Die Lockdown-Maßnahmen im Überblick
Der November war ja schon immer das Vorletzte des Jahres. In diesem Jahr verlangt er vielen nun die letzte Kraft ab. Bundesregierung und Ministerpräsidenten haben am Mittwochabend folgende Regeln für den nächsten entscheidenden Pandemie-Monat einmütig beschlossen:
- Das Wichtigste: Kitas und Schulen bleiben offen. Das Digital- und Hygienekonzept in Berlins Klassenräumen könnte allerdings noch ausgebaut werden: Bisher besteht es aus Stoß- und Querlüften.
- Das derzeit Unwichtigste: Die Fußball-Bundesliga spielt ohne Zuschauer. Hertha beschließt die am Sonntag endende Saisonphase ohne singende Fans, womöglich noch mit 500 Besuchern im weiten, stillen Olympiastadion-Rund. Aber Profifußball in diesen Zeiten wirkt sowieso unrund; vielleicht nicht ansteckend, aber aneckend.
- Alle Menschen sollen ihre Kontakte zu anderen Menschen außerhalb des eigenen Hausstandes auf ein „absolut nötiges Minimum“ reduzieren. Öffentlich darf man nur noch mit einem weiteren Hausstand unterwegs sein (mit insgesamt höchstens zehn Personen). Größere Feiern und Empfänge sind auch zu Hause untersagt. Viele Menschen fallen auf sich selbst zurück. Und dürfen sich nicht fallen gelassen fühlen.
- Corona-Schnelltests für Altenheime, Pflegeheime, Behinderteneinrichtungen und Krankenhäuser sollen ab jetzt ausreichend zur Verfügung stehen. Die Kosten für Betroffene und auch Besucher werden von den Krankenkassen übernommen.
- Die gesamte Kultur darf im November im ganzen Land nicht aufspielen, höchstens digital. Gleiches gilt für den Freizeit- und Breitensport; bloß Dehnen und Strecken im Park bleiben erlaubt. Private Reisen auf allen Strecken des Landes sind untersagt. Gottesdienste dürfen weiter stattfinden – warum, weiß der Himmel.
- Restaurants, Bars, Fitnessstudios, Schwimmbäder, Messen, Bordelle müssen schließen. Sie können aber, wie andere leidende Unternehmen und auch Solo-Selbstständige, eine Staatshilfe von bis zu 75 Prozent des Umsatzes vom November 2019 beantragen. Details dazu sollen heute bekannt gegeben werden. Ein Trost ohne Prost.
- Betriebe sollen weiter produzieren, Busse und Bahnen weiterhin fahren. Allerdings unter dem Beförderungsvorbehalt von Mittes Bezirkssprecher Stefan Kuschel, der gestern twitterte: „Für den Moment würde mir eine nationale Kraftanstrengung zur Durchsetzung der Maskenpflicht in der U1 reichen.“
- Auch Geschäfte und Friseure bleiben geöffnet – natürlich nur für Kundinnen und Kunden mit Maske. Immerhin erlebt Deutschland keinen zweiten Locke-down.
- Zum Schluss noch die wichtigste Selbsterkenntnis von Bundeskanzlerin Angela Merkel: „Wir sind auf die Bereitschaft der Bürgerinnen und Bürger angewiesen.“ Woraus die Regierung hoffentlich lernt: Alle Einschränkungen müssen uneingeschränkt besser erklärt und kommuniziert werden.
- Ganz und gar nicht unwichtige Zusatzvereinbarung: Bundestag und Bundesrat sollen die Maßnahmen endlich umfassend beraten und eine „akute nationale Gesundheitsnotlage“ beschließen. Möglichst noch diese Woche.
Und nun? Müssen sich alle nur noch dran halten. Also wir uns.