Mein Wochenende mit
Die Autorin Alexandra Stahl schreibt für die Deutsche Presse-Agentur und an ihrem ersten Roman. Eigentlich sollte sie gerade als Stadtschreiberin aus Rijeka, der Europäischen Kulturhauptstadt 2020, berichten. Foto: Philipp Laage.
„Der Samstag beginnt mit der Krähe, die übers Dach hüpft. Frühling ist schwierig, in Coronazeiten erst recht. Am Landwehrkanal gehen zu viele Menschen joggen, Schlauchboot fahren, kiffen oder Hundescheiße einsammeln. Nur nicht um sechs Uhr morgens. Ich stehe auf und gehe raus. Ohne Hund, ohne Boot. Außer mir ist nur die Müllabfuhr unterwegs. Beim Spazieren denke ich nach. Über den Zen-Garten in den Gärten der Welt, den ich Pfingstmontag sehen will. Wieso war ich noch nie dort? Über Rijeka, wo ich gerade als Stadtschreiberin sein sollte. Auch in Berlin gibt es Möwen, aber der Landwehrkanal ist wirklich nicht die Adria. Über mein Frühstück. Am Paul-Lincke-Ufer stoppe ich am Café La Maison. Es ist jetzt sieben, die Financiers kommen aus dem Ofen, Küchlein wie kleine Goldbarren. Hier schmecken sie nach Pistazie. Die Berliner Clubs sind dicht, aber der Verkäufer wirkt, als würde er vom Tanzen kommen. Einbildung? Realität und Fiktion verschwimmen, nur am Wochenende bleibt der Computer aus. Stattdessen Picknick im Plänterwald. Ein Freund will einen Erotikthriller schreiben, eine Freundin findet Udo Lindenberg fröhlich subversiv. Ist nicht Corona, sondern 1983? Am Sonntag lese ich wieder nicht in der Tito-Biografie von Jože Pirjevec und klappe doch den Laptop auf. Ich höre Udos Sonderzug nach Pankow und beantworte die Fragen der Übersetzerin meines Stadtschreiber-Blogs, den ich aus Berlin fülle, bis ich reisen kann. Zuletzt hat sie erklärt, wie der Schnaps in Rijeka heißt: Fiumanka.