Hausmacht Lufthansa: Verhindert das Bundesverkehrsministerium Start- und Landerechte am BER?

Nach Checkpoint-Informationen wurden den Fluggesellschaften der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) von Staatssekretär Schnorr kürzlich nur noch zwei wöchentliche statt einer täglichen von und nach Berlin angeboten. ganz im Sinne der Lufthansa? Von Anke Myrrhe und Valentin Petri.

Hausmacht Lufthansa: Verhindert das Bundesverkehrsministerium Start- und Landerechte am BER?
Foto: Imago / Funke Foto Services

Etwas mehr zu sagen hat die Politik offenbar in einer anderen Sache. Versucht das Bundesverkehrsministerium eine Vereinbarung über Start- und Landerechte für die Fluggesellschaften der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) am BER zu hintertreiben? Nach Checkpoint-Informationen hatte Staatssekretär Stefan Schnorr kurz vor dem Besuch von Bundeskanzler Friedrich Merz in Abu Dhabi vor einer Woche den VAE eine Lizenz für lediglich zwei Verbindungen wöchentlich von und nach Berlin angeboten. In Vorgesprächen war den Emiraten allerdings eine tägliche Verbindung in Aussicht gestellt worden.

Die ranghohen Verhandler der VAE fühlten sich brüskiert und forderten kurzfristig weitere Gespräche. Diese wurden zwar vereinbart, von deutscher Seite allerdings innerhalb kürzester Zeit wiederholt abgesagt. Anders als von den Gastgebern erwartet konnte Merz deshalb keine Berlin-Verbindungen von Emirates oder Etihad verkünden.

Das ist ganz im Sinne der Lufthansa, die ihre Konkurrenz gerne fernhalten und die Drehkreuze Frankfurt und München schützen möchte – zum Schaden von Berlin.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr zeigte sich dafür dann ausgerechnet beim traditionellen Neujahrskonzert am Dienstabend im Konzerthaus am Gendarmenmarkt gegenüber Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder dankbar. Laut Aufzeichnungen mehrerer Gäste, die dem Checkpoint vorliegen, sagte Spohr:

„Herr Schnieder, als Freund des Hauses, bekommt hier den besten Platz, zwischen dem Aufsichtsratsratsvorsitzenden und meiner Frau. Und wenn Herr Schnieder dafür sorgt, dass die subventionierten Airlines in Berlin nicht empfangen werden, bekommt er diesen schönen Platz auch in Zukunft.“

Gar nicht lustig fand das alles wohl Berlins Regierender Kai Wegner, der am Dienstagabend zwar in Mailand bei den Olympischen Spielen für Berlin warb, aber offenbar gut informiert war. Gemeinsam mit Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke forderte er am Mittwoch „jetzt nach jahrelanger Diskussion“ Emirates endlich Start- und Landerechte am BER zu genehmigen.

Nach den bisherigen Regeln darf Emirates maximal vier deutsche Flughäfen bedienen. Das sind zurzeit Frankfurt, München, Düsseldorf und Hamburg. Um in Berlin landen und starten zu können, müsste Emirates einen dieser Standorte aufgeben, was das Unternehmen aber ablehnt. Von den Restriktionen profitiert vor allem die Lufthansa mit ihren Fernverbindungen.

Wegner und Woidke begründen ihre Forderungen nach Lizenzen für Emirates damit, dass es dadurch „mehr Direktverbindungen
ohne unnötige und ökologisch fragwürdige Umstiege“
an anderen Flughäfen gebe. Zudem stärkten mehr Direktverbindungen ganz Ostdeutschland als Wirtschaftsstandort und brächten mehr Investitionen sowie neue Arbeitsplätze in die Region. 35 Jahre nach der Einheit gibt es in Deutschland täglich bis zu 195 Interkontinentalflüge – aber nur vier davon starten oder landen im Osten.

Das Bundesverkehrsministerium teilte auf Checkpoint-Anfrage mit: „Zu laufenden Gesprächen äußern wir uns nicht. Es gibt keine
Entscheidung
über Änderungen der vereinbarten Verkehrsrechte mit den Vereinigten Arabischen Emiraten.“