Zählungen online veröffentlicht: Auch auf Berlins Hauptstraßen ohne Radweg wird viel geradelt

Obwohl viele Radwegsplanungen gestoppt wurden, belegen Erhebungen, dass der Radverkehr vermehrt genutzt wird. Auf vielen Hauptstraßen fehlt aber immer noch Infrastruktur dafür. Von Stefan Jacobs.

Zählungen online veröffentlicht: Auch auf Berlins Hauptstraßen ohne Radweg wird viel geradelt
Foto: dpa / Hannibal Hanschke

Neues aus der Rubrik „Verkehrssenatorin versus wahres Leben“ (siehe auch: „Welche Krise?“, CP von Freitag): In einer Mitteilung aus dem Hause Bonde anlässlich der Online-Verfügbarkeit stadtweiter Radverkehrszählungen lässt sich die Chefin folgendermaßen zitieren: „Diese erstmalige Erhebung belegt die Attraktivität des Radverkehrs in Berlin. Erhebungen zeigen zudem, dass zugleich der Autoverkehr rückläufig ist. Diese Fakten und dazu ein attraktiver ÖPNV zeigen deutlich, dass eine kluge Politik der Angebote besser ist als Restriktionen und Verbote.“

Dazu ein paar Beispielzahlen: 400 Radfahrer in der Stubenrauchstraße in Rudow, 700 in der Berliner Allee in Weißensee, 900 in der nördlichen Treskowallee in Karlshorst, 1000 in der südlichen Drakestraße in Lichterfelde, 1100 in der Dörpfeldstraße in Adlershof, 1500 in der Grabbeallee in Pankow, 3500 in der östlichen Oranienstraße in Kreuzberg – jeweils werktags 7-19 Uhr. An allen genannten Hauptverkehrsstraßen existiert null Infrastruktur für den Radverkehr, in zweien (Stubenrauch / Berliner Allee) hat Bondes Verwaltung laufende Radverkehrsplanungen gestoppt. Geradelt wird dort also nicht dank „kluger Politik der Angebote“, sondern trotz behördlicher Ignoranz des nun öffentlich einsehbaren Bedarfs.