„Soll ganz gut schmecken“: Neue Pilzart sprießt rund um Berlin

Pilzesammeln ist ein beliebtes Hobby. Auch in Berlins umliegenden Wäldern wird man fündig. Wer aktuell auf die Pirsch geht, wird die sich neu ausbreitende Falsche Rotkappe finden. Von Robert Ide

„Soll ganz gut schmecken“: Neue Pilzart sprießt rund um Berlin
Foto: dpa/Silke Nauschütz

Für den gerade ausbrechenden zweiten Hochsommer in Berlin empfiehlt sich ein Ausflug in den schattigen Wald. „Pilze dürften hier aber erst wieder ab Mitte September zu finden sein“, erzählt Pilzgutachter Wolfgang Bivour am Checkpoint-Telefon. Nur noch vereinzelt trotze die Krause Glucke, die wie ein Badeschwamm an Kiefernbäumen hängt, der aktuellen Trockenheit. Der Vorsitzende der Brandenburger Pilzsachverständigen hat während des feuchten ersten Hochsommers in diesem Jahr schon viele Sommerpfifferlinge und Sommersteinpilze in seiner Pfanne gebraten. Angesichts des Klimawandels beobachtet er eine ausgedehntere Pilzsaison. „Die ersten Mairitterlinge gab es schon Ende März, und inzwischen kann man noch Mitte November fündig werden.“

Als neue, trockenresistente Pilzart breitet sich gerade rund um Berlin die Falsche Rotkappe aus, die aus Nordamerika stammt und über das Baltikum nach Europa kam. Der großspurige Kiefernröhrling, der einem Steinpilz nicht unähnlich sieht, „ist auf jeden Fall essbar und soll auch ganz gut schmecken“, berichtet Pilzexperte Bivour. Der 74-Jährige sammelt seit seiner Kindheit Erfahrungen im Wald und geht rund um seinen Wohnort Potsdam und weiter südlich in Richtung Beelitz auf regelmäßige Pirsch. Geheime Stellen hat er dabei nicht. „Seit der Corona-Zeit grasen die Leute sowieso sämtliche Ecken in den Wäldern ab.“ Gut, dass Pilze immer wieder an neuen Orten hervorsprießen. Bivour weiß das zu schätzen: „Im Wald kann man sich immer überraschen lassen.“ Darauf einen frischen Pilz!