Schilderreise in die Berliner Vergangenheit

Seit elf Jahren gibt es die Deutschlandhalle in Berlin nicht mehr – ausgeschildert ist sie dennoch. Die Spur führt bis zur Verkehrsverwaltung – mit Happy End. Von Lorenz Maroldt
 

Schilderreise in die Berliner Vergangenheit
Die Deutschlandhalle am Messedamm in Berlin-Charlottenburg wurde 2011 abgerissen. Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Zeitreisen sind in Berlin bekanntlich auch ohne Fluxkompensator möglich – und nebenbei lässt sich sogar eine Runde Behördenpingpong spielen. Also los … Wir fahren die Königin-Elisabeth-Straße entlang Richtung Süden. Kurz vor dem Kaiserdamm weist uns ein großes Schild den Weg zur Deutschlandhalle (abgerissen 2011). Wir drehen um und fahren zum Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf, unsere Frage: Warum führt dort seit jetzt 11 Jahren ein Schild in die Vergangenheit (hier zu sehen, fotografiert von CP-Leserin Elke Gliesmann)? Die Antwort: „Vermutlich sind die Kolleginnen der Verkehrsregelungszentrale bei der Senatsverkehrsverwaltung zuständig, ich versuche das zu eruieren.“

Wir fahren weiter zu Verkehrsverwaltung, wo uns Sprecher Jan Thomsen bereits erwartet – er sagt: „Die Frage, wer alles für die Demontage der Schilder zuständig sein könnte, war eine Weile nicht zu beantworten – was dazu führte, dass sich meine Verwaltung dann einfach selbst für zuständig erklärt hat. Wir werden das auch umsetzen, auch wenn üblicherweise der An- sowie Abbau von Verkehrsschildern Bezirkssache ist.“ Stand der Dinge: Die Demontage des Wegweisers wurde im Dezember 2021 angeordnet, zehn Jahre nach dem Abriss der Deutschlandhalle. Aber wir können jetzt sagen: Wir haben in die Zukunft geschaut und ein Berlin gesehen, in dem eine Verwaltung das Behördenpingpong mit einem einfachen Schmetterball für sich entscheidet.

Und jetzt sind Sie dran: Ist die in die Jahre gekommene Beschilderung der Deutschlandhalle ein Einzelfall? Wo werden Sie in Berlin sonst noch in die Vergangenheit geleitet? Hinweise mit Bildbeweis bitte an checkpoint@tagesspiegel.de.