Lieferdienst „Gorillas“ verärgert auch Anwohner in Mitte

Homeoffice oder Schlafen seien nicht mehr möglich, sagen Anwohner der Rungestraße. Das Start-Up kündigt Verbesserungen an. Von Robert Ide.

Lieferdienst „Gorillas“ verärgert auch Anwohner in Mitte
Screenshot: twitter/ichgruessesie/Tsp

In zehn Minuten geliefert – so schnell sollen Lebensmittel vom Kurierdienst Gorillas ausgefahren sein. Seit drei Monaten geliefert – so fühlen sich Menschen, die an einer der eilig eingerichteten Lieferstationen wohnen. Nachdem das Unternehmen bereits eine Strafe wegen eines privaten Logistikzentrums auf einem Gehweg in Prenzlauer Berg aufgebrummt bekommen hat, kann es sich wohl auf ähnliche Sanktionen in Mitte einrichten. Denn hier wird der Lieferdienst selbst an sechs von sieben Tagen von 6 bis 22 Uhr beliefert – und öfter auch in den Nachtruhezeiten. „Ich musste schon mehrmals die Polizei rufen und habe mein Homeoffice jetzt in den Garten meiner Tochter verlegt, weil ich in meiner Wohnung weder richtig arbeiten noch richtig schlafen kann“, erzählt Webentwickler und Blogger Gernot Frank am Checkpoint-Telefon.

Teilweise schon morgens um 5.52 Uhr rollen erste Lastwagen durch die kleine Rungestraße an der Jannowitzbrücke und laden Lebensmittel mit Rollwagen auf dem Kopfsteinpflaster aus – Schluss war demnach zuweilen erst 23.30 Uhr. Das zeigen Protokolle von Frank, die dem Checkpoint vorliegen und die er bereits ans Ordnungsamt Mitte geschickt hat. Doch der Lärm rund um die Kurierstation (Video hier) wurde von dort an die Straßenverkehrsbehörde verwiesen.

Für die radelnden Essenskuriere, die zuletzt für bessere Arbeitsbedingungen protestierten und von Berlins Politik unterstützt werden, gibt es laut Frank auch keinen Ruheraum: „Stattdessen sitzen die Mitarbeiter auf der Straße ohne Sitzgelegenheit, etwa auf den Stufen der Haus-Zugänge.“ Ihre Fahrräder blockierten derweil den Gehweg.

Gorillas versprach auf Checkpoint-Anfrage am Montagabend die „Prüfung von Maßnahmen“ wie „bauliche Veränderungen an Standorten“ sowie die Umwidmung von Parkplätzen in Fahrradstellplätze. Zum Lärm ließ Sprecher Tobias Hönig im Namen des Start-ups wissen: „Unsere Lieferanten nutzen neuerdings zunehmend Gummirollen für ihre Hubwagen, um den Geräuschpegel so niedrig wie möglich zu halten.“ Mal sehen, wann diese Verlautbarung zu mehr Stille führt.