Deutschland wird künftig noch bayrischer regiert als bisher: Neben dem bereits angekündigten Heimathorst kommen diesmal gleich drei weitere Minister aus dem Alpenland. Die Glyphosatverkäufer, Dieselschützer und Ausländermautfans sind demnach tendenziell überrepräsentiert. Über die Ossis, obwohl nach wie vor zahlreicher als alle Bayern einschließlich Obermitteluntermainfranken, lässt sich das nicht sagen, sofern man die längst deregionalisierte Kanzlerin nicht fünffach mitzählt. Die AfD wird diese Lücke dankbar nutzen. Zwar gilt, frei nach Lindner: Lieber bayrisch regieren als italienisch regieren. Aber Berlin dürfte bei dieser Südwest-Groko eher kurzgehalten werden.
Dazu passend bereitet sich die hiesige SPD deshalb schon mal auf ihre bundespolitische Oppositionsrolle vor, mit der sie neue Sympathisanten gewinnen will. Das tut sie nicht nur in Arbeitskreisen, sondern auch ganz konkret. Der Friedrichshain-Kreuzberger Kreischef Harald Georgii gab schon mal die Parole aus, dass der Koalitionsvertrag für die Landesverbände „keine bindende Wirkung“ habe. Seinen entsprechenden SPD-pur-Antrag zog er auf der Vorstandstagung Montagabend zwar wieder zurück, aber er und viele andere Berliner Genossen werden in nächster Zeit wohl mehr Kevin wagen.
Für viele Berliner begann die Woche mit einer schmerzhaften Bauch-Beine-Po-Landung wegen der Glätte. Und für die Feuerwehr damit, dass sie den Ausnahmezustand ausrufen musste, also zusätzliche Leute zum Dienst rief. Das war kein Ausrutscher, sondern zuletzt alle paar Tage so – und Montagabend gleich wieder, also nur Stunden nachdem alle Geprellten und Gestauchten versorgt worden waren. Innensenator Andreas Geisel (SPD) nannte im RBB das veränderte Dienstzeitmodell als akuten Hauptgrund und kündigte ein ernstes Wort in Richtung Personalrat an. Mindestens bis die 350 neuen Feuerwehrleute ausgebildet sind, gilt, dass jede(r) gut auf sich aufpassen sollte.
Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), Staatsfirma im Heuschreckengewand, erhöht auch unter ihrem neuen Chef ihren Mietern in Berlin weiter die Mieten bis ans rechtlich zulässige Limit, also teils über die finanzielle Schmerzgrenze der Betroffenen hinaus. So hat Wolfgang Schäuble als Finanzminister sie geheißen, und dagegen hilft auch die viele weiße Salbe nichts, die dessen Parteifreund und Steg-Zehl-Kreischef Thomas Heilmann den aktuell betroffenen Mietern in der Sundgauer Siedlung in einem Schreiben („… keine Modernisierungsmaßnahmen, die auf Ihren Mietpreis umgelegt werden ...“) großzügig verabreichte. Davon können die sich nicht nur nichts kaufen, sondern womöglich noch nicht einmal mehr ihre Bleibe leisten.
Der medienscheue Dietmar Robben von Robben & Wientjes berichtet im Interview mit der „Berliner Zeitung“ heute davon, wie ihm „das Beharrungsvermögen der Behörden auf den Keks gegangen“ sei. Weder an der Prenzlauer Allee (Pankow) noch an der Scharnweberstraße (Reinickendorf) habe man an der Einfahrt zu den Filialen – auf eigene Kosten – Spiegel aufstellen dürfen, in denen die Kunden mit den Kleinlastern die Radfahrer besser gesehen hätten. Die kommen Jahr für Jahr dutzendfach unter die Räder abbiegender Transporter. Aber da wir das mit Spiegeln in Berlin ja noch nie so gemacht haben, … – obwohl, vielleicht ergibt sich jetzt gerade ein Momentum, da die sog. Verkehrslenkung keinen Chef hat.
Rund 60 offensichtlich rechtsextremistisch motivierte Straftaten gab es im vergangenen Dreivierteljahr in Neukölln. Die nächtlichen Brandanschläge auf die (teils direkt vor den Wohnhäusern geparkten) Autos von Menschen, die Nazis so doof finden, wie Nazis nun mal sind, sind also nur die Spitze eines Eisberges, der einen frösteln lassen sollte. Die Bezirksverordnetenversammlung hat die Polizei am Montag per Beschluss aufgefordert, die Taten von der Staatsanwaltschaft als Terror einstufen zu lassen – im Interesse größerer Ermittlungserfolge. Bisher sind zu dem Thema keine bekannt (siehe PDF).
Telegramm
„HOWOGE-Geschäftsführerin Stefanie Frensch wechselt zum April 2019 zu einem renommierten Berliner Immobilienunternehmen“, teilt das, äh, also die Howoge mit. Mehr wurde bisher nicht verraten.
Niemand kann so tolles Mistwetter fabrizieren wie Gerd Nefzer und sein Special-Effects-Kollegium aus Potsdam-Babelsberg. Für seine grandios inszenierte Endzeitstimmung aus Nebel, Regen, Schnee und Staub (in „Blade Runner 2049“; andere sagen einfach: Berlin im Winter) hat das Team in L.A. einen Oscar gewonnen. Herzlichen Glückwunsch! Aber jetzt bitte Sonne, Brüder.
Anders als gestern behauptet hatte nicht nur der Tierpark, sondern auch der Zoo 2017 mehr Besucher als im Jahr davor. Dieses Jahr sollten es dank neuer Attraktionen noch mehr werden: Mittwoch ist Baustart fürs Raubtierhaus (die Presseeinladung ist mit „Gitter adé!“ überschrieben), und noch vor Ostern soll die renovierte Adlerschlucht eröffnen – inkl. begehbarer Geier-Voliere. Das klingt, als könnten bald Zoobesucher auf die Rote Liste kommen.
Hier die vollständige Liste der S-Bahn-Linien, für die gestern keine hausgemachten Störungen gemeldet wurden: S25, S46, S47, S7.
Die S1 hielt 1. bis zu einem Zugschaden am späten Abend durch und 2. zeitweise nicht in Waidmannslust, weil die Bahnsteigbeleuchtung ausgefallen war. Als sie wieder anging, twitterte die S-Bahn: „Der Hamster hat fertig gegessen.“ Aber der Wurm bleibt drin.
Weiterer Nachschub fürs Betriebsstörungsbingo (via @SofaMiri, getwittert aus einer Ringbahn beim Halt auf freier Strecke): „Wegen eines Problems am Bhf. Südkreuz verbleiben wir in der Außenlage.“ Südkreuz ist ja da, wo Öffis gelegentlich mit Hubschraubern kollidieren.
Die FDP legt Wert auf den Hinweis, dass sie sich den externen Sachverstand für ihre TXL-Revival-Kampagne nicht gekauft hat, sondern nur geliehen: Die Expertengruppe arbeite ehrenamtlich, teilt Sebastian Czaja mit.
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
„Ex-B.Z.-Praktikantin wird Ministerin“
Überschrift zum Porträt des Blattes über Dorothee Bär, die 2002 in der Politikredaktion u.a. „über ihren Einsatz für den CSU-Kanzlerkandidaten Edmund Stoiber“ schrieb.
Tweet des Tages
„Der Verkehrsminister Scheuer ist doch dann auch für den Breitbandausbau zuständig, oder? Dann meld ich mein Fax in den nächsten 4 Jahren erstmal lieber nicht ab.“
Stadtleben
Für jeden, der seine Mittagspause in Ruhe verbringen will, sind sie ein Graus, aber für alle, die verschiedene kulinarische Vorlieben unter einen Hut bringen wollen, ein echter Gewinn: Foodcourts. Sie bieten mittlwerweile eine nicht zu unterschätzende Auswahl an internationalem Streetfood - und die ein oder andere Überraschung, wie Kai Röger und Bernd Matthies (jüngst als "Förderer der Genusskultur" ausgezeichnet) zwischen Alex und Tauentzien getestet haben. Highlights dabei: Der Asia Pavillion in der Mall of Berlin (hier gibt es echt guten Wolfsbarsch mit Lauchzwiebeln und Soja-Ingwer-Chili-Sauce, 14,90 Euro) und Papaya Royal im KaDeWe (mit hausgemachten „Sai Ur“, chillischarfe Bratwürstchen mit Thai-Kräutern, 7,90). Den ganzen Bericht finden Sie hier.
Trinken in der My June Bar in Prenzlauer Berg hat nicht so gut funktioniert, weshalb Inhaber Carsten Schröder, dem auch die Bryk Bar gehört, dem Gästeschwund jetzt mit Rum und Südseeflair entgegenwirken will. Der Kamin blieb zwar erhalten, aber der Name und die Palmen sind neu. Außerdem stehen hinter der Theke im Golden Pineapple nicht weniger als 60 Sorten Rum, der gekonnt mit regionalen Aromen inszeniert wird. Als "Scorpion Helene" kommt etwa Williamsbirne, Birnensaft, Amaro und Weißbrand mit ins Glas. Ein paar Tiki-Masken an der Wand dürfen es schon sein, auf Cocktail-Schirmchen wird jedoch dankenswerterweise verzichtet. Sredzkistraße 65 (U-Bhf Eberswalder Straße), tgl. ab 19 Uhr, Rauchen verboten