Es waren Szenen, die in keiner anderen Metropole der Welt möglich scheinen: Die Regierende reckt die Pistole in die Luft, blickt eindringlich in die Kamera. Sie bewegt sich keinen Zentimeter, blinzelt nicht. Und drückt ab. Was war los – war Franziska Giffey (SPD) aufgebracht, dass in Italien voraussichtlich die rechteste Regierung seit dem Zweiten Weltkrieg gewählt wurde? Wütend, dass sich die Pannenwahl jährt oder wegen der miesen Umfragewerte? Nicht doch! Marathontag!
Noch während Eliud Kipchoge einen neuen Weltrekord ersprintete (2:01:09 Stunden), wurde das Foto der ausdruckslos in die Kamera starrenden Giffey, die den Startschuss zum Wettbewerb abgab (Originalvideo hier), zum Internet-Trend (Beispiele hier, hier und hier). Am Abend setzte sich Giffey nach Prag ab (Franziska Giffey/Twitter) – thug life, wie man in der Szene sagt, oder anders ausgedrückt: „Einmal Neukölln, immer Neukölln“ (Jenni Wu/Twitter).
Derweil zitterte der Rest der Stadt vor den Folgen des Sport-Ereignisses: Was der Marathon wohl dieses Jahr durcheinanderbringt? Letztes Jahr wählte Berlin am Tag des Berlin-Marathons – der Rest ist peinliche Geschichte, in der der Marathon höchstens eine Nebenrolle spielt. Am Mittwoch findet die erste mündliche Verhandlung des Berliner Verfassungsgerichtshofs über mögliche (Teil-)Neuwahlen statt. Ein Jahr nach der Wahl präsentieren wir: den weltexklusiven Rückblick in Checkpoint-Betreffs.
+Wahlergebnisse+Analyse+Chaos+ (27.9.)
+Wahlchaos in Berlin+Unstimmige Wähler+Neuzählung in Pankow+ (30.9.) +Wahlpannen+Koalitionsverhandlungen+Berliner der Woche+ (2.10.)
+Wahl-Desaster+Koalitionen+Weihnachtsmarkt+ (6.10.)
+Wahlzweifel+Weihnachtsferien+Ämter-Ranking+ (14.10.)
+Wahl-Debakel+Koalitionsgespräche+BER-Reaktionen+ (16.10.)
+Wahlpannen ohne Ende+Schule+Cannabis+ (19.10.)
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Mittlerweile ist – zumindest statistisch betrachtet – klar: Wahlversprechen, die jetzt noch nicht erfüllt sind, werden es womöglich lange bleiben: „Aktuelle Forschung zeigt am Beispiel Kanadas, dass die Wahrscheinlichkeit, dass eine Regierung ein Wahlversprechen einhält, massiv abnimmt, wenn im ersten halben Jahr nichts passiert ist“, sagt Innenpolitik-Professor Jochen Müller von der Humboldt-Uni dem Tagesspiegel Innovation Lab. Wir wollten nicht kleinlich sein und schlugen noch ein halbes Jahr drauf. Anlässlich des einjährigen Wahljubiläums analysieren wir, was den Berlinern bei der Wahl besonders wichtig war, was davon R2G umgesetzt hat und was auf der Strecke zu bleiben droht. Die ganze Datenanalyse gibt es hier.
Senat in der Schulbau-Defensive: Wie die Sommer-Schulbauoffensive gelaufen ist, wollten Franziska Brychcy und Kristian Ronneburg (Linke) von der Bildungsverwaltung wissen. Geht so, heißt es dort: Pandemie und Personalmangel haben ausgebremst, aber „trotz der angeführten Herausforderungen wurden zahlreiche (…) Maßnahmen begonnen bzw. abgeschlossen.“ Oho! Klingt doch super! Sicherheitshalber haben wir in der angehängten Tabelle nachgezählt: Abgeschlossen sind genau acht, begonnen 83. Fast fertig also.
Beim Linken-Parteitag in Friedrichshain ertappte mein Kollege Robert Kiesel Genossen in flagranti – beim Verzehr von Burger-King-Burgern. Skandal! Das Argument, als Teil der Arbeiter:innenklasse von günstigen Burgern abhängig zu sein (Twitter), ist dank Google Maps hinfällig: Nur wenige Meter weiter befinden sich zwei Dönerbuden (haben zudem bessere Bewertungen). Doch die Solidarität war entfacht, Fraktionsvize Tobias Schulze konterte mit dem notorisch dissidentischen DDR-Dramatiker Heiner Müller: „Wir stecken bis zum Hals im Kapitalismus!“ Da geht doch noch was! Wie wär’s mit einer auf die realpolitischen Snack-Verhältnisse aktualisierten Version? „Der Kapitalismus steckt uns im Hals!“
Vielversprechender war der klassische Ansatz des Landesverbandes selbst: „Es gibt kein richtiges Leben im Falschen.“ Anders ausgedrückt: If I can’t eat my burger, I don’t want to be part of your revolution. Damit der Burger nicht im Hals stecken bleibt, empfehlen wir übrigens Werder-Bremen-Korn – der müsste irgendwo im Bundestag zu finden sein, ein nicht namentlich genannter CDU-Abgeordneter sucht seine Flasche. Man sei „ernsthaft verzweifelt“, sagte eine Mitarbeiterin dem Spiegel. Wir sind es auch.
Beef (sorry für die Überleitung!) gibt’s auch im Neuköllner Gesundheitsamt. Dort haben in den vergangenen Wochen drei Führungskräfte gekündigt, berichtet mein Kollege Hannes Heine. Zudem wollen sich einige Mitarbeiter versetzen lassen. Hintergrund ist offenbar der Streit zwischen Noch-Amtsarzt Nicolai Savaskan und Gesundheitsstadträtin Mirjam Blumenthal (SPD). Letztere wirft Savaskan vor, sich Mitarbeitern gegenüber im Ton vergriffen und Weisungen missachtet zu haben, sie entband ihn vor zwei Monaten von seinen Pflichten und erteilte ihm Hausverbot. Savaskan hatte seinerseits Blumenthals „disziplinarisch-sanktionistischen“ Führungsstil bemängelt, Unterstützer des Noch-Amtsarztes beklagen, Blumenthal würde Innovation verhindern und habe benötigte Hilfe vom Lageso abgelehnt. Die ganze Geschichte des Streits hat Hannes Heine aufgeschrieben.
Die Vorwürfe reißen nicht ab: In einer E-Mail an die Personalstelle des Bezirksamts, die dem Checkpoint vorliegt, schildert jemand, der im Neuköllner Gesundheitsamt arbeitete, die Arbeit mit Blumenthal als äußerst schwierig. Die Angaben konnten nicht unabhängig überprüft werden. Öffentlich bekannt geworden war der Streit zwischen Blumenthal und Savaskan wegen eines mittlerweile gelöschten Rap-Videos (kein Scherz, siehe CP vom 15.5.), in dem Ali Bumaye auftrat, der ein Verwandter von Arafat Abou-Chaker ist. Blumenthal sagte in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV), die Löschung habe nichts mit seiner Verwandtschaft zu der Clan-Größe zu tun – Whatsapp-Nachrichten belegen das Gegenteil (CP vom 7.9.). Die Neuköllner CDU hat nun einen Missbilligungsantrag gegen Blumenthal gestellt, am Mittwoch spricht die BVV über das Thema.
Rund 550 Menschen kamen am Samstag am Nettelbeckplatz zusammen, um gegen das iranische Regime zu demonstrieren – unter dem Motto „Jin, jiyan, azadî“ (kurdisch für: „Frau, Leben, Freiheit“). Im Berliner Alltag mag die Demo eine Randnotiz sein, für die Menschen im Iran geht es um alles. Mahsa Amini, deren kurdischer Vorname Jina lautete, ist nicht mehr die Einzige, die jüngst vom iranischen Staat getötet wurde: Mindestens 41 weitere Menschen sind bisher bei den Protesten gestorben (FT). Laut Amnesty gibt es „keinen Zweifel“, dass Sicherheitskräfte auf Demonstranten schießen. Hinzu kommen etliche Festnahmen. In vielen Städten ist das Internet ausgeschaltet: Nicht alle Bilder, nicht alle Informationen über das brutale Vorgehen des Staates verlassen das Land.
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Als Sänger und Dirigent gibt der gefeierte Countertenor Bejun Mehta sein Debüt mit dem Konzerthausorchester Berlin am 1. und 2. Oktober. Auf dem Programm: Werke von Bach, Mozart sowie eine Trauermusik des 1715 mit nur 36 Jahren in Leipzig verstorbenen Melchior Hoffmann. Sie hielt man lange für ein Werk von Bach.
Hier 3x2 Tickets für den Großen Saal im Konzerthaus Berlin gewinnen.
Mit Ihrem Tagesspiegel-Plus-Abo können Sie heute zudem u.a. folgende Texte lesen:
+ Russische Kriegspropaganda erreicht hierzulande Hunderttausende. Wer sind die Menschen, die Putins Lügen in der Bundesrepublik salonfähig machen? Julius Geiler hat recherchiert, wie Putins Infokrieger in Deutschland Stimmung machen.
+ Über vier Jahre saß Zeinab Bayazidi in einem iranischen Gefängnis. Heute lebt die Kurdin in Berlin und verfolgt die aktuellen Proteste mit Hoffnung. Büşra Delikaya hat mir ihr gesprochen.
+ Fünf Lehrkräfte unterrichten bei „Lesen und Schreiben“ 30 erwachsene Analphabeten. Nicht nur Lernen steht im Fokus – sondern auch gesellschaftliche Teilhabe. Frank Bachner erzählt, wie ein Verein gegen Stigmatisierung kämpft.
Berliner Schnuppen
Telegramm
Die aktuellen Nachrichten aus Russlands Krieg gegen die Ukraine:
+ Russland setzt in den besetzten Gebieten der Ukraine Scheinreferenden über den Beitritt zu Russland fort.
+ Der ukrainische Präsident Selenskyj hat versprochen, das gesamte Land zu befreien.
+ In Russland finden Demonstrationen gegen die Teilmobilmachung statt, mindestens 100 Menschen wurden in Dagestan festgenommen. In der Kaukasus-Region scheint die Wut besonders stark zu sein, berichtet Reuters.
Alle aktuellen Ereignisse können Sie in unserem Live-Blog (hier) und auf unserer Live-Karte (hier) verfolgen. Spenden für die Ukraine können Sie hier.
Vom heutigen Internationalen Tag für die vollständige Beseitigung der Kernwaffen will Putin nichts wissen, er erneuert seine nuklearen Drohungen in regelmäßigen Abständen (zuletzt am Mittwoch im russischen TV). Sowieso: Für die internationale Abrüstung ist Russlands Angriffskrieg nicht zuträglich. 1994 gab die Ukraine ihre Atomwaffen unter der – auch von Russland unterzeichneten – Garantie ab, dass man ihre Landesgrenzen und ihre Unabhängigkeit respektieren werde. Was daraus geworden ist, ist bekannt. Der Krieg macht es insofern noch unwahrscheinlicher, dass in den kommenden Jahren Länder freiwillig abrüsten.
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Urbane Resilienz – Berlin gemeinsam stärken
Die Hauptstadt steht vor großen Herausforderungen. Sozial, ökologisch, technisch – wir müssen heute entscheiden, wie wir in Zukunft leben wollen und können.
In der Webdokumentation zur Urbanen Resilienz entdecken Sie, wie sich Berlins Kieze mit der Städtebauförderung an aktuelle Herausforderungen anpassen.
Immerhin bei der Umrüstung auf nicht-russisches Gas vermeldete die Bundesregierung einen Erfolg: Bei Scholz‘ Besuch in den Vereinigten Arabischen Emiraten unterzeichnete der deutsche Energiekonzern RWE einen Vertrag über 137.000 Kubikmeter LNG. Oder wie „Bloomberg“ es ausdrückt: „Deutschland sichert nur einen Tanker Gas.“
Ganz Berlin spart Energie. Ganz Berlin? Nein! Eine widerständige Immobiliengesellschaft beleuchtet ein stillgelegtes Krankenhaus-Grundstück am Wannsee, stoisch brennt zwischen 22 und 6 Uhr Licht – selbst im Sommer, wenn es früher hell wird. Verwalter ist die landeseigene Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM). Ihr zufolge sei das aus „Gründen der Verkehrssicherung“ nötig, Teile der Liegenschaft seien vermietet. Das geht aus einer Senats-Antwort auf eine Anfrage von Sebastian Czaja (FDP) hervor. Moment mal, Verkehrssicherung? Als gewerbliche Mieter sind online auffindbar: ein Atelier (13-19 Uhr geöffnet), ein Waldkindergarten (vorübergehend geschlossen) und ein Film-Produktionsbüro (Öffnungszeiten: 10-16 Uhr). Für wen also die Beleuchtung? Noch ist uns kein Licht aufgegangen.
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Seit Jahren gehört das Restaurant Freischwimmer zu den besonderen Orten in Berlin. Urban und stets im Wandel wurde hier eine einzigartige Location für Ihr Event
geschaffen: Ob überdachter Bootssteg am Wasser, Kaminzimmer mit Panoramafenstern oder privater gelegen in unserem verwunschenen Inselgarten mit Bootsanleger.
events@freischwimmer-berlin.com
Umso besser, dass derweil den wahren Umweltsäuen Einhalt geboten wird: Pflegekräfte des Virchow-Klinikums erhalten trotz Schichtdienst keine Gratis-Parkausweise (hier nachzulesen). Eine Ausnahmegenehmigung könne es bei Schichtbeginn vor 5:30 Uhr und -ende bis 0:30 Uhr nur geben, wenn „keine zumutbaren Fahrmöglichkeiten mit öffentlichen Verkehrsmitteln bestehen“, teilt die Senats-Umweltverwaltung mit (Anfrage von Martha Kleedörfer/Linke). Das Virchow-Klinikum sei aber doch „sehr gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar“, nämlich mit „Bus, Tram und U-Bahn“. Sowieso: Zwischen 20 und 9 Uhr gebe es doch sowieso keine Parkraumbewirtschaftung. Bei Schichtbeginn um 5:30 Uhr parkt man die ersten Stunden sowieso gratis, der Rest kostet dann zwei Euro pro Stunde. Schnäppchen! Das muss diese Wertschätzung von Pflegekräften sein, von der alle reden.
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Tim Fischer zum 100. Geburtstag von Georg Kreisler: Tigerfest
Zum 100. Wiegenfest des Königs des schwarzen Humors lässt Tim Fischer Kreislers Raubkatzen endlich wieder aus dem Sack! Spielend verwandelt er sich zum traurigen Clown, geldgeilen Luder, Satiriker und Satyr. Niemand hält die kultivierte Boshaftigkeit des begnadeten Chanson-Kreateurs so schön am Leben, wie der vom Meister selbst geadelte Interpret. 04. - 16. Oktober | BAR JEDER VERNUNFT
Heißer Tipp für Pflegekräfte, äh, quatsch, natürlich für alle, die eine neue Herausforderung suchen: Im Amtsblatt gibt’s fantastische Jobs, etwa sucht die BVG eine/n Trainee im Vertrieb mit Schwerpunkt Kundenbindungsprogramme (Tipp: Neun-Euro-Ticket wieder einführen) und Reinickendorf Leute, die spazieren gehen. Naja, nicht ganz: Gesucht wird ein Straßenbegeher (m/w/d). Auch die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe profiliert sich als begehrenswerter Arbeitsgeber: Sie lockt mit hausinternen Fahrradwettbewerben und Radlotterien (Q: Anfrage Kristian Ronneburg und Niklas Schenker, Linke).
Nachklapp zur eigenwilligen Öko-Strategie von Hertha zwischen Nachhaltigkeitsspieltag und USA-Trainingslager (CP vom 23.9.). Ist das nicht ein Widerspruch? Hertha-Sprecher Marcus Jung spricht lieber von einem „Spannungsfeld“: „Es ist nicht alles im Leben nur schwarz oder weiß. Jeder darf auch gerne selbst in seinem persönlichen Umfeld reflektieren, wie er sich im täglichen Leben bewegt, wie er seine Urlaube verbringt und was er beim Thema Nachhaltigkeit beisteuert“, sagte er dem Checkpoint. Ende der Philosophie-Sternstunde.
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Am 3. Oktober von 11 bis 18 Uhr veranstalten wir unser Tagesspiegel Hoffest. Unsere Chefredaktion berichtet über die Weiterentwicklung des Tagesspiegels und möchte mit Ihnen diskutieren. Außerdem: Die Checkpoint Band live. Die besten Chefärzte Berlins. Ein großes kulinarisches Angebot und Rabatte auf ausgewählte Tagesspiegel Shop-Produkte. Wir freuen uns auf Sie! Jetzt anmelden
Apropos Fußball und Moral: Katar kofinanziert offenbar eine Neuköllner Moschee, die als Treff von Anhängern der Muslimbrüder gilt. Das haben Recherchen von „Zeit“ und „RBB“ ergeben. Der Imam der Moschee hatte laut „RBB“ 2017 verneint, Geld aus dem Ausland zu erhalten. In Katar findet die kommende Fußball-Weltmeisterschaft statt.
Heike Werding will die Macht in Deutschland übernehmen. Sie ist Chefin einer bizarren Reichsbürger-Gruppe. Bei Mitgliedern findet die Polizei Schrotflinten, Armbrüste und ein japanisches Kampfschwert. Die Gruppe ist inzwischen verboten. Sie macht trotzdem einfach weiter. Hier geht’s zum Podcast meiner Kolleg:innen Katja Füchsel und Sebastian Leber.
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Nutzloses Wissen, BVG-Edition: Derzeit werden ganze 44 Linien mindestens teilweise von Subunternehmern durch die Hauptstadt manövriert: 106, 114, 118, 124, 133, 161, 164, 168, 175, 184, 204, 218, 234, 275, 284, 312, 316, 318, 320, 322, 324, 326, 334, 349, 363, 369, 380, 395, N12, N18, N23, N34, N35, N39, N53, N61, N62, N68, N69, N84, N91, N95, N96 und die N97. Outsourcing ist das übrigens nicht – findet jedenfalls der Senat, „da die BVG weiterhin Inhaber der Liniengenehmigung ist.“ Dass sowohl Fahrer:in als auch Fahrzeug nicht von der BVG bereitgestellt werden? Sei’s drum. (Q: Anfrage Sven Meyer, SPD)
Rekordverdächtig ist ein Haufen Bauschutt in der Tempelhofer Manfred-von-Richthofen-Straße. Seit zweieinhalb Jahren (!) harrt er der Dinge, die da kommen oder auch nicht. Am 3. April 2020 hat Checkpoint-Leser H. Barth ihn im Ordnungsamt-Portal gemeldet – vergangenen Mittwoch kam eine Mail mit dem Betreff: „Status: Erledigt“. Doch die Mail verrät: Erledigt wurde nur das Behördenpingpong. „Vielen Dank für Ihren Hinweis. Diesen haben wir an unser Straßen- und Grünflächenamt Fachbereich Strassen weitergeleitet. Die Prüfung wird einige Zeit in Anspruch nehmen.“ Checkpoint-Tipp: Den letzten Satz hätte das Ordnungsamt sich sparen können.
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Der Mord an Elisabeth Dürr und ein böser Verdacht
Eine 63-Jährige liegt erwürgt in ihrer Wohnung. Vieles deutet auf ihren Sohn als Täter. Doch der hat ein perfektes Alibi. In der 14. Folge von „Tatort Berlin”, dem True-Crime-Podcast des Tagesspiegels, verrät Mordermittlerin Barbara Bluhm, wie sie der Wahrheit nach vielen Jahren doch noch auf die Spur kam. Jetzt kostenlos auf Spotify, Apple Podcasts und Tagesspiegel.de.
Gewonnen! Sonnabend fragten wir, wie lange man die Luft anhalten muss, um an einem Schwimmkurs der Berliner Bäderbetriebe teilzunehmen. Die richtige Antwort lautet c) …ungefähr 866 Stunden, was ungefähr 36 Tagen, knapp 52.000 Minuten oder guten fünf Wochen entspricht. Hier lesen Sie es nach.
Zitat
„Mr. Scholz was surprisingly emotional when reacting to questions that challenged him.”
Die New York Times beschreibt ihr Interview mit dem deutschen Bundeskanzler.
Tweet des Tages
war grad auf einer fremden hausparty und hab dort locker 10min heiß geduscht
Stadtleben
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Essen & Trinken – Nicht nur der „dry january“ steht im Zeichen des Alkoholverzichts, manch eine*r macht auch den Oktober zum „sober october“. Dabei muss das Weglassen vom Hochprozentigem keineswegs zulasten des Genusses gehen. Barchef des Cocktailibistros Bonvivant Elias Heintz hat sogar ein Drink-Pairing entwickelt, das ganz ohne Alkohol auskommt und das Menü perfekt ergänzt. Im Bonvivant gibt es so zur Tomate vom Landgut Pretschen mit Safran, Bronzefenchel und Alge zum Beispiel einen Drink aus klarifizierter Wassermelone mit Verjus und Beeren. Wie man moderne Cocktails mixt, lehrt Heintz auch in einem Kurs (individuell buchbar, 69 Euro pro Person). Und wer das Pairing testen möchte, reserviert einen Tisch im Bonvivant Cocktailbistro. Di-Sa ab 18 Uhr, Brunch Sa/So 10-15 Uhr, Goltzstraße 32, U-Bhf Kleistpark.
Karten sichern – JP Cooper verbindet in seiner Musik Welten, die gegensätzlich scheinen, so gekonnt, dass man sie gar nicht mehr als widersprüchlich empfindet. Der Musiker aus Manchester schulte seine Stimme im Gospel-Chor, seine Musik klingt eher nach Songwriter-Indie. Seit drei Jahren war er nicht mehr auf Tour, nun hat er mit „She“ ein sehr persönliches Album vorgelegt. Dieses stellt er am Donnerstag im Frannz Club vor. Hingehen (und hinhören!) lohnt sich. Karten gibt es ab 20 Euro hier. Wir verlosen zudem 2x2 Karten für den Konzertabend.
Karten sichern, gleich nochmal – Zwei Jahre Corona und Videokonferenzen, das sind auch zwei Jahre Konfrontation mit dem schlecht ausgeleuchteten Selbst. Was machen Optimierungswahn und Pandemie-Pragmatismus mit der Sicht auf das eigene Gesicht und Gesichter im Allgemeinen? Die Autorinnen Luzia Braun und Ursula März haben mit „Sich sehen“ eine moderne Kulturgeschichte des Gesichts herausgegeben und für diese u.a. mit Philosoph Peter Sloterdijk, Mode-Designer Wolfgang Koop und Bundeswehr-Kommandeurin Anastasia Biefang gesprochen. Ihre Erkenntnisse und natürlich das Buch stellen sie am Mittwoch, 28.9. um 20 Uhr im Spiegelsaal des Clärchen’s Ballhaus vor. Teilen Sie uns ihre persönliche Gesichtsgeschichte hier mit, um an der Verlosung von 2x2 Tickets teilzunehmen.
Grübelstoff – Ein Oktober ohne Alkohol könnte auch beim Gesicht für positive Entwicklungen sorgen. Was halten Sie von der Mode zu temporärer Askese, ob Alkoholverzicht oder Süßigkeiten-Fasten?
Berlin heute
Verkehr – A100: In den folgenden beiden Nächten von 21 bis 5 Uhr ist die Autobahn in Richtung Wedding bzw. Kreuz Oranienburg zwischen den Anschlussstellen (AS) Schmargendorf und Jakob-Kaiser-Platz bzw. Heckerdamm gesperrt. Absperrmaßnahmen ab 20.30 Uhr.
Frankfurter Allee (Friedrichshain): Stadteinwärts vor der Proskauer Straße ist die Fahrbahn von 8 bis 15 Uhr auf einen Fahrstreifen verengt.
Spittelmarkt (Mitte): Von 7 bis 16 Uhr steht in Richtung Potsdamer Platz nur ein Fahrstreifen zur Verfügung.
Sickingenstraße (Moabit): An der Sickingenstraße wurde bei Bauarbeiten eine Weltkriegsbombe gefunden. Ab 8 Uhr wird ein Sperrkreis von 500 m rund um den Fundort eingerichtet. Es kommt außerdem zu starken Beeinträchtigungen des ÖPNV. Der S-Bahnring zwischen Beusselstraße und Jungfernheide wird unterbrochen. Weitere Informationen hier.
Invalidenstraße (Moabit): Die Invalidenstraße wird Richtung Alt-Moabit, sowie die Straße Alt-Moabit in Richtung Beusselstraße, wieder für den Verkehr geöffnet. Die Gegenrichtung bleibt weiterhin bis voraussichtlich Anfang 2023 gesperrt.
Grenzallee (Neukölln): In Fahrtrichtung Sonnenallee ist die Fahrbahn zwischen Ballinstraße und Naumburger Straße auf einen Fahrstreifen verengt. Die Arbeiten dauern bis Ende November an.
Mühlenstraße (Pankow): In Richtung Breite Straße ist die Fahrbahn zwischen der Eisenbahnbrücke und Florastraße bis Anfang November auf einen Fahrstreifen verengt.
Reichpietschufer (Tiergarten): In Höhe Stauffenbergstraße ist die Fahrbahn bis Mitte Oktober auf einen Fahrstreifen verengt.
Berliner Allee (Weißensee): Stadtauswärts zwischen Pistoriusstraße und hinter der Lindenallee steht bis Ende Oktober nur ein Fahrstreifen zur Verfügung. Die Anbindung Lindenallee ist gesperrt.
Nahverkehr – U8: Am U-Bahnhof Pankstraße halten die Züge in Richtung Hermannstraße wieder am Bahnsteig. In Richtung Wittenau fahren die Züge nun bis zum 21. Dezember ohne Halt durch.
S1: Bis Freitag zwischen 6 und 18 Uhr fährt die Linie nicht zwischen Gesundbrunnen und Oranienburg. Nutzen Sie alternativ den Ersatzverkehr (stündlich) mit der Regionalbahn RB S1 zwischen Gesundbrunnen und Oranienburg (ohne Halt).
S5: In den folgenden Nächten bis 28./29. September ist die Linie nachts zwischen 22 Uhr und 1.30 Uhr zwischen Hoppegarten und Mahlsdorf unterbrochen. Es fahren Busse als Ersatz.
Demonstration – „Demonstration in Solidarität mit dem kubanischen Volk“, 20 Personen, Gotlandstr. 15 (10-14 Uhr)
„Nein zu CETA!“, Naturfreunde Berlin, 30 Teilnehmende, Platz vor dem Neuen Tor (11-12.30 Uhr)
„WIR STEHEN FÜR ... Rücktritt & Sanktionen für Verantwortliche der Coronapolitik“, 100 Teilnehmer:innen, Elcknerplatz (vor BVG Kundenzentrum), von hier u.a. über Lindenstraße, Alt- Köpenick, Müggelheimer Straße, Pablo-Neruda-Straße, Luisenhain (17.45-20.30 Uhr)
„Wir sind Vielfalt! Solidarität ist unsere Stärke. Gegen rechtsoffene Versammlungen aller Art und überall!“, 200 Personen, Stargarder Straße 6, Schönhauser Allee/Gleimstraße und zurück (19-21.30 Uhr)
Gericht – Weil er einen anderen Mann mit einer Axt angegriffen, am Handgelenk getroffen und dadurch beinahe die Hand abgetrennt haben soll, muss sich ein 24-Jähriger verantworten (9.30 Uhr, Kriminalgericht Moabit, Turmstraße 91, Saal 700).
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – „Liebe Andrea, Alles Gute (nachträglich) zu deinem 50. Geburtstag wünschen Dir Antonia, Karolina und dein Mann“ / Jutta Allmendinger (66), deutsche Soziologin, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung / Helga Bräutigam-Lingfeld (82), Studienrätin in der Erwachsenenbildung i.R. / Natja Brunckhorst (56), Schauspielerin / „Dem Heidelberg Flüchtling Dr.Joachim D. zum 79 Lebensjahr die besten Grüße“ / Karin Gregorek (81), Schauspielerin / Brigitte Kölbel „Liebe Mami (gerade in Zingst), alles erdenklich Gute zu Deinem 75. Geburtstag! Mit Dir wieder etwas Neues und Außergewöhnliches auf dem Darß erleben... Einfach wunderbar! Love, Dein Emil“ / Marc Rackles (56), ehem. Politiker, Staatssekretär in der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft (2011-2019)/ Marcus Staiger (51), Autor, Journalist und Wegbereiter des Berliner Rap / Ruth Stephan „engagierte Rektorin und gute Freundin“ / Collien Ulmen-Fernandes (41), Schauspielerin / Johann von Bülow (50), Schauspieler /
+++ Sie möchten der besten Mutter, dem tollsten Kiez-Nachbarn, dem runden Jubilar, der Lieblingskollegin oder neugeborenen Nachwuchsberlinern im Checkpoint zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.+++
Stolperstein –Itzig Julius Weltmann wurde am 18. November 1861 in Dolzig, dem heute polnischen Dolsk geboren, seine Frau Helene Weltmann stammte aus Danzig (Gdańsk). Die Eheleute zogen mit ihrem Sohn Fritz im Jahr 1912 nach Berlin, wo Itzig Julius Weltmann einen Kunstsalon am Lützowplatz betrieb. Diesen musste er 1937 auf Verfügung der Reichskammer der Bildenden Künste schließen. Itzig Julius Weltmann und seine Frau Helene wurden am 28. Juli 1942 mit dem „31. Alterstransport“ nach Theresienstadt deportiert. Helene Weltmann starb dort nur drei Wochen später, als Todesursache wurden auf ihrer Todesfallanzeige Unterernährung und eine Lungenentzündung vermerkt. Itzig Julius Weltmann überlebte seine Frau nur um einen Monat. Nationalsozialisten verschleppten ihn von Theresienstadt weiter in das Vernichtungslager Treblinka und ermordeten ihn dort am 26. September 1942, heute vor 80 Jahren. An der Tile-Wardenberg-Straße 29 in Moabit erinnert seit 2019 ein Stolperstein an Itzig Julius Weltmann.
Gestorben – Otto Kurt Gustav Ruthenberg, * 16. April 1936 / Silke Charlotte Semmler, * 10. September 1946, Musikpädagogin
Encore
Berliner Hausnummern (XXXI): Alle 24 Sekunden geht in der Einsatzzentrale der Berliner Polizei ein Notruf ein. Aus rund der Hälfte der Anrufe ergibt sich ein eilbedürftiger Einsatz durch einen Streifenwagen – das sind ungefähr 1850 pro Tag (Q: Polizei Berlin). Bis zu ein Sechstel der eingehenden Anrufe sind übrigens keine Notrufe. Daher an dieser Stelle der Appell: Für Klagen wie „Mein Mann liegt auf meiner Seite des Bettes“ bitte den Hörer liegen lassen.
Das Stadtleben angerührt hat heute Sarah Borufka, auch Cristina Marina hat mitgemischt (Produktion und Recherche). Morgen geht’s hier mit Julius Betschka weiter.
