Jede Menge rote Rosen und eine Handvoll linke Schläger
Angeblich soll sich der maoistische „Jugendwiderstand“ aufgelöst haben. Doch auf der Liebknecht-Luxemburg-Demo tauchten die Hooligans wieder auf.
Kommen wir von der Gegenwartskritik zur Vergangenheitsbewältigung: Die Liebknecht-Luxemburg-Demo ist das jährliche Historienspektakel für die politische Linke. Der Anlass ist ernst, die Anmutung der Demo zum 101. Todestag der beiden Kommunistenführer eher museal. Am Sonntag gedachten Hunderte der beiden. Oder Tausende? Oder sogar Zehntausende? Ja, wie viele waren es nun? Schauen wir mal, was die Kollegen schreiben:
Die Berliner Zeitung errechnet „Zehntausende”, die der Kommunisten gedachten, und befindet: „Die Leute sind diesmal wirklich gut gelaunt.” Gut zu wissen. Der rbb zählt rund 3000 Menschen in der Demo. Die taz, nicht dafür bekannt, linke Demos kleinzurechnen, schreibt von 4000 Menschen, die vorbei an den Stalinbauten der Frankfurter Allee gen Zentralfriedhof Friedrichsfelde ziehen. Statt bester Stimmung attestiert die Zeitung der Demo ein besonderes Zeitgefühl: „Pünktlich wie sonst nirgends in der Linken“, habe sich der Zug in Bewegung gesetzt. Chapeau! Noch früher dran war nur die Deutsche Presseagentur: Die war schon morgens auf dem Friedhof und berichtete von 600 Menschen, die am Grab von Luxemburg und Liebknecht rote Nelken ablegten. Die fehlende Masse wurde am Morgen durch Prominenz wettgemacht: die Bundesspitze der Linkspartei war genauso gekommen wie Berlins linker Kultursenator Klaus Lederer.
Im Demozug selbst fand bekannte Gesichter eher, wer sich in der Vergangenheit mit Gewalt und Antisemitismus in der Berliner Linken beschäftigt hatte. Mittendrin lief ein schwarzgekleideter Block durchtrainierter linker Hooligans, mit dabei: Mitglieder des – mittlerweile angeblich aufgelösten – Jugendwiderstandes. Jene maoistische Schlägercrew aus Neukölln, die mit Attacken auf andere Linke und einem gerüttelt Maß Antisemitismus auffiel. Zu stören schien das kaum jemanden. Ein jeder Genosse zählt, solange sich noch jemand findet, der von „Zehntausenden” schreibt. Klassenkampf ist auch: Massenkampf.