Schwarz-Grüne Annäherung, wenn es um Vielfalt in der Verwaltung geht
Wird Berlin im Herbst schwarz-grün-divers? Gemeinsam verteidigen die frühere CDU-Kandidatin Zarth und Grünen-Aspirantin Jarasch das Integrationsgesetz des Senats. Von Anke Myrrhe
Ein politisches Pilotprojekt streben offenbar die Grünen an. Bettina Jarasch, Spitzenkandidatin für die AGH-Wahl im September, hat sich jedenfalls eine eher ungewöhnliche Partnerin gesucht. Gemeinsam mit Carola Zarth, Inhaberin einer Kfz-Werkstatt, Präsidentin der Berliner Handwerkskammer und 2016 noch Kandidatin der CDU im Wahlkreis Charlottenburg-Wilmersdorf, hat Jarasch für den Tagesspiegel einen Gastbeitrag verfasst, in dem sie gemeinsam das Integrationsgesetz des Senats verteidigen.
Die Verwaltung sei nicht nur relativ alt im Vergleich zum Rest der Stadt, „sie ist auch weniger vielfältig als die Stadtgesellschaft“, schreiben sie. „Im öffentlichen Dienst liegt der Anteil an Mitarbeitenden mit Migrationshintergrund gerade mal bei zwölf Prozent, verglichen mit den mehr als ein Drittel der Berliner*innen mit Migrationshintergrund.“ Jarrasch und Zarth sehen in dem nun auf den Weg gebrachten Gesetz „einen überfälligen Schritt zur Verwaltungsmodernisierung. Als eine Maßnahme, von der alle profitieren: die Verwaltung, die dringend gut qualifizierten Nachwuchs braucht, die Wirtschaft und die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt.“
Nun könnte man fragen, wie geschickt es ist, dass die Präsidentin einer zur politischen Neutralität verpflichteten Kammer gemeinsame Sache mit einer Wahlkämpferin macht (in der Kammer war das durchaus umstritten). Im Team Jarasch hingegen freut man sich über so viel Flexibilität. Ihr Wahlkampfmanager kündigte am Telefonat an, dass die Kandidatin bis September noch „Brücken in die Stadtgesellschaft“ bauen will – mit weiteren überraschenden Positionspartner:innen. Der Verband der Fleischwirtschaft und der Deutscher Büchsenmacher und Waffenfachhändler e.V. freuen sich schon auf ihren Anruf.