Während die einen Fußballfreunde bei Erdogan zu Gast waren und ihrem „verehrten Präsidenten“ Trikots schenkten, trafen sich die anderen bei Hertha. Da gab es viel zu erzählen am Montagabend. Steil, dicht und laut soll das neue Stadion werden, das trotz 55.500 Plätzen das Olympiastadion nicht dominieren soll. Außerdem wird das Ticketsystem für die nächste Saison so umgestellt, dass vor allem Kinder profitieren: Sie können die meisten Heimspiele gratis sehen; nur Dortmund und Bayern kosten extra.
Die Mehrheit für Rot-Rot-Grün in Berlin steht – wie seit Jahren schon. Nun haben sich die Trüppchen auf dem Treppchen (lt. einer Civey-Umfrage für den Tagesspiegel) insoweit neu sortiert, als die SPD mit 17,1 Prozent kleinster Partner im Dreierbündnis wäre, wenn am Sonntag das Abgeordnetenhaus gewählt würde. Den meisten Zuspruch erhält die SPD noch bei Senioren. Die Grünen stehen mit 17,5 Prozent etwas besser da, aber hinter den Linken, die 18,3 Prozent bekämen. Und über allen schwebt die CDU, die sich von ihren ja auch nicht soo dollen 20,3 Prozent nichts kaufen kann (außer vielleicht der FDP, aber deren 8 Prozent machen auch noch keine Mehrheit).
Nur selten schafft es die Polizei so schnell wie am Montagmorgen, Tatverdächtige nach einem Brandanschlag auf Autos festzunehmen. Dummerweise waren es aber offenbar die Falschen: Als Montagmittag der Innenausschuss im Abgeordnetenhaus tagte, waren die beiden 26-Jährigen schon wieder frei. Statt dem Staatsschutz befasst sich jetzt ein Brandkommissariat mit der Frage, wer die 14 Autos rund um den Kollwitzplatz zerstört hat. Der Staatsschutz befasst sich mit mutmaßlich politisch motivierten Taten. Das Brandkommissariat übernimmt, wenn einfach nur Blödheit vermutet wird.
Vermögen kommt von vermögen, aber die Berliner Immobilienfirma BIM vermag es nicht in Schuss zu halten: Der Sanierungsstau im Portfolio des Landesunternehmens (Rathäuser, Polizeiwachen, Jugendzentren, Gerichte usw.) hat sich binnen zehn Jahren auf rund drei Milliarden Euro verzehnfacht. Nicht, dass die BIM nichts tun würde – sie tut nur zu wenig und ist beispielsweise immer noch damit beschäftigt, Gemeinschaftsunterkünfte für Geflüchtete herzurichten. Also muss anderes hintanstehen, sofern es überhaupt noch steht. Von 30 vakanten Stellen allein im Baubereich ist die Rede. Also stehen selbst Gebäude in bester Citylage jahrelang leer, während andere bei laufendem Betrieb weiter verrotten.
Quer gestellte „Wannen“ waren gestern. Die Zukunft gehört dem Wasserwürfel: 118 der je 1500 Liter fassenden Gefäße hat die Polizei gekauft. Die Würfel sind leichter transportabel als Betonbarrieren gegen Attentäter und lassen sich an Ort und Stelle nicht nur via Hydrant oder Tankwagen schnell befüllen, sondern auch zu einem „schwarzen Block“ („B.Z.“) verbinden. Nächster Einsatz der Antiterrortöpfe soll beim DFB-Pokalfinale am Samstag sein. Am Tag darauf startet der Karneval der Kulturen mit ebenfalls neuem Sicherheitskonzept: Der Umzug führt jetzt von Kreuzberg nach Neukölln, um das Getümmel um den Blücherplatz zu verringern. Und langfristig zieht der Umzug vielleicht um. Wohin, ist ungewiss.
Berlin bekommt einen neuen Wolkenkratzer, sofern die Wolken sich auf 135 Meter herablassen zum Kratzen: Am Montag wurde im Baukollegium des Senats der Entwurf für den Büroturm präsentiert, der direkt an der Warschauer Brücke (in Richtung Mercedes-Arena) gebaut werden soll. Der sieht aus wie ein Glaskasten mit eingravierten Treppenstufen. Bis Ende 2021 soll er stehen, eine öffentliche Dachterrasse und Cafés sind versprochen. Der Standort dürfte den Turm außerdem als Kamerabasis zur Überwachung des dunkelbunten Treibens um den Bahnhof Warschauer Straße empfehlen. Das scheint zumindest praktischer als der – bisher ohnehin kaum eingesetzte – Video-Bollerwagen der Polizei.
Telegramm
Als Abonnent der Berliner Polizei-Presseinfos bekommt man zunehmend den Eindruck, Motorradfahrer seien vom Aussterben bedroht. Seit Wochen werden fast täglich furchtbare Unfälle gemeldet. In den meisten Fällen übersah ein Autofahrer den Biker beim Linksabbiegen oder Wenden. Also bitte: Augen auf und lieber einen Blick zu viel riskieren als einen zu wenig!
Das Landesarchiv… – pardon, das Statistikamt hat am Montag die CO2-Bilanz für 2015 (!) veröffentlicht. Demnach sank der Ausstoß des Treibhausgases gegenüber dem Vorjahr um 3,2 Prozent. 19,5 Mio. Tonnen CO2 bedeuten knapp sechs Tonnen pro Nase. Das ist nur reichlich halb so viel wie im Bundesdurchschnitt, aber immer noch das Vierfache dessen, was auf lange Sicht als verträglich gilt.
Noch etwas frischere Statistik: Die Zahl der Berlin-Besucher lag im ersten Quartal um sechs Prozent über dem Vorjahresniveau, wobei die Zahl der Inlandstouristen stärker gestiegen ist als die der ausländischen. Bei denen haben vor allem Dänen und Russen zugelegt. In ca. drei Jahren werden wir erfahren, wie sich das auf die CO2-Bilanz auswirkt.
Google fährt gerade wieder mit einem Kamerawagen durch Berlin – aber laut „B.Z.“ nur für den Eigenbedarf: Mit den neuen Fotos sollen nur die Infos auf Google Maps verbessert werden. Die inzwischen rund zehn Jahre alten Bilder auf Street View werden nicht aktualisiert. Das nachträgliche Verpixeln wäre zu aufwändig.
Die DAK-Gesundheit will heute über Ursachen und wirtschaftliche Folgen von Rückenschmerzen informieren, an denen laut der Krankenkasse inzwischen mehr als eine Million Berliner leiden. Wenn das so weitergeht, können wir uns den zusätzlichen Feiertag abschminken und bekommen stattdessen eine Rückenschulpflicht.
Die folgende Nachricht gibt es in zwei Versionen – als besonderen CP-Service, aber auch als Lesehilfe für die nächste Kriminalstatistik: Die Polizei hat im vergangenen Jahr 31 Prozent weniger Schutzgelderpressungen registriert als 2016. Nur neun Betroffene von Schutzgelderpressungen haben sich im vergangenen Jahr an die Polizei gewandt. 2016 waren es 13 Anzeigen. Die Polizei weiß wenig über das nach Tsp-Recherchen sehr verbreitete Phänomen: Die Aussagebereitschaft Betroffener sei „deliktsfeldspezifisch gering ausgeprägt“, schreibt die Innenverwaltung auf Anfrage von MdA Tom Schreiber.
Was hat Spandau, was andere nicht haben? Zum Beispiel die hellgrauen fetten Brocken, die immer im Mai in der Havel auftauchen und beim Zerreiben nach Urin stinken. Mein Kollege André Görke ist der Sache für den Leute-Newsletter (heute kommt der neue) auf den Grund gegangen – und gibt vorläufig Entwarnung: es handelt sich wohl um sterbenden Schwamm.
„Der Umgang mit Erdbeeren will gelernt sein“, heißt es im aktuell meistgelesenen Text auf morgenpost.de. Wegen des großen Interesses hier das Wichtigste in Kürze: Reife Erdbeeren erkennt man an der roten Farbe und dem aromatischen Duft. Und: „Am besten isst man die Früchte immer sofort.“ Weiß doch jedes Kind.
BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:
Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurück blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht Lütke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp über detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.
Zitat
"We're sorry, but something went wrong."
Automatische Antwort des Mailservers der Flughafengesellschaft beim Versuch, die Pressemitteilungen der FBB zu abonnieren.
Stadtleben
Neuer Name an bewährtem Ort: Wo sich in Westend bisher das Café „My Cottage“ befand, kommt seit Samstag Christina Engel mit dem neu renovierten Lotti & August samt neuer Speisekarte daher: In den Tag starten können Kunden dort mit dem „Min deern“, bestehend aus italienischer Salami, luftgetrocknetem Landschinken und Antipasti, dazu passt der kräftige, frische Espresso des Hauses. Mittags kommen klassische Gerichte der französischen und italienischen Küche wie Quiche oder Pasta zu fairen Preisen auf den Tisch (5-7 Euro). Eine Konstante bleibt in der Haeselerstraße 20 jedoch erhalten: Der Konditor des Hauses, Jörg Zacharias, zaubert weiterhin seine saisonale Kuchen- und Tortenkreationen, für die zumindest ein Blick in die Vitrine lohnt. U-Bhf Kaiserdamm, Di 14-18 Uhr, Mi-Fr 9.30-18 Uhr, Sa-So 8.30-18 Uhr
Geschenk für Kunstbegeisterte und Hobby-Heimwerker: Im Künstlerbedarf Künstlermagazin in der Kastanienallee 33 scheint das Sortiment an Farbnuancen unbegrenzt. Ob man die Acryl- und Aquarell-, Spray- und Ölfarben nun für einen neuen Anstrich in den eigenen vier Wänden oder für das neue Kunstprojekt benötigt, in dem gut sortierten, weiträumigen Fachbedarf wird man definitiv fündig. U-Bhf Eberswalder Straße, Mo-Fr 10-19 Uhr, Sa 10-20 Uhr