„Möchten Sie lieber weinen oder würgen?“
Denise Rossow arbeitet in einer Corona-Teststelle in Treptow-Köpenick. Im Checkpoint-Interview spricht sie über Stammgäste und emotionale Momente bei ihrer Arbeit. Von Teresa Roelcke und Robert Ide
Zum Leistungstest werden die angestrebten Öffnungen vor allem für die Testerinnen und Tester, die uns durch ihre Arbeit überhaupt ermöglichen, halbwegs sicher wieder eine gemeinsame Stadtöffentlichkeit zu bilden. Meine Checkpoint-Kollegin Teresa Roelcke hat mit Denise Rossow über ihren neuen Alltag gesprochen; die 38-Jährige arbeitet in der Teststelle von „Pandemedics“ in Friedrichshagen.
Frau Rossow, seit wann sind Sie im Testzentrum tätig?
Seit einem Monat, vorher habe ich als Krankenschwester bei Vivantes gearbeitet. Aber hier habe ich die besseren Arbeitszeiten, was für mich als Mutter wichtig ist.
Wie viele Personen testen Sie denn am Tag?
Etwa 300, manchmal auch mehr. Die Leute sind in der Regel sehr nett und verstehen viel Spaß. Wenn ich die Leute frage, ob sie den Abstrich lieber im Mund oder in der Nase haben wollen und die dann zurückfragen, was unangenehmer ist, sage ich meistens: Möchten Sie lieber weinen oder würgen? Dann lachen die Leute.
Kommen auch Personen zu Ihnen, von denen Sie merken, dass sie Coronaleugner sind?
Nein, überhaupt nicht. Da bin ich positiv überrascht. Die Leute sehen alle die Notwendigkeit, sich testen zu lassen. Manche kommen jede Woche und wissen schon genau, von wem sie sich testen lassen wollen. Eine ältere Frau war so dankbar, dass alles reibungslos geklappt hat mit der Terminvereinbarung und dem Testen, dass sie geweint und uns Kuchen gebacken hat. Da merkt man schon, wie emotional das Thema ist, wie groß auch die Einsamkeit bei manchen Menschen ist, die nun wegen der Tests wieder soziale Kontakte pflegen können.