Neue Bevölkerungsstatistik für Berlin: „Das Geburtendefizit ist keine schöne Überraschung“

Aktuelle Zahlen für die Hauptstadt zeigen: Es gibt viele Neu-Berliner – aber auch einen „Geburtenknick“. Bevölkerungsforscherin Theresa Markhoff erklärt die Statistik. Von Robert Ide

Neue Bevölkerungsstatistik für Berlin: „Das Geburtendefizit ist keine schöne Überraschung“
Eine neue Generation Babyboomer ist in Berlin nicht in Sicht. Foto: dpa / Fabian Strauch

Wir sind viele, so viele wie seit vielen Jahrzehnten nicht. 3 755 251 Berlinerinnen und Berliner hat das Amt für Statistik zum Jahreswechsel gezählt, die Stadt ist so dicht bevölkert wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Allerdings sind erstmals seit 15 Jahren wieder mehr Menschen gestorben (39.572) als zur Welt gekommen (35.729).

„Das Geburtendefizit ist natürlich keine schöne Überraschung“, sagt Bevölkerungsforscherin Theresa Markhoff am Checkpoint-Telefon. In Berlin gebe es mittlerweile weniger Frauen zwischen 25 und 40 Jahren als in früheren Jahren, denn: „Die Kinder der Babyboomer werden langsam alt.“ Im benachbarten Brandenburg fällt der Mangel an Neugeborenen aufgrund des sogenannten „Geburtenechos“ noch heftiger aus. Hier wirken sich besonders die geburtenarmen Jahrgänge nach der Vereinigung aufgrund der damals unsicheren Umbruchzeiten aus. „Es gibt einfach wenige jüngere Frauen im Berliner Umland, die eine Familie gründen könnten.“

Berlins Zuwachs begründet sich vor allem auf Zuzug. Von Jahr zu Jahr geht die Anzahl der Deutschen in der deutschen Hauptstadt zurück, nun sind es weniger als drei Millionen Menschen. Ausländerinnen und Ausländer, inzwischen mehr als 800.000 Menschen, verjüngen dagegen Berlins Bevölkerung. Die meiste Nettozuwanderung machten im vergangenen Jahr Geflüchtete aus der Ukraine aus. Mehr als 50.000 Menschen aus dem überfallenen Land zogen im vergangenen Jahr hierher, nur etwas mehr 4000 kehrten zurück. Berlins Bevölkerungswachstum hat auch eine sehr traurige Seite – das Elend des Krieges nebenan in Europa.