Unerträgliche Willkür

Genau eine Woche ist es nun her, dass ein schrecklicher Unfall in Mitte vier Menschen aus dem Leben gerissen hat. Die Hinweise verdichten sich, dass es tatsächlich genau das war: Ein schrecklicher Unfall, der wohl nicht hätte verhindert werden können durch Poller, Polo oder Pufferzonen, es wird sie leider immer geben diese unerträglichen Willkürlichkeiten, für die sich möglicherweise keine eindeutigen Schuldigen finden lassen.

Und dennoch könnte dieser Unfall einer sein, der die Stadt nachhaltig verändert, denn es scheint, als sei für viele genau jetzt der Punkt erreicht, an dem sie nicht mehr zuschauen wollen beim täglichen Verkehrsirrsinn der Großstadt. Einer von ihnen ist Julian Kopmann, Vater dreier Kinder, deren täglicher Weg entlang der Invalidenstraße führt. „Die schlechte Luft, die uns morgens husten lässt, der Lärmpegel, der unsere Unterhaltungen oft in ein Schreikonzert verwandelt, und die ständigen Gefahren durch den Straßenverkehr – mit all dem habe ich mich über die Zeit abgefunden.“

Doch der tragische Unfall sei für ihn ein Weckruf gewesen, nicht mehr tatenlos zuzusehen. Kopmann hat eine Petition gestartet, mit dem Ziel, „die bestehende Tempo 30 Zone unverzüglich auszuweiten und somit das gesamte Gebiet zwischen Bernauer und Torstraße abzudecken“. Diese Maßnahme sollten kurzfristig durch weitere ergänzt werden, nämlich Zebrastreifen, Parkverbotszonen an den Kreuzungen, eine neue Ampelanlage, Fahrradwege sowie bauliche Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung (Blitzer, Bremsschwellen). Bis zum frühen Morgen hatten bereits mehr als 5000 Menschen unterschrieben.