Digitales Berlin: Spranger sieht „Wahrnehmungsproblem“

Fehlendes Internet in Schulen oder kaum vorhandene Online-Dienstleistungen bei den Ämtern sorgen für Kritik. Damit will Innensenatorin nun aufräumen – mit Werbung. Von Lorenz Maroldt.

Digitales Berlin: Spranger sieht „Wahrnehmungsproblem“
Foto: dpa/Fabian Sommer

Sie haben mal wieder keinen Online-Termin im Bürgeramt gefunden? Ihren Ausweis können Sie immer noch nicht digital beantragen? An der Schule Ihrer Kinder gibt’s keinen Breitbandanschluss? Dann haben wir hier eine gute Nachricht: Sie müssen sich irren! Denn in Sachen Digitalisierung, meint Innensenatorin Iris Spranger, hat Berlin „vor allem ein Wahrnehmungsproblem und kein Umsetzungsproblem“. So steht’s jedenfalls in einer Vorlage für die Senatssitzung am Dienstag (S-1069/2023). Und damit das endlich alle einsehen, soll ordentlich investiert werden – und zwar in „Marketing-Aktivitäten“.

Spranger beruft sich auf den E-Government-Survey 2022, demzufolge sich Berlin im weltweiten Metropolenvergleich auf Platz 1 digitalisierte – bewertet wurden u.a. die Startseite von berlin.de, die Bürgerhaushalte in sieben Bezirken und die Datenschutzbeauftragte. Beim E-Government-Monitor 2022 landete Berlin bei der Nutzung von Online-Dienstleistungen im Bundesländervergleich dagegen nur auf Platz 6, bei der Zufriedenheit winken wir sogar vom 16. (also dem letzten) Platz mit der roten Laterne. Spranger merkt dazu an: „Es wurden allerdings nur 500 Personen befragt, die zudem über einen Internetanschluss verfügen mussten.“ Hä, über einen was? Einen Internetanschluss? In Berlin? Wie sollen die Leute denn da unbefangen über ihre Zufriedenheit mit der Digitalisierung urteilen können?