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Corona-Zahlen steigen starkTritt MĂŒller doch nochmal an?Innenminister Seehofer stellt Anzeige gegen „taz“-Kolumnistin

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dass die NĂ€chte mal wieder lĂ€nger werden, ist in Berlin eigentlich immer eine gute Nachricht (auch, wenn nach der Sonnenwende, also ab sofort, bei demnĂ€chst 30 Grad im Schatten, die ersten Schoko-WeihnachtsmĂ€nner gegossen werden). Fehlt nur noch die Party zur Nacht – und dazu gibt’s weiter unten eine krachende Idee. Aber jetzt erst mal zu unserem Regierenden BĂŒrgermeister.

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Gemeinsam mit Kiezinitiativen schaffen wir Spielstraßen und verringern den Verkehr – wo sonst Autos lĂ€rmen, lachen jetzt Kinder und treffen sich Nachbar*innen. Darum: Umdenken und umlenken.

Mehr zu den Projekten der Senatsverwaltung fĂŒr Umwelt, Verkehr und Klimaschutz unter: berlin.de/mobilitaetswende

Normalerweise macht ein Verfallsdatum einen Politiker zur „lame duck“ – doch seitdem Michael MĂŒller seinen Abgang als SPD-Landesvorsitzender angekĂŒndigt hat, wird er zum Überflieger. Im Aufwind der Krise kreist er ĂŒber der Stadt und freut sich ĂŒber die immergleiche Frage: Tritt er etwa doch noch mal an als Kandidat fĂŒrs Amt des Regierenden BĂŒrgermeisters?

Einer, der MĂŒller dabei krĂ€ftig warme Luft unter die FlĂŒgel wedelt, ist sein alter Gefolgsmann Robert Drewnicki. Wie ein sprechendes Werbeplakat haut der Strategiechef in der Senatskanzlei eine Jubelstanze nach der anderen heraus. Ein Interview MĂŒllers in der „taz“ z.B. feiert Drewnicki bei Twitter gerade andĂ€chtig so: „Authentisch. Ehrlich. Nachdenklich. Politisch. Und hat noch was vor.“ Aber was?

Bert Schulz fragt im „taz“-Interview vorsichtig, mit Bezug auf Angela Merkel: „Gab es auch bei Ihnen konkrete Anfragen, dass Sie noch mal als Spitzenkandidat der SPD antreten?“

MĂŒller: „Franziska Giffey und Raed Saleh werden fĂŒr den SPD-Landesvorsitz kandidieren. Die anderen Fragen spielen zu einem spĂ€teren Zeitpunkt eine Rolle.“

Schulz verweist auf die verpasste Möglichkeit, in einem „Lanz“-Interview „alles klar zu machen“, stattdessen habe MĂŒller alles offen gelassen. „Warum?“ 

MĂŒller: „Ich habe etwas entschieden fĂŒr den Parteivorsitz. Und damit – ich mache mir ja nichts vor – gibt es auch eine Diskussion um die Situation im Roten Rathaus. Das ist okay, aber noch ist nichts entschieden.“

Schulz: „Was treibt Sie denn?“

MĂŒller: „Es macht einfach Spaß, wenn man spĂŒrt, da geht noch was – da hören Sie bei Ihrer Arbeit doch auch nicht morgen auf!“

Streng genommen hĂ€lt sich MĂŒller an die mit Giffey und Saleh fĂŒr die Kommunikation nach außen verabredete Sprachregelung (erst das eine, dann das andere). Doch was auffĂ€llt: Raed Saleh weicht einer Antwort auf die Frage nach der Spitzenkandidatur stoisch aus (wie gerade wieder im Tagesspiegel-Interview), MĂŒller dagegen gibt sich genussvoll sybillinisch – auch wenn sich die Interviews der vergangenen Wochen wohlwollend als Abschlussbilanz oder VermĂ€chtnis lesen lassen.

Der Regierende kokettiert – oder taktiert. Oder beides. In der Partei jedenfalls wĂ€chst die Unruhe wieder, manche sind auch schwer genervt. Und die vergangene Woche begann fast mit einem Eklat. Es tagte der geschĂ€ftsfĂŒhrende Landesvorstand mit den Kreisvorsitzenden, auch Franziska Giffey war dabei. Top-Thema: Die Orga fĂŒr einen zweiten Parteitag im Dezember (voraussichtlich am 12.12.) nach der KĂŒr der neuen Landesvorsitzenden am 31. Oktober. Alle dachten, es geht um die PlĂ€tze fĂŒr die Bundestagswahl und die Spitzenkandidatur. Doch MĂŒller ließ erkennen: Was den zweiten Punkt betrifft, hĂ€lt er den Mai 2021 fĂŒr besser geeignet, seine BegrĂŒndung: Da ist es sicherer, wegen Corona und der Raumsituation.

Mai 2021 – da hĂ€tte Giffey als Spitzenkandidatin nur wenige Wochen fĂŒr ihren Wahlkampf. KopfschĂŒtteln in der Runde. Es folgte ein kurzer Schlagabtausch, Tenor der Giffey-Seite: Es ist doch sowieso alles klar, nur fĂŒr die Presse werde die Geschichte offengehalten. Die interne Verabredung fĂŒr die Spitzenkandidatur laute, Giffey macht’s – da mĂŒsse man doch hier nicht so tun, als ob
 aber da sagte MĂŒller: „Ja, es gibt eine Verabredung – fĂŒr den Parteivorsitz.“ Und Giffey saß da wie versteinert.

MĂŒller spielt offenbar auf Zeit. Zumindest kann er so seine Chance auf Listenplatz 1 fĂŒr die Bundestagswahl verbessern – wenn er nicht ĂŒberzieht.

FĂŒr die Morgenpost öffnete der Regierende am Sonntag sein privates Fotoalbum. Schule, Ausbildung, Tempelhof, die Druckerei des Vaters und ein Kindertraum, der zur Überschrift wird: „Der verhinderte Astronaut“. Der Weltraum. Unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2020. Das sind die Abenteuer des Raumschiffs Rathaus, erzĂ€hlt von Theodor Storm: „Junge“, sagte der gute alte Mond, „hast du noch nicht genug?“ – „Nein“, schrie HĂ€welmann, „mehr, mehr!“. Da wurde es im ganzen Himmel auf einmal so dunkel, dass man es ordentlich mit HĂ€nden greifen konnte. „Leuchte, alter Mond, leuchte!“ schrie HĂ€welmann, aber der Mond war nirgends zu sehen und auch die Sterne nicht; sie waren schon alle zu Bett gegangen.

Umfrage zum Regierenden

„Niedriges Risiko – Bisher keine Risiko-Begegnung“, zeigt meine Corona-Warn-App an. Aber die Zahl der aktiven FĂ€lle steigt in Berlin seit Tagen deutlich, der R-Wert (Ansteckung pro Person) liegt bei 1,58 – kein guter Trend jedenfalls. Wie sorglos ausgerechnet manche Politiker mit der unsichtbaren Gefahr umgehen, zeigt u.a. BezirksbĂŒrgermeister Reinhard Naumann (ChaWi) – unbekĂŒmmert verbrachte er trotz Reisewarnung seinen Pfingsturlaub in Schweden, die verordnete zweiwöchige QuarantĂ€ne ignorierte er. Naumanns BegrĂŒndung: Die AmtsĂ€rztin des Bezirks habe sein Angebot akzeptiert, stattdessen eine Woche ins Homeoffice zu gehen. Bonum relationes. Wir lernen: Die Corona-Verordnung ist verhandelbar – jedenfalls fĂŒr BezirksbĂŒrgermeister.

Eine weitere Erkenntnis im Fall Naumann: Das Virus kann strikt trennen zwischen Dienstlichem und Privaten – jedenfalls (siehe oben) bei BezirksbĂŒrgermeistern. So fehlte Naumann am Freitagnachmittag vor einer Woche zwar bei einem wichtigen BVV-Termin, feierte aber am Abend fröhlich mit Freunden in einem Lokal seinen zehnten Hochzeitstag. Am nĂ€chsten Tag besuchte er den Wochenmarkt am Karl-August-Platz. Naumanns ErklĂ€rung hier: Außerhalb seiner Dienstzeit sei er „Privatmann“ und nicht BĂŒrgermeister. Und außerhalb der Dienstzeit ist der BĂŒrgermeister nicht mal fĂŒr Covid-19 zu sprechen.

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Auch Baden-WĂŒrttembergs MinisterprĂ€sident Winfried Kretschmann hĂ€lt die Corona-Verordnung offenbar fĂŒr nicht anwendbar auf Politiker – im TXL-Terminal wartete er (wie hier zu sehen) inmitten von MaskentrĂ€gern ohne den vorgeschriebenen Mund-Nase-Schutz auf seinen RĂŒckflug nach Stuttgart (Co2-Verbrauch: 318 kg). Vielleicht wollte er sich aber auch nur den örtlichen Gepflogenheiten anpassen – vor allem in Bussen und Bahnen hĂ€ngt die Maske locker unterm Kinn. Das ist zwar verboten, wird aber weder verfolgt noch sanktioniert. Doch das wird sich am Dienstag Ă€ndern: Nachdem Innensenator Andreas Geisel völlig ĂŒberraschend Kontrollen fĂŒr möglich erklĂ€rte, sind plötzlich auch die GrĂŒnen fĂŒr Strafen. Der Senat wird den Bußgeldkatalog entsprechend erweitern – nur die Höhe steht noch nicht fest (fĂŒr BĂŒrgermeister verhandelbar).

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Die Regierung hat das teuerste Konjunkturpaket aller Zeiten geschnĂŒrt. Damit die 130 Milliarden Euro nicht wirkungslos verpuffen, brauchen wir Mut zu Reformen. Wie der Neustart gelingt, lesen Sie hier.

Wenn Wörter wegen Missbrauchs klagen könnten, hĂ€tte „SolidaritĂ€t“ gute Chancen auf Schadensersatz. Wenn aber der Bundesinnenminister Strafanzeige gegen eine freie Journalistin stellt, weil ihm eine Kolumne nicht passt, muss die SolidaritĂ€t wieder ran. Konkret: Horst Seehofer will, dass gegen „taz“-Autorin Hengameh Yaghoobifarah ermittelt wird „wegen des unsĂ€glichen Artikels ĂŒber die Polizei“ – und da kann es (anders als ĂŒber den Text selbst) nicht nur fĂŒr einen Journalisten keine zwei Meinungen geben: Die Presse- und Meinungsfreiheit gilt – oder sie gilt nicht. Der Staat mit all seiner Macht gegen eine unbequeme Journalistin, die (wenn ĂŒberhaupt) einen Berufsstand beleidigt (und deswegen Morddrohungen erhĂ€lt):Was fĂŒr eine autoritĂ€re Pose. Und auch, wenn der Innenminister, der ja nebenbei Verfassungsminister ist, die Fassung verliert: Sein Angriff auf die Medien (ja, die Medien – da sind wir aus Prinzip und zur Verteidigung der GrundsĂ€tze einer freien Gesellschaft absolut solidarisch) ist nicht nur „unsĂ€glich“, sondern unertrĂ€glich.

Wenn Voltaire noch lebte, er hĂ€tte Seehofer jetzt die Reden von Franz-Josef Strauß vorgelesen – der beschimpfte Schriftsteller als „Dreckschweine“ und Journalisten als „Ratten und Schmeißfliegen“. Strauß irrte. Genauso wie Erdogan und der IS. Das mĂŒsste Seehofer eigentlich wissen. Alles weitere regelt der Presserat.

Berliner Schnuppen

von Naomi Fearn

Die Berliner Schnuppen in voller LĂ€nge gibt's tĂ€glich mit dem Checkpoint-Abo – hier geht's zur Anmeldung.

Telegramm

Völlig verblĂŒfft stellen viele Leute gerade fest: Der Ausweis muss noch vor den Ferien verlĂ€ngert werden – aber wie? An einem einzigen Tag zwischen 9 und 10 Uhr zĂ€hlte die Innenverwaltung 12.500 Anrufe unter der Servicenummer 115 (Q: Mopo), das sind fast 3,47 pro Sekunde. Und wie sieht’s mit der Online-Buchung aus? Na, das können Sie sich ja denken (vergl. dazu auch die Checkpoint-JahrgĂ€nge 2014, 2015, 2016, 2017, 2018, 2019, 2020) – der Ausnahmezustand ist hier auch ohne Corona die NormalitĂ€t.

Was fĂŒr eine Debatte! Erbitterte Wortwechsel von fast einer Stunde, Sitzungsunterbrechung, Absprachen, zwei Abstimmungen – aber am Ende hatte die BVV Charlottenburg-Wilmersdorf leider keine Zeit mehr, sich um die Verkehrsberuhigungen in der Xantener Straße und am Luisenplatz zu kĂŒmmern, denn: Die Bundeswehr war den Verordneten wichtiger als die Sicherheit der BĂŒrgerinnen und BĂŒrger. Die Frage, ob das Wachbataillon vor dem Schlossplatz öffentlich geloben darf, verfĂŒhrte die Verordneten zum Grundsatzstreit ĂŒber AuslandseinsĂ€tze. Dazu MilitĂ€rexperte Carl von Clausewitz: „Nur wer mit geringen Mitteln Großes tut, hat es glĂŒcklich getroffen.“

Das Netzwerk „Außergewöhnlich Berlin“ schlĂ€gt zur Rettung von Clubs, CafĂ©s, Events, Bars, Theatern, Konzerten etc. vor: a) Aussetzung der LĂ€rmschutzregelungen bis Oktober – Berlin wird zur 24- Stunden-Kulturmetropole. SolidaritĂ€tsidee b) lautet: 12 Wochen FĂȘte de la Musique – die Straßen werden zu Veranstaltungsorten. Die Vorteile: 1) Einhaltung der Abstandsregeln, 2) Kickstart fĂŒr den Kulturbetrieb, 3) weltweite Resonanz, 4) einfach umzusetzen. Es kommentiert Emma Goldmann: „Wenn ich nicht tanzen kann, will ich Eure Revolution nicht.“

Einen „kleinen Sieg ĂŒber die Diktatur“ nannte Helga Schubert bereits ihre Nominierung fĂŒr den diesjĂ€hrigen Ingeborg-Bachmann-Preis – vor 40 Jahren war sie schon einmal eingeladen, doch die DDR-AutoritĂ€ten verweigert ihr die Reise nach Klagenfurt. Jetzt ist es ein großer Sieg fĂŒr die Literatur geworden: Die Berliner Schriftstellerin wurde gestern von der Jury fĂŒr ihr Werk „Vom Aufstehen“ ausgezeichnet.

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Begleiten Sie Tagesspiegel-Redakteur Christoph Stollowsky auf einer gefĂŒhrten Radreise durch Westmecklenburg und an die OstseekĂŒste.
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Aline von Drateln ist zurĂŒck von ihrer Tour ins (fast) touristenfreie Venedig – den letzten Teil ihrer kleinen Serie unter dem Titel „Wenn die Gondeln Mundschutz tragen“ finden Sie hier, der große Abschlussbericht („Gondoleere“) erschien am Sonntag auf unserer Reportageseite. Beim BĂ€cker bestellte sie gestern zur VerblĂŒffung der VerkĂ€uferin „eine Schrippe bitte und vier Tagesspiegel“ („Andersrum, oder?“ – „Nein“) – was sie damit machte, sehen Sie hier.

17 UnfĂ€lle mit 34 Beteiligten gab es in den vergangenen drei Jahren am Zebrastreifen Oberspreestraße, Höhe BĂ€rlauchstraße – dem Senat reicht das fĂŒr die Klassifizierung als „Unfallschwerpunkt“ nicht aus. Immerhin ist „die Anordnung einer FußgĂ€nger-Lichtzeichenanlage vorgesehen“. Mit anderen Worten: „Ein Termin fĂŒr den Bau kann noch nicht benannt werden.“ (Q: Sts. Torsten Akmann auf Anfrage MdA Lars DĂŒsterhöft)

Was das bedeutet, zeigt das Beispiel Hultschiner Damm/ Rahnsdorfer Straße – diese Ecke hatte die Unfallkommission im Jahr 2006 als gefĂ€hrlich eingestuft. Aktueller Stand laut VerkehrsstaatssekretĂ€r Ingmar Streese (Anfrage MdA Iris Spranger): „Aktuell wird von der Straßenbaufirma der Antrag auf verkehrsrechtliche Anordnung zur Einrichtung einer Arbeitsstelle (Baustelleneinrichtung) vorbereitet.“ Zur Erinnerung: Im Jahr 2006 erfolgte der erste Spatenstich fĂŒr den BER.

Lebenszeichen aus der Verkehrslenkung – gesucht wird ein Jurist, und zwar „sofort“. Manchmal muss es eben auch in Berlin schnell gehen.

Apropos schnell – auch Radfahrer können gegen das Tempolimit verstoßen: 60 solcher VerstĂ¶ĂŸe wurden registriert – in den vergangenen fĂŒnf Jahren. Berlins Autofahrer schaffen das in fĂŒnf Minuten.

Nachtrag zur Meldung „Verschollener gesucht“ (CP v. 20.6.): Bruno MĂŒller, den das Amtsgericht Wedding per Amtsblatt schneidig auffordert, sich bis zum 10. August 2020 zu melden, „widrigenfalls er fĂŒr tot erklĂ€rt wird“, wurde am 1. MĂ€rz 1909 geboren. Mit seinen 111 Jahren wĂ€re er also der Ă€lteste Berliner der Welt.

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Wie erlebt man Berlin als Schwarze Frau? Was kann man tun, um rassistische Strukturen aufzubrechen? Und sollten wir mit Rechten reden? DarĂŒber spricht Redakteurin Ann-Kathrin Hipp in der neuen Folge des „Tagesspiegel Checkpoint“-Podcasts mit der Dokumentarfilmerin und Autorin Mo Asumang. Jetzt hören auf Tagesspiegel.de, Spotify und Apple Podcasts.

Es gibt wieder KomparsenplĂ€tze fĂŒr den BER-Probetrieb – aber offenbar nicht (mehr) fĂŒr jede/n. Hier der Bericht eines Checkpoint-Lesers: „Versuche ich mich, mit meinem realen Alter von 66 Jahren als nicht-vegetarischer Mann anzumelden, bekomme ich keinerlei buchbare Termine angezeigt. Melde ich mich dagegen als 30-jĂ€hriger, divers-geschlechtlicher Vegetarier an, sind noch fast alle Termine buchbar.“ Falls Sie sich angesprochen fĂŒhlen – hier geht‘s zur Anmeldung.

Percy MacLean und Victor Weber haben Berliner Justizgeschichte geschrieben – der eine als Vorsitzender Richter am Verwaltungsgericht und Menschenrechtler (u.a. MitbegrĂŒnder der FlĂŒchtlingsarbeit von Amnesty International), der andere als kĂ€mpferischer Oberstaatsanwalt. Unser Archiv ist voller Artikel ĂŒber sie. Vor wenigen Tagen sind beide gestorben.

Nicht nur die „Zitty“ ist verschwunden (CP v. 20.6.) –  auch das „Berlin Programm“ musste eingestellt werden, nach 69 Jahren. Aber unser „Ticket“ kommt bald zurĂŒck – es gibt noch so viel zu erleben


Seit zwei Wochen sammelt Dominik Lucha aus Neukölln unter dem Hashtag #WASIHRNICHTSEHT bei Instagram rassistische Alltagserfahrungen, fast 47.000 Menschen folgen dem Account inzwischen – im Interview mit Checkpointer Felix Hackenbruch sagt er: „Ich möchte kĂŒnftig online und offline eine Plattform anbieten, die Menschen zusammenbringt, die jetzt der Seite folgen – nicht nur die schwarzen Menschen. Da möchte ich die BrĂŒcke fĂŒr einen Dialog bauen.“ Im Checkpoint werden wir von heute an jeden Tag ein Beispiel fĂŒr die verschiedenen Formen des Alltagsrassismus zeigen – ein kleiner Pfeiler fĂŒr eine große Aufgabe.

Was ihr nicht seht (1)

AbonnentInnen der Checkpoint-Vollversion lesen heute außerdem:

+ Ausflugstipp: Welcher Berliner Garten mit Seeblick heute zum Spaziergang lockt.

+ Kugeln aus Korallen und WĂŒrfel aus Metall: Wo Sie sich durch tausende Glasperlen wĂŒhlen.

+ Palmen statt Publikum: Welches Haus zum Konzert fĂŒr Pflanzen lĂ€dt.

Möchten Sie Berliner Journalismus unterstĂŒtzen? Wir freuen uns, wenn sie uns weiter empfehlen – und die Vollversion vom Checkpoint bestellen.

BER Count Up – Tage seit Nichteröffnung:

3073

Flughafenchef Engelbert LĂŒtke Daldrup hat das Wunder vollbracht: Am 31. Oktober 2020 ist der Flughafen BER offiziell eröffnet worden. 3.073 Tage nach der ersten Nicht-Eröffnung stellen wir damit unseren Count Up ein. Wer nochmal zurĂŒck blicken will: Im Tagesspiegel Checkpoint Podcast "Eine Runde Berlin" spricht LĂŒtke Daldrup mit Tagesspiegel Chefredakteur Lorenz Maroldt und Checkpoint Redakteurin Ann-Kathrin Hipp ĂŒber detailverliebte Kontrollen, politische Befindlichkeiten und aufgestaute Urlaubstage.

Zitat

„GetrĂ€nke – so kalt wie das Herz deiner Ex!“

Werbetafel vor einem Neuköllner SpÀti.

 

Tweet des Tages

Alte Dame soeben zu mir bei roter FußgĂ€ngerampel. Sie: ‚Könnens mir ĂŒber die Straße helfen?‘ Ich: ‚Freilich, wenn es grĂŒn wird.‘ Sie: ‚Bei grĂŒn kann ich alleine rĂŒber gehen.‘

@BarAnna5

Stadtleben

Essen – SĂŒdseewind im Weinbergsweg! Wer sich gen Brise Polynesiens sehnt, der saust flugs ins Wild & Raw. Zwischen Marmor, Stuck und Tropenpflanzen kredenzt das Lokal PokĂ© Bowls, als kĂ€men sie schnurstracks aus Hawaii: Tofu-, Lachs- und Gambasschalen stellen sich Hipster und Yogis im Alleingang zusammen – oder stĂŒrzen sich auf eine der Signature Bowls. Eine „Spicy“-Schale mit Thunfisch und Algen serviert der Koch fĂŒr 13 Euro, den frischen Karottensaft gibt’s fĂŒr 4,50 Euro dazu. Zum Nachtisch wird eifrig an EisbĂ€llchen geknabbert: Die japanischen „Mochi“ kommen in knuspriger Sesamkruste. Keinen Platz mehr ergattert? Dann geht’s samt To go-Bowl auf die Wiese am Weinberg – zum PokĂ©-Picknick mit Fernsehturmblick. Mo-So 12-21.30 Uhr, Weinbergsweg 5, U-Bhf Rosenthaler Platz

Nachtisch zum FrĂŒhstĂŒck gibt’s in unserer Genuss-Redaktion: Felix Denk verrĂ€t sein Rezept fĂŒr French Toast im Canadian Style – gebraten mit Speck und Ahornsirup.

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Trinken – Palmen mit Spreeblick und U-Bahnanschluss locken direkt an der JannowitzbrĂŒcke: Das Gestrandet Mitte verlegt die Riviera geradewegs unter die Hochbahntrasse. Auf steinernen Treppen verputzen die GĂ€ste Flammkuchen, Tapas und stilechte Currywurst – mit Hugo, Mojito und Apfelcidre. Spontane hĂŒpfen auf einen Ausflugsdampfer und schippern eine Runde quer durch Berlin, Arbeitserschöpfte lassen einfach die Beine ĂŒber dem Spreewasser baumeln. Wenn es Abend wird, schimmern Lampions im Dunkeln, wer fröstelt, drĂ€ngt sich um ein Lagerfeuer. Checkpoint-Tipp: Schuhe aus und die Zehen im Sand vergraben – fast wie Karibik, Mitte am Meer! TĂ€glich ab 12 Uhr, Rolandufer 4, S+U-Bhf JannowitzbrĂŒcke

Das ganze Stadtleben gibt‘s mit Checkpoint-Abo.

Berliner Gesellschaft

Geburtstag – Elvira Bach (69), KĂŒnstlerin / Wolfgang Becker (66), Filmregisseur / Klaus Maria Brandauer (77), Schauspieler und Regisseur / JavairĂŽ Dilrosun (22), Spieler bei Hertha / Bernadette Heerwagen (43), Schauspielerin / Ehrhart Körting (78), ehem. Berliner Innensenator (SPD) / Barbara Luchmann, „(77, nach Belieben Schnaps- oder Weinzahl), bleibt  locker, neugierig, reisefreudig und Goethe-Oldie“ / Klaus MĂŒschen (70) / „Der tollen Tine einen tollen Tag – herzlichen GlĂŒckwunsch zum Geburtstag. A.“ / Visa Vie (33), Radiomoderatorin bei Fritz, Schauspielerin, Rapperin

Sie möchten jemandem zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.

Gestorben – Eva Christina Ebert, * 25. Juni 1974 / Martha Jansen, * 13. Oktober 1949 / Frank Koslowski „Frank aus Spandau“, * 17. August 1944, MitbegrĂŒnder der taz und der Alternativen Liste Berlin / Gottfried Oehme, * 16. Mai1929 / Andreas Rapp, verstorben am 3. Juni 2020, Stromnetz Berlin GmbH / JĂŒrgen Holtz, * 10. August 1932, „Motzki“-Darsteller und Schauspieler am Berliner Ensemble

Stolperstein – Paul und Else Hahn (Jg. 1869 und 1876) lebten zusammen in der Schillerstraße 14 in Charlottenburg. Ab dem Jahr 1941 wurden mindestens sechs ihrer jĂŒdischen Nachbarn in Konzentrationslager verschleppt. Um ihrer eigenen Deportation zu entgehen, nahmen sich beide am 22. Juni 1942 das Leben – am heutigen Tag jĂ€hrt sich ihr Todesdatum zum 78. Mal.

Encore

Berlin lĂ€sst das Gehirn schrumpfen, lautete vor ein paar Jahren das Ergebnis einer wissenschaftlichen Studie (die Forscher hatten offenbar selbst an der Untersuchung teilgenommen). Alles Quatsch (wissen Sie ja selbst am besten). TatsĂ€chlich sind hier bei uns sogar die Vögel schlauer als im Rest der Republik. Denn raten Sie mal, welchen der vielen abgestellten Roller unterschiedlichster Anbieter sich eine KrĂ€he gleich neben der Friedrichstraße als Landeplatz ausgesucht hat? Na klar – den der Marke „Tier“.

Ich wĂŒnsche Ihnen einen tierisch guten Start in die Woche – morgen begrĂŒĂŸt Sie hier Stefan Jacobs, der gerade mit einem Hausboot durch Brandenburgs GewĂ€sser geschippert ist (seinen Bericht finden Sie hier).
Bis dahin,

Lorenz Maroldt

Berlin braucht guten Journalismus!

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Seit 2014 berichten wir exklusiv aus Berlins Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Wir stellten Berlins marode Schulen vor, bis die Politik reagierte. Wir standen vor dem BĂŒrgeramt, bis es wieder Termine gab. Wir recherchieren hartnĂ€ckig und grĂŒndlich.

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