Naumann deklariert seine Schweden-Reise nachträglich um

Reinhard Naumann, Charlottenburg-Wilmersdorfs Regierender, war im Juni im Corona-Risikoland Schweden. Ein „Pfingsturlaub“ soll es aber nicht gewesen sein. Von Lorenz Maroldt

Naumann deklariert seine Schweden-Reise nachträglich um
Foto: Promo

Reinhard Naumanns Schweden-Reise zur Corona-Hochzeit (29.5. bis 8.6.) ist politisch noch immer nicht beendet – die CDU wollte jetzt schriftlich wissen:

Warum hat Herr Naumann trotz Reisewarnung des Auswärtigen Amtes die Reise unternommen?“

Wie bewertet Herr Naumann die Folgen seiner Reise für das Vertrauen der Bürger in ihn und in die Rechtsmäßigkeit der Corona- Einschränkungen und ihrer Durchsetzung durch das Bezirksamt, wenn er sich selbst nicht an amtliche Warnungen hält?“

Wie erklärt Herr Naumann Bürgern, dass sie die angeordneten Einschränkungen einhalten und die Appelle des Senats zum persönlichen Verhalten beachten sollten, wenn er selbst amtliche Warnungen nicht berücksichtigt?“

Die Antwort auf alle drei Fragen, aufgeschrieben von Naumanns Stellvertreter Arne Herz (KA 0579/5): „Die Frage nach dem Motiv für eine private Urlaubsreise des Bezirksbürgermeisters betrifft dessen Privatsphäre. (…) Das Bezirksamt kommentiert und bewertet private Angelegenheiten seiner Beschäftigten grundsätzlich nicht, erst recht nicht öffentlich.“

Aber, aber, aber… es gab doch noch etwas Neues – lesen wir mal weiter: „Er (Naumann) hat der Dienststelle im Zusammenhang mit dieser Schriftlichen Anfrage mitgeteilt, dass es sich um keine touristische Reise gehandelt hat. Ziel der Reise war vielmehr das gemeinsame Ferienhaus im Südwesten von Schweden, um dessen Pflege und Instandhaltung er sich gemeinsam mit seinem Ehemann in regelmäßigen Abständen kümmern muss.“ Jaja, so ein Häuschen kann eine gefährliche Last sein, die man zu schultern bereit sein muss, komme, welches Virus da wolle. Die nachträgliche Reisezweckänderung zur Eigentumspflege hat allerdings auch einen rechtlichen Grund: Die Reisewarnung galt nur für „nicht notwendige, touristische Reisen“ – auf seiner Facebook-Seite hatte Naumann den Schweden-Trip noch begeistert einen „Pfingsturlaub“ genannt.

Übrigens: Wenn Sie den Unterschied zwischen sich und einem Bürgermeister feststellen wollen – versuchen Sie einfach mal, kurz bei der Amtsärztin anzurufen und vier Corona-Tests für sich zu vereinbaren. Dann wissen Sie Bescheid. Und können, wie der Bürgermeister, statt in Quarantäne zu gehen Party machen.