaft zufällig das Gesprächsprotokoll.
Bislang nur ein Verdacht, betont Koppers, hat die Ermittlungen nun aber an sich gezogen. Niklas Schrader (MdA Linke) fordert bereits einen Untersuchungsausschuss: „Die Ermittler hatten die Aufgabe, jeden Stein umzudrehen, was machen die beruflich, frage ich mich?“ Benedikt Lux (MdA Grüne) forderte umfängliche Aufklärung, ein Untersuchungsausschuss zu Verfehlungen und Pannen bei den Ermittlungen rücke näher. Ein Jahr vor der Abgeordnetenhaus-Wahl dürfte dessen Wirkung jedoch verpuffen. Damit bei der Polizei nichts Ähnliches passiert, will der Innensenator derweil die Beamten auf extremistische Tendenzen überprüfen. Vielleicht ja auch mal eine Idee für die Justiz?
Nach der Attacke auf das Bürgerbüro von Innensenator Andreas Geisel (SPD) vor einer Woche haben wir die Polizei gefragt, wie oft Politikerinnen und Politiker in Berlin in 2020 bereits Opfer solcher oder ähnlicher Taten wurden. Für die Antwort hat die Pressestelle ein bisschen gebraucht, denn die Liste ist lang. Bis zum 29. Juni wurden 99 „Sachverhalte der politisch motivierten Kriminalität zum Nachteil“ von Politikern festgestellt. Die Delikte: Bedrohung, Beleidigung, Erpressung, Hausfriedensbruch, Volksverhetzung, Verbreitung von Propagandamitteln, Sachbeschädigung, besonders schwere Fälle von Diebstahl, schwere Brandstiftung, Störung öffentlichen Friedens, Aufforderung von Straftaten und Verunglimpfung des Bundespräsidenten. Die Taten werden gleichmäßig von rechts und links verübt. Parteieinrichtungen wurden in 28 Fällen angegriffen. Was laut Polizei nicht gezählt wurde: „Fälle, bei denen E-Mails oder ähnliches in Parteieinrichtungen eingegangen sind, werden nicht berücksichtigt.“
Bei der Berliner Polizei wird noch immer die Anti-Corona-Demo von Samstag abgearbeitet: „Wovon wir ~1,3 Mio haben: Anfragen zu den Teilnehmerinnen & Teilnehmern der #b0108 auf der Straße des 17. Juni. Wovon wir keine ~1,3 Mio hatten: Teilnehmerinnen & Teilnehmer der #b0108 auf der Straße des 17. Juni“ twittert die Behörde launig und ergänzt „#Faktencheck“. Dann checken wir doch auch das mal. Wie viel Anfragen waren es denn wirklich? Mehr als 30 schriftliche Presseanfragen habe es dazu gegeben, dazu Bürgeranfragen über Social Media, Fax, das Feedback-Formular, Telefon, Mail, Briefe und selbst über die Polizei Oberhausen sei angefragt worden. 1,3 Millionen Anfragen waren es dann aber doch nicht, gibt die Sprecherin zu: „Wir haben Anfragen im oberen dreistelligen Bereich“. Ihre Pressestelle, das Team Social Media und die Kollegen des Bürgertelefons seien seit drei Tagen mit nichts anderem beschäftigt. Man werde „zugespamt“, sagt die Sprecherin und berichtet von zahlreichen beleidigenden und aggressiven Anrufern, die sich als Journalisten ausgeben würden. „So etwas haben wir noch nie erlebt.“
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Porsche im DRIVE. Volkswagen Group Forum
Das DRIVE erweitert in seiner Ausstellung „START TO DRIVE ELECTRIC“ den Einblick in die Welt des elektrischen Antriebs. Bis zum 1. November präsentiert Porsche unter dem Titel „Porsche – Pionier der Elektromobilität“ die E-Anfänge bis zum heutigen vollelektrischen Sportwagen Taycan. Weitere Infos finden Sie hier.
Auch der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, Arnold Vaatz, beschäftigt sich mit den Dimensionen der Demonstration von Samstag und hat dazu einen Gastbeitrag auf der neurechten Plattform „Tichys Einblick“ verfasst. Kostprobe: „Die dreiste Kleinrechnung der Teilnehmerzahlen der Demo vom 1. August durch die Berliner Polizei entspricht in etwa dem Geschwätz von der ‚Zusammenrottung einiger weniger Rowdys‘, mit der die DDR-Medien anfangs die Demonstrationen im Herbst 1989 kleinrechneten.“ In seinem kurzen Beitrag schafft es Vaatz auch noch einen Verweis auf die NS-Zeit unterzubringen: „Bei Nazis war es Sippenhaft, im Deutschland von heute ist es Kollektivhaft.“ Die russischen Propaganda-Kanäle „Sputnik“ und „Russia Today“ greifen das begeistert auf. Merke: Aus der Geschichte lernen, ist gar nicht so einfach.
Weniger Aufsehen dürfte eine heutige Demonstration am Rathaus Köpenick verursachen – zum Leidwesen der Schausteller, die den Protest organisieren. Erst vor einem Monat haben Tausende vor dem Brandenburger Tor gegen die strengen Corona-Auflagen demonstriert, doch passiert sei seitdem nichts, beklagt Thilo-Harry Wollenschläger. Seit sieben Monaten habe er keinen Cent verdient – bei monatlichen Ausgaben von bis zu 30.000 Euro. Dass Freizeitsparks wieder öffnen dürfen, die Strände voll seien, aber weiterhin keine Volksfeste stattfinden können, findet Wollenschläger ungerecht. „Wir werden wie Menschen zweiter Klasse behandelt. Auch wir können Abstand und Hygiene garantieren.“ Er fürchtet das Ende seiner Zunft, viele Kollegen hätten sich bereits neue Jobs gesucht. Vor allem von Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) ist er enttäuscht, die habe sich über Monate nicht gemeldet. Er hofft auf weniger Bürokratie: „Wenn wir ein Fest organisieren wollen, kommt mir das Genehmigungsverfahren vor, als würden wir ein Atomkraftwerk erbauen.“
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Verändert COVID-19 das Verständnis von Nachhaltigkeit bei Jung und Alt gleichermaßen? Seien Sie am 27. August 2020 Teil des Dialogs und gestalten Sie das Programm des Barcamps aktiv mit. Im Zentrum des Tagesspiegel Change Forums stehen der Austausch zwischen den Generationen, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft. Hier registrieren
„Erzähl mal weiter“ – gemeinsam mit AutorInnen und Ihnen wollen wir während der Sommerferien Fortsetzungsgeschichten schaffen. Den Auftakt der letzten Woche machte Berit Glanz (hier zu lesen). Heute folgt Teil 4.
Stalagmit
von Berit Glanz, Uwö, Doris Jagodzinski und (heute) Tammiko
Ihr Herz klopfte, ihre Nackenhaare stellten sich auf und ihr Rücken spannte sich hart wie ein Bogen, als sie erkannte, dass es sich um ein… kleines Mäuschen handelte: Zwei kleine dunkle Knöpfchen schauten sie im Dämmerlicht an. Plötzlich war sie wieder ein Kind und sah, wie ihre Mama mit zärtlicher Stimme zum Boden zu sprechen schien, wo ein kleines, hellbraunes Etwas verharrte, um dann schnell im Gebüsch zu verschwinden, der kleine, länglich sich windende, rosa Schwanz als letztes. Viel später hatte ihre Mutter ihr erzählt, dass sie nicht gewollt habe, dass ihre Kinder ängstlich gegenüber all dem kleinen Getier würden – deshalb hatte sie sich zusammen genommen und sich all den Spinnen, Würmern und Käfern mit Zutrauen zu nähern versucht. Ach Mama... Da hörte sie einen Schlüssel im Schloss und erschrak.
Morgen lesen Sie an dieser Stelle das Ende der Geschichte von Berit Glanz. Den ganzen Text gibt’s am Wochenende im Tagesspiegel und auf Tagesspiegel.de.
Heiße Nachricht zum Thema Hundstage: Gestern haben wir – nach einem Anruf bei der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft – geschrieben, dass der Name vom Sommersternbild großer Hund käme, der nun 30 Tage am Stück zu sehen sei. Offenbar hat uns da ein Meteorologe hinters Sternenlicht geführt. CP-Leser Rolf S. schrieb: „Der große Hund gehört zu den Wintersternbildern. Er steht im Sommer am Tageshimmel und ist dadurch unsichtbar. Wer das nicht glaubt, sollte einen Planetariumsbesuch machen.“ Haben wir natürlich direkt getan. Doktor Monika Staesche, Leiterin des Planetariums am Insulaner, klärt auf: „Der große Hund ist ein Wintersternbild. Da aber jeder Stern von Tag zu Tag vier Minuten früher aufgeht, ist Sirius, der hellste Stern im großen Hund, das erste Mal im Sommer kurz vor Sonnenaufgang zu sehen.“ Am sogenannten „Frühaufgang“ des Sirius hätten sich schon die alten Ägypter orientiert, denn dann folgte bald die Nilschwemme – aufgrund der Regenfälle in Äthiopien zu dieser Zeit im Jahr. Die Römer übernahmen die Entdeckung und nannten den Zeitraum fortan Hundstage. In den vergangenen 2000 Jahren haben sich die Sternbilder jedoch verschoben, sagt Staesche. Sirius ist nun erst Ende August sichtbar. Und überhaupt: „Die Hitze hängt von der Wetterlage ab.“ *Schwitz* – wäre das auch geklärt.
Berliner Schnuppen
Telegramm
Senatorin in Not: Was hat Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) eigentlich in den Sommerferien getan? Offenbar Urlaub, vermutet die FDP-Fraktion und fordert ihren Rücktritt. Schulleiter beklagen die späte und mangelhafte Informationspolitik, zudem bleiben Fragen (Stichwort Rückkehrer, Lüften, Sportunterricht) offen. Klarer Fall von „stets bemüht“.
Ex-Senatorin in Not: Gegen die zurückgetretene Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke) hat die Staatsanwaltschaft Vorermittlungen eingeleitet. Eine Sprecherin der Behörde sagte: „Derzeit gehen diverse Strafanzeigen wegen Steuerhinterziehung bei der Staatsanwaltschaft Berlin ein, in welcher ebenfalls die Sach- und Rechtslage geprüft wird.“
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Senatorin ohne Kandidatur: Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) kandidiert nicht mehr fürs Abgeordnetenhaus, dem sie seit 2001 angehört. Ihr Ortsverband Friedenau nominierte bereits vergangene Woche den Bezirksverordneten Orkan Özdemir. Dass damit auch ihre Zeit im Senat endet, steht noch nicht fest, gilt aber als sicher.
Der „Guardian“ berichtet über die angekündigte Bundestags-Kandidatur von Kevin Kühnert in Tempelhof-Schöneberg. „Rising star of Geman left“, nennt ihn das Blatt und erwähnt auch gleich noch, dass ihn seine Eltern nach dem früheren, britischen HSV-Kicker Kevin Keegan benannten. 2021 zeigt sich, ob es mit dem Aufstieg trotzdem klappt.
Fake News I in Neukölln: „Masken gefährden deine Gesundheit“, steht auf einem vierseitigen Faltblatt, das CP-Leserin Lucie H. in ihrem Briefkasten in Neukölln fand. Der Flyer warnt vor Hautirritationen, Ansäuerung des Blutes und einer Verringerung der höchstmöglichen Geschwindigkeit der Luft beim Ausatmen. „Ich glaube, dass viele Menschen wissen, dass das Unsinn ist“, sagt ein Sprecher des Bezirksamts. Eine Handhabe habe man für solche Fakes nicht: „Dass so etwas passiert, können wir leider nicht verhindern.“
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Fake News II in Neukölln: Am Freitag findet im Schillerkiez keine Sperrmüllsammlung statt, warnt das Neuköllner Bezirksamt. Es kursieren offenbar entsprechende Plakate: „Das ist eine Fälschung, bitte keinen Sperrmüll auf die Straße stellen“, twittert das Amt. Fragt sich nur, was mit den bereits abgestellten Sofas passiert – also denen von 2013.
Am Samstag eröffnet die BSR ein Kaufhaus. „NochMall“ heißt es, befindet sich in Reinickendorf in der Viktoria-Auguste-Allee 99 und umfasst 15.000 Artikel, die seit April auf zwei Recycling-Höfen gesammelt wurden. Die Idee: Wer etwas abgeben, aber nicht wegschmeißen will, überlässt es der BSR, die verkauft es preiswert. „Wir sind jetzt nicht Ebay 2.0“, sagt eine Sprecherin. Man wolle nur die Kosten decken. Reinickendorf-Experte Gerd Appenzeller war vorab vor Ort. Sein Fazit: „Es macht einen tollen Eindruck, übersichtlich, licht und luftig.“
Wurden für einen Fleischgroßhändler im Wohnquartier Blankenfelder Süden 68 Bäume umsonst gefällt, weil sich dieser zurückzog, wollte Alexander Wieberneit (MdA FDP) wissen. Antwort von Ex-Bausenatorin Lompscher: Umsonst war es nicht – insgesamt wurden dafür 67.239,59 Euro fällig.
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Für die neue Podcast-Folge „Eine Runde Berlin“ hat Checkpoint-Redakteurin Ann-Kathrin Hipp Berlins ältesten Hipster Günther Krabbenhöft getroffen. Ein Gespräch über seine Kindheit auf dem Land, das (Nicht-)Modebewusstsein der Dauerschwarztragenden, Clubkultur und die partyfreie Coronazeit.
Jetzt hören auf Spotify, Apple Podcasts und Tagesspiegel.de.
Um 8:22 Uhr schrieb CP-Leser Axel W. gestern an die Verkehrsinformationszentrale: „Seit einigen Wochen bemerke ich einen gravierenden Rechtschreibfehler auf einer ihrer Hinweistafeln, die an einer Überfahrt am ICC aufgestellt sind. Dort wird der Accent auf dem „è“ im Wort Jafféstraße in die falsche Richtung gesetzt. Richtig ist „é“. 75 Minuten später, um 9:37 Uhr, antwortete Andreas Müer, Leiter Verkehrsinformationszentrale: „Vielen Dank für Ihren Hinweis. Wir haben die Korrektur umgehend vorgenommen.“ Amt, aber sowas von glücklich!
Post im Mailfach: „25 Millionen Besucher im Olympiastadion.“ Huch – bei Hertha? In der Pandemie? Achso, seit der Sanierung 2004. Ein Paar aus Bayern sind die Jubiläumsgäste. Klar, wenn die Bayern kommen, ist die Hütte immer voll.
Unter dem Motto #Positivelycharged (positiv geladen) finden auf dem Tempelhofer Feld aktuell sechs Formel-E-Rennen statt. Nach mindestens zwei positiven Coronatests bei Team-Mitgliedern nicht der sensibelste Slogan.

Das Projekt @wasihrnichtseht macht Rassismuserfahrungen von Schwarzen sichtbar. Wir machen das durch eine Kooperation an dieser Stelle auch.
Heute ist der „Wackel-mit-den-Zehen-Tag“ – das perfekte Warm-up für die Checkpoint-Laufgruppe am Samstag auf dem Tempelhofer Feld. Wegen der prognostizierten Hitze drehen wir bereits um 10 Uhr unsere Runden (6 bzw. 12 Kilometer) Los geht’s am Eingang Herrfurthstraße, wir bringen wie immer ein Auto für Wechselklamotten, eine Kontaktliste und erfrischende Getränke mit.
Das Bezirksamt Mitte sucht ein/e „Mitarbeiter*in in der Allgemeinen Verwaltung der Bau- und Wohnungsaufsicht“. Klingt nach Schwarzarbeit und Bauskandalen. Und in der Realität? „Ihr Arbeitsgebiet umfasst: Erteilung von Auskünften (…), Bedienung des Großformatscanners (…) Bedienung des Großformatdruckers und des Schneidegeräts (…) Bearbeitung von Kopieraufträgen.“ Immerhin: Von Kaffee kochen steht da aber nichts. Zur Bewerbung geht’s hier.
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Während das Virus mit der ersten Welle in die Bevölkerung eingedrungen ist, wird es sich mit der zweiten Welle aus der Bevölkerung herausverbreiten.“
Star-Virologe Christian Drosten ist zurück aus dem Urlaub und hat in der ZEIT eine Handlungsempfehlung geschrieben, um eine zweite Welle zu verhindern. Da dieser wichtige Text kostenpflichtig ist, gerne auch der Verweis auf die Tagesspiegel-Zusammenfassung.
Tweet des Tages
Zuhause-Gefühl ist, wenn mir beim Joggen auf dem #TempelhoferFeld der Keks-Duft der @BahlsenCookies Fabrik in die Nase weht! @TspLeute
Stadtleben
Lesereise – Von einer „sehr spannenden“ Reise berichtete uns Checkpoint-Leserin Regina Konrad. Autor Paul Scraton ist für sein Buch „Am Rand“ (2020, Matthes & Seitz Berlin) 180 Kilometer an der Berliner Stadtgrenze entlangspaziert. Von seiner Tour berichtet der gebürtige Brite, der seit 15 Jahren in Berlin lebt, hier im Lesebühnen-Podcast von rbb und LCB. Wichtigste Erkenntnis von seinen „micro advenures“ an der Kante zu Brandenburg: „Diese Orte außerhalb des Rings (...) haben genauso viel zu tun mit Berlin wie Kreuzberg oder Mitte oder Charlottenburg.” Wer sich lesend selbst auf den Weg machen möchte: Wir verlosen ein Exemplar.
Urlaub ganz nah – Scratons Spaziergang beginnt an der Greenwichpromenade in Reinickendorf. Sie liegt zwischen dem Borsigdamm und der Tegeler Hafenbrücke, die auch Sechserbrücke genannt wird. Das dort gelegene Café Sechserbrücke ist der ideale Ort, um in Scratons Buch reinzuschnuppern. Wie wär´s danach mit einer zweistündigen Dampferfahrt über den Tegeler See? Die Rundfahrt startet ebenfalls an der Greenwichpromenade und führt z.B. an der Villa Borsig entlang. Etwas weniger trubelig ist es im nah gelegenen Tegeler Forst, auf einem der zahlreichen Naturwanderwege.
Essen – Im Lemon Feinkost Café kann man zwischen niedlicher Blümchentapete hauchdünne, selbst gebackene Gözleme essen. Gefüllt sind sie u.a. mit Spinat und Käse oder vegan mit Jackfruit oder Kartoffeln. Hinter der Glasscheibe der Verkaufstheke sind weitere mediterrane Spezialitäten wie Weinblätter und Manti ausgestellt. Auf keinen Fall verpassen sollte man die Zimt-Walnusspaste, sie schmeckt ein bisschen nach Weihnachten und Mittelmeer. Mo-So, 10-22 Uhr, Wühlischstraße 17-18, S-Bhf Ostkreuz
Trinken – „Cheese+Beer“ heißt die zusammen mit Berliner Berg organisierte Veranstaltung der Friedrichshainer HOME Bar, einem britischen Pub in der Neuen Bahnhofstraße 22. Britisch und geschichtsträchtig wirken die knautschigen Sessel und Sofas, genauso wie der schummrig ausgeleuchtete Bartresen und der Holzfußboden, der aussieht, als wären schon Generationen von NachtschwärmerInnen über ihn spaziert. Ab 18 Uhr können Gäste für einen Pauschalbetrag von 10 Euro aus einem großen Cheddarsortiment insgesamt drei verschiedene Käsesorten aussuchen und sie mit einer Berliner Weisse oder einem Pils runterspülen. Eine vorherige Tischreservierung via Facebook ist empfohlen. Di+So 17-1 Uhr, Mi 17-0 Uhr, Fr 17-2 Uhr, Sa 14-2 Uhr, So 14-11 Uhr, S-Bhf Ostkreuz

Rausfahren – Auf einer kleinen Insel an der Knatter in Kyritz liegt der Brandenburger Inselgarten, ein Biergarten zum Entspannen, Planschen und vor allem zum Schlemmen. Sollten alle Bierbänke besetzt sein, können sich Besuchende in Corona-Zeiten ein kleines Picknickkörbchen für ein individuelles Plätzchen im Grünen zusammenstellen lassen. Die SlowtravellerInnen vom draussen-magazin empfehlen, mit der Regionalbahn anzureisen und das Rad mitzunehmen, um so noch die Umgebung am Naturpark Westhavelland zu erkunden. Im Städtchen Kyritz, Heimatort des fiktiven Detektivs Nick Knatterton, lädt die Bachstraße mit Fachwerkhäusern zum Flanieren ein. Zur Insel selbst fährt eine waschechte Elektro-Fähre, Ahoi! (Foto: Frederik Schramm)
Kunst-Festival – (ein Tipp von Kultur-Kollegin Sandra Luzina) Beim Festival „Plataforma Berlin“ präsentieren PerformerInnen mit iberoamerikanischem Hintergrund ihre Arbeiten. Der postkoloniale Diskurs spielt dabei eine zentrale Rolle. In diesem Jahr findet zwar nur eine reduzierte Version im Dock 11 in der Kastanienallee 17 statt, doch auch diesmal stehen indigene Kulturen im Fokus. In den kurzen Dokumentarfilmen „Messages from the Earth“ und „Aldeia do Cachimbo“ berichten Indigene aus verschiedenen Ethnien von ihrem Kampf ums Überleben. Anschließend zeigt der Tänzer Pau Aran sein Solo „Étude V“, das vom Werk des peruanischen Dichters César Moro inspiriert ist. Wie wird der Regenwald in 20 Jahren aussehen? Dieser Frage geht Martha Hincapié Charry dann am Samstag und Sonntag im Solo „AMAZONIA 2040“ nach (Programm jeweils 18 und 20 Uhr).
Karten sichern – Vor der grünen Wiese des silent green wird die nächsten Tage zu Live-Musik gepicknickt. Die Besuchenden erhalten für das Konzert Kopfhörer und ein Futter-Paket mit marokkanischer Bowl (vegetarisch) und einer süßen Tüte sowie dem nötigen Besteck. Decke und Kissen sollten selbst mitgebracht werden. Wir verlosen jeweils 1x2 Karten (Picknickkorb inklusive) für die Picknickkonzerte am 7. August (mit dem italienischen Komponisten Federico Albanese), am 8. August (mit dem gehörnten Pianisten Lambert), und am 15. August (mit der Musikerin Hania Rani). Wer mag? Bitte angeben, zu welchem Konzert Sie möchten.
Kleidertausch – „Wiederverwenden statt wegwerfen" lautet des Motto des Ökomarkts am Kollwitzplatz. Jeden 1. Donnerstag im Monat werden hier von 12 bis 16 Uhr fleißig Kleider getauscht. Teilnehmende müssen dafür maximal fünf gut erhaltene und saubere Teile (Schuhe oder Kleidung) mitbringen und können dafür neue Schätze ergattern. U-Bhf Senefelderplatz
Vernissage – Die Fotogalerie Friedrichshain war die erste und einzig offizielle Fotogalerie der DDR. Zum 35. Jubiläum lässt sie mit der Ausstellung Ausblick in ihre Archive und somit in die Vergangenheit blicken. Gleichzeitig richtet sich der Blick in die Zukunft, auf Kunstwerke des Nachwuchsprojektes Jugend und aktuelle Serien junger FotografInnen. Zu sehen sind unter anderem Bilder der DDR-Künstlerin Helga Paris. Die Eröffnungsansprache um 19 Uhr und der Getränkeausschank finden vor der Galerie auf dem begrünten Helsingforser Platz statt. Bis zu zwanzig Menschen auf einmal können die Kunst im Inneren der Galerie entdecken. S-Bhf Warschauer Straße
Insel-Check
Team Checkpoint hat die Segel gehisst und alle Berliner Inseln besucht – es sind mehr als 50. An dieser Stelle und auf Instagram stellen wir Ihnen täglich eine davon vor. Und oben drauf gibt’s unser Inselquartett – zum Ausschneiden für lange Autofahrten in den Ferien und Sommer-Sehnsucht im Winter.
Insel-Tipp gefällig? Dann mir nach: Fernreise mit der U7 nach Spandau, Zitadelle. Das ist nämlich auch eine Insel. Links, rechts – überall Havelwasser. Über eine Zugbrücke geht es hinein. Das hier ist Berlins Museumsinsel No. 2 mit dem berühmten Lenin-Kopf. Der beste Ort? Psst, hier ein Tipp: Gehen Sie zu den italienischen Höfen und erklimmen den Wall. Dort ist kein Tourist, weil man da nix sieht außer Havel, Wasser, Inselidyll. Überall dösende Boote, wilde Natur, ein gewaltiger träger Fluss. Stand-up-Paddler im Graben, in der Ferne Berlins berühmte Insel Eiswerder. Und sonst nur Stille. Es ist ein wahres Paradies, und manchmal ist es dort oben so heiß wie in der Karibik. Die absolute Spitze ist der Juliusturm (30 Meter). Von ganz oben sieht man die TXL-Flugzeuge, die zu ganz anderen Inseln fliegen, und man sieht nahe dem BMW-Werk den nächsten Badestrand. Platsch.
Text: André Görke
Berlin heute
Verkehr – A11 (Dreieck Charlottenburg): Sperrung stadteinwärts zwischen AS Heckerdamm und A100 (20 Uhr bis Sonntag, 20 Uhr). Es sind weiträumige Umleitungen ausgewiesen. Alle Infos hier.
Alt-Kaulsdorf (B1/B5) (Kaulsdorf): Sperrung stadtauswärts zwischen Chemnitzer Straße und Am Feldberg (bis Freitag, 8 Uhr). Im Anschluss steht vsl. nur ein Fahrstreifen zur Verfügung (bis 21.8.). Außerdem steht vor der Myslowitzer Straße nur ein Fahrstreifen zur Verfügung (bis Ende August).
An der Wuhlheide (Köpenick): Demo am Stadion an der Alten Försterei. Der Zug führt bis ca. 12 Uhr auf einem Rundkurs über Lindenstraße, Alt-Köpenick, Oberspreestraße und Spindlersfelder Straße zurück zur Straße An der Wuhlheide.
Alt-Köpenick (Köpenick): Kundgebung am Luisenhain zwischen 12 und 14 Uhr. Auf der Straße Alt-Köpenick kann es in dieser Zeit zu Sperrungen kommen.
Demonstration – 25 von Greenpeace angemeldete Teilnehmende treffen sich zu einem Aufzug mit dem Titel „Hiroshima-Gedenktag, Atombomben stoppen” am Pariser Platz 1 in Mitte (10-11 Uhr). Der Tourismusverein Berlin Treptow-Köpenick hat gleich zwei Aufzüge mit dem Titel „Schausteller und Andere in Not” angemeldet. Der erste Aufzug beginnt an der Wuhlheide bei der alten Försterei (10-12 Uhr) mit 55 Demonstrierenden, der zweite startet am Luisenhain mit 100 Teilnehmenden (12-14 Uhr). Zur „Erinnerung an die Zündung von zwei Uranbomben über Hiroshima und Nagasaki, Japan 1945” versammeln sich am Pariser Platz in Mitte 20 Personen. Anmelder ist der Arbeitskreis Uran-Munition Berlin (12-15.30 Uhr). Vor dem Auswärtigen Amt am Werderschen Markt in Mitte finden sich 50 Menschen zu „Kundgebung und Protest zur Aufmerksamkeit auf eine unvorstellbare Umweltkatastrophe im Rotem Meer und Indischen Ozean wegen Safer Öl-Tanker” zusammen.
Gericht – Ein 63-Jähriger, der als Fahrgast einen Taxifahrer fremdenfeindlich beleidigt und anschließend Polizisten attackiert haben soll, kommt auf die Anklagebank (9 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal 572).
Universität – Am zentralen Datenbankserver der Humboldt Universität werden heute von 8.30 Uhr bis 12 Uhr Wartungsarbeiten durchgeführt. Davon betroffen ist auch das OTRS-Ticketsystem, welches vorübergehend nicht verfügbar sein wird. Während der Wartungsarbeiten kann OTRS keine Mails abrufen und Support-Mitarbeiter*innen können sich nicht in ihr Ticketsystem einloggen.
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Juls Berger (11), der coolste Torhüter beim VfL Tegel, „Happy Birthday! / Sebastian Bönig (39), ehem. Fußballer, Co-Trainer von Union / Dieter Gorny (67), Gründer der ehem. VIVA Media AG / Andreas Knieriem (55), Veterinärmediziner und Berliner Zoodirektor / Sven Kohlmeier (44), für die SPD im AGH / Martin Johannes Lohse (64), Humanmediziner, Präsident der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte / Ute Luig (76), Ethnologin, ehem. Professorin an der FU
Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.
Gestorben – Dr. Rolf Kiefer, * 13. Januar 1953 / Peter Sperling, * 1. Juli 1948 / Dipl.-Ing. Gerhard Wolf, * 23. November 1932 / Johann Gotlob von Wrochem, * 17. Juni 1938, Pianist und Komponist
Stolperstein – Erna Wohl lebte in der Tile-Wardenberg-Straße 26 in Mitte. Am 3. August 1942 wurde sie nach Auschwitz deportiert. Drei Tage später – heute vor 78 Jahren – wurde sie dort ermordet.
Encore
Vor zehn Tagen haben wir an dieser Stelle über einen Fuchs berichtet, der in Zehlendorf mehr als 100 Schuhe (vor allem Plastik-Crocs) gestohlen hat. Die Story ging viral, selbst in Indien wird nun über den ungewöhnlichen Dieb berichtet. „Dass das Sommerloch weltweit so groß ist, hätte ich nicht gedacht“, sagt Christian Meyer, der den Fuchs auf frischer Tat ertappt hatte. Inzwischen hätten acht Schuhbesitzer ihre Schuhe wieder. Ende des Fuchs-Sommerlochs? Von wegen! Ein weiterer Fuchs treibt in der Stadt offenbar sein Unwesen – allerdings nicht auf der Jagd nach Schuhen. Im Zoo hat sich offenbar ein flinker Fuchs am Wochenende durch einen schmalen Spalt ins Gehege der Roten Riesenkängurus geschlichen und ein Jungtier ermordet. Es komme regelmäßig vor, dass Füchse aus dem nahen Tiergarten den Zoo besuchen würden, sagte eine Sprecherin. „In der Regel stehen jedoch Stockenten auf dem Speiseplan.“ Die Betreiber seien machtlos: „Das Nachstellen und Fangen von Füchsen ist in der Schonzeit generell verboten.“ Jetzt werden im Zoo alle Gehege auf mögliche weitere Schlupflöcher überprüft und nachgebessert. Vielleicht würde auch das Auslegen von ein paar Crocs helfen.
Schlau wie ein Fuchs hat für diesen Checkpoint Vivien Krüger recherchiert, fleißig wie ein Bienchen Masha Slawinski das Stadtleben zusammengetragen und der frühe Vogel Florenz Gilly diese Ausgabe produziert. Als morgige Nachteule übernimmt hier Julius Betschka!
Gehen Sie nicht vor die Hunde an diesem Hundstag und bleiben Sie gesund,