Berliner Bauwirtschaft: Kai Wegner und die 800.000-Euro-Spende
Im Jahr vor der Wahl hat ein Immobilienentwickler die Berliner CDU großzügig unterstützt. Wir sind der Spur des Gelds gefolgt – und auf Widersprüche gestoßen. Von Margarethe Gallersdörfer und Lorenz Maroldt
Heute Nachmittag erscheint der dritte Teil unserer Podcast-Serie über Kai Wegner. Diesmal geht es darum, was vom neuen Regierenden Bürgermeister zu erwarten ist – und wie seine Verbindungen zur Baubranche sind. Eine Frage war da bisher offengeblieben:
Wie kam es zu den Spenden von insgesamt 800.000 Euro, die der Immobilienentwickler Christoph Gröner im Jahr vor der Wahl 2021 der Berliner CDU zukommen ließ?
Selbst in der CDU waren damals viele über die Höhe der Parteispenden überrascht, und sogar in der Wirtschaft erregte das Misstrauen. Wir sind der Geschichte dieser Spenden nachgegangen – und dabei auf Widersprüche gestoßen.
Über seine Bewegründe für das außergewöhnliche Engagement sagte Gröner dem Checkpoint: „Die Glaubwürdigkeit der CDU war so nach unten gefallen, dass wir gesagt haben: Mit einem neuen Kopf und mit einem belastbaren Programm können wir dem bürgerlichen Lager wieder ein Gesicht verleihen.“
Das aber war noch nicht alles.
Sicher ist: Das Geld kam über einen Kontakt von Gröner und Wegner bei der CDU an. Kennengelernt haben die beiden sich bei einer Veranstaltung. Wegner ist von Gröner „beeindruckt“, wie er sagt, vor allem von dessen „großer sozialer Verantwortung“ – der Unternehmer engagiert sich persönlich und finanziell für Kinderprojekte. Gröner schätzt an Wegner, dass der Schluss machen wolle mit der „Hinterstuben-Politik“, bei der „Dinge verabredet wurden und der Bürger dann vor vollendete Tatsachen gesetzt wurde“.
Beide eint, dass sie den Aufstieg aus eher bescheidenen Verhältnissen geschafft haben, der eine politisch, der andere wirtschaftlich. Beide trennt die Beschreibung ihrer Beziehung – und ein wichtiges Detail im Zusammenhang mit den Spenden.
Auf die Frage, ob sie miteinander befreundet sind, sagt Wegner:
„Nein, dafür kennen wir uns nicht lang genug. Ich glaube auch nicht, dass Christoph Gröner mit einem privaten Problem zu mir kommen würde, und ich würde es auch nicht tun.“
Dieselbe Frage beantwortet Christoph Gröner so:
„Ja, wir sind befreundet. Also, ich habe drei, vier Freunde im Leben und dazu gehört der Kai Wegner sicherlich nicht. Aber es ist ein wirklich sympathischer Mann, mit dem ich gerne Zeit verbringe.“
Zu den Spenden von Christoph Gröner sagt Wegner:
„Das alles Entscheidende ist doch, dass man davon politische Entscheidungen nicht abhängig macht, und das werde ich nie tun. Und das weiß auch jeder, dass ich das nicht tun werde.“
Gröner sagt dagegen zu seinen Spenden an die CDU:
„Ich habe eine einzige Forderung an den Herrn Wegner gestellt, und die war die, dass ich gesagt habe: Kinder im Kinderheim, die behindert sind, sollen bitte in Zukunft den gleichen Kleidersatz kriegen wie Kinder, die nicht behindert sind. Da wir sehr viele Kinder in Berlin betreuen, über zweieinhalbtausend in Kinderheimen, habe ich mir erlaubt, eine solche Forderung in den Raum zu stellen. Der werde ich auch konsequent nachgehen, das erwarte ich. Ich werde es prüfen. Ich bin davon überzeugt, dass er das ganz von allein auch weiß. Das ist sozusagen schriftlich fixiert.“
Die ganze Geschichte gibt’s ab heute Nachmittag in unserem Checkpoint-Podcast „Berliner & Pfannkuchen zu hören“ – überall dort, wo es Podcasts gibt, und natürlich auch auf tagesspiegel.de. Hier sind auch die beiden ersten Folgen zu finden. Für Berlinkenner und alle, die es werden wollen!