Nur 14 von 222 Friedhöfen: Berlin mangelt es an wohnortnahen muslimischen Grabstellen
In der Hauptstadt gibt es nicht genug Grabstellen, die Bestattungen nach islamischem Brauch ermöglichen. Den Mammutanteil schultert derzeit Gatow (JWD) in Spandau. Doch auch dort werden die Kapazitäten langsam weniger. Von Margarethe Gallersdörfer und Sönke Matschurek.
Von einer Sorte Löcher hat Berlin zu viel, von anderen zu wenig. Es mangelt dem Land an muslimischen Grabstellen, an wohnortnahen erst recht. „In Berlin wird noch nicht so richtig mitgedacht, dass in dieser Stadt Muslime leben – und auch sterben“, sagt Katja Neppert, Mitglied der evangelischen Gemeinde und der Berliner Bürgerplattformen, dem Checkpoint. Der Bedarf an Grabflächen liege bei 2000 pro Jahr, das Angebot aber „weit darunter“.
Berlin hat 222 Friedhöfe. Doch nur auf 14 kann nach islamischem Brauch bestattet werden. Und die meisten der nach Mekka ausgerichteten Grabstellen sind bereits belegt. „Viele Muslime haben den Eindruck, ‚In Berlin ist alles voller Friedhöfe – aber nicht für uns‘.“
Die zuständige Senatsverwaltung für Umwelt ist sich des Problems bewusst. Sie verzeichnet einen „steigenden Bedarf“, kann die Kapazitäten jedoch nicht beziffern und verweist an die Bezirke.
Den Mammutanteil schultert: Gatow (JWD). Dort sei schon jetzt der „überwiegende Teil“ der 11.600 Gräber muslimisch belegt, sagt Spandaus Baustadtrat Thorsten Schatz (CDU). Rund 100 Grabstellen sind noch frei, bis 2028 sollen 2000 weitere entstehen. Doch: „Spandau kann nicht dauerhaft die strukturellen Defizite ganz Berlins ausgleichen.“ In Gatow führe die Knappheit aktuell dazu, dass nur noch Einzelgrabstellen vergeben werden – und Ehepartner teilweise nicht nebeneinander liegen können. „Das bedaure ich ausdrücklich“, sagt Schatz.