So läuft das Krisenmanagement jetzt am BER
Ein solches Durcheinander wie am Wochenende werde nicht wieder vorkommen, verspricht ein Flughafensprecher. Grundsätzliche Kritik am Bau weist er zurück. Von Anke Myrrhe
Schonungslose Analyse kündigte auch Flughafensprecher Hannes Hönemann gestern Abend an, nachdem der BER mal wieder international in die Schlagzeilen geraten war (und das ist meist kein gutes Zeichen). „Wir gehen davon aus, dass alle die Zeichen der Zeit erkannt haben“, sagte Hönemann dem Checkpoint. „Das wird so nicht mehr vorkommen.“
Was vorgekommen ist: Stundenlanges Warten, volle Abflughalle mit Superspreading-Ambiente, Chaos an Check-In und Sicherheitskontrollen, verpasste Flüge, schlechte Laune. Und am Abend noch mal das Gleiche für Ankömmlinge: „Am Samstagabend, 23.10 Uhr, kamen wir mit einer EasyJet-Maschine aus Korfu an“, schreibt uns eine Leserin. Freundliche Ansage des Flugkapitäns, verzweifelte Suche nach Team, Teppen & Bussen, die das Aussteigen ermöglichen sollten. Ausstieg 35 Minuten nach Ankunft, doch der Zeitdruck war übereilt: „Die Halle, in die wir kamen, hatte etwas die Atmosphäre eines Wartesaals, Menschen, die sich in Schlafposition auf dem Fußboden ausgestreckt hatten, Familien mit Kindern, Kleingepäck um sich herum und so weiter ...“ Es ging das Gerücht um, dass einige Passagiere schon zwei Stunden auf ihr Gepäck warteten. „Eine einzige Ansage: Die Gepäckausgabe verzögere sich.“ Noch ein Gerücht: Es gebe lediglich zwei Menschen, die etwa fünf Großflugzeuge auszuladen hätten. „Um 1.56 Uhr große Überraschung: Das Korfu-Gepäckband rollte an.“ Ruckelnd, wie ein BER-Start in die Herbstferien.
Flughafen-Sprecher Hannes Hönemann bestätigt diese Schilderung im Wesentlichen und spricht von „extremen Schwierigkeiten“. Also: Was ist passiert? Eine Mischung, sagt Hönemann, aus Personalmangel, Kurzarbeit, Mehraufwand durch Corona-Regeln. „Die Prozesse dauern deutlich länger.“ Laut Verdi haben zudem vier von zehn Beschäftigten in der Pandemie die Branche gewechselt. Als Reaktion würden nun nicht nur Bodendienstleister und Airlines noch mal nachsteuern, sondern auch der Flughafen selbst, sagt Hönemann: „So wie wir es 2019 in Tegel gemacht haben.“ Prozesse unterstützen, eigene Leute einsetzen, Mitarbeiter aus der Kurzarbeit holen, mehr Puffer einplanen. „Wir haben alle gemeinsam ein Interesse daran, dass das nicht noch einmal passiert.“
Doch über all dem steht die Frage: Kommen jetzt, bei der ersten Belastungsprobe seit der Eröffnung (67.000 Passagiere am Samstag), nicht die ohnehin bekannten Probleme zutage? Ist dieser Flughafen zu klein für diese Stadt? „Nein“, sagt Hönemann und hat noch eine überraschende Erkenntnis dabei: Eigentlich sei das, was man immer kritisiert habe – zu viele Schalter, zu wenige Self-Check-In-Bereiche – in der Pandemie ein Glücksfall. „Man könnte sogar sagen: Dieser Flughafen ist auf eine solche Situation vorbereitet wie kein anderer“, sagt Hönemann. Nun gut: Warten wir auf die nächste Ankunft. Denn die, die weggekommen sind, kommen ganz bestimmt wieder (es sei denn, sie suchen sich eine Stadt mit einem funktionierenden Flughafen).
Apropos andere Stadt: Laut Morgenpost sollen Passagiere nun 240 Minuten vor Abflug zum Flughafen kommen. Zitiert wird eine Mail der Lufthansa an die Passagiere der Verbindung Berlin–Frankfurt/Main. Moment mal: 240 Minuten? Das sind, ohne Anreise und Flugzeit, vier Stunden glatt. Mit dem Zug (Sprinter) ist man in 3:52 Stunden vom Hauptbahnhof in Frankfurt. Vielleicht steckt hinter all dem auch ein großer, genialer Plan. (Weitere geniale Lösungsansätze hat Naomi Fearn im Comic, für Abonnenten.)