So werden die Fahrstreifen Unter den Linden neu verteilt

Der Verkehr auf Berlins Prachtboulevard wird neu geführt. Die Pläne dafür sind jedoch für Fußgänger und Autofahrer kein Vergnügen. Von André Görke.

So werden die Fahrstreifen Unter den Linden neu verteilt
Foto: imago images/Sabine Gudath

In der vergangenen Nacht hat mich nicht nur der Wahl-O-Mat (33 Parteien, 38 Fragen!) und eine fiese Erkältung (Herbst!) wachgehalten, sondern vor allem die Baustellenakte der BVG (liegt unter meinem Kopfkissen). Der Inhalt: das Grand Finale Unter den Linden. Auf Berlins Boulevard No.1 rücken nämlich jetzt die letzten Bauarbeiter an – mit Asphalt und Farbeimer.

Vom 28. September an wird die Straße Unter den Linden neu aufgebaut – der Schlussakt nach zehn Jahren U-Bahnbaustelle mitten im Zentrum der Stadt. An die Touri-Meile ohne Bauzäune erinnern sich ja nur noch Stadtälteste (und Fans von Google Street View, gucken Sie mal), denn gefällt, gebuddelt und gebaut wird hier seit dem Frühjahr 2012. Im April 2022 soll dann endlich der letzte Pinselstrich gezogen sein (jedenfalls steht’s so in der Ausschreibung für die Restarbeiten).

So, und jetzt mal konkret: Wie wird denn Berlins Boulevard der Zukunft aussehen? Ideen gab’s ja viele… Na, dann schauen wir doch mal auf den letzten Stand (Trigger-Warnung: Autofahrer müssen jetzt ganz tapfer sein – Fußgänger übrigens auch):

+ Es wird nur noch eine Pkw-Fahrspur geben (statt wie früher zwei).

+ Die BVG-Flotte bekommt eine Fahrspur in der Mitte.

+ In beiden Richtungen gibt’s eine eigene Fahrradspur (außer auf der Liebknechtbrücke, die ist zu eng).

+ Und eine 4. Spur am rechten Rand dient der „multimodalen Nutzung“ (zwischen Wilhelmstraße und Universitätsstraße).

Hm, der was? Was soll das sein, eine „multimodale Nutzung“?Platz für fliegende Händler und rasende Reporter? Nein, es ist die Resterampe: „Eine Spur für Parklets, Fahrradabstellanlagen, Carsharing, Stadtrundfahrten...“. Dabei wurde doch 2016, nach der letzten Wahl, noch leidenschaftlich über eine Fußgängerzone Unter den Linden diskutiert. Tja, schöne Träumerei, nix passiert. Aber hey, dafür gibt’s ja ab 2022 einen „multimodalen Fahrstreifen“. Schade. (Q: Baupläne der BVG, Stand August – die Skizzen kann ich Ihnen hier mal zeigen).