Berliner Solidarität für Erdbebenopfer in der Türkei und Syrien

Private Initiativen organisieren bereits Hilfstransporte aus Berlin in die Erdbeben-Region. Ein Unternehmer erzählt, wie geholfen werden kann und was derzeit benötigt wird. Von Robert Ide und Lotte Buschenhagen.

Berliner Solidarität für Erdbebenopfer in der Türkei und Syrien
Foto: picture alliance/dpa/XinHua | Mustafa Kaya

Die Bilder sind verheerend, die Zahlen werden immer dramatischer, die Schicksale hinter jeder einzelnen Ziffer sind so schlimm, dass man sie als Mensch kaum zu erfassen vermag. Mehr als 8100 Todesopfer haben die massiven Erdbeben in der Türkei und Syrien bislang gefordert. Mindestens 20.000 Menschen wurden verletzt, Tausende werden noch vermisst. Hilfe kommt schrecklich langsam im Krisengebiet an, sowohl im von der türkischen Regierung vernachlässigten Kurdengebiet als auch erst recht im vom Bürgerkrieg zerbombten, abgeschotteten Regime in Syrien. Die meisten Überlebenden bleiben hier auf sich allein gestellt.

Gleichzeitig gibt es die Mut machenden Geschichten der Rettung und Solidarität, auch aus Berlin. Hier sammelt etwa Armagan Keles, Co-Inhaber der Kreuzberger Firma Moon-Events, fortlaufend Spenden in einem Festsaal am Moritzplatz. Meiner Kollegin Lotte Buschenhagen hat er erzählt, was von Berlin aus konkret getan werden kann – und was ihn die Hilfe lehrt.

Herr Keles, brauchen Sie noch Spenden?
Für den Moment ist alles da, wir schicken sogar Leute zurück. Unsere Kapazitäten, was wir in die Türkei schicken können, sind ausgeschöpft. In unserem Saal stehen 1000 Quadratmeter an Hilfsgütern voll, das reicht für neun LKWs. Wir hatten am Montag einen Instagram-Aufruf gestartet, daraufhin sind hunderte Leute gekommen. Die Hilfsbereitschaft ist groß, nicht nur in der türkischen Gemeinschaft. Wir haben uns mit Konsulaten und türkischen Hilfsorganisationen in Verbindung gesetzt, die schicken LKWs, Container, Kartons, Paletten. Wenn ich um Hilfe bitte, stehen hier 200 Leute. Ich dachte, die Menschen sind schlecht. Aber ich habe mich belehren lassen, dass sie eigentlich gut sind.

Haben Sie selbst Angehörige oder Bekannte, die betroffen sind?
Wir sind als Familie direkt betroffen. Im Familienkreis gibt es einige Tote und Verletzte. Das war ein Jahrhundertbeben, das Leid ist sehr groß. Nach dem Nachbeben der 7,4-Klasse war alles platt, was davor noch gestanden hat. Wir versuchen, das zu machen, was von hier aus in unserer Macht steht.

Wie geht es nach den ersten LKWs weiter?
Alles was hier ist, müssen wir erstmal wegfahren. Wenn wir das geschafft haben, machen wir natürlich weiter. Die Leute werden bestimmt bis zu sechs Monate lang Hilfe brauchen. Eine Bitte habe ich aber: Wir wollen, dass uns Menschen keinen Müll geben, bitte keine benutzten Unterhosen. Es geht um saubere Kleidung, keine Sommerkleidung. Wir nehmen voraussichtlich in einer Woche wieder Spenden an, dann machen wir einen neuen Aufruf.

Wenn Sie selbst helfen wollen, spenden Sie großzügig, aber mit Bedacht – etwa an kurdische Hilfsvereine, die die Hilfe direkt in die Bürgerkriegsregion bringen wollen. Alle Informationen und Spendenkonten der deutschen Hilfsorganisationen vor Ort finden Sie hier.