Wie Lehrer ihre Schüler im Corona-Halbjahr bewerten
Einige Lehrer vergeben Einsen wie Gummipunkte, andere nehmen keine Rücksicht auf die Mehrbelastung für Schüler – und manche setzen sogar noch eins drauf. Von Lorenz Maroldt
Zum Schuljahrsende haben so manche Lehrer gerade mal wieder ihr eigenes Unfähigkeitszeugnis unterschrieben – die Beweisstücke liegen dem Checkpoint vor. Hier ein paar Beispiele:
In der 8. Klasse attestiert die Lehrerin einem Schüler:
„Versäumte Tage: 1“
„Davon unentschuldigt: 6“
Moment, wir rechnen schnell durch… und stellen fest: Muss sich um eine Art Baumschule handeln (Brett vorm Kopp) – da hätte sicher der Grundkurs „Mathe mit dem Checkpoint“ geholfen. Immerhin: In der 9. Klasse hat der Schüler noch 5 unentschuldigte Fehltage gut (wenn wir uns nicht verrechnet haben).
Ebenfalls ein Renner in dieser Zeugnissaison: Noten für schriftliche Arbeiten, ohne eine einzige schriftliche Arbeit geschrieben zu haben;Noten für Sport, ohne die Sporthalle ein einziges Mal von innen gesehen zu haben; Noten wie Gummipunkte. Da wurde wohl einfach mal am Glücksrad gedreht. Wir lernen: Auch Lehrer haben eben manchmal ein großes Herz – der Generation Corona sei es gegönnt.
Und trotz Schulschließungen, Home-Learning und Notunterricht fühlten sich einige Lehrerinn und Lehrer aber doch zu vernichtenden Bewertungen des Sozialverhaltens ermächtigt. Hier ein besonders krasses Beispiel (Gymnasium, 9. Klasse):
„Lern- und Leistungsbereitschaft: gering ausgeprägt“
„Zuverlässigkeit: gering ausgeprägt“
„Selbständigkeit (sic!): gering ausgeprägt“
„Verantwortungsbereitschaft: gering ausgeprägt“
„Teamfähigkeit: gering ausgeprägt“
„Gering ausgeprägt“ ist auf der Skala die schlimmstmögliche Bewertung – also Höchststrafe. Nur in puncto „kultivierte Umgangsformen“ gab’s ein gönnerhaftes „teilweise ausgeprägt“ (zweitschlimmste Bewertung). Wer so etwas als Ergebnis auch der eigenen pädagogischen Arbeit präsentiert, sollte über einen Jobwechsel nachdenken (Lehrfähigkeit: „gering ausgeprägt“).
Die Sozialarbeiterin des Gymnasiums bescheinigt demselben Schüler übrigens zugleich „ein zuvorkommender und emphatischer junger Mann“ zu sein. Und die Schulleitung wünscht zum Abschied „alles erdenklich Gute“. Da schließen wir uns gerne an.