Das sind die heimlichen Heldinnen und Helden der Coronakrise
Sie helfen, das öffentliche Leben aufrecht zu erhalten: Ärztinnen und Ärzte, Klinikpersonal, Supermarkt-Mitarbeitende, Ehrenamtliche. Eine Würdigung von Lorenz Maroldt
knirschend kommt das öffentliche Leben zum Stehen wie ein Rennauto im Kiesbett. Nach anfänglichem Zögern hat der Senat in der Nacht zum Sonnabend doch noch die Kurve bekommen und einschneidende Maßnahmen verfügt – hier ein Überblick:
+ Clubs und Kneipen bleiben zu.
+ Öffentliche und private Veranstaltungen mit mehr als 50 Personen sind verboten.
+ Alle öffentlichen und privaten Sportanlagen sind geschlossen.
+ Museen und Bibliotheken haben ihren Betrieb eingestellt.
+ Für Krankenhäuser und Heime gilt ein Besuchsverbot mit wenigen Ausnahmen.
+ Restaurants dürfen unter Abstands-Auflagen geöffnet bleiben.
+ Oberstufenzentren und Berufsschulen sind von heute an dicht.
+ Alle weiteren Schulen und Kitas schließen morgen.
Noch am Freitag hatte der Senat gemeint, den Beginn des weitgehenden „Shutdown“ erst bei seiner nächsten regulären Sitzung am morgigen Dienstag rechtssicher in Kraft setzen zu können. Doch die Leiter der Gesundheitsämter und Stadträte aus Neukölln und Friedrichshain-Kreuzberg befürchteten gravierende Folgen eines letzten Party-Wochenendes und drängten auf sofortiges Handeln. So kam es, und auch der Virologe Christian Drosten stellte nach dem Hin und Her der vergangenen Tage schließlich fest: „Berlin hat nun wirklich gezeigt, wie man es macht. Meine Hochachtung vor so viel Handlungswillen und Engagement!“
Welche Maßnahmen zu welchem Zeitpunkt die richtigen sind, wird auch unter Wissenschaftlern weiter kontrovers diskutiert – Einsichten sind dabei oft Momentaufnahmen, die je nach Verlauf korrigiert werden. Selbst Drosten, dem in der Krise die Rolle eines Weisen zugewachsen ist, stellt mitunter fest: „Habe zu kurz gedacht“. Solange nicht alle Geheimnisse von Sars-CoV-2 entschlüsselt sind, werden wir damit leben müssen – und können. Jetzt geht es nicht um Aufarbeitung für Lernprozesse, sondern darum, die Gegenwart zu bewältigen nach Regeln, für die es kein Muster gibt. Das stellt uns alle vor enorme Herausforderungen. Diejenigen, die dabei helfen, die Virus-Verbreitung zu verlangsamen und das öffentliche Leben soweit wie möglich aufrecht zu erhalten, brauchen und verdienen jetzt Unterstützung.
Dazu gehören alle, deren Berufe und Aufgaben der Senat im Zusammenhang mit der Notbetreuung für Kinder als systemrelevant deklariert hat – die Liste finden Sie hier.
Dazu gehören die heimlichen Heldinnen und Helden an den Kassen der Supermärkte, die wegen der vielen direkten Kontakte ungeschützt einem hohen Risiko ausgesetzt sind – und ohne die längst die Versorgung zusammengebrochen wäre.
Und dazu gehören auch die vielen, die jetzt ehrenamtlich ohne große Worte anderen helfen. Wie schwer das zuweilen unter völlig neuen Umständen ist, zeigt das Beispiel von Aline von Drateln – sieschrieb am Freitag bei Twitter:
„Ohne Publikum habe ich als Moderatorin keine Arbeit. Ich biete ab Mittwoch ehrenamtlich Kinderbetreuung an für Betroffene der Schulschließungen in Prenzlauer Berg/Mitte. Habe selbst 2 Kinder (8 & 13). Gerne DM. Eltern in Pflegeberufen bevorzugt.“
Die Resonanz war enorm (mehr als 1100 Retweets, 6500 „Gefällt mir“-Angaben), manche Reaktion aber auch erschütternd. Ich habe Aline gebeten, ihre Erfahrungen aufzuschreiben, den Text finden Sie hier – ihr Fazit: „Die Krankheit hatte einfach keine Zeit, sich auf die Medien einzustellen. In Virus veritas?“